Voß, G. G.; Rieder, Kerstin

Der arbeitende Kunde

Der arbeitende Kunde
  • Verlag: Campus Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2005-10
  • Bindung: Broschiert
  • Seitenzahl: 251
  • ISBN: 3593378906
  • EAN: 9783593378909
  • Amazon.de Verkaufsrang: 223.064
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Beschreibung von buecher.de

Es gab eine Zeit, da wurde man an der Käsetheke bedient und beraten, da kaufte man die Bahnkarte am Schalter und richtete den Dauerauftrag mit persönlicher Unterschrift am Bankschalter ein. Heute wählen wir fertig abgepackten Käse aus der Kühltruhe aus, schlagen uns mit Fahrkartenautomaten herum und erledigen Bankgeschäfte online zu Hause. Mit Ikea fing es an - der Kunde arbeitet mit.
G. Günter Voß und Kerstin Rieder zeigen, welche Folgen das für die Wirtschaft, für den Einzelnen und für unsere Gesellschaft hat. Der Kunde ist heute selbstbestimmter, informierter, aktiver, er ist stärker Subjekt als vorher. Zugleich unterliegt der Konsument aber einer Entfremdung: Er hat gar keine Wahl, selbst wenn es ihn überfordert, er muss »mitarbeiten«, Beratung entfällt. Mit ihren amüsanten Exkursen zu Lust und Frust des arbeitenden Kunden, verknüpft mit scharfsinnigen soziologischen Analysen, regen die Autoren zum Nachdenken an: Wohin mag dies alles führen - und wollen wir das wirklich?

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Fuchs Werner Dr fanden 11 von 15 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Eher für Theoretiker als für Praktiker

Prosuming nennen es die Marketer, wenn sie den Kunden für das Unternehmen arbeiten lassen. Und das ist längst nicht nur in Selbstbedienungsrestaurants der Fall, wie vor allem Internet-User wissen. Neu ist das Ganze also nicht. Aber das Ganze nahm in den letzten Jahren so zu, dass sich nun Theorie und Wissenschaft dieser Praxis vertiefter annehmen. In diesem Buch sind es G. Günter Voss, Industrie- und Techniksoziologe sowie Kerstin Rieder, Gesundheits-, Freizeit und Sportpsychologin. „Die Herausbildung eines neuen Typus von Konsumenten ist Teil einer weitreichenden Entgrenzung und Subjektivierung von Gesellschaft, die mit einem Wandel von Vergesellschaftung einhergeht.“ Das ist keineswegs der schwierigste Satz in diesem Buch, sondern eine der Hauptthesen, die von allen Seiten beleuchtet, ausgelotet und in alle möglichen Zusammenhänge gestellt wird. „Die meisten Kundinnen und Kunden werden ohnehin erst einmal gar nicht merken, dass sich etwas ändert.“ Dieser Feststellung der beiden Autoren kann ich nur zustimmen. Ich fragte mich allerdings bei der Lektüre oft, ob ich jede Veränderung, gemeint ist hier eine neue Subjektivität, merken muss und was dann anders wäre. Soll ich mich anders verhalten? Soll ich gegen die Unternehmen rebellieren? Oder soll ich einfach zur Kenntnis nehmen, dass ich mitarbeiten muss, wenn ich noch mehr für noch weniger will?Mein Fazit: Bei aller Achtung vor der Arbeit der beiden Soziologen, grossen Nutzen für meine Arbeit als Marketer brachte mir die Lektüre nicht. Und weil es in den letzten Jahren viele soziologische Bücher gibt, die verständlicher und alltagsnaher sind, möchte ich das Buch nur denen empfehlen, deren Hunger nach Theoretischem unersättlich ist.Prosuming nennen es die Marketer, wenn sie den Kunden für das Unternehmen arbeiten lassen. Und das ist längst nur in Selbstbedienungsrestaurants der Fall, wie vor allem Internet-User wissen. Neu ist das Ganze also nicht. Aber das Ganze nahm in den letzen Jahren so zu, dass sich nun Theorie und Wissenschaft dieser Praxis vertiefter annimmt. IN diesem Buch sind es G. Günter Voss und Kerstin Rieder. Ein Industrie- und Techniksoziologe sowie eine Gesundheits-, Freizeit und Sportpsychologin. „Die Herausbildung eines neuen Typus von Konsumenten ist Teil einer weitreichenden Entgrenzung und Subjektivierung von Gesellschaft, die mit einem Wandel von Vergesellschaftung einhergeht.“ Das ist keineswegs der schwierigste Satz in diesem Buch, sondern eine der Hauptthesen, die von allen Seiten beleuchtet, ausgelotet und in alle möglichen Zusammenhänge gestellt wird. „Die meisten Kundinnen und Kunden werden ohnehin erst einmal gar nicht merken, dass sich etwas ändert.“ Dieser Feststellung der beiden Autoren kann ich nur zustimmen. Ich fragte mich allerdings bei der Lektüre oft, ob ich jede Veränderung, gemeint ist hier eine neue Subjektivität, merken muss und was dann anders wäre. Soll ich mich anders verhalten? Soll ich gegen die Unternehmen rebellieren? Oder soll ich einfach zur Kenntnis nehmen, dass ich mitarbeiten muss, wenn ich noch mehr für noch weniger will?Mein Fazit: Bei aller Achtung vor der Arbeit der beiden Soziologen, grossen Nutzen für meine Arbeit als Marketer brachte mir die Lektüre nicht. Und weil es in den letzten Jahren viele soziologische Bücher gibt, die verständlicher und alltagsnaher sind, möchte ich das Buch nur denen empfehlen, deren Hunger nach Theoretischem unersättlich ist.

