Holt, Anne

Was niemals geschah

Was niemals geschah
  • Verlag: Piper
  • Erscheinungsdatum: 2005-11
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 384
  • ISBN: 3492047629
  • EAN: 9783492047623
  • Amazon.de Verkaufsrang: 123.693
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Beschreibung von buecher.de

Ihr atemberaubender Kriminalroman »In kalter Absicht « brachte Anne Holt den großen internationalen Durchbruch. Nun stellt sie den zweiten, so subtilen wie spannungsreichen Fall mit Kommissar Yngvar Stubø und der Psychologin Inger Johanne Vik vor: Das erste Opfer, die populäre Talkmasterin Fiona Helle, verblutet mit abgetrennter, gespaltener Zunge. Die Botschaft könnte nicht deutlicher sein: Fiona Helle war eine Lügnerin. Kommissar Yngvar Stubø, der sich noch im Vaterschaftsurlaub befindet, nimmt zunächst den Fall nicht ernst und entscheidet, daß sein Neugeborenes wichtiger ist als ein neuer Mordfall. Aber dann gibt es ein zweites Opfer. Diesmal ist es Vibeke Heinerback. Als Führerin einer rechtspopulistischen Partei feierte sie einen Erfolg nach dem anderen, jetzt hängt Vibeke gekreuzigt an der Schlafzimmerwand, zwischen ihren Beinen eine Ausgabe des Korans. Fieberhaft beginnt Yngvar Stubø zu ermitteln: Hat er es mit einem biblischen Rächer zu tun?

Aus der Amazon.de-Redaktion

Skalpell, Nagel oder Montblanc-Stift -- Oslos ominöser Promi-Killer entscheidet sich für sehr unterschiedliche Tatwerkzeuge und weiß sie alle wirkungsvoll einzusetzen. Dabei ist der Zusammenhang zwischen dem Mord an der Talkmasterin Fiona Helle und dem an der Rechtspopulistin Vibeke Heinerback zunächst alles andere als klar. Helle wird in ihrem Haus mit abgeschnittener und gespaltener Zunge aufgefunden, Heinerback wurde gekreuzigt. Einige Holt-Fans mögen bedauern, dass es auch dieses Mal nicht Hanne Wilhelmsen ist, die die Spur des Mörders verfolgt, sondern Yngvar Stubø und Inger Johanne Vik; hier als frisch gebackene Eltern, die viel lieber ihren Erziehungsurlaub genossen hätten als sich mit einem Serienmörder zu befassen. Beide verbringen die ohnehin schlaflosen Nächte mit der Bearbeitung des Falls, der vor allem deshalb mysteriös bleibt, weil die Verbrechen perfekt arrangiert sind. Dabei holt Inger Johanne eine Vergangenheit ein, an die sie sich nie wieder erinnern wollte. Es ist die Zeit ihrer Profiler-Schulung beim FBI, in der sie von einer ähnlichen Mordserie erfuhr. Damals starben der ermittelnde Polizist und seine Familie. Das Perfide an diesem Roman sind die Einblendungen eines zweiten Erzählers, der die mögliche Täterin begleitet. Ihre Konturen werden immer deutlicher, gleichzeitig wird ihre Motivation immer unglaublicher. Ganz nebenbei müssen sich Yngvar und Inger Johanne der eigenen Vergangenheit stellen und lernen sich dabei noch einmal neu kennen. Anne Holts geschickt konstruierte Geschichte treibt ein Verwirrspiel um uneheliche Kinder, versteckte sexuelle Neigungen und Amtsmissbrauch. In diesem Roman ist nicht nur die Polizei auf der Suche nach dem Mörder, auch Anne Holt sucht: nach dem Wesen der Wahrheit. Der Mörder ist immer der Gärtner! So einfach ist es bei dieser Autorin eben nicht. Ihr gelingt das Kunststück, eine eigene Form von flüchtiger und fragmentarischer Wahrheit zu entwickeln, die der Wirklichkeit vielleicht sogar am nächsten kommt. --Henrik Flor, Literaturtest

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von hasenpupspapa fanden 20 von 23 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein genialer Krimi - Anne Holt wird mit jedem Buch besser

