Fraenkel, Daniel / Bender, Sara / Borut, Jakob (Hgg.)

Deutsche und Österreicher

Deutsche und Österreicher
  • Verlag: Wallstein Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2001-05-31
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 378
  • ISBN: 3892449007
  • EAN: 9783892449003
  • Amazon.de Verkaufsrang: 504.245
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Beschreibung von buecher.de

Nicht nur bekannte Persönlichkeiten wie die Industriellen Oskar Schindler und Berthold Beitz, oder der Schriftsteller Armin T. Wegner, sondern mehrheitlich unbekannt gebliebene Frauen und Männer gehören zu der kleinen Gruppe der »Gerechten unter den Völkern«, die ihr Leben im »Dritten Reich« riskierten, um Juden zu retten. Ein Gesetz von 1953 schrieb die Errichtung von Yad Vashem als Gedenkstätte der Helden und Märtyrer des Holocaust fest. Hier werden nach einem komplexen Anerkennungsprozeß auch »die [nichtjüdischen] Gerechten unter den Völkern, die ihr Leben wagten, um Juden zu retten« geehrt - bis Januar 2004 ca. 20.000 Personen. In diesem Band sind in kurzen Einträgen ihre Geschichten dokumentiert. Sie legen Zeugnis ab von persönlicher Courage, von Ethik, von der Bewahrung menschlicher Werte. »Wer ein Leben zerstört, zerstört eine ganze Welt, und wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.« (Mischna Traktat Sanhedrin, 4,5)

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von unique fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Vorschlagsliste: Deutsche Vorbilder

Chassid Umot ha-Olam - Gerechte unter den Völkern. So nannten Juden ursprünglich Menschen, die zwar selber keine Juden waren, sich aber wenigstens an die noachidischen Gebote, einer Art ethischen Mindeststandart, hielten. Seit der Shoa, dem nationalsozialistischen Völkermord an fast zwei Dritteln der jüdischen oder jüdischstämmigen Bevölkerung Europas, ist Gerechter unter den Völkern ein Ehrentitel, der Nichtjuden, die unter Gefahr für ihr eigenes Leben Juden vor dem Holocaust gerettet haben, verliehen werden kann. Zuständig für die Auswahl der Personen ist seit 1963 eine Kommission unter Führung des höchsten israelischen Gerichts. Verliehen wird der Titel von der nationalen israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Die Liste der deutschen Gerechten ist beschämend kurz. Zur Zeit tragen lediglich 427 Deutsche diese Ehrenbezeichnung - gegenüber zum Beispiel fast 6000 Polen, der zahlenmäßig größten Gruppe unter den insgesamt knapp über 20000 Personen. Das vorliegende Lexikon führt in alphabetischer Reihenfolge die 410 deutschen und 86 österreichischen Träger (Stand 2005) dieses für besonderen Mut und tätiger Nächstenliebe stehenden Attributes auf und erzählt ihre Geschichten, die der Rettung ihnen bis dahin oft völlig unbekannter jüdischen Mitbürger oder aus ihrer Heimat Verschleppten und - soweit eruierbar - deren eigenes Schicksal. Zu dem Personenkreis gehören die Namen Prominenter wie Hans von Dohnanyi, Martin Niemöller oder das Ehepaar Schindler. In der Mehrzahl sind es jedoch weniger bekannte Menschen, die ein einmal mehr, ein mal weniger zu kalkulierendes Risiko - immer aber das ihres eigenen Lebens! - auf sich nahmen, um Menschen jüdischen Glaubens vor dem Holocaust zu retten. 496 Beispiele für Zivilcourage, bei denen sich die meisten Leser fragen dürften: "Wie hätte ich gehandelt? Hätte ich den Mut gehabt?"

Wer Vorbilder sucht und keine Prominenten wie Mutter Theresa oder den Dalai Lama bemühen möchte, wird hier sicher fündig.