Diese Rezension von Fuchs Werner Dr fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein sehr gelungenes Buch für eine breite Leserschaft

Ich habe von dem Buch im Radio gehört und es mit großer Faszination gelesen. Hier wird, soweit ich das beurteilen kann, erstmals aus sozialwissenschaftlicher Sicht darauf aufmerksam gemacht, dass Unternehmen zunehmend in ganz neuer, offensiver Weise ihre Kunden als Hilfskräfte benutzen und als Teil der Wertschöpfungskette betrachten. Die Kunden sollen nicht nur kaufen sondern auch arbeiten. Was vor vielen Jahren als Selbstbedienung begann, entwickelt sich jetzt anscheinend zu einer gezielten Ausbeutung der Kunden als echte Arbeitskräfte. Diese Erscheinungen lassen sich insbesondere im Dienstleistungssektor beobachten. Es gibt immer weniger Beratung, dafür wird der Kunde mehr und mehr in die Pflicht genommen und muss dementsprechende Kompetenzen mitbringen. Sehr aufschlussreich war für mich, wie das Thema mit den bekannten Ideen über den "Arbeitskraftunternehmer" verbunden wird, bspw. welche Konsequenzen sich aus dem erweiterten Rückgriff auf die Selbststeuerungskompetenz von Personen für den privaten Lebenszusammenhang ergeben. Dieses Buch lässt sich sehr gut lesen, mit vielen anschaulichen Beispielen (und tollen Cartoons). Gleichzeitig ist das Buch hoch anspruchsvoll. Die wichtigste Leistung ist wohl, dass die ins Auge gefasste Entwicklung systematisch arbeitssoziologisch und sogar gesellschaftstheoretisch eingeordnet und interpretiert wird: Die zunehmende ökonomische Nutzung der unbezahlten Mitarbeit von Kunden wird als ein Indiz für einen umfassenden Strukturwandel in der Gesellschaft gedeutet. Vor komplexen theoretischen Gedanken sollte man aber keine Angst haben ... Das Buch eignet sich für diejenigen, die sowohl als Praktiker (etwa im Bereich der Kundenbeziehungen von Unternehmen oder im Marketing) wie vor allem aber auch als theoretisch interessierte Leser nach der Zukunft des Konsums und des Privatlebens in unserer Gesellschaft fragen. Es überrascht mich nicht, dass das Buch im Moment in den Medien breites Interesse findet.

Diese Rezension von Rolf Dobelli fanden 3 von 4 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Spannende Studie über die Kunden von heute und morgen

Für alle, die in Politik und Wirtschaft die Weichen für die Zukunft stellen müssen, ist dies ein hochinteressantes Buch. Die aktuelle Tendenz der zunehmenden Beteiligung der Kunden an wirtschaftlichen Prozessen (wie beim E-Banking oder Online-Shopping) spinnen die Autoren weiter und entwickeln daraus ein plausibles Szenario für Wirtschaft und Gesellschaft der Zukunft. Vor allem der erste Teil des Buches überzeugt durch spannende Beispiele und einen lebendigen Stil. Je tiefer die Autoren allerdings in die Materie eintauchen, umso mehr zeigt sich, dass dies keine ganz leichte Lektüre ist - der Leser sollte z.B. bereit sein, sich mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Theorien von Marx bis Habermas zu beschäftigen. Trotzdem ist das Buch insgesamt noch verständlich und mitunter sogar amüsant geschrieben. Wir empfehlen es allen Lesern, die sich mit den sozialen Folgen von neuen Entwicklungen beschäftigen. Auch für Führungskräfte im Marketing dürfte die Lektüre aufschlussreich sein.

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