Kommissar Yngvar Stubo, den Stammlesern von Anne Holt aus dem Buch "In kalter Absicht" noch dunkel in Erinnerung, hat mittlerweile seine damalige Ermittlungspartnerin Inger Johanne Vik geheiratet und ihre gemeinsame Tochter Ragnhild ist gerade 6 Wochen alt, als ein grausamer Ritualmord geschieht. Die populäre Talkmasterin Fiona Helle wird mit abgetrennter, gespaltener Zunge aufgefunden. Stubo wehrt die Hilferufe aus seiner Dienststelle mit dem Hinweis auf seinen Vaterschaftsurlaub noch ab. Als aber kurze Zeit später ein zweiter Mord geschieht, beginnt er zu ermitteln. Auch seine Frau Inger Johanne ist involviert. Schon bald tauchen dunkle, lange verdrängte persönliche Erinnerungen in ihr auf, die aber sofort wieder absinken. Ihr ist schmerzhaft deutlich, daß diese Erinnerungen an eine Zeit als Profilerin beim FBI, über die sie selbst ihrem Mann gegenüber standhaft schweigt, etwas mit der aktuellen Mordserie zu tun haben. Als auch noch ein dritter und ein vierter Mord geschieht, hat sie eine tödliche Angst um ihr eigenes Leben ..."Was niemals geschah" ist meiner Meinung nach Anne Holts bisher bestes, weil auch reifstes Buch. Es erzählt von Ruhmsucht, von der Gier nach öffentlicher Aufmerksamkeit und was dies aus den Menschen macht. Sie beschreibt die Abgründe menschlicher Eitelkeiten und bringt uns in ihrem zweiten Fall mit Yngvar Stubo und Inger Johanne Vik ein Ermittlerpaar näher, von dem man nach der letzten Seite sofort den nächsten Band zur Hand nehmen möchte. Obwohl das Ende hier nicht verraten wird, schreit der Schluß des Buches geradezu nach einer baldigen Fortsetzung.Ob auch die Serie mit Hanne Wilhelmsen weitergehen wird, ist fraglich. Anne Holt gibt in einem Dialog zweier Polizisten einen versteckten Hinweis. Seit die Wilhelmsen nicht mehr in Oslo sei, so ein Polizist zum anderen, sei die dortige Polizei auch nicht mehr die alte."Was niemals geschah" ist weit mehr als ein guter Krimi. Es ist der bisherige Höhepunkt in einem Werk, das von Buch zu Buch reifer wurde und die Lesergemeinde von Anne Holt schon gespannt auf das nächste Buch warten lässt.

Diese Rezension von Paula fanden 14 von 16 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Mal ein Ausreißer nach unten

Ich bin ein Anne-Holt-Fan und werde auch nach dem Titel "Was niemals geschah" einer bleiben. Die Qualität ihrer Bücher ist so hoch, dass selbst, wenn mal ein Krimi das gewohnt hohe Niveau nicht erreicht, er immer noch drei Sterne verdient.

Warum dieses Buch von mir keine fünf Sterne bekommt, liegt am nicht gut durchdachten Plot. Ausnahmsweise darf der Leser klüger sein als die Polizei und Einsicht nehmen in das Leben der Täterin (die Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich um eine weibliche Täterin handelt, sind ein wenig aufdringlich und üppig). Wenn der Krimileser weiß, wer der Täter ist, nimmt das einen Teil der Spannung weg, und der Autor muss diesen Mangel durch andere Spannungsmomente ausgleichen. Dies geschieht hier aber nicht. Vielmehr verzettelt sich die Polizei und Inger Vik, die Profilerin, in Spekulationen, die dem Leser etwas Spannendes andeuten, ihn mit diesen Andeutungen letztlich aber dann im Regen stehen lassen. Der Umstand, dass Anne Holt im letzten Drittel ihre Spuren und Andeutungen nur schwach auflöst und somit die angestaute Neugier des Lesers einfach verpufft, lässt einen am Ende des Buches unbefriedigt zurück. Die Motivation der Täterin, die ja doch eine dicke Blutspur hinter sich herzieht, ist m.E. zu dünn und psychologisch nicht wirklich gut unterfüttert. Ihrer Beweggründe und ihr Charakter hätten besser herausgearbeitet werden müssen, um verständlich zu machen, warum sie die Morde begeht. Die Sorgen und Nöte einer jungen Mutter, nämlich die der Profilerin Inger Vik, nehmen hingegen zu viel Raum im Buch ein und haben mich gegen Ende eher genervt.

