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Als die 83jährige Maria Grazia Battestini ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird, tragen nicht nur die Gondeln keine Trauer: Familie und Freunde gibt es keine, und die Nachbarn sind regelrecht erleichtert, als der Fernseher nicht mehr durch die Calli dröhnt. Nur Brunetti gibt keine Ruhe, bis er weiß, was sich hinter dem Tod der alten Frau verbirgt
„Jeder, der sie kannte, hat sie verabscheut.“ Viel Sympathie gibt es wahrlich nicht für die bestialisch ermordete Maria Grazia Battestini. Geizig sei die alte Xanthippe gewesen, habgierig, verrückt und „völlig übergeschnappt." Ihre rumänische Haushälterin wird kurze Zeit später am Bahnhof gestellt, kann fliehen und gerät dabei unter einen Zug. Fall geklärt, Akte zu? Seit rund 25 Jahren lebt und arbeitet Donna Leon in Venedig und dass sie sich dort zu Hause fühlt, das strahlen ihre Romane allemal aus: das ist ein weiterer, spannender Krimi, eine gute Story, eine Handlung, der man ohne kleinste Ermüdung bis zum Schluß folgt, eingebettet in die typisch venezianische Art, in ein schillerndes Lokalkolorit, das sich erst abseits der Touristenzentren so richtig entfaltet. Mord und Totschlag, Korruption und Verbrechen werden eingefügt in diesen charaktervollen Hintergrund. Venedig, diese attraktive Stadt, in der jeder, der nicht „in Hörweite der Lagune geboren war, als Fremdling“ gilt und „unseliger Kleinstadttratsch“ auch für einen Commissario ganz schön informativ sein kann. Commissario Guido Brunetti war im Urlaub, denn sonst hätte dieser neue und heikle Fall natürlich von vorne herein in seinen Händen gelegen. Da mag sich einer seiner Untergebenen für „eine bequeme Lösung des Verbrechens“ entscheiden, aber die Rechnung hat er ohne Brunetti gemacht, den Inspektor mit Instinkt, den Feinschmecker mit Feingefühl. Und der erkennt und ermittelt nach dem brutalen Tod der ‚alten Schreckschraube‘ höchst überraschende Aspekte. Soviel ist klar: nur weil die Battestini den Fernseher für die Nachbarschaft unerträglich laut stellte, ihren Abfall aus dem Fenster warf, wurde sie nicht ermordet. „Ihre Habgier, die kam aus tiefster Seele.“ Ein Genuss ist nicht nur der neue Fall, der sich klar entwickelt, logisch verläuft, sich in einem überschaubaren Rahmen bewegt, in dem der Leser sich nicht verliert: jedes Mosaikstückchen stimmt hier. Mit Wonne aber schleicht man sich besonders in das eingespielte Team um Brunetti, erwähnenswert allen voran die engagierte Signorina Elettra: sie ist es, die ihrem Chef ergeben jede Information besorgt, und dabei auch schon mal zu abenteuerlichen und nicht ganz legalen Mittel greift. Donna Leon, sie schreibt so herrlich normal, so ist das Leben eben, mit Schwarzarbeit, Betrug, leeren Staatskassen, Erpressung und: fehlenden Computer-Kenntnissen des Chefs. Der kennt sich dafür kulinarisch bestens aus: Ehefrau Paola hat da höchstens mit Schwertfischsteak mit Shrimps oder Kalbsbraten mit Zitrone und Rosmarin noch eine Chance. --Barbara Wegmann
hervorragende HörspielumsetzungDiese Hörspielbearbeitung des neuesten Brunetti-Romans von Donna Leon ist wirklich eine Spitzenleistung.
Besonders gekonnt ist die Umsetzung der vielen, im Roman vorhandenen Überlegungen von Brunetti durch Einführung einer Erzählerin. Dabei ist es gerade deren Sprecherin Barbara Auer, die dieses Hörspiel durch ihre höchst angenehme Stimme und präzise Artikulation trägt. Dem stehen die anderen Sprecher in nichts nach. Noch nie habe ich auch so eine passende und die Handlung so gut illustrierende Klanguntermalung (eine Art Geräusch - Collage) gehört.
Besser kann man einen Roman nicht in ein Hörspiel umsetzen.
Ein wunderbarer Brunetti, mehr als ein Krimi!Selten habe ich einen solch guten Krimi gelesen der dieses Attribut eigentlich gar nicht verdient, dieser 13. Fall ist wieder einmal mehr, viel mehr! Der eigentliche Plot, die Ermordung der alten Dame, rückt völlig in den Hintergrund und ist nur Staffage für einen Roman voller Gesellschaftskritik, persönlicher Animositäten und wunderbarer Charakter-Studien.Zudem schafft sie es wie immer mit ein paar tramezzini al prosciutto, mozzarella di Bufalo, gedünstetem Gemüse mit Weißwein oder Schwertfisch mit Shrimps und Knoblauch in Tomatensoße ein wunderbares Bild von La Serenissima zu malen - man kann Venedig förmlich riechen!Donna Leon versteht es ausgezeichnet einen eher schwachen Krimi mit leiser Ironie und wundervoller Atmosphäre zu umgeben; sie lässt uns sehr sensibel und überzeugend in die Befindlichkeiten der Einwohner Venedigs blicken und führt uns wieder einmal die tiefen Abgründe von Korruption, Vetternwirtschaft, Erpressung und Karrieresucht vor Augen.
