Bestellen bei Buecher.de! Preis: 19,80 €
Bestellen bei Amazon.de! Neu ab 17,50 €, gebraucht ab 13,90 €.
Neue Bücher bestellen bei: Buch.de.de, Buch24.de, Bol.de, Libri.de, Thalia.de
Gebrauchte und neue Bücher bestellen bei: AbeBooks.de, Booklooker.de
Die Tsunami-Flutkatastrophe vom 26.12.2004 mit insgesamt über 300.000 Toten hat deutlich gemacht, wie fragil insbesondere Inseln sind. Aufgrund der großen Zahl internationaler Touristen in den Ferienparadiesen Süd- und Südostasiens hat noch keine andere Naturkatastrophe bislang so viele Opfer aus so vielen verschiedenen Kontinenten und Ländern gefordert.Dieser Band stellt die Herausforderungen und Probleme des Inseltourismus vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und der Partizipation indigener Kulturen dar.Überaus wichtig ist dabei eine interdisziplinäre Betrachtungsweise, was sich in unterschiedlichen akademischen Fachrichtungen der Autoren niederschlägt.Im vorliegenden Band finden sich neben Untersuchungen über Inseln der pazifischen Inselwelt wie Fiji, Französisch-Polynesien oder Rapa Nui solche über Inseln im Indischen Ozean wie die Malediven, Seychellen oder Nikobaren und Andamanen sowie über Inseln des südchinesischen Meers, der Karibik und des Mittelmeers.
verletzliche TerritorienInselurlaube haben sich in den letzten Jahren zu einem Schwerpunkt der Tourismusindustrie entwickelt. Nachdem Mallorca erfolgreich verballermannt wurde, wälzen sich Jahr für Jahr Horden Erholungssüchtiger über weitere insulare Regionen auf dem Rest des Globus. Die ökologische und soziale Verletzlichkeit winziger Territorien inmitten des Meeres kommt in den Prospekten der Reiseunternehmen nicht vor. In den 14 Beiträgen dieses Bandes werden die Auswirkungen der Tourismusindustrie auf die fragilen Inselwelten geschildert. Der - vor allem für kleinere Staaten lebenswichtigen - Bedeutung des Tourismus als Devisenbringer stehen massive ökologische Probleme und kultureller Wandel gegenüber.
Der Band beginnt mit einer Untersuchung von Tobias Reeh und Werner Kreisel zum Mythos „Insel", der verschiedene Regionen im Pazifik, in der Karibik und im Indischen Ozean zu gefragten Urlaubszielen werden ließ. Dieser - ursprünglich aus der Literatur herrührende - Mythos ist mittlerweile ein erfolgreiches Marketinginstrument. Der Inselboom in der Tourismusindustrie nimmt dabei immer abstrusere Formen an. Wie im Beitrag von Manfred Domrös geschildert, verfolgt beispielsweise die Regierung der Malediven im Indischen Ozean die Strategie, bisher unbewohnte Kleininseln als Touristenhotels herzurichten, in denen die Besucher aus Übersee - völlig abgeschottet von der einheimischen Bevölkerung - streßfreie Erholungswochen genießen können. Das bedienende Hotelpersonal hat dagegen die Funktion von Gastarbeitern - im eigenen Land.
Ein gelungenes Beispiel für ökologisch verträglichen Tourismus schildert Oliver Hörstmeier im Beitrag über die Seychellen: Durch den Verzicht auf Massentourismus zugunsten eines Hochpreistourismus wurden Umweltschäden weitgehend vermieden. Mit den Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft finanziert die Regierung der Inselrepublik nicht nur ein vorbildliches Sozialsystem, sondern auch den Aufbau einer fischverarbeitenden Industrie als Alternative zum Tourismus. Die Seychellen gelten mittlerweile als einziges afrikanisches Land mit hohem Entwicklungsstand.
Im Beitrag von Tanja Thimm über das Überseedepartement Französisch-Polynesien wird dagegen über die zerstörerischen Auswirkungen des Massentourismus auf verschiedenen Pazifikinseln berichtet. Ein Großteil der einheimischen Maohis lehnt mittlerweile diese Art von Tourismus ab. Bei den Regionalwahlen im Jahre 2004 siegte mit Oscar Temaru ein Befürworter der Unabhängigkeit von Frankreich.
Im Beitrag von Karl Vorlaufer werden die Auswirkungen des Massentourismus auf die thailändischen Inseln im Indischen Ozean geschildert. Die Inseln gerieten nach dem Seebeben 26.12.2004 und der nachfolgenden Tsunami-Flutkatastrophe kurzzeitig in sämtliche Medien. Berichtet wurde jedoch vorwiegend über zerstörte Hotelanlagen und ertrunkene Feriengäste. In nur wenigen Beiträgen wurde der im Zusammenhang mit der Ausbau der Inseln als Ferienzentren stattgefundenen Strukturwandel thematisiert: Die von der Tourismusindustrie besetzten Areale gingen zu Lasten von Mangrovenwäldern und Agrarflächen. Außerhalb der Hotelanlagen wuchsen Müllkippen und Favelas, in denen Einwohner, die nicht von der Tourismusindustrie profitierten, ihr Dasein fristeten. Die Flut zerstörte nicht nur unterschiedslos Luxushotels und Elendsviertel, sondern sorgte auch für eine kaum reparable Vermüllung der Inselstrände.
Die zur Indischen Union gehörenden Inselgruppen Andamanen und Nikobaren lagen dem Epizentrum des Bebens vom 26.12.2004 am nächsten und wurden von der Flutwelle am stärksten betroffen. Zwar vermochte es ein Teil der Ureinwohner rechtzeitig zu flüchten, aber kleinere und flache Inseln boten keinerlei Schutz. Es gab massive Zerstörungen und zahlreiche Tote. Wie in dem Beitrag von Ulrich Delius geschildert, sind diese Inseln zwar vom Tourismus bisher weitgehend verschont geblieben. Die indische Regierung nimmt jedoch die Folgen des Bebens zum Anlaß für eine Forcierung des Landraubes an der einheimischen Bevölkerung. Die vor der Küste Myanmars (Burma) gelegenen Inseln haben militärstrategische Bedeutung - auf den Nikobaren befindet sich seit Jahren einer der wichtigsten Stützpunkte der indischen Armee.
gb.