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Gedichte Fibel - nicht grad für ABC-SchützenEine Gedichtanthologie zu beschreiben ist ein seltsames Unterfangen. Denn so ein Werk ist nichts anderes, als eine Sammlung von Gedichten verschiedenster Autoren. Soviel schon mal zum Inhalt. Da man dem Verfasser und auch dem Leser hier nicht ernsthaft zumuten kann, Gedichtbeispiele abzupinseln bzw. zu lesen, so sei schon am Anfang deutlich erklärt: Das wird ein sehr knapper Text!
Veröffentlicht soll er aber werden, um einerseits Lyrik-Pessimisten für eine Gedicht-Fibel zu erwärmen und anderseits Lyrik-Optimisten eine Empfehlung für eine sorgfältig zusammengestellte und preiswerte, chronologisch verfasste Textsammlung zu geben.
Reclam-Hefte nennt man umgangssprachlich die Bücher der Universal - Bibliothek - Reihe aus dem Haus Reclam. Den meisten sind sie sicherlich in der Farbe gelb erinnerlich, aus der Schulzeit oder auch aus dem Studium. Gelbe Heftchen bezeichnen einsprachige Ausgaben, es gibt auch noch andere Färbungen aus dieser Reihe. Bspw. grün: Das sind meist Interpretationshilfen / Anmerkungen. Oder etwa zweisprachige Ausführungen sind orange gehalten. Wir befassen uns also mit einem Büchlein, dass aus einer bildungsbeschwerten Verlagsreihe stammt. Zum Verlag selbst: Der gewohnte Hinweis in Richtung Internet! Ohne aber zu verschweigen, dass der Herausgeber der Deutschen Gedichte - Dietrich Bode - fast 40 Jahre bei Reclam gewirkt hat, davon fast die Hälfte der Zeit als Geschäftsführer.
Buchaufbau
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Vorwort: Auf zwei Seiten wird das Anliegen des Verlags beschrieben, ein derartiges Heftchen zu veröffentlichen. Habe ich heute zum ersten Mal gelesen, ehrlich! Also eigentlich der Part, den ich hier mit meinen Text auch versuche .....Die vorherrschende Meinung: Die Auswahl kann nicht repräsentativ für das deutsche Lyrikschaffen im Allgemeinen sein, denn durch die Wahl eines Taschenbüchleins muss immens selektiert werden. Das geschieht nach Ansicht des Verlages nach zwei Gesichtspunkten: Für die Literaturepoche einerseits charakteristische Werke sollen genauso ausgewählt werden wie auch Werke, die einen Autor besonders repräsentieren. Das in Kürze die Zusammenfassung des Vorworts!
Inhaltsangabe (5 Seiten): Die Autoren inklusive ihrer Lebensspanne (also etwa: Hermann Hesse[1877-1962] und ihre auserkorenen Gedichte mit: (sinnigerweise) Seitenangabe
Die Gedichte an sich (326 Seiten): dazu dann bei "Eigener Meinung" mehr ....
Quellenverzeichnis (9 Seiten): Für diejenigen von Interesse, die weitergehende Informationen zwecks Studium oder einfach nur Interessehalber benötigen. Gleichzeitig wird mit der sauberen Quellenangabe zweierlei deutlich: Erstens: Kein Gedicht ist gekürzt (müsste sonst in der Quelle als solches vermerkt sein) und zweitens: Der philologische Anspruch dieses Bändchens wird durch die lückenlose Quellenangabe deutlich.
Autorenverzeichnis (2 Seiten): Hilfreich dann, wenn man schnell "mal was von Heinrich Heine" sucht ...
Verzeichnis der Überschriften und Anfänge (12 Seiten): Das ist besonders hilfreich. Warum? Ihr sucht ein Gedicht und könnt euch nur an den Anfang erinnern. Beispiel: "Laue Luft kommt blau geflossen". Ein Blick in das Anfänge -Verzeichnis und -----Treffer: Joseph v. Eichendorff. Das Gedicht heißt übrigens "Frische Fahrt". Etliche Gedichtsammlungen bieten hier nur Autoren - oder Namensverzeichnis des jeweiligen Gedichts an. Reclam ist hier einen praktischen Schritt voraus!.
