Von wegen 'Stille Post' - die Berliner Band Mia. löst auf ihrem zweiten Album alle Versprechen ein, die sie bislang nur zart angedeutet hat. Mit ihrem wilden Stilmix aus NDW-, Punk- und Pop-Elementen etabliert sich Mia. endgültig als eine der wichtigsten deutschsprachigen Bands. Im Vergleich zum Debütalbum 'Hieb und StichFest', das Mitte 2003 veröffentlicht wurde, hat die Band um Sängerin Mieze riesige Fortschritte gemacht. In den elf neuen Songs, darunter die Single 'Hungriges Herz', lässt das Quintett keine Gelegenheit aus, um sich möglichst grell und schrill in Szene zu setzen. Schossen Mia. auf ihren früheren Produktionen aber oft noch weit über das eigentliche Ziel hinaus, so sind sie inzwischen sehr gut in der Lage, ihre Emotionen und Ideen so zu bündeln und zu kontrollieren, das daraus pralle Popsongs entstehen, die in ihrer entwaffnenden Unbekümmertheit einzigartig sind. Mia. gelingt es mühelos, vom Opener 'Komm mein Mädchen' über die Elektro-Pop-Hymne 'Pro Test' bis hin zum stark an Bands wie Ideal und Trio erinnernden 'Blaue Flecken' das hohe Niveau zu halten; das ist vor allem ein Verdienst von Sängerin Mieze, die mit ihrer eigenwilligen Stimme nach Belieben das Geschehen bestimmt. Doch Mia. verharren immer nur kurz in der Vergangenheit. Ihr Rückgriff auf alte Zeiten - vornehmlich zitieren sie aus der Hochzeit der Neuen Deutschen Welle - ist nie von Sentimentalität geprägt, sondern ganz im Gegenteil: Die Band nutzt das so erzeugte Spannungsfeld zwischen Gegenwart und Vergangenheit konsequent aus, um sich neue musikalische Gebiete zu erschließen - ohne Berührungsängste und ohne falsch verstandenes historisches Bewusstsein. Das passiert in Stücken wie 'Sonne' oder 'Ökostrom' zwar auf denkbar unspektakuläre Weise, doch Mia. wissen genau, dass sie mit ihren vordergründig naiven Texten und klar strukturieren Melodien mitten in die Herzen ihrer Fans treffen. Mit 'Stille Post' ist der Band ein perfektes Popalbum gelungen, das neben 'Hungriges Herz' noch jede Menge anderer Songs mit Hitpotenzial besitzt.
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