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Der Discours de la méthode - 1637 anonym publiziert - gilt als das erste und wirkmächtigste Manifest des neuzeitlichen Rationalismus und wissenschaftlichen Methodenbewußtseins. Im Sinne eines 'Vorberichts' entwickelt Descartes in seiner ersten Druckschrift die Regeln eines konsequenten, am Vorbild der Mathematik orientierten Verstandesgebrauchs: die von ihm begründete und später weiter ausgeführte Methode des radikalen Zweifels.
Der französische Text folgt der großen Standardausgabe der Werke Descartes von Adam und Tannery, lediglich die Orthographie wurde modernisiert. Die Neuübersetzung des Textes durch L. Gäbe erfolgte unter Heranziehung der älteren Übersetzungen von A. Buchenau und K. Fischer und unter Benutzung des Kommentars von É. Gilson. Gelegentliche Hinweise beziehen sich auf die von Descartes anerkannte lateinische Version in den 'Specimina philosophica'. Für die zweite Auflage wurde der Text durchgesehen und mit Registern und einer Bibliographie versehen.
Das 1644 veröffentlichte Werk ist die Summe von Descartes metaphysischem und vor allem naturphilosophischen Denken. Es gilt als ein Topos der Philosophiegeschichtsschreibung, dass er seinen Rang als Begründer der neuzeitlichen Philosophie der Veröffentlichung der Principia Philosophiae verdankt. Dies hängt zum einen damit zusammen, wie Descartes die metaphysisch begründete Philosophie in neuartiger Weise zu fundieren suchte, indem er zur Formulierung der ersten Prinzipien der Philosophie im Ausgang von der Frage gelangte, mit welchem Recht sowohl im Alltag als auch in der Wissenschaft der Anspruch objektiver Gültigkeit von Urteilen erhoben wird. Mit dieser Art der Fragestellung entwickelte er einen Ansatz, der von nachfolgenden Philosophen von Kant bis Husserl aufgegriffen und zur Transzendentalphilosophie weiterentwickelt wurde. Zum anderen lieferte Descartes in diesem Werk erstmals das Modell einer von mathematischen Grundsätzen ausgehenden und hypothetisch vorgehenden Erklärung aller Naturerscheinungen. In vier Teilen präsentiert Descartes zunächst seine Erkenntnistheorie, die vom unbezweifelbaren Fundament des Prinzips Ich denke also bin ich ausgeht, um von dort aus in den drei weiteren Teilen (über die Prinzipien der körperlichen Dinge, die sichtbare Welt und die Erde) die Naturphilosophie als Basis der Naturwissenschaften darzustellen. Besondere Bedeutung für die Wissenschaft des 17. Jahrhunderts kommt dabei der Kosmologie zu, in der die antike Idee fortlebt, dass die Himmelskörper als Zentren von Materiewirbeln aufzufassen seien. Unabhängig von speziellen Lehren, von denen in der Folgezeit ohnehin kaum eine ohne Widerspruch geblieben ist, wirkt Descartes' Denken jedoch vor allem aufgrund des rationalistischen Ideals allgemeiner Vernünftigkeit fort, das bis in die Gegenwartsphilosophie ein am Ideal der Wissenschaftlichkeit orientiertes Denken bestimmt. --Jens Kertscher
"Denn was in Gedanken geteilt werden kann, ist auch teilbar"René Descartes will in seinem Spätwerk "Die Prinzipien der Philosophie" zwei Dinge zum Ausdruck bringen: Philosophie ist nicht nur ein Leitfaden für das tägliche Leben, sondern "ein vollkommenes Wissen all der Dinge, die der Mensch erkennen kann, ... um eine Regel für sein Leben zu haben" und es gibt einige wenige wahre Grunderkenntnisse oder Prinzipien, aus denen alle anderen Prinzipien ableitbar sind.
Sein Buch ist in vier Teile untergeteilt. Die Prinzipien der menschlichen Erkenntnis, die Prinzipien der körperlichen Dinge, die sichtbare Welt und die Erde.
Wie man zu den Prinzipien der menschlichen Erkenntnis gelangen kann, hat Descartes ausführlich in seinem Werk "Meditationen über die erste Philosophie" erläutert. Die wichtigste Methode ist die des wissenschaftlichen Zweifels: "sich zu entschließen, an allem zu zweifeln, worin man auch nur den geringsten Verdacht einer Ungewissheit antrifft ... Dieser Zweifel ist indessen auf die Erforschung der Wahrheit zu beschränken. Denn im tätigen Leben ... muss man daher oft das bloß Wahrscheinliche hinnehmen". Bei allem Zweifel kann Descartes jedoch der Erkenntnis, dass er existiert, nicht widersprechen: "Demnach ist der Satz: Ich denke also bin ich (ego cogito, ergo sum) die allererste und gewisseste aller Erkenntnisse, die sich jedem ordnungsgemäß Philosophierenden darbietet".
Den Geist erkennen wir also vor dem Körper. Descartes behauptet, dass der Geist, welcher eine Idee unabhängig von einem Körper erkennt, sich nicht irren kann. Eine solche Idee ist Gott. Damit ist für Descartes auch der erste Gottesbeweis (Theodizee) erbracht. Gott ist nicht bloß möglich oder zufällig, sondern notwendig, da die Idee seines Daseins in der Welt enthalten ist. Gott irrt nicht und Gott täuscht nicht. Deshalb rät Descartes, im Zweifel der göttlichen Autorität mehr zu vertrauen als der eigenen Vernunft.
