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Ein scheinbar harmloser Museumsbesuch verändert das Leben eines angesehenen Arztes. Vor einem berühmten Bild kommt ihm ein unheilvoller Gedanke: Stand seine eigene Ehefrau Modell für Aktfotos?
Ein turbulenter Roman über die Kraft der Phantasie und derEifersucht.
„Angefangen hat alles am Montag oder Dienstag vergangener Woche.“ Der Exilchilene Patricio steht in einem Pariser Museum mit seiner Frau Silvia vor Courbets berühmtem Akt-Gemälde, das dem Buch den Titel gab. Nach dem Selbstmord seines Freundes Felipe findet er in dessen Wohnung detailreiche Aktfotos und ein Passbild seiner Frau; hatte Silvia eine Affäre? Nagende Eifersucht läßt den alten Mann nicht mehr ruhen. Das ist ein Buch, wie man es unter vielen nur ganz selten findet, einzigartig und brillant. Es ist stilistisch perfekt, inhaltlich überzeugend. Eine Geschichte voller Ausstrahlung, die einfach rührend ist. Jahrzehnte sind sie miteinander verheiratet, und doch werfen Eifersucht und „unwiderstehliches Verlangen“ nach Beweisen Patricios Leben völlig aus der Bahn. Die Suche nach Hinweisen auf Silvias Untreue führt ihn zu Freunden, alle aus dem Kreis lateinamerikanischer Exilanten, ja, sie wird zu einer ‚krankhaften Obsession‘. „Riesenidiot!“, „Haben sie dir ins Gehirn geschissen?“, „Verblödeter alter Sack!“, die Kommentare seiner Weggefährten. Verzweiflung und Verlustängste lassen ihn überall „Gespenster sehen“, immer wieder vergleicht er die Bilder: „„ ..die Schenkel, die guatita, das Fötzchen...sehen deinen verdammt ähnlich.“ Jorge Edwards hat ein großes Gespür für tiefe Gefühle, er klagt nicht an, verurteilt nicht, zieht niemanden ins Lächerliche. Voller Wärme, aber manchmal auch herrlichem Witz zeichnet er einen älteren Mann mit seiner wesentlich jüngeren Frau. Menschliche Schwächen werden zu liebenswerten Accessoires eines langen Lebens. Und immer ist es da: das ehrliche Verständnis für die ‚Dinge des Lebens‘. Die Erzählperspektiven wechseln, Patricio ist zunächst der dominante Ich-Erzähler. Als Gefühle und seine irrwitzigen Nachforschungen auszuufern drohen, übernimmt ein neutraler Erzähler die Regie. Erst am Schluß, als Patricio „voll wie eine Haubitze“ auch das Gespräch mit seiner Frau sucht, ist es Silvia, die aus ihrer Sicht erzählt. Ein großartiger und weiser Roman, geschrieben von einem Mann, der schon viele wichtige Literaturpreise eingeheimst hat, der bestens unterhält und auf bezauberndem Niveau zum Philosophieren über das Leben einlädt. „Wer weiß schon, was Liebe ist, was ein Paar und was ein ungleiches Paar ist.“ --Barbara Wegmann
Über die Liebe, die Freundschaft und die UntreueJorge Edwards ist eine der bekanntesten Autoren Chiles. Der Bewegung von Salvador Allende verbunden, war er chilenischer Botschafter unter anderem in Paris und lebte nach dem Putsch 1973 fünf Jahre im Exil in Spanien.
Das Milieu von lateinamerikanischen Intellektuellen im Pariser Exil, in dem er seinen kurzen Roman „Der Ursprung der Welt" spielen lässt, kennt er also aus nächster Nähe.Patricio und seine Frau Silvia stehen im Pariser Musee d`Orsay vor einem Bild, das eine nackte Frau zeigt. Von diesem Augenblick an ist Patricio davon überzeugt, daß ihr gemeinsamer Freund Felipe, ein Aktfotograf und Schürzenjäger aus Passion, eine Affäre mit seiner Frau hat. Dieser Verdacht wird ihm zur Obsession, und als Felipe einige Tage darauf stirbt, durchsucht er dessen Nachlaß. Er findet eine Fotografie, die seiner Frau in jungen Jahren gleicht, und nervt in den Tagen darauf eine Menge Freunde und Bekannte mit der ihn quälenden Frage, ob sie irgendetwas wissen über eine solche außereheliche Beziehung Silvias.Silvia, von ihm nach Tagen mit seinem Verdacht konfrontiert, spielt sein Spiel mit und treibt den mittlerweile Siebzigjährigen mit ihren Erzählungen über den angeblich Sex mit Felipe zu sexuellen Höhepunkten, von denen sie beide nicht zu träumen gewagt hätten.Ein Buch auf hohem sprachlichen Niveau, mit viel politischer Hintergrundatmosphäre von enttäuschten Sozialisten, das sich gut liest und einen immer wieder zum Schmunzeln bringt.
Eine kurze, leidenschaftliche GeschichteWenn man den Umschlag vom Buch nimmt, merkt man, dass er das Dessous für ein Gemälde von Courbet abgibt. Darauf sieht man eine nackte Frau, die auf dem Rücken liegt. Der Blick geht auf ihren Intimbereich. Das Buch heißt: L'origine du monde - der Ursprung der Welt.Die vorliegende Erzählung spielt in Paris, und das Gemälde (beziehungsweise eine Photographie nach ihrem Muster) steht in ihrem Mittelpunkt. Patricio Illanes, Exil-Chilene, pensionierter Allgemeinarzt und desillusionierter Kommunist, lebt seit über drei Jahrzehnten mit seiner jüngeren Frau, Silvia, in einer nach außen hin perfekten Ehe. Diese wird bis zu einem gewissen Grad vom Lebemann Felipe Diaz zusammengehalten, der Illanes als bester Freund zur Seite steht. Nach dem Tod von Diaz erwacht in Illanes ein Verdacht, dass seine Frau und sein Freund eine Affäre gehabt haben könnten, und er taucht in einen Strudel an Eifersucht und Selbstzweifel ein.Das 160 Seiten dicke Buch liest sich fast von selbst. Es ist spannend, erheiternd, lehrreich und von tiefer emotionaler Kraft. Beste lateinamerikanische Erzähltradition.
Harmlose EifersuchtSilvia und Patricio, ein langjähriges Ehepaar - Exilchilenen in Paris, Er gute dreißig Jahre älter als Sie - sehen im Musée d'Orsay das Gemälde "Der Ursprung der Welt" von Courbet, auf dem ein gesichtsloser Frauentorso mit geöffneten Schenkeln zu sehen ist.
Die eher scherzhafte Bemerkung Patricios, das Bild sähe seiner Frau ähnlich, führt bei dieser zu einer unerwartet heftigen Reaktion: sofort setzt sich das Gift der Eifersucht in dem Mann fest. Hat seine Frau in betrogen? Ist es möglich, dass tatsächlich sie es ist, die auf diesem Gemälde abgebildet ist?
Der Verdacht fällt auf seinen ältesten Freund Felipe, einen manischen Frauenhelden mit der Angewohnheit, Aktfotos seiner ungezählten Geliebten zu erstellen. Als Felipe kurz darauf Selbstmord begeht, lässt der bittere Verdacht den Mann nicht mehr ruhen; er stellt Nachforschungen an, findet verdächtige Fotos, nimmt Kontakt zu früheren Freunden auf, von denen er sich vor Jahren im Streit getrennt hat, fragt und forscht. Am Ende steht eine (zweifelhafte) Gewissheit...
Jorge Edwards Roman hinterlässt bei mir ein sehr ambivalentes Gefühl: er ist zweifellos handwerklich ordentlich gemacht (auch wenn ich einen Perspektivwechsel nicht verstehe) und ansatzweise spannend. Allerdings erscheint mir die Seelenqual des Protagonisten angesichts des dürftigen Verdachts doch sehr von Altherrenängsten und dem südamerikanischen Machismo geprägt zu sein. Bei allem fehlt das gewisse Etwas, das einen zum Weiterlesen zwingt, die Tiefe, die dafür sorgt, dass eine Geschichte in Erinnerung bleibt.
Ein routiniertes kleines Buch, das man lesen kann, aber nicht lesen muss. Knappe drei Sterne, weil man hier nicht zweieinhalb vergeben kann (und zwei wären wirklich ungerecht).
Aber überlegen Sie sich, ob sie die hier besprochene Hardcover-Ausgabe (ohne Schutzumschlag) im Bus oder der U-Bahn lesen; da das titelgebende Gemälde auf der Vorderseite abgebildet ist, wird Ihnen dies zumindest einige abschätzige Blicke oder entsprechende Bemerkungen der Mitreisenden eintragen und da gibt es meiner Meinung nach deutlich lohnendere Bücher oder Bildbände für die man sich die entsprechenden Kommentare gerne einhandelt.
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Brockhaus-1809: Die Sieben Wunder der Welt
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Goetzinger-1885: Schöpfung der Welt
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Pagel-1901: Milne-Edwards, Alphonse
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