Fazit: Für Anne-Holt-Leser, die ohnehin jeden Titel von ihr lesen, um auch die Entwicklung des Paares Vik/Stubo "komplett" zu haben, wird dieser Krimi mal einer sein, der sie weniger erfreut als seine Vorgänger, der letztlich aber noch ein akzeptabler Roman ist. Den Anne-Holt-Neueinsteigern würde ich dieses Buch nicht empfehlen, sondern stattdessen etwa: "Das einzige Kind" oder "Das achte Gebot".

Diese Rezension von Paula fanden 11 von 15 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Superspannend

Endlich mal wieder ein richtig guter Thriller! Vor allem das Ende hat mir gut gefallen, überraschend und diesmal ist nicht der drei Seiten vorher erstmals aufgetauchte Gärtner der Mörder. Ein paar Längen hat das Buch zwar, die aber nicht weiter stören und durch die Spannung und den Wortwitz mehr als wettgemacht werden. Insgesamt also ein toller Schmöker für verregnete Herbsttage!

Diese Rezension von Wolfgang Haan fanden 10 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Der fleischgewordene Albtraum

Der fleischgewordene AlbtraumDas schlimmste, was einem passieren kann, ist ein völlig eiskalter Mörder, der seine Opfer willkürlich aussucht, ohne jede Verbindung zwischen diesen. Einer, der die klassischen Profile der Profiler nicht erfüllt. Einer, der den Statistiken wiederspricht. Einer, wie es einmal einen in den USA gab – und vielleicht jetzt in Norwegen.Anne Holts neuester Roman „Was niemals geschah“ eröffnet seinen blutigen Reigen mit dem Mord an der bekannten Talkmasterin Fiona Helle. Ihr wurde bei lebendigem Leib die Zunge heraus geschnitten, gespalten und dann fein säuberlich auf den Schminktisch gelegt. Diese ist eingepackt in eine Papiertüte, die eine komplizierte Faltung aufweist und wie kunstvolles Origami aussieht.Die Polizei steht vor einem völligen Rätsel. Es gibt keine Hinweise, keine Spuren, kein Motiv. Um Licht ins Dunkel zu bringen, will man den fähigsten Mann an den Fall setzen. Doch da gibt es ein klitzekleines Problem: Dieses heißt Ragnhild und ist die gerade geborene Tochter von Yngvar Stubo und Inger Johanne. Und Yngvar hat Vaterschaftsurlaub und ist durch nichts zu bewegen diesen abzubrechen. Denkt er – und der Leser. Doch als der zweite Mord an der Politikerin Vibeke Heinerback begangen wird, kehrt er notgedrungen aus dem Urlaub zurück. Denn diesmal war der Mord noch perfider: Der Mörder nagelte ihre Hände wie bei einer Kreuzigung an das hölzerne Bettgestell.Sympathisches Ermittlerduo im ElternstressDies ist bereits der zweite Fall des Ermittlerduos Yngvar und Inger Johanne. Doch schon bei dieser Konstellation hat sich Anne Holt eine interessante Variante ausgedacht und bringt damit neuen Wind ins Genre. Denn Inger Johanne ist im Mutterschutzurlaub und will sich nur noch um ihre kleine Tochter und deren älterer Schwester kümmern. Doch Yngvar kommt im Fall nicht weiter und er überredet seine Frau, sich doch wenigstens einmal die Akten anzuschauen. Denn was soll sie schon besseres tun, da die schreiende Ragnhild Inger Johanne ohnehin den Nachtschlaf raubt. Unwillig willigt Inger Johanne ein und verstrickt sich immer tiefer in emotionale Abgründe. Denn während ihrer Ausbildung beim FBI zur Profilerin gab es einen ähnlichen Fall, bei dem letztendlich der ermittelnde Beamte und seine ganze Familie getötet wurde.Doch „Was niemals geschah“ ist nicht nur eine Tauchfahrt hinab in die tiefsten Schlünde der Hölle, sondern auch eine soziologische Studie. Anne Holt führt uns auf eindringliche Art vor Augen, wie Ruhmsucht, das Streben nach dem Rampenlicht, die Hatz nach den persönlichen „15 Minuten Ruhm“, unsere Gesellschaft und unsere moralisch-ethischen Grundsätze und Anschauungen verändert hat. Dabei rutscht sie nicht in Klischees oder Plattitüden ab, sondern arbeitet diese Kritik geschickt in den überaus spannenden und fesselnden Plot ein. Und als Leser ist man durch die täglichen pseudo-psychologischen Talkshows schon so abgehärtet, dass man schon fast darüber hinweg liest. Im Laufe der Geschichte wird jedoch immer deutlicher, welche Komponenten in der Geschichte versteckt sind und wie diese sich gegenseitig beeinflussen.

