Nolte, Ulrike

Die fünf Seelen des Ahnen

Die fünf Seelen des Ahnen
  • Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz
  • Erscheinungsdatum: 2006-03-31
  • Bindung: Broschiert
  • Seitenzahl: 220
  • ISBN: 393674260X
  • EAN: 9783936742602
  • Amazon.de Verkaufsrang: 108.983
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Norma Banzi fanden 9 von 12 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Buch zum Verschlingen

Hin und wieder passiert es. Ein richtig gutes Buch findet den Weg in meinen Besitz, ein Buch, welches man erst aus der Hand legt, wenn es ausgelesen ist, ein Buch, das man regelrecht verschlingt, das den Leser mit jedem Satz mehr in seinen Bann zieht. DIE FÜNF SEELEN DES AHNEN ist so ein Buch für mich. Fast hatte ich beim Lesen das Gefühl, als wäre es genau für mich geschrieben worden, genau an meinem Lesegeschmack orientiert.

Ich mag Science Fiction. Besonders interessant finde ich Utopien, die sich an den technischen Entwicklungen und noch nicht realisierten Ideen der Gegenwart orientieren, sie ausspinnen und in die Zukunft denken. Ich mag Liebesgeschichten und ich mag schwule und lesbische Literatur. Außerdem mag ich sanft Ironie. All dies und noch viel mehr wurde mir in DIE FÜNF SEELEN DES AHNEN geboten.

Die Autorin Ulrike Nolte beschreibt mit viel Liebe, Humor und sanfter Ironie das Leben in einem Auswandererraumschiff, welches die Erde vor Generationen verlassen hatte, weil diese unbewohnbar geworden ist. Im Laufe der Jahre hat sich eine Art Großstadt entwickelt mit Millionen von Einwohnern. Mit welchen technischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Strategien der Frieden und das Gleichgewicht auf dem Raumschiff aufrechterhalten werden, stellt die Autorin mit großem Ideenreichtum dar. Ich hätte ewig nur von den großen und kleinen Alltagsbegebenheiten an Bord lesen können, ohne mich auch nur eine Spur zu langweilen.

Wie es sich für ein gutes Buch gehört, beginnt es an einer Stelle, wo der Umbruch unmittelbar bevorsteht, hier, als die Menschen endlich, endlich nach einer Jahrhunderte dauernder Suche einen bewohnbaren Planeten finden. Sie hatten es fast schon aufgegeben. Bevor eine Besiedelung beginnen kann, muss natürlich ein Außenteam zunächst einmal die Örtlichkeiten erforschen. Und diese Erforschung geht für das Crew-Mitglied Caravan auf ganz reizende Weise schief. Er geht verloren und taucht später verändert wieder auf, so dass sich sein Partner Serail und die Kapitänin Randori bald fragen, wie menschlich er eigentlich noch ist.

Ich habe schon so viele Besiedelungsromane gelesen, in denen die Spannung quasi in einer Art Hysterieschraube immer mehr nach oben geschraubt wird. Dabei habe mir immer gedacht, es muss doch auch anders gehen, Spannung kann doch auch anders aufgebaut werden, als dass die Romanfiguren nach dem ersten Unfall alle ausflippen und nur der Held die Ruhe bewahrt.

DIE FÜNF SEELEN DES AHNEN hat mir dies endlich bestätigt, Gott sei Dank! Natürlich dreht auch Ulrike Nolte gekonnt und nach bewährtem Rezept an der Spannungsschraube, aber eben doch ein bisschen anders, ein bisschen charmanter, ein bisschen differenzierter.

Und wo bitte schön sind die Schwulen und Lesben, fragt sich vielleicht der eine oder die andere. Ohne zu viel vom Roman zu verraten, kann ich wohl sagen, dass in einem überbevölkerten Großstadtraumschiff heterosexuelle Paare nur die tolerierte Ausnahme sind. So hat dann auch der verunglückte Taucher Carvavan keine Frau, sondern einen Mann, den leichtlebigen Serail. Der zunächst schwache Charakter Serail wächst und gedeiht im Laufe des Buches.

Und wie menschlich sein Ehemann Caravan noch ist, das muss schon jeder selbst im Buch nachlesen. Es lohnt sich!

(c) N. Banzi

Diese Rezension von Bedszent, Gerd fanden 1 von 3 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Siedlerdrama mit offenen Fragen

Die Erde ist als Ergebnis einer Öko-Katastrophe unbewohnbar geworden - die überlebenden Reste der Menschheit treiben in "Arche" genannten Siedlerschiffen ziellos durchs Weltall.

Nach Jahrhunderten der Suche hat die Arche 32 noch immer keinen zur Besiedlung geeigneten Planeten gefunden. Die Nachfahren der Besatzung - Offiziere und Mastrosen - bilden eine erbliche Adelskaste, die voll Verachtung auf die seit Generationen sinnlos vor sich hin lebenden Passagiere herabsieht. Diese haben in eine Unzahl von Gilden aufgespalten, die sich - um die Leere ihres Daseins mit irgend etwas zu füllen - mit der Imitation längst vergangener irdischer Kulturen beschäftigen.

Der neue Planet, den die Arche ansteuert, erweist sich jedoch als bewohnbar, wenn auch vollständig mit Wasser bedeckt. Bei einer ersten Erkundung verschwindet ein Matrose - und taucht merkwürdig verändert wieder auf. Sollte der Planet eine intelligente Spezies beherbergen?

Zwischen den Gilden der Passagieren kommt es zu Auseinandersetzungen: Während die Mehrheit um jeden Preis der Enge des Raumschiffes entkommen will, fordert eine Minderheit den Weiterflug. Der Kommandant der Arche tritt von seinem Posten zurück und überläßt es seiner Nachfolgerin, zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln. Die Situation eskaliert, als es zu einer Reihe von Mordanschlägen kommt, denen ausschließlich Mitglieder der Besatzung zum Opfer fallen...

Ulrike Nolte hat es in ihrem Buch wieder verstanden, eine fremdartige Ökologie detailliert und überzeugend zu schildern und es den Lesern zu ermöglichen, sich in nicht-menschliche Denk- und Verhaltensmuster hinein zu versetzen. Auch ihre Schilderung der sozialen Auswirkungen einer seit Jahrhunderten abgeschotteten Gesellschaft ist bemerkenswert.

Die anfangs überaus spannende Krimi-Handlung bleibt leider hinter den Erwartungen zurück - die Autorin schaffte es nicht, die von ihr aufgebauten Konfliktlinien zu einer allseits überzeugenden Lösung zusammenzuführen. Mehrere Handlungsstränge brechen daher etwas unvermittelt ab. Die letzten Kapitel wirken konstruiert - der Hauptkonflikt des Buches bleibt ungelöst.

Es sich sehr schade - Ulrike Nolte hat in ihrem Erstlingsroman "Jägerwelten" bewiesen, daß sie es eigentlich besser kann. Ein empfehlenswertes Buch bleibt es jedoch allemal.

Die fünf Seelen des Ahnen



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