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Walter Gölz übersetzt Kants Hauptwerk erstmals in einen 'Klartext' und macht Schritt für Schritt deutlich, welche Sache jeweils hinter all dem steht, was Kant in oft nicht leicht zugänglicher Sprache formuliert hat. Detailliert und zugleich kompakt arbeitet er die zu allen wesentlichen Aussagen Kants gehörenden Argumentationsketten klar heraus.
Präzise und leicht verständlichDer Autor Walter Gölz beweist, daß, sobald man eine Sache wirklich grundlegend verstanden hat, man diese auch verständlich darstellen kann.
Er schreibt klar, aber hoch präzise. Er zeigt analytisch sauber herausgearbeitet die Fehler und Irrtümer in Kants denken auf, so z.B. die fragwürdige Beweisführung der transzendentalen Deduktion (dem Kernstück von Kants Kritik der reinen Vernunft). Er hebt aber auch die Teile hervor, die verständlich machen, warum Kant im historischen Kontext von Bedeutung war.
Für den, der sich schon zuvor ein wenig in die Begriffswelt Kants eingearbeitet hatte, ist dieses Buch äußerst erhellend.
Kant erklärt sich selbst besserEs gibt sicher Gegenstände, die nicht leicht zu verstehen sind, dazu gehören die höhere Mathematik, Einsteins Relativitätstheorie oder auch Kants Überlegungen zur Erkenntnistheorie. Da ist es schön, wenn es begnadete Lehrer oder Autoren gibt, die in der Lage sind, einem dummen Laien wie mir zumindest eine Ahnung von den unglaublich abstrakten Gedankengängen zu geben, die sich in diesen Sphären abspielen. So, wie es zum Beispiel Hoimar v. Dithfurth tut, oder wie es in Simon Singhs Fermats letzter Satz: Die abenteuerliche Geschichte eines mathematischen Rätsels geschieht.
Leider verfügen nicht viele Menschen über die Gnade der allgemeinverständlichen Darstellung komplizierter Sachverhalte. Das musste ich bei dem Autor von "Kant im Klartext" schon vor Erscheinen dieses Buches erkennen, denn er war vor 45 Jahren mein Mathematik-Lehrer am Tübinger Uhlandgymnasium. Auch sein Buch ist, wie ich finde, nicht leichter zu verstehen als Kants "Kritik der reinen Vernunft" im Urtext, allenfalls kürzer, aber immer noch viel zu lang, wenn man sich nur einen Überblick verschaffen will.
Die immer noch beste und verständlichste Einführung in Kants Erkenntnistheorie hat Kant selbst gegeben, nämlich in seinen Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können. Sie zu lesen hat den Vorteil der Authentizität, und billiger als der Gölz sind sie auch noch.
Kants "Kritik der reinen Vernunft" im Klartext?Der Titel dieser Ausgabe wird dem Inhalt leider nicht gerecht, da der Autor es versäumt hat, sich dem Begriff "Klartext" unzweideutig zu nähern. Vom Leser wird, meines Erachtens, vorausgesetzt, dass er/sie sich bereits mit den kantischen Begriffsdefinitionen vertraut gemacht hat, denn die hiesigen Erläuterungen sind leider zu diffizil. Des Weiteren verfolgt der Autor nicht sukzessiv seinen eigenen Argumentationsstrang, sondern weist innerhalb diesen , für den Leser störend, stets auf vorangegangene Argumente, die sich zu oft wiederholen.
Wer auf Kommentare zur "Kritik der reinen Vernunft" zurückgreifen möchte, ist mit dieser Ausgabe nicht gut beraten.