Eigene Anmerkungen zum Inhalt, Preis und Handling
Ich habe ja anfänglich versprochen, niemanden mit Lesebeispielen aus der Sammlung zu konfrontieren. Aber als Einleitung zu diesem letzten Textabschnitt kann ich es mir einfach nicht verkneifen, folgende Zeilen (stehen nicht im zu besprechenden Werk) euch an die Hand zu geben:
Gedichte lesen
Wer
von einem Gedicht
seine Rettung erwartet
der sollte lieber
lernen
Gedichte zu lesen
Wer
von einem Gedicht
keine Rettung erwartet
der sollte lieber
lernen
Gedichte zu lesen
(Erich Fried)
Denn: poetischer kann man (und ich schon mal gar nicht) es doch nicht ausdrücken. Ein Gedicht. Das ist kein zweckgebundener Text. Kunst ja, Luxus bestimmt. Horizonterweiterung: allemal. Genuss: vielfach. Das Gefühl zu haben, dass einen jemand aus der Seele sprechen kann.
Wie ihr bestimmt mitbekommt: Gedichte sind für mich kleine Bildungshäppchen, die ich gerne bei mir trage. Egal ob in der Straßenbahn oder im Bad oder beim Kaffeetrinken. Die Anthologie Deutscher Gedichte habe ich gerne bei mir. Schon seit meiner Schulzeit. Aber warum nun grade diese Sammlung aus dem Hause Reclam? Weil sie a) preiswert ist (8,00 Euro) und b) in die Gesäßtasche passt. Wenn es sein muss. Oder eben Manteltasche, Handtasche, Laptoptasche und wohin auch immer man das Büchlein stecken mag. Ich bin übrigens erstaunt, wie langlebig das Heft ist. Stolze 15 Jahre schon im Gebrauch und noch keine einzige Seite hat sich gelöst!! Und das bei einem "Taschenbuch"!
Zur inhaltlichen Vorauswahl seitens des Herausgebers kann ich euch auch zum Schluss nur Gutes berichten. Angefangen mit dem Wessobrunner Gebet" (erste bairische Textüberlieferung, so um 816) - also vom Althochdeutschen über Mittelhochdeutsch bis heute (letzte Autoren sind Grass, Krechel und Brinkmann) werden 12 Jahrhunderte deutscher Gedichtkunst erfasst. Und wie ich meine auch bezogen auf die einzelnen Epochen: Sehr charakteristisch ausgewählt. Obgleich es immer Themen geben wird, die unabhängig von Epochen immer wieder thematisiert werden. So finden wir in diesem Heftchen über die Jahrhunderte verteilt Gedanken über Liebe und Tod, soziale Beziehungen, Moralvorstellungen und Glaube, Gerechtigkeit. Gedankenkreise also, die sich lohnen. Immer wieder, zu jeder Zeit und Stunde. Und eben auch in jeder Textform. In meinem Fall also in der Gedichtform.
Wer mit einem Gedichtband liebäugelt: Glasklare Kaufempfehlung
Ein Wermutstropfen wie immer zum Schluss: Schade, dass der Herausgeber die 12 Jahrhunderte nicht mittels Überschriften strukturiert hat. Man weiß beim blättern leider nie genau, in welcher Epoche man gerade zu Gange ist. Für eingefleischte Germanisten gewiss kein Problem, die erkennen das sofort am Autor. Ich hätte mir das aber gewünscht.
SuperHier kann man sicher sein, dass man Gedichte finden wird, in denen man sich verliebt. Die gebundene Ausgabe ist zwar besser, aber hier erhällt man für einen "korreckten" Preis viel Lyrik.
Hervorragend, aber mit kleinen AbstrichenDiese Anthologie ist unbedingt kaufenswert. Der Herausgeber versammelt die wichtigsten Gedichte - soweit es der beschränkte Rahmen einer kleinen, preiswerten Ausgabe erlaubt. Trotzdem werden die Vorlieben des Herausgebers deutlich; man muß sie nicht unbedingt teilen. Natürlich fehlen wichtige Gedichte, Wilhelm Busch und andere Vertreter des kultivierten Humors fehlen leider ganz. Ist die Welt der Lyrik nur erhaben und traurig?
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