Mankell, Henning

Der Chronist der Winde, Großdruck

Der Chronist der Winde, Großdruck
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2005-11-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 368
  • ISBN: 3423252421
  • EAN: 9783423252423
  • Amazon.de Verkaufsrang: 383.913
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Beschreibung von buecher.de

Ein Roman über das Leben der Straßenkinder in Afrika, der in seinem legendenhaften Erzählton die wunderbare Balance hält zwischen der grausamen Alltagswirklichkeit und den magischen Kräften der Phantasie. Ein Buch der Emotionen, das uns daran erinnert, wozu Menschen - im Guten wie im Bösen - fähig sind.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Eine magische Aura umweht den afrikanischen Straßenjungen Nelio: Noch nie hat jemand gewagt, ihn zu verprügeln. Vielleicht weil aus dem 10-Jährigen, dem sich die irdischen Abgründe viel zu früh erschlossen haben, eine greise Weisheit spricht. Jetzt aber liegt Nelio mit schweren Schusswunden auf dem Dach eines ärmlichen Theaters. Dort erzählt er -- zwischen kräftezehrenden Fieberschüben -- dem Bäckerjungen José Antonio Maria Vaz sein Leben. Das beginnt mit der Erinnerung an die Banditen, die sein Dorf niederbrannten, seine Schwester töteten und vor denen er geflüchtet ist, als sie ihn zwingen wollten, einen Verwandten zu erschießen. Und es endet bei den Straßenkindern in der Stadt, denen Nelio zu einem an Fairness und Reife geradezu übermenschlichen Anführer wurde: Gestohlen jedenfalls wird nicht unter seinem Regime; bestenfalls -- in der Villa eines verreisten Entwicklungshelfers -- der Kühlschrank leer gegessen. Henning Mankell -- mit seinen Stories um den Kult-Kommissar Kurt Wallander dauerhaft auf den einschlägigen Bestseller-Listen vertreten -- präsentiert sich also seinen Fans hier nicht als Krimi-Autor, sondern als poetischer Anwalt der Chancenlosen: Derer, die gezwungen sind, "das Leben roh zu essen". Trotz aller Tragik des Sujets gleitet der Romancier, der dem heimischen Schweden zeitweise den Rücken kehrt, um in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo Theaterstücke zu inszenieren, aber nicht in schwermütige Betroffenheitsprosa ab. Es darf -- mit anderen Worten -- auch gelacht werden: Über die Tomaten- und Zwiebelkulturen beispielsweise, die in Mandiocas Hosentaschen hervorragend gedeihen. Oder über den schwerfälligen Tristeza, der eine Bank gründen will und dem Nelio für den Fall, dass er seine Denkgeschwindigkeit steigert, erst einmal ein Paar Turnschuhe verspricht. Vor allem aber bekennt sich Der Chronist der Winde -- in Schweden mit dem Sveriges-Radio-Romanpreis 1996 ausgezeichnet -- bedingungslos zur Kraft der Träume: "Man kann fliegen, ohne sichtbare Flügel zu haben, dachte Nelio. Die Flügel sind in uns, wenn uns vergönnt ist, sie zu sehen." --Christine Wahl

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Anna Mashi fanden 25 von 25 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Henning und seine Meisterwerke

Der Chronist der Winde wurde mir von meinem Physiklehrer ans Herz gelegt und schien damit schon jede Möglichkeit verloren zu haben, wirklich gut zu sein.

Doch das war ein vorschneller Trugschluss, wie mir bald nach Beginn der Lektüre klar werden sollte, denn was der Autor dem Leser eröffnet, ist unglaublich.

Der kleine Straßenjunge Nelio liegt auf dem Dach eines Hauses, Nacht für Nacht, und starrt in den Himmel. Ihm bleiben nur noch zehn Tage, denn die Schusswunde, die langsam aber sicher zu faulen beginnt, frisst schleichend das Leben aus dem mageren Körper. Nelio aber will nicht in das Krankenhaus gebracht und behandelt werden - stattdessen erzählt er dem Bäckergesellen, der ihn findet, seine Geschichte, die stellvertretend für die aller Straßenkinder Afrikas steht, eine Geschichte, die trotz ihrer Einfachheit fesselt und einmal ein ganz anderes Bild des armen Landes zeigt. Das Bild aus den Augen der Ärmsten...

Henning Mankell weiß, was er schreibt, er lebt selber ja auch in Afrika und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen darüber aufzuklären, wie es dort ist. Zumindest in diesem Buch, und das gelingt ihm hervorragend. Auch für die, die seine Kriminalromane nicht mögen, ist "Der Chronist der Winde" geeignet.

Das einzige Manko ist, wie eigentlich immer bei Mankell, die Kennzeichnung der wörtlichen Rede, die mich persönlich sehr irritiert, doch der Inhalt des Romans wiegt das alles hundertmal auf.

Diese Rezension von Regenfisch fanden 13 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Unsichtbare Flügel

"Der Chronist der Winde" ist mein erstes Afrika-Buch, das ich von Mankell gelesen habe, und ich bin tief berührt und nachhaltig beeindruckt.

Mankells einfühlsame und zugleich realistische Sprache trägt die Geschichte des Straßenjungen Nelio. Dieser ist in einem Theater von zwei Kugeln tödlich verwundet worden und hat nur einen Wunsch: Er möchte auf das Dach des Hauses. Sein Vater riet ihm, wenn das Leben zu schwer werde, soll er die Sterne betrachten und sich dem Himmel öffnen. Der Bäcker José Antonio Maria Vaz erfüllt ihm diesen Wunsch. Er hat schon viel von Nelio gehört, den trotz seines jungen Alters eine geheimnisvolle und magische Aura umgibt.

