Häupl, Waltraud

Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund

Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund
  • Verlag: Böhlau
  • Erscheinungsdatum: 2006-06
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 663
  • ISBN: 3205774736
  • EAN: 9783205774730
  • Amazon.de Verkaufsrang: 69.746
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Beschreibung von buecher.de

Im Anstaltsbereich des heutigen Otto Wagner-Spitals befand sich von 1940 bis 1945 die zweitgrößte'Kinderfachabteilung'des'Deutschen Reiches'. Mit deren wiederholter Umbenennung von'Wiener städtische Jugendfürsorgeanstalt'auf'Heilpädagogische Klinik der Stadt Wien - Am Spiegelgrund'und'Wiener städtische Nervenklinik für Kinder'wurde eine Spezialklinik vorgetäuscht, um kranker, behinderter und vermeintlich erblich belasteter Kinder und Jugendlicher leichter habhaft zu werden. ÄrztInnen und Hebammen wurden durch einen geheimen Runderlass verpflichtet, jede Auffälligkeit an die Gesundheitsämter zu melden, denn im NS-Staat durften Menschen mit psychischer, physischer oder sozialer Beeinträchtigung das Bild einer heilen Gesellschaft nicht stören. Der'Reichsausschuß zur wissenschaftlichen Erfassung von erb- und anlagebedingten schweren Leiden'befand sich in Berlin. Von dort erfolgte auf Grund der Meldungen die Verfügung zur weiteren Behandlung oder Beobachtung der in die'Klinik'eingewiesenen PatientInnen, wobei Behandlung 'Tötung' und Beobachtung 'noch zu warten' bedeutete. Alles war 'geheime Reichssache', nichts durfte an die Öffentlichkeit dringen.'Am Spiegelgrund' wurden hunderte Kinder und Jugendliche von den Ärzten medizinischen Versuchen unterzogen. Gesunde wurden krank gemacht, um natürliche Todesursachen, wie z. B.'Lungen- oder Darmentzündung'usw. vorzutäuschen. Mit Überdosierung von Barbituraten, vor allem mit Luminal, wurden Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche ermordet. Die Ärzte nannten es 'einschläfern' oder 'behandeln'. Die Gehirne und andere Körperteile wurden in Gläsern konserