Fengler, Susanne; Ruß-Mohl, Stephan

Der Journalist als 'Homo oeconomicus'

Der Journalist als 'Homo oeconomicus'
  • Verlag: Uvk
  • Erscheinungsdatum: 2005-02-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 223
  • ISBN: 3896694669
  • EAN: 9783896694669
  • Amazon.de Verkaufsrang: 457.329
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Beschreibung von buecher.de

Journalisten sind von Mythen umgeben: Sie werden als Edelfedern, neutrale Informationsvermittler oder Anwälte des Publikums beschrieben. Obwohl längst über die Ökonomisierung der Medien diskutiert wird, halten Praktiker wie Medienforscher vielfach an der Annahme fest, Journalisten dienten primär dem Gemeinwohl. Wenn sie scheitern, dann allenfalls an Systemzwängen. Eigeninteressen und rationales Verhalten werden Politikern, Managern und Verlegern unterstellt - nicht Journalisten.
Aber auch der einzelne Journalist handelt rational. Als 'Homo oeconomicus' ist er auf seinen Vorteil bedacht, sei es bei der Recherche, beim Umgang mit Quellen und PR-Informationen oder bei sonstigen redaktionellen Entscheidungen. Susanne Fengler und Stephan Ruß-Mohl entwerfen unter Rückgriff auf die Ökonomik (Rational Choice-Theorie) eine neue Perspektive für die Kommunikationswissenschaft und insbesondere die Journalismusforschung. Anhand von Forschungsergebnissen und Fallbeispielen zeigen sie, dass sich die Ökonomik, die inzwischen in vielen Disziplinen Anwendung findet, auch für kommunikationswissenschaftliche Fragestellungen sinnvoll nutzen lässt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Barbellion fanden 3 von 4 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Gelinde gesagt: "unterkomplex"

Dass man *Elemente* der rational choice-Theorie verwenden kann, um einen Ausschnitt der Realität aus *einer* Perspektive verknappend zu beschreiben, ist bekannt und unumstritten. Dass auch Journalisten nutzenorientiert handeln und dieser Nutzen etwa die "Aufmerksamkeit" ist (G. Franck), ist ebenfalls keine neue Erkenntnis.

Allerdings müssen sich beide Autoren den Vorwurf gefallen lassen, die rational choice - Theorie und das dortige Menschenbild völlig unreflektiert und unkritisch zu behandeln und die Axiome, etwa das grundlegend behavioristische Menschenbild, undiskutiert zu übernehmen. Kein Wort etwa darüber, wie anachronistisch dieses Menschenbild des Reiz-Reaktions-Schemas ist.

Dass schließlich die ökonomischen Theorien einfach nur "feststellen, was ist" und nicht "was sein sollte" (S. 33, sinngemäß) setzt dem die Krone auf und ist von einer allerniedrigsten, positivistischen Schule inspiriert, die nicht erkennen kann oder will, dass die vermeintlich "nüchterne" und "wertfreie" Feststellung vielleicht die Art des Werturteils darstellt, die ideologisch am meisten vorbelastet ist. Insofern für das Zusammenstellen bekannter Theoreme und einen lustigen Buchtitel zwei Sterne. Besser nach der Lektüre Bourdieus "Über das Fernsehen" lesen. Das ist unterhaltsamer, ebenfalls am rational choice - Konzept orientiert, bietet aber wesentlich schlüssigere Einsichten.

5 von 5 Sternen Spannender Ansatz und sehr gut lesbar

Medien prägen in hohem Maße unsere Wahrnehmung vom Zeitgeschehen - doch über den, der die Meldungen verfasst, macht man sich eigentlich nur selten Gedanken. Um so mehr ist dieses Buch daher ein Muss: In anschaulicher und leicht verständlicher Weise legen die Autoren dar, dass auch Journalisten ihre persönlichen Beweggründe und Interessen bei der Auswahl der Nachrichten und dem Verfassen von Texten haben. Diese Erkenntnis bei der morgendlichen Zeitungslektüre im Hinterkopf zu behalten, ist daher sicherlich sinnvoll - und somit ist das Buch definitiv nicht nur für Branchenkenner interessant.

Auf das Buch gestoßen bin ich übrigens durch eine Rezension in der Journalismuszeitschrift "message". Hier schreibt Lutz Mükke in seiner Buchrezension, dass man in dieser Lektüre "schwarz auf weiß genießen kann, was ein gewitzter Schreibstil aus Wissenschaftslektüre an Lesefreude herauszukitzeln vermag." (message 2/2005) - Dieser Einschätzung kann ich nur zustimmen.

Der Journalist als 'Homo oeconomicus'



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