Frenz, Matthias

Gottes-Mutter-Göttin

Die im Süden Indiens von Christen, Hindus und Muslimen praktizierte Marienverehrung ist ein Feld, auf dem Menschen mit heterogenen Vorstellungen und Interessen in Interaktion treten. Ein Anliegen der Studie ist es, die Hintergründe der dabei zu beobachtenden Dynamik
zu verdeutlichen: Angefangen mit den von Europa nach Indien getragenen kirchlichen Rivalitäten über die Auseinandersetzungen um einzelne indische Marienstätten bis hin zum Spannungsverhältnis zwischen Pilgern sind alle Vorgänge für die Entwicklung des südindischen Marienkults konstitutiv. Für die Analyse wird im vorliegenden Band der Begriff Contact Zone fruchtbar gemacht. Dieser Ansatz richtet den Blick auf die von mehreren Faktoren abhängige Aushandlung zwischen den beteiligten Akteuren. Der Begriff Synkretismus, der bei der Untersuchung religiöser Interferenzphänomene häufig Verwendung findet, wird kritisch hinterfragt. Er scheint weniger ertragreich, da bei dieser Herangehensweise der Austausch religiöser Elemente
im Mittelpunkt der Betrachtung steht und der Prozesscharakter sozialen Handelns kaum erfassbar ist. Mit der Einteilung der südindischen Marienstätten in Abhängigkeit ihrer Bedeutungsradien wird die Rolle der Marienstätten als Knotenpunkt zwischen unterschiedlichen religiösen Netzwerken herausgearbeitet. Zwei Marienwallfahrtsorte werden näher betrachtet: Villiyanur als Beispiel für einen Kultort französischer Gründung und eine regional bedeutsame Wallfahrtsstätte sowie Velankanni als Repräsentant eines von Portugiesen etablierten
Wallfahrtszentrums von gesamtindischer Bedeutung. Erstmalig wird die historische Entwicklung dieser bekannten Marienstätten aufgearbeitet. Die Formierung ortsspezifischer Traditionen sowie wichtige Aspekte der sozialen Funktion des Kults werden untersucht.
The veneration of Mary, mother of Christ, practised in southern India represents a cultural field in which human actors with heterogeneous ideas and interests interact. Devotees from different religious backgrounds come together to pay homage to the'Blessed Virgin'. One aim of the present study is to portray and analyse the wide range of religious dynamics involved. The ecclesiastical rivalry exported to India from Europe was no less decisive in the formation of a specific southern Indian cult of Marian devotion than the disputes concerning individual places of worship or the
tension among the pilgrims at these locations. In this study, the analytical value of the term syncretism is contrasted with that of contact zone. Intersubjectivity and processuality are central to the approach related to the latter term. Religious exchange is interpreted as a mutual process of give-and-take at various levels and is not seen as a transfer of cultural elements. Since the dynamicmodel of the c
ontact zone, with its focus on social processes, provides a more suitable analytical frame than the more static and phenomena-oriented concept of syncretism for the topic under review, it has been given preference.
Categorizing southern Indian centres of Marian worship according to their radius of significance makes it possible to show their integrative function in different religious networks. The present study selects two centres of Marian worship in southern India: Villiyanur, established by the French, represents the category of regionally significant centres; Velankanni is a pilgrimage centre of Portuguese origin, well known
throughout India and beyond.


Verlag: Ergon

Ausstattung: 2004. 223 S.

ISBN: 3899133439

Preis: 42,00 €


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