Abaelard, Peter

Scito te ipsum (Ethica)\Erkenne dich selbst

Scito te ipsum (Ethica)\Erkenne dich selbst
  • Verlag: Meiner
  • Erscheinungsdatum: 2006-02
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 178
  • ISBN: 3787317767
  • EAN: 9783787317769
  • Amazon.de Verkaufsrang: 576.465
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Beschreibung von buecher.de

In dieser zwischen 1135 und 1139 verfaßten Schrift, der er zwei Titel gab: Ethica oder Scito te ipsum (Erkenne dich selbst), erörtert Abaelard die Frage nach dem Guten und dem Bösen, vor allem aber erstmals die Bedeutung des Gewissens für die Selbstbestimmung des Menschen. Er unterscheidet zwischen der Schwäche des Menschen, die durch Selbstbeherrschung überwunden werden kann, und der Sünde, die darin besteht, sich den eigenen Schwächen zu unterwerfen. Seine These, das Gewissen sei die oberste Instanz der Moral und die Moralität oder Verwerflichkeit einer Handlung bestimme sich daher aus der Gesinnung des Handelnden, führte ihn zu der Folgerung, daß derjenige, der böse handelt, ohne es doch selbst zu wissen, dadurch noch nicht schuldig wird - sondern erst dann, wenn er entgegen besserer Einsicht, die ihm aufgegeben und möglich ist, das Böse wählt. Diese Behauptung stieß bei den Zeitgenossen und der Kirche auf Kritik und führte (neben anderen Punkten seiner theologischen Lehre) zur Verurteilung Abaelards auf dem Konzil von Sens (1141); wirkungsgeschichtlich gewann sie gleichwohl große Kraft und Bedeutung, da durch diesen Gedanken die überkommene Doxa, allein der Verstoß gegen moralisch geltende Regeln gebe den Maßstab dafür ab, ein Individuum der Sünde zu bezichtigen, dahingehend zu relativieren, daß nur der sich schuldig macht, der auch wußte, daß er eine Verfehlung begeht. Aus diesem Grund zählt die Schrift zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Die Ausgabe präsentiert sie erstmalig in einer vollständigen deutschen Übersetzung. Beigegeben sind der lateinische Text und eine kompetente Einleitung, die die besondere Stellung dieser Schrift im Gesamtwerk Abaelards prägnant vor Augen führt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Boris Hennig fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Überfällig, aber nicht gut genug

Eine zweisprachige, erschwingliche Ausgabe von Scito Te Ipsum ist längst überfällig, vor allem deshalb, weil keine bezahlbare lateinische Ausgabe greifbar ist, denn Bd. 190 des Corpus Christianorum Continuatio Medievalis, dessen lat. Text wiedergegeben ist, ist nur zu Bibliothekspreisen zu haben.

Leider weist die Übersetzung ein paar grundlegende Mängel auf. Nur ein Beispiel: Steger übersetzt sowohl "anima" als auch "animus," deren Bedeutung auseinanderzuhalten wäre, gleichermaßen mit so verschiedenen Worten wie "Person," "Seele" und "Gesinnung." Die Übersetzung mit "Person" mag für moderne Leser eingängig sein und Missverständnisse vermeiden, die sich bei einer Übersetzung mit "Seele" leicht einstellen. Es geht Abelard nicht um eine subjektive Innenwelt, wenn er "anima" sagt. Dann aber hätte an keiner Stelle mit "Seele" übersetzt werden sollen, und Steger schwankt ohne erkennbaren Grund zwischen beiden Varianten. Außerdem sagt Abelard bekanntermaßen, dass der moralische Wert einer Handlung allein von dem "animus" abhänge, aus dem heraus sie getan wird: "non enim, quae fiunt, set quo animo fiant, pensanda sunt" (S. 36). Hier kann Steger natürlich unmöglich mit "Person" übersetzen, denn dann ergäbe sich, dass man vor allem auf die Person achten müsse, um eine Handlung moralisch zu bewerten, während es doch im 5. Buch Mose heißt, dass man stets ohne Ansehen der Person zu urteilen habe. Hier steht die traditionelle Bedeutung des Wortes "Person" im Wege (nämlich etwa: soziale Stellung). Mit "Gesinnung" zu übersetzen, verfälscht aber den Sinn des Gesagten. Denn Abelard meint tatsächlich, dass es darauf ankomme, zu sehen, was das für ein Mensch ist, der etwas tut. Er ist nicht Gesinnungsethiiker, sondern Tugendethiker; er betont, dass der moralische Wert einer Handlung immer zugleich auf den moralischen Wert eines Handelnden zu beziehen ist. Wir sollen also nicht so sehr fragen, mit welcher Gesinnung oder Absicht etwas geschehen ist, sondern von welcher "Person" oder "Seele" das ausgeht, was getan wurde: quo animo fit. Um diesen Zusammenhang zu vermitteln, wäre unbedingt eine einheitliche Übersetzung von "anima" erforderlich gewesen.

Also empfiehlt es sich stets, zum lateinischen Text hinüber zu schielen, um zu sehen, was Steger da wieder so oder so übersetzt hat. Da der Text zweisprachig vorliegt, ist das aber leicht, und in dem Sinne handelt es sich um eine brauchbare Ausgabe.

Scito te ipsum (Ethica)\Erkenne dich selbst



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