Dort oben auf dem Dach der Bäckerei erzählt Nelio in neun Nächten seine Lebensgeschichte. Wie er einem Trupp von Banditen entkommen konnte, jedoch seine Familie und sein Zuhause verlor, eindrucksvolle Begegnungen auf seinem Weg in die Stadt...

Es ist Mankell gelungen das Schicksal eines afrikanischen Straßenkindes so zu erzählen, dass der Leser zugleich mit den Kindern mitfühlen und auch äußerste Achtung empfinden kann. Er legt diesen Kindern Worte voller Weisheit in den Mund, die die Seele des Lesers nachchaltig berühren und zu einem Lebensbegleiter werden können.

Diese Rezension fanden 13 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen wundervoll!

Als Deutsche, die in Mosambik gelebt hat kann ich Henning Mankell nur bewundernd gratulieren. Nicht nur, dass er es schafft die grausame Vergangenheit des Landes und leider auch seine derzeitige Realität mit soviel Humor und Tiefe zu erzählen. Er liefert auch eine wundervolle Beobachtung von der Stadt und seiner Bevölkerung in der Nelio und die anderen Straßenkinder leben. Für mich ist dies eines der schönsten Bücher, die ich je gelesen habe und kann es jedem, ob er nun an Afrika interessiert ist oder nicht, nur aufs Wärmste empfehlen. Denn von der Weisheit und der Lebenskraft des kleinen Nelio kann jeder profitieren....

Diese Rezension von Sulli fanden 20 von 21 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wenn dies die beste aller Welten ist...

Die Kriminalromane von Henning Mankell werden ja oft und gerne als schwermütig bezeichnet. Doch erst nachdem man "Der Chronist der Winde" gelesen hat, weiß man, wie schwermütig, aber auch wie wortreich und phantasievoll Mankell zu schreiben in der Lage ist.An der Schreibe eindeutig erkennbar ist er schon, der Mankell. Kurze prägnante Sätze in einfacher, aber deutlicher Schreibweise prägen auch dieses Werk. Eine solche Phantasie wie hier kennt man vom Autor ansonsten nicht. Deutlich stellt er hier den Charakter des Buches als Erzählung heraus. Direkte Rede wird dabei nur durch einen einleitenden Gedankenstrich dargestellt, fließt ansonsten mit in den gesamten Text ein."Der Chronist der Winde" ist ein sehr leises, trauriges, aber auch humorvolles Buch, das einige schreckliche Ereignisse und viel Elend schildert. Ein Roman, der emotional sehr bewegend ist, doch nicht nur aufgrund dieser negativen Erfahrungen, die die Straßenkinder machen müssen, sondern auch durch die Schilderung, wie sie ihr Leben meistern und dabei durch viel Phantasie die schönen Seiten des Lebens erkennen können und für sich selbst positive Dinge herausziehen können. Man könnte sagen, Mankell befindet sich hier auf einer Gratwanderung zwischen schrecklicher Realität, die ein Außenstehender sieht und dem phantasievollen Spiel, das die Kinder aus ihrem Schicksal machen.Die Straßenkinder sind dabei sehr lebensnah dargestellt und hervorragend charakterisiert. Tagtäglich auf der Suche nach der Nahrung zum Überleben schon früh auf sich allein gestellt, bleibt doch auch das Kindliche in ihnen. Man bekommt als Leser schnell eine Beziehung zu den Charakteren. Zu Mandioca, der Erde in seinen Hosentaschen hat und dort Zwiebeln und Tomaten wachsen lässt. Zu dem schwerfälligen Tristeza, der neue Turnschuhe bekommen soll, wenn er es schafft, schneller zu denken. Oder zu dem schwerkranken Alfredo Bomba, dem die anderen unbedingt seinen letzten Wunsch erfüllen wollen, das Paradies zu finden, das auf keiner Landkarte verzeichnet ist.Revolution. Fast jährlich hört man eine solche Meldung aus irgendeinem afrikanischen Land. Doch kaum jemand macht sich bewusst, was dies für die Bevölkerung bedeuten kann. Banditen ziehen im Land umher und überfallen und vernichten friedliche Dörfer und rauben den Bewohnern ihre Existenzgrundlage. Kinder werden an Waffen ausgebildet und zu Guerilleros gemacht und ihnen damit die Kindheit geraubt.Mankell appelliert mit diesem Buch an die Menschenrechte und erinnert seine Leser daran, daß jeder in die Lage kommen könnte, in der er alles verliert und nur noch ums nackte Überleben kämpfen muß.

Diese Rezension fanden 36 von 39 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Unbedingt lesen !

Henning Mankell ist ja eher für seine, in der Tat lesenswerten, Wallander-Romane bekannt. Diese sind weniger wegen ihrer literarischen Qualität ein Genuss, sondern halten den Leser durch geschickt konstruierte Handlungsabläufe und der überzeugend dargestellten Figur des Protagonisten in ihrem Bann.

Ganz anders "DER CHRONIST DER WINDE". Hier entpuppt sich sich Mankell als großer Erzähler einer

beeindruckenden, auch bedrückenden, Geschichte. Das kurze Leben des afrikanischen Strassenjungen

Nelio wird mit einer solchen Kraft erzählt - machmal erinnerte mich die Sprache an Gabriel Garcia Marquez -,

dass das schiere Grauen, die Trauer, der Lebensmut und die Lebensfreude, Hass und Liebe für den Leser

fass- und fühlbar werden. Mankells Meisterwerk !




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