Diese Rezension von Helga König fanden 17 von 23 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Gerechte im Willkürstaat!

Die Herausgeber des vorliegenden Buches dokumentieren sehr einfühlsam Mitmenschlichkeit, speziell von einigen wenigen Österreichern und Deutschen gegenüber ihren jüdischen Mitbürgern während der NS-Zeit und in diesem Zusammenhang wohl auch die persönliche Zivilcourage hinsichtlich des damaligen Terrorregimes.

Politisch-ideologisch motiviert war das Engagement der beschriebenen Akteure selten. Fast immer handelte es sich um einen Akt der Nächstenliebe. Statistisch gesehen waren es in Deutschland mehr Frauen als Männer, die sich schützend vor Juden stellten. Nicht selten nahmen diese Menschen dabei lebensgefährliche Situationen in Kauf. Der jüdische Staat ehrt Menschen vieler Nationen, welche Juden in der damaligen Zeit vor Folter und Tod gerettet haben in Yad Vashem in Jerusalem, indem er sie in die " Gerechten unter den Völkern " einreiht. Bis 1. Januar 2005 haben 20.757 Personen den Titel eines " Gerechten " erhalten, unter ihnen 410 Deutsche und 86 Östereicher. Diese verschwindend kleine Minderheit, mit der sich dieses Buch befasst, hat während der NS-Zeit Juden versteckt, ihnen Nahrung und Geld ohne Gegenleistung bereit gestellt, Kontakt zu anderen Helfern aufgenommen, Juden aus den Lagern geschmuggelt oder sich um medizinische Hilfe bemüht, wie aus den Kurzbiographien der genannten Unverzagten hervorgeht.Es wäre nicht richtig Einzelne und deren gute Taten an dieser Stelle hervorzuheben, denn jede, der hier beschriebenen Personen beeindruckt durch ihre individuelle, mitmenschliche Handlungsweise. Dieses Buch berührt, macht wütend, macht traurig, beruhigt, gibt Hoffnung! Solange es Menschen gibt, die die Unversehrtheit des Gegenübers als höchstes Gut ansehen und sich hierfür uneigennützig, vielleicht sogar unter Einsatz ihres eigenen Lebens einsetzen, wird es Zukunft geben, für alle, ganz gleich, welche Farbe, Religion oder Gesinnung ihnen eigen ist!

Dieses Buch ist ein besonderes, ein wichtiges Dokument, mit dem sich jeder, der lesen kann, befassen sollte!

Diese Rezension von A. Gerstl fanden 7 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Erschütternde Zeugnisse von Mitmenschlichkeit in der Zeit der Unmenschlichkeit

Irene Harand, geb. 1901 in Wien, war als aufrechte Politikerin - sie war stellvertretende Vorsitzende der Christlich-Sozialen Partei - und Schriftstellerin überzeugte Gegnerin des Nationalsozialismus. Publizistisch wie auf europaweiten Vortragsreisen trat sie der Nazi-Propaganda entschlossen entgegen. Da sie sich zur Zeit des Anschlusses in London befand, entschied sie sich, statt zurückzukehren nach Amerika auszuwandern. Dank ihrer Kontakte gelang es ihr, für über 100 österreichische Juden Visa für die USA ausstellen zu lassen. Natürlich war sie auch weiterhin eine laute und eindeutige Stimme gegen den Nationalsozialismus. - 1968 verlieh die Gedenkstätte Yad Vashem Irene Harand die Auszeichnung "Gerechte unter den Völkern".

Hilde Olsinger, 1898 in Wien geboren, wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von der Polizei zur Post versetzt, da sie als politisch unzuverlässig galt. Als einem jüdischen Ehepaar, mit dem sie ihr ebenfalls anti-nationalsozialistischer Pfarrer bekannt gemacht hatte, die Deportation drohte, entschloss sich Olsinger, die beiden in ihrer kleinen Wohnung zu verstecken. Bis zum Kriegsende teilte sie mit den beiden ihrer bescheidenen Essensrationen. Sie selbst brachte sich damit in allergrößte Gefahr, noch dazu weil sie zwei kleine Kinder hatte, die dieses Geheimnis jederzeit ihren Freunden verraten hätten können. - 1997 verlieh die Gedenkstätte Yad Vashem Hilde Olsinger die Auszeichnung "Gerechte unter den Völkern".

