Grindley, Sally

Das Mädchen Lu Si-Yan

Das Mädchen Lu Si-Yan
  • Verlag: Bloomsbury
  • Erscheinungsdatum: 2006-03-06
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 206
  • ISBN: 3827050561
  • EAN: 9783827050564
  • Amazon.de Verkaufsrang: 650.612
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Beschreibung von buecher.de

Die elfjährige vaterlose Lu Si-yan lebt ein armes, aber glückliches Leben. Doch dann beschließt ihr Onkel, sie als Hausmädchen an eine reiche chinesische Familie zu verkaufen. Es beginnt eine schwere Zeit für Lu Si-yan, bis der Tod ihrer Mutter das Herz ihres Onkels erweicht, und er sich auf die Suche nach ihr macht. Er trifft sie schwerkrank an, aber Lu Si-yan gibt nicht auf: Sie will ihren geliebten Bruder Li-hu wiedersehen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Eulenbus fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Mädchen sind wie verschüttetes Wasser,

... hatte Onkel Ba immer gesagt. Da die Arbeitskraft einer Tochter später einmal der Familie ihres Mannes zugute kommen wird, wurde in China die Schulbildung von Mädchen lange Zeit vernachlässigt. Nur ein Sohn würde die Eltern im Alter unterstützen und nach ihrem Tod für ein traditionelles Begräbnis sorgen. Eine sehr kurzsichtige Einstellung; denn wer würde seinem einzigen Sohn ein so vernachlässigtes, ungebildetes Mädchen zur Frau wünschen?

Si-Yan (Seidige Schwalbe) wächst gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder im ländlichen China auf. Die Eltern bauen Reis und Gemüse an, das sie selbst auf dem Markt verkaufen. Obwohl Onkel Ba findet, dass man in der Fabrik besser verdienen kann, ist Si-Yans Familie mit ihrem Leben zufrieden. "Wahrer Reichtum besteht darin, zu wissen, dass man alles hat, was man braucht", davon war Si-Yans Vater fest überzeugt. Si-Yan soll einmal weiter kommen als ihre Eltern, die kaum lesen und schreiben gelernt haben. Doch als Si-Yans Vater tödlich verunglückt, kann die Mutter die Landwirtschaft nicht mehr allein betreiben. Onkel Ba unterstützt die Familie seines jüngeren Bruders nicht, obwohl er finanziell dazu in der Lage wäre. Ba findet, dass Si-Yans Mutter ihm etwas schuldet. Er verkauft das überflüssige Mädchen, das gerade erst 11 Jahre alt ist, als Dienstmädchen zu den Chens in eine ferne Stadt. Frau Chen lässt Si-Yan die gesamte Hausarbeit machen und plant, Si-Yan später einmal mit ihrem geistig behinderten Sohn zu verheiraten. Doch die wahre Herrin im Hause Chen ist Schwiegermutter Hong, die Si-Yan unbemerkt zur Flucht verhilft. Si-Yan, die nicht genau weiß, in welchem Teil Chinas sie sich befindet, glaubt ein Riesenglück zu haben, als ihr eine Stelle als Arbeiterin in einer Spielzeugfabrik angeboten wird. Sie verschweigt ihr wahres Alter und hofft, in kurzer Zeit genug Geld zu verdienen, um in ihr Heimatdorf zurückkehren zu können. Wie alle anderen Fabrikarbeiterinnen schuftet Si-Yan 6 Tage in der Woche, macht Überstunden, wenn gerade ein neuer Auftrag eingegangen ist und erhält am Monatsende eine fast leere Lohntüte. Der Fabrikbesitzer ("wir sind wie eine Familie") findet stets einen Vorwand, seinen Arbeiterinnen für schlechte Qualität oder Fehlzeiten den Lohn zu kürzen. Wären nicht die hilfsbereite Li Mei und die anderen Arbeiterinnen, hätte Si-Yan ihre Mutter und ihren Bruder womöglich nie wieder gesehen.

Die historische Frauenfigur, die den Buchumschlag ziert, und der Klappentext lassen vermuten, dass Lu Si-Yans Geschichte so modern nicht sein kann. Dass Si-Yan im China der Gegenwart lebt, mag man kaum glauben, wenn man die hinterwäldlerischen Ansichten ihres unverheirateten Onkels hört. Er scheint tatsächlich zu glauben, dass die Mutter "etwas falsch gemacht hat", wenn in einer Familie eine Tochter geboren wird. Auch dass Familien in finanziellen Notlagen ihre Kinder aus der Schule nehmen, klingt kaum nach einem modernen Staat. Si-Yans Erlebnisse in der Familie Chen deuten den Hauch einer sozialkritischen Geschichte an, in der die Menschen arm sind, weil sie eben arm sind. Doch die geschilderten Arbeitsbedingungen in der Spielzeugfabrik und die rechtlose Situation der Arbeiterinnen sind beklemmend aktuell und werden realistisch geschildert. Offiziell wird niemand eine Elfjährige beschäftigen. Doch was sind schon Zahlen in einem Land, dessen angeblich ausgewachsene Sportlerinnen die typischen Zahnlücken des Grundschulalters zeigen. Li Si-Yans Erlebnisse führen uns dorthin, wo Plastikspielzeug, billiger Schnickschnack und Textilien für den europäischen Markt hergestellt werden: in eine chinesische Fabrik des dritten Jahrtausends. Sally Grindleys Mädchenschicksal spricht nicht nur durch seine angenehm zu lesende Sprache an, sondern überrascht im zweiten Teil mit seiner realistischen Schilderung des Lebens junger chinesischer Arbeiterinnen.

4 von 5 Sternen spannend

Es geht um das Mädchen Lu-Si-Yan, dessen Vater bei einem Unfall stirbt. Die Mutter steht nun allein mit den beiden Kindern da. Nur der verbitterte Onkel Ba, der Bruder des Toten kann ihnen helfen. Doch dieser arbeitet nur in einer Fabrik und kann oder will das Geld nicht aufbringen. Deshalb beschliesst er Lu-Si-Yan an eine reiche Familie zu verkaufen...

Das Buch ist total spannend. Gefallen hat mir besonders, dass Lu-Si-Yan so willensstark war.

Wieso ich nur vier Sterne gebe???? Der Schluss war mir doch ein bisschen zu schnell. Ich hätte mir dazu noch mehr Details gewünscht. Aber trotzdem kann ich es wirklich nur empfehlen.

Das Mädchen Lu Si-Yan



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