Besonders gelungen sind auch die Hochs und Tiefs der frisch gebackenen Eltern. Vieles daran kommt einem bekannt vor und wenn man selber auch nicht nachts Mordakten studiert hat, so haben doch viele nach ihrer Facon eine Beschäftigung zwischen den verschiedenen Schreianfällen des Nachwuchses gesucht. Sehr menschlich zeichnet sie dabei die Probleme in diesem besonderen Fall, da Yngvar und Inger Johannes familiäre Situation auch dazu führt, dass Inger Johanne eifersüchtig auf Yngvar wird, weil dieser eine Möglichkeit gefunden hat, sich der nächtlichen Routine zu entziehen, da er ja arbeiten gehen muss und sie sich ja tagsüber ausschlafen kann. Diese ganzen Spannungen und das Geflecht zwischen Ansprüchen der Familie, Forderungen des Arbeitgebers, gemeinsamen Ermittlungen und Streitigkeiten wegen Lappalien machen diesen Roman zu einem Psychothriller der Extraklasse. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Thrillern werden hier einmal persönliche Probleme und Affinitäten nicht herangezogen, um miesgelaunte, klassikhörende verkrachte Existenzen zu entschuldigen, die in jedem geregelten Polizeidienst längst ein Disziplinarverfahren am Hals hätte. Die Kunst, diese ganzen Komponenten zu einem homogenen und schlüssigen Ganzen zusammenzufügen, beherrscht Anne Holt auf einzig artige Weise und führt dazu, dass „Was niemals geschah“ eine atemberaubend spannender Thriller ist. Das I-Tüpfelchen ist dann noch das sympathische Ermittlerduo Yngvar und Inger Johanne.

Diese Rezension von Petra N. fanden 8 von 8 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Eigentlich ...

... macht A. Holt ja alles "richtig": der Roman handelt von einer Serienmörderin, deren Einstellungen und Motive werden auch hinlänglich verständlich in dazwischengelegten Kapiteln deutlich gemacht. Auch die Opfer und ihre Lebensumstände werden detailliert beschrieben. Schließlich kommen auch der Kommissar und seine Frau, die hier als Profilerin in Erscheinung tritt, einigermaßen differenziert mit ihren Problemen und eigenen Schwierigkeiten daher. Sogar am Schreibstil lässt sich nicht rummäkeln, der ist ganz o. k. Soweit so gut, aber warum hat mich das Buch trotzdem nicht wirklich angesprochen oder gar berührt? Irgendwie wollten Lesefreude und Spannung einfach nicht recht aufkommen. Vielleicht war ja alles "zu richtig": Der Plot wirkt in sich etwas kalt und konstruiert. Auch die Personen blieben für mich trotz allem Bemühen der Autorin ohne echte Ausstrahlung, man bekommt kein Gefühl zu ihnen (einzige Ausnahme: die kleine, so ganz eigentümliche Stieftochter des Kommissars war dann doch ein Lichtblick!). Möglicherweise ist ja auch das Thema Serienmord mittlerweile einfach schon zu ausgelutscht. Das alles hat man so oder so ähnlich eben doch (z. B. bei Val MacDermid) schon zur Genüge gelesen.

Der ganze Roman lässt dann aber wiederum zu viele Fragen offen, als dass man sich den Folgeband wird sparen können ...

Summa summarum für ein solides Handwerk drei Sterne, aber mehr auch nicht.

Was niemals geschah

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