Aznavour, Charles

Der einzige Zufall in meinem Leben bin ich

Der einzige Zufall in meinem Leben bin ich
  • Verlag: Militzke
  • Erscheinungsdatum: 2005-03-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 320
  • ISBN: 3861897318
  • EAN: 9783861897316
  • Amazon.de Verkaufsrang: 489.871
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Beschreibung von buecher.de

Die einzige aktuelle deutschsprachige Autobiografie der letzten lebenden Legende des französischen Chansons.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Wolfgang Müller fanden 9 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Erfolg ist Ehrensache

Mit 80 kann man alles gemütlich betrachten. Das es aber so gemütlich nicht war, davon soll der Leser nicht viel merken. Die alte Biografie anno 71, die ich unbedingt empfehle, hilft mir da, zwischen den Zeilen zu lesen.So plaudert er über seine Eltern, die dem armenischen Völkermord entkamen und im Pariser Quartier Latin ein Restaurant eröffneten, den Vater, einem ehem. Sänger, der kochte, die Mutter, einer ehem. Schauspielerin, die schneiderte, und seine fürsorgliche Schwester Aida, die Arbeit, die Entbehrungen einer doch sehr harmonischen Arbeits- und Überlebensgemeinschaft. Die deutschen Ungeheuer, die auch Frankreich germanisieren wollten, die Leute aus der Widerstandsgruppe, die sie versteckten.Er berichtet über das Künstlermillieu, die Begeisterung, die Theaterschule, der erste Tournee durch die Provence, die Leidenschaft fürs Kino, für die Musik, die Auftritte in Cabarets, dem Talente-Club, in dem er seinen Duettpartner Pierre Roche kennenlernt, erste Textversuche und Preise, die Piaf mit ihren Eigenarten, die das Duo entdeckt und mit ihnen auf Tournee ging, die Zusammenarbeit mit Becaud, Erfolgserlebnisse in Montreal und NY (die Pariser Szene war in den 50ern total angesagt), den Verlag Breton, dem er Chansons lieferte, Engagements in namhaften Lokalen und Varietebühnen, Erfolgstouren mit Freunden durch Nord-Afrika, was auch in Paris (M. Rouge, Olympia) Türen öffnen wird, und schließlich über den Durchbruch im Alhambra 1957. Danach über das relativ leichte Spiel in der Filmbranche, die Welttournee (vom Singen bis der Arzt kommt), seinen guten Manager, den stürmischen Empfang in Paris nach der Steuer-Misere, und den Hilfs-Einsatz für Armenien.Er erzählt über seine Micheline, seine Evelyne, die ihm den Seelenfrieden raubten, Beziehungen, Begleiterinnen, Affairen (u.a Liza Minelli), seinen Adoptivsohn, seinem Dorf bei Versailles, (in dem er eine Schlossruine umbaute und seinen Eltern ein Haus kauft), den eitlen Rausch des Ruhms (Rolls, Pferde, Angestellte), den Verlust der Eltern (die er so geliebt hat), Jean Cocteau, der ihn erst spät auf den Geschmack guter Weltliteratur brachte und schließlich über seine Ulla, mit der er nun 40 Jahre verheiratet ist, umgeben von einem großen Familienclan.Er lernte die ganze Welt kennen, was ihn sehr bereicherte, auch fast alle Stars, die ihn beeinflußt haben, aber er blieb doch unersättlich. Es gäbe noch viel zu viel zu tun, doch das Leben ist zu kurz, schreibt er wehmütig. Er sieht sich als Staatenloser und wäre gern verwurzelt in einem Dorf mit vielen guten Freunden. Was berührt uns denn wirklich?, schreibt er am Schluss. Seine guten Freunde von früher hinterlassen schmerzliche Lücken. Hätte er nur mehr Freundschaften pflegen können. Wäre er nur achtsamer mit der Zeit umgegangen.Da bleibt vieles ungesagt, aber was er offenbart, ist verflixt ehrlich. "Ich habe an diesem Buch gezweifelt", sagte er in einem Interview. Ein Verlag überredete ihn jedoch dazu, weil ein Sich-Durchkämpfen bist zum Duchbruch immer gut ankommt.Ein eingeschüchtertes Emigrantenkind wird zum Jahrhundertstar. Wie funktioniert das eigentlich? Diese faszinierende Frage beantworte ich mir nun so: Mehrere Kulturen in sich zu vereinen und somit keine wirkliche innere Heimat zu haben, darin vermute ich das Geheimnis seiner Kreativität und Unermüdlichkeit.Das andere ist folgendes: Aznavour mußte sich seine Anerkennung in Frankreich napoleonisch erobern, um nicht zu sagen bitter erkämpfen. Früh lernte er, zu überleben mit seiner Familie, dann musste es es moralisch schaffen. Nach der Trennung von der Piaf (zu dem ihm M. Chevalier rät,) versucht ihn die Presse kaltzustellen, um nicht zu sagen, hinzurichten. 15 Jahre lang kämpft er wie David gegen Goliath gegen destruktive Kritiker und die Machtspielchen der Veranstalter. Als er jedoch langsam aber sicher das Publikum für sich einnahm, strafte er seine Verleugner ab, denn sie mußten sich eines besseren belehren lassen bis zum heutigen Tag. Denn er bewies ein sicheres Gespür und den längeren Atem. Und schuf mit einer gewaltigen Portion Entschlossenheit und Fleiß (sprich: Besessenheit) etwas Beständiges. Nämlich über 700 wunderbare und dramatische Chansons (und unvergessene Filmszenen) für uns, die Fans. Und die junge Generation? Die kennt heute seine Klassiker auswendig.Man klappt das Buch zu, schaut auf den Umschlag und denkt: Tja, wer zuletzt lacht, lacht immer noch am besten.

Diese Rezension von K Fromwald fanden 2 von 6 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Ein Goastwriter wäre empfehlenswert gewesen

Der Sänger und Schauspieler schreibt schon in seinem Vorwort, dass er bereits mit Hilfe eines Autors eine Biographie veröffentlich hat. Die habe ich leider nicht gelesen, aber vielleicht ist die besser als seine.

Er springt manchmal in den Zeiten, Erlebnisse, die interessiert wären, werden nur oberflächlich behandelt, Persönlichkeiten, wie Edith Piaf am Rande erwähnt, aber dafür gibt es eine Menge poetischer Einschübe, die in einer Biographie eigentlich nichts verloren haben. Nun ja, vielleicht für große Fans!

Der einzige Zufall in meinem Leben bin ich



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