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Durch die gemeinsame Autorenschaft einer der Angehörigenarbeit und Selbsthilfe verpflichteten Psychologin und eines in Klinik und Forschung tätigen Psychiaters wird auf viele Aspekte der Erkrankung eingegangen.
Verstehehen und VermittelnDas Buch ist in allen Punkten für den Erkrankten verständlich, auf das Wesentliche beschränkt, geschrieben. Wichtig ist, die Erkrankung nach Lesen des Buches viel besser verstanden und akzeptiert zu haben, als dies zuvor der Fall war. Auch für den Personenkreis, der bisher nur mit Unverständnis aus Unkenntnis auf das Krankheitsbild reagierte, ist dieses Buch außerordentlich hilfreich. Da das Buch in wenigen Stunden gelesen werden kann, sind Angehörige, Verwandte, Freunde und andere Vertrauenspersonen gerne bereit, sich mit der Materie zu beschäftigen, um anschließend den Betroffenen viel besser verstehen zu können, als dies bisher der Fall sein konnte. Mit eigenen Worten war es unmöglich, die Erkrankung dem o.a. Personenkreis so zu beschreiben, wie dies dem Buch in kürzester Zeit gelingt.Letztlich war ich von diesem Buch rundum begeistert und wünschte mir im Nachhinein, dass es so wichtig gewesen wäre, wenn ich dieses Buch bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt mein Eigentum hätte nennen dürfen.
Eine 50seitige Einführung ins ThemaDas Buch "Bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankungen)" von Geislinger und Grunze bietet eine gute und gut verständliche Erstinformation für Betroffene und Angehörige (für die es auch in erster Linie gedacht ist). Auf nicht viel mehr als 50 Seiten werden die Ursachen bipolarer Störungen, die Symptome, Verlaufsformen, Behandlungsmethoden und empfohlene Umgangsstrategien (für Patienten, Angehörige, Freunde) sowie die Bedeutung von Psychoedukation und Selbsthilfegruppen behandelt. Für Fachleute sind zu wenig Informationen enthalten, es fehlt beispielsweise der aktuelle Forschungsstand samt Ausblick oder Informationen über die Diagnostik und Therapie von bipolaren Störungen. Ebenso von der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Erkrankungen e. V. (DGBS) und unter Umständen ausführlicher ist das im Anhang empfohlene und Buch "Weißbuch Bipolare Störungen", für Betroffene und Angehörige sowie Neu-Interessenten ist unter Umständen die Kurzfassung dieses Buches ("Weißbuch Bipolare Störungen Kurzfassung") zu empfehlen. Beide habe ich persönlich jedoch noch nicht gelesen und kann sie somit nicht beurteilen.
Im Verhältnis zur geringen Seitenzahl erscheint mir der Preis dieses Büchleins ein wenig zu hoch, auch wenn es qualitativ gut ist und heute nur noch wenige Bücher unterhalb dieses Preisniveaus zu finden sind. Vor allem dies hat zum Abzug eines Bewertungssternes geführt. Was in meinen Augen die Qualität doch ein wenig einschränkt sind die zahlreichen Rechtschreibfehler, die den Eindruck erwecken, dieser Ratgeber sei auf der Flucht geschrieben worden. Gerne würde ich für die nächste Ausgabe die Korrektur übernehmen, schon allein um die Seriosität zu wahren. Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist es, dass durchgängig nur Text anzufinden ist, was wiederum diesen Ratgeber wie ein Fachbuch erscheinen lässt. Immerhin sind wichtige Aussagen und einzelne wichtige Wörter durch Fettdruck hervorgehoben.
Sehr positiv finde ich wiederum, dass auch viel über die "Mischzustände" sowie über die Bipolare Störung II erwähnt wird, da diese Themen meinem Gefühl nach in der Forschung und Lehre zu kurz kommen. Eine bipolare Störung zu haben bedeutet schließlich nicht zwangsweise, dass man manische Phasen hat. Und wenn, dann sagt dies auch noch lange nichts über die Dauer aus, schließlich können starke Stimmungsschwankungen auch innerhalb weniger Stunden auftreten. Die Bedeutung der Psychotherapie kommt meiner Meinung nach in diesem Ratgeber von Geislinger und Grunze allerdings zu kurz, vor allem wenn man bedenkt, welch wichtigen Stellenwert sie innerhalb einer Depression einnimmt. Zudem kann man beispielsweise auch dort trainieren, sensibel für 'Umschwünge' zu werden oder Verträge (in Form von mündlichen oder schriftlichen Vereinbarungen) für den 'Manie-Fall' abzuschließen.
Alles in allem muss man aber auf jeden Fall dankbar sein für diese Lektüre der DGBS, da das Thema bipolare Störungen in den letzten Jahrzehnten doch sträflich vernachlässigt wurde. Die DGBS gibt es auch erst seit 1999, aber seitdem hat sie sich sehr um Aufklärung und Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen gekümmert.
Flach und schwach!Ich als selbst Betroffener kann dieses Büchlein leider nicht weiterempfehlen. Es liest sich wie ein Werbepamphlet der Pharmaindustrie. Der Psychotherapie wird gerade mal ein Absatz gewidmet! Und die genetische Anlage als die einzige Ursache für die Erkrankung anzuführen ist ja wohl auch nicht der letzte Stand der Wissenschaft! Zudem befremdet ein wenig der Pessimismus der AutorInnen, dass die bipolaren Störungen an und für sich nicht zu heilen, sondern nur zu lindern seien und die PatientInnen ein Leben lang begleiten werden.
Die Ausführungen zu ALG und Hartz mögen zwar für Deutsche interessant sein, für mich als Österreicher sind sie aber völlig unbrauchbar und was soll ich mit der Checkliste einer Selbsthilfegruppe" anfangen? Wenn ich internet Adressen will, suche ich im google, da brauch ich kein Buch dazu und mit Glossarium" ist wohl Literaturliste" gemeint.
Mit den 60 S., viele davon sind gar nicht oder nur halb beschrieben, ist es viel zu teuer, da kann ich Antigone" recht geben. Ich will mein Geld zurück!
Wer sich ernsthaft mit dem Thema manisch-depressive Erkrankungen auseinandersetzen will, dem empfehle ich: Alain Ehrenberg, Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1998.