Anna Müller, eine an den Rollstuhl gefesselte Gärtnerei-Besitzerin, und ihr Sohn Konstantin, ein gesundheitlich ebenfalls angeschlagener Postbeamter nutzten ihre Kontakte zu den Behörden und ihr Haus, um Wiener Juden zu helfen. Sie unterstützten sie bei ihrer Flucht, brachten sie in ihrem Haus unter oder verhinderten dank persönlicher Beziehungen eine Verlegung aus dem Wiener Gefängnis in ein KZ. - 1974 verlieh die Gedenkstätte Yad Vashem Anna und Konstantin Müller die Auszeichnung "Gerechte unter den Völkern".

Diese drei Beispiele für Hilfsbereitschaft während des Nationalsozialismus, die im Falle der Entdeckung leicht mit der Deportation in ein KZ oder der Todesstrafe enden hätten können, sind, wie "Das Lexikon der Gerechten unter den Völkern: Deutsche und Österreicher" aufzeigt, zum Glück keine Einzelfälle. Doch leider stellten sie auch die Ausnahme dar. Um so wichtiger ist das Projekt der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, jene Menschen auszuzeichnen, die aktiv einen Beitrag geleistet haben, den jüdischen Verfolgten direkt oder indirekt beizustehen.

Das vorliegende Lexikon ist somit mehr als eine Sammlung von Biografien - es ist ein erschütterndes Zeugnis der Mitmenschlichkeit in Zeiten der Unmenschlichkeit. Das einzige Manko ist, dass das weitere Schicksal der Gerechten nach dem Krieg zumeist ausgeblendet wird.

Diese Rezension von Carl-heinrich Bock fanden 5 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein beeindruckendes Dokument mitmenschlicher Handlungsweise

Man kann dieses Buch aufschlagen wo man will, es fesselt weil jede Seite so spannend und herzzerreißend ist, weil jede Seite einen Roman für sich erzählt oder auch mehrere.Es ist wahrlich kein trockenes Lexikon, es berichtet von den Deutschen und Österreichern, die während der NS-Zeit Mut und Courage aufgebracht haben um den, während des größten Zivilisationsbruchs in unserer Geschichte, verfolgten jüdischen Mitbürger zu helfen. Unter den Augen der meisten Deutschen wurden die jüdischen Mitbürger aus ihren Wohnungen vertrieben, in Güterwagen verladen und in die Konzentrationslager verbracht. Da gab es unter der Zivilbevölkerung nur wenige Menschen die diesen Verfolgten mit Nahrung, Unterschlupf, Kleidung, ärztlicher Hilfe Geld oder Fluchthilfe halfen. Diese „Gerechten", zu denen auch Oskar Schindler zählte, kamen aus allen Schichten. Es waren Pastoren, Bauern, Anwälte, Ärzte, Arbeiter, Anwälte etc. Und wen wundert es, die meisten waren Frauen.Seit 60 Jahren wird der Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern" in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem vergeben. Der Titel wurde bisher an 21 000 Menschen vergeben, davon waren 410 Deutsche und 86 Österreicher.Es ist ein Buch das traurig ist, nachdenklich macht aber auch Hoffnung macht. Denn solange es Menschen gibt die sich uneigennützig für ihre Mitmenschen einsetzen, so lange wird es Leben und Zukunft geben. Nach dem Motto:" Wer ein Leben zerstört, zerstört die ganze Welt, und wer ein Leben rettet, der rettet die ganze Welt".

Deutsche und Österreicher



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