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In seinen weit ausgreifenden Untersuchungen der abendländischen Geistesgeschichte hat Hans Blumenberg (1920-1996) einen Grundgedanken variiert: Auf der einen Seite steht, einem absolutistischen Souverän vergleichbar, die sinnleere, rücksichtslose Übermacht der realen Welt. Ihr gegenüber steht der schwache und ohnmächtige, aber erfindungsreiche Mensch, der von der Aufgabe, sich durch kulturelle Distanzierungsleistungen von dieser Willkürherrschaft zu entlasten, ganz in Anspruch genommen wird. Jenseits aller wissenschaftlichen Erkenntnis kann er der Frage nach dem Sinn seiner Existenz inmitten des sinnlosen Weltalls nicht entkommen.
Ausgezeichnet einführende ParodieWer sich die Lektüre der vielen tausend schwerverdaulichen Blumenbergseiten ersparen will, kann nicht besser tun, als zu diesem Buch zu greifen: eine elegantere Zusammenfassung ihrer Grundgedanken kann man sich kaum wünschen. Aber eben nur eine Zusammenfassung; denn die seltene Kritik fällt eher kosmetisch aus. Der Autor versteht sich offenbar als Schüler Blumenbergs, dessen Stil er so sehr zu imitieren weiß, dass der Eindruck einer Parodie entsteht. Bezeichnend ist bereits der Eingangssatz des Buches: "Wir wissen viel von Hans Blumenberg, zugegeben, aber nur wenig über ihn"; er erinnert verdächtig an den Blumenbergaphorismus von S. 171: "Man ist nicht wichtig, zugegegeben, aber nichts ist wichtiger als man."
Wer eine konzise Darstellung des ausufernden und bisweilen schwer zugänglichen Werkes dieses vielleicht größten Stilisten der deutschen Philosophie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts sucht, die selbst stilistisch anspricht, kommt an diesem Buch kaum vorbei. Wer an einer philosophische Auseinandersetzung mit Blumenberg interessiert ist, sollte sich anderswo umsehen.
Sekundärliteratur nach MaßWer den Philosophen Hans Blumenberg noch nicht kennt, aber kennenlernen will (oder muss) kommt an diesem Buch nicht vorbei! Absolut empfehlenswert! In diesem Buch von Franz Josef Wetz sind alle Tugenden guter Sekundärliteratur vereinigt: klar strukturiert, einfach geschrieben - aber nicht vereinfachend, die gebotene Kürze der Darstellung geht nicht auf Kosten der notwendigen Tiefe - und ganz wichtig, nach der Lektüre bekommt man "Lust auf Blumenberg" und möchte sich am liebsten alle Werke bestellen. Es ist das beste Sekundärbuch seit langem, das ich in den Händen hatte und mit viel Freude gelesen habe. Man lernt, recht unangestrengt, eine Menge dabei