Auf gewohnt hohem Niveau - Brunetti ist ein Klassiker !Die 83 - jährige Maria Grazia Battestini wird ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden. Tenente Scarpa, der für den in Irland urlaubenden Brunetti den Fall bearbeitet, hat eine schnelle Lösung parat: die rumänische Haushälterin soll die Täterin gewesen sein.Als Brunetti, aus dem Urlaub zurück, drei Wochen später von einer Zeugin einen Tipp bekommt, rollt er das Geschehen noch einmal auf, legt sich mit Scarpa an und stößt, wie fast immer in Venedig, auf ein System von Korruption und Erpressung.Sein Kollege Vianello und die unersetzliche Elettra mit ihren rätselhaften Verbindungen unterstützen ihn dabei, wobei sie nicht immer legale Mittel nutzen. Doch der Zweck heiligt die Mittel, und sie lösen den Fall.Es ist ein Wunder, dass der Commissario immer noch mit so viel Verve bei der Sache ist und sich auch von seinen Feinden auf dem Revier nicht klein kriegen lässt, denn auch in diesem Fall wird der Täter nach der Einschätzung von Brunetti ohne große Strafe ausgehen.Donna Leon schreibt nun seit vielen Jahren auf gleich bleibend hohem Niveau Krimis, die nicht nur gut und spannend zu lesen sind, sondern ähnlich wie bei Camilleri gute und aufschlussreiche Beschreibungen der italienischen Gesellschaft geben. Daß eine solche Gesellschaft trotz all der Korruption überhaupt noch funktioniert, grenzt an ein Wunder.Doch die Venezianer haben sich daran gewöhnt, und so werden wir auch 2006, wenn der nächste Brunetti erscheinen wird, von einem Fall lesen, in dem Korruption, Vetternwirtschaft und karrieresüchtige und unfähige Polizisten eine Hauptrolle spielen werden.Brunetti ist ein treuer Freund geworden, der einmal im Jahr zuverlässig im Buch erscheint, den man dann aber auch wieder schnell vergisst - bis er sich wieder zu Wort meldet.
ein Muss für alle Brunetti Fans!Mit etwas Skepsis hab ich gestern Mittag den 13. Commissario Brunetti Roman aufgeschlagen und konnte ihn in Folge nicht mehr weglegen. Der eigentlich Fall steht eher im Hintergrund als die Charaktäre, persönlichen Schicksale und die Gesellschaftskritik. Man erlebt die bekannt vertraute Atmosphäre, die kritische Gattin von Guido, den Vice-Questore, usw. und das Italien dem eigentlich nicht mehr zu helfen ist. :-)) Kritisch zu bemerken habe ich nur, dass die Lösung des Falles zu sehr an Signorina Elletras Fähigkeiten hängt. Diese mittlerweile für mich sehr unrealistische "Hacken" in allen möglichen Datenbänken bewegt mich zu dem Abzug eines Sternes."Beweise, daß es böse ist" ist meiner Meinung nach nicht der Stärkste der Krimi-Reihe von Donna Leon, jedoch einer der besseren. Solange Donna Leon es schafft uns immer wieder neue Facetten von Venedig und Italien gepaart mit Bekanntem und Sozialkritik zu übermitteln sollte Commissario Brunetti noch nicht in Pension gehen!
Über die Habgier und den Hochmut!Commissario Brunetti recherchiert in seinem 13. Fall in Sachen des Mordes an der dreiundachtzigjährigen Maria Grazia Battestini. Wie er ermittelt, hat es sich bei dieser alten Frau um eine höchst unbeliebte Person gehandelt. Die harmonische Kooperation mit Dritten wurde durch ihre Charakterzüge stets verhindert. Besonders verschrien war die Alte aufgrund ihrer Habgier, ihres Geizes und wegen ihrer niederträchtigen Art mit ihrem Personal umzugehen.
Brunetti trifft im Laufe seiner Ermittlungen auf eine Reihe potentieller Tatverdächtiger und lotet in der Folge ganz allmählich das Tatmotiv aus. Parallel hierzu befasst sich Brunettis Gattin Paola zu diesem Zeitpunkt intellektuell mit den sieben Todsünden, weil diese im Religionsunterricht ihrer Tochter gerade behandelt werden. Paola diskutiert mit Brunetti die diesbezüglichen Problemfelder. Sünden, also Laster, wie etwa Neid, Habsucht, Hochmut aber auch Trägheit prädisponieren zu Delikten und Verbrechen, wie Donna Leon in ihrem Buch herausarbeitet. Die Tatsache, dass man besagte Sünden heute als bloße Charakterfehler abtut, könnte möglicherweise die eigentliche Ursache für die erhöhte Kriminalitätsanfälligkeit in der Gesellschaft darstellen. Das Postulat einer ethisch weniger laxen Grundhaltung zieht sich, wie ein roter Faden, durch Leons jüngstes Buch. Brunetti konstatiert, dass ihm die Verhaltensmuster, welche auf den sieben Todsünden beruhen, andauernd begegnen. Beklagt werden von ihm der bürokratische Filz und die allgegenwärtige Korruption, sowie Boshaftigkeiten innerhalb seiner Dienststelle. Diese Zustände beruhen gleichfalls auf der allgemeinen moralischen Desensiblisierung. In Brunettis 13. Fall geht es in erster Linie um die Darstellung menschlicher Abgründe, auch um die Frage wer Täter und wer eigentliche Opfer ist, sowie nicht zuletzt eben um Betrachtungen ethischer Notwendigkeiten in der Gesellschaft. Bei allem liest man, wie immer, vom entspannenden Miteinander in Brunettis Familie, von Paolas Kochkünsten und Brunettis unabänderlicher Faszination gegenüber seiner vielseitig begabten Lebensgefährtin.