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Vergessener KlassikerGeorg Forster wird von Experten der deutschen Literatur an die Seite der großen Klassiker Goethe, Schiller und Lessing gestellt. Dieses Buch hat er als junger Teilnehmer der 2. Weltumsegelung von James Cook geschrieben. An vielen Stellen finden sich authentische Beschreibungen von Erstbegegnungen zwischen Europäern und den Bewohnern Ozeaniens. Das sind die absoluten Anfänge des modernen Kolonialismus - oder mit heutigem Vokabular formuliert: der Globalisierung. Mehrere Dinge sind an dieser Reisebeschreibung erstaunlich: Wie ist es möglich, dass jemand mit 17 Jahren derart reife und hoch genaue Beobachtungen macht und diese dann auch noch in einer Sprache zu Papier bringt, die jedem Vergleich Stand hält? Wie war es möglich, dass ein Mensch des 18. Jahrhunderts derart moderne, im Grunde bis heute gültige Ansichten über die Menschen und ihr Verhältnis zueinander entwickeln konnte? In seinen Ansichten z.B. über die sogenannten Wilden war Forster seiner Zeit um Jahrhunderte voraus.
Die von Forster aufgezeigte Möglichkeit eines von Zeitströmungen doch weitgehend unabhängigen und nur der Realität verpflichteten Weltbildes fasziniert und hat Gültigkeit nicht nur bis heute, sondern auch weiterhin für die Zukunft.
Die Reise um die Welt ist somit vor allem Dreierlei: Zeitdokument und als solches interessant vor allem für Ethnologen, Biologen, Sprachwissenschaftler, Historiker, weiter ein Sprachkunstwerk und singuläres Meisterwerk der deutschen Literaturgeschichte und last but not least ein Meilenstein der deutschen und darüber hinaus auch der europäischen Aufklärung im besten Sinne.
Begründer der modernen ReiseliteraturGeorg Forster war in jeder Beziehung ein vielseitiger Mann. Er war von jungen Jahren an nicht nur Weltumsegler, Schriftsteller, Aufklärer, Utopist und Revolutionär sondern dabei auch ständig auf der Suche nach den sozialen Grundelementen des Menschseins. Von Jugend an war er auf Reisen. 1765 nahm ihn sein Vater, der Naturforscher und Pastor Johann Reinhold Forster, als zehnjährigen mit nach Russland. 1772 erhielt der Vater von der britischen Admiralität das Angebot, Captain James Cook auf seiner zweiten Weltumseglung zu begleiten. Er machte es zur Bedingung, dass sein damals 17-jähriger Sohn Georg als Zeichner mitkommen durfte. So ging der blutjunge Georg mit seinem Vater an Bord der HMS Resolution. Die Reise führte zunächst in den Südatlantik, von dort durch den Indischen Ozean und die antarktischen Gewässer in den Südpazifik zu den exotischen Inseln Polynesiens und schließlich nach der Kap Hoorn Umseglung zurück nach England.
Drei Jahre von 1772 bis 1775 dauerte die Reise. Georg Forster hat während der Reise nicht nur die Tiere und Pflanzen die er entdeckte gezeichnet, sondern er hat auch neben dem sachlichen Reisebericht mit poetischem Elan und epischem Können von allem Gesehenen berichtet. Dabei hat er auch die soziale Wirklichkeit nicht aus den Augen verloren und ausführlich die Nöte dieses Reisens aufgeschrieben und auch die Qual, die man diesen Völkern, die man dabei entdeckte zufügte, was man ihnen in Wirklichkeit damit antut, wenn man sie entdeckt und schließlich erobert. Mit seiner vergleichenden Länder- und Völkerkunde mit seinen einfühlenden Beobachtungen war er den Völkerkundlern seiner Zeit weit voraus. Seine 1777 erschienene Reisebeschreibung "A Voyage round the world" machte den jungen Autor sofort berühmt. Dieses Werk, mit dem die Geschichte der modernen deutschen Reiseliteratur ihren Anfang nahm, übte u. a. starken Einfluss auf Alexander von Humboldt aus. Forsters "geschliffene Prosa" bewunderte selbst Goethe, der von dem Buch sagte:"Man mag, wenn man geendigt hat, gerne wieder von vorne anfangen". Der Dichter Martin Wieland pries es als das bemerkenswerteste Buch seiner Zeit.
Im Eichborn Verlag ist jetzt dieser wunderschöne Sonderband, mit allen Zeichnungen und Aquarellen, einem biographischen Essay von Klaus Harpprecht und einem Epilog von Frank Vorpahl, erschienen. Man kann sich gar nicht satt sehen an all diesen schönen Bildern und man reist förmlich mit James Cook, in Begleitung dieses universell gebildeten, unterrichtenden Beobachters Georg Forster, in Bild und Ton, auf dessen zweiter Weltreise mit. Man muss dankbar sein für dieses brillante Buch.