Die Prinzipien der körperlichen Dinge bestehen in der Ausdehnung und der Teilbarkeit der Stoffe. Alle Gegenstände verharren in ihrer Position, bis sie von außen angestoßen werden. Die Ursache für die erste Bewegung kann nach Descartes keine andere als Gott sein - der unbewegte Beweger.
Im dritten Teil wagt Descartes aus so gewonnenen Erkenntnissen den Schluss auf den Aufbau des Universums. Er bekennt sich zum Planetensystem mit der Sonne im Zentrum und den umkreisenden Trabanten. Da die Erde in ihrer jährliche Umlaufbahn den Fixsternen weder näher noch ferner zu kommen scheint, schließt Descartes korrekt, dass sie sich in einer "ungeheuren Entfernung" zu unserem Sonnensystem befinden. Er unterliegt aber einem weit verbreiteten Irrtum, wonach der gesamte Himmel aus einer Flüssigkeit besteht, der aber nicht identisch ist mit dem Äther: "Schon alle Astronomen nehmen dies an, da sie sehen, dass die Planetenerscheinungen kaum auf andere Weise erklärt werden können". Ganz abwegig ist die Theorie nicht, da er später erklärt, auch die Luft sei ein verdünnter flüssiger Körper.
Descartes physische Theorie basiert auf drei Elementen: Das erste Element ist sehr klein und kann alle Lücken füllen. Es hat die Form der Flamme. Das zweite Element ist kugelartig und "im Vergleich mit den sichtbaren Körpern in sehr kleine Teilchen geteilt". Es ist flüssig. Das dritte Element besteht aus gröberen Stoffen. "Aus der ersten Art entstehen nämlich die Sonne und die Fixsterne, aus der zweiten der Himmel, aus der dritten die Erde mit den Planeten und Kometen. Denn da die Sonne und die Fixsterne Licht von sich aussenden, die Himmel es weitersenden, die Erde, die Planeten und Kometen es aber zurücksenden, so wird dieser dreifache dem Anblick sich darbietende Unterschied nicht mit Unrecht auf drei Elemente zurückzuführen sein".
In Kometen sieht Descartes einen Wanderer zwischen verschiedenen Himmeln (Sternsystemen). Vielleicht mit Blick auf Gott und der Stellung der Erde im Universum schreibt Descartes: "(Die Erde) war früher ein leuchtender Stern in dem Mittelpunkt eines Wirbels". Ein letzter Rest des Sterndaseins hat sich die Erde in ihrem feurigen Innern bewahrt.
Am Ende des dritten Kapitels bekennt Descartes: "Ich glaube, dass nunmehr keine Erscheinung, welche in den entfernten Himmeln gesehen und beobachtet wird, hier nicht genügend erklärt worden".
Den Aufbau der Erde, den Einfluß des Mondes auf die Gezeiten, das Entstehen von Erdbeben, die Wirkungsweise des Magnetismus und der Elektrostatik, all dies erläutert Descartes amüsant anschaulich, wenn auch nicht immer wissenschaftlich korrekt im vierten Teil des Buches.
Zum Abschluss bekennt Descartes, dass er den Aufbau der Welt bislang nur nach Art einer Maschine" beschrieben hat. Die lebendigen Geschöpfe, Menschen, Tiere und Pflanzen möchte er später behandeln, da er sich noch nicht über alle Einzelheiten "im klaren" ist. Soviel aber vorab: Den Sitz der menschlichen Seele setzt er ins Gehirn. Die Gedanken bezeichnet er als sinnliche Erregungen oder Wahrnehmungen der Seele. Auch Gefühle und Leidenschaften sind für ihn Nervenreize. In diesem Falle ausgelöst durch die Nervenenden nahe dem Herzen.
Descartes Erkenntnis basiert auf den Grundlagen der Geometrie und der Mechanik. Er zerbricht sich aber nicht den Kopf darüber, ob seine Erklärungen korrekt sind oder auch auf andere Weise hervorgerufen werden können. Nicht ohne Seitenhieb auf die katholische Kirche schreibt er, "dass manches für moralisch gewiss gehalten wird, d.h. für die Zwecke des Lebens hinreichend gewiss, obgleich es in Rücksicht auf die Allmacht Gottes ungewiss ist".
Auch der vierte Teil endet im Brustton der Überzeugung, dass das "Allgemeinere, was ich über die Welt und die Erde gesagt habe, kaum anders als in der von mir erklärten Art eingesehen werden könnten". Der Ausklang dann wieder im friedfertigen Ton um den Bann der Kirche abzuwehren: "Allein dennoch bin ich dabei stets meiner Schwachheit eingedenk und behaupte nichts unbedingt, sondern unterwerfe alles sowohl der Autorität der katholischen Kirche wie dem Urteil der Einsichtigeren".
Fazit: Es überrascht mich schon, wie ein Vernunftmensch, den ich in den "Meditationen..." noch als überzeugten Skeptiker kennen gelernt habe, in seinem Spätwerk ein Weltgebäude entwirft, das zwar auf dem wissenschaftlichen Zweifel erbaut, dann aber in schwindelige Höhen steigt und sich in waghalsigen Theorien versteift.
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