Entdeckungsreisezugegeben, ich war da skeptisch, besonders als mein Siebenjähriger unbdeingt dieses Buch haben wollte, so dass keine andere Möglichkeit als die Anschaffung blieb. Na gut, dachte ich, wenn ein Siebzehnjähriger der Autor ist, warum soll dann ein Siebenjähriger nicht (zusammen mit den Eltern) das auch lesen.
Jetzt, haben wir das Buch immer noch nicht aus - wie auch, mehr als 600 Seiten - und machen jeden Tag eine neue Entdeckungsreise, eine spannender als die andere, die nächste amüsanter als die jetzige.
Wo lag dieses geniale Werk so lange verschollen herum (na klar, bei den Engländern :-) ), darf man sich fragen und wird wieder im Entdeckerdrang bestätigt: Es gibt immer wieder noch unentdeckte Schätze auf dieser Welt, fast besser als Geschichten aus 1001er Nacht, die aufgeklärten Beobachtungen aus 1111 Tagen Weltumseglung. Es ist tatsächlich auch eine Abenteuergeschichte - und meine Skepsis, die ist - wie hier jeder heraushören kann - längst einer Begeisterung gewichen.
Gelungene Ausgabe!Vielleicht darf ich die allgemeinen Überlegungen zum Thema Georg Forster hier um einige Informationen zu dieser Buchausgabe ergänzen. Das Werk erscheint in einem unifarbenen blauen Stoffeinband (erinnert an die Winkler-Klassier oder Lyrikbände im Inselverlag). Es wird in einer Manchette aus Pappkarton mit dem Seevogelaquarall geliefert. Die Manchette muss man zum Lesen abstreifen, was vielleicht etwas unglücklich wirkt. Die Ausgabe ist aber ansonsten von gehobener Druck- und Typenqualität.
Eingeleitet wird das Werk durch ein Vorwort von Klaus Harprecht, dem eine angenehm lesbare Biographie Forsters zu verdanken ist. Allerdings leidet gerade dieses Vorwort vielleicht etwas zu sehr an pathetischem Überschwang hinsichtlich der Bedeutung Forsters. Wer über die Person Forsters nur einigermaßen orientiert ist, bedarf solcher Affirmationen eigentlich gar nicht und hätte sich mehr Informationen über den Kontext der Forschungsreise und deren Bedeutung aus heutiger Sicht interessiert.
Den Höhepunkt des Bandes stellen hochwertige Reproduktionen der Zeichnungen Forsters dar, die meist im Zusammenhang mit dem Text im Band erscheinen. Allerdings muss ich die Erwartungen hier etwas dämpfen: Leider finden sich keine Zeichnungen Tahitis oder seiner Einwöhner, sondern fast ausschließlich von Tieren (in der Mehrheit Vögeln). Das auf dieser Amazon-Seite abgebildete Aquarell des Adlerrochens ist m.E. die schönste Tierdarstellung des ganzen Bandes. Das Tier muss offenbar unter Wasser beobachtet worden sein, denn Forster fängt die Körperbewegung genau ein.
Zum Text ist hier bereits vieles gesagt. Vielleicht darf ich nur anfügen, dass der Verfasser den Leser immer wieder durch seine zutiefst menschliche Betrachtungsweise für sich einnimmt: Aus einer früheren Lektüre war mir die Schilderung des Schicksals der kleinen Meerkatzen an Bord des Schiffes noch in Erinnerung, die von den Matrosen gekauft, später vernachlässigt wurden und zum größten Teil verhungerten. Forster beobachtet dies genau und weitet die Schilderung dieser Vorkommnisse zu einer Betrachtung der menschlichen Natur.
Beeindruckend ist schließlich die Schilderung von O Tahiti - auch den heutigen Leser überläuft das Fernweh. So muss der Leser selbst entscheiden: Der Reisebericht ist ohne Abbildung und die vorliegende großartige Aufmachung sehr viel preisgünstiger und für den Leser natürlich vom Gewicht her handhabbarer erschienen. Der Majestät der Schilderung wird aber nur diese Ausgabe gerecht.
enttäuschendalles in allem mag der inhalt (text) toll sein, mich interessierten die drucke.
die sind wirklich schlecht! lediglich 4-5 grossformate die einigermassen gut und ausklappbar sind, die restlichen sind gelinde gesagt enttäuschend...liegt wohl vor allem am eher billigen papier, denn beim betrachten der drucke schlägt/scheint der text der rückseite stark durch, so das der druck entsprechend "entwertet" wird.
bei einem buch dieser preisklasse erwarte ich besseres, jeder billigkunstkatalog bekommt das besser hin.
wir schicken es daher zurück, wer also ebenso wie ich an den drucken grosses interesse hat sollte sich es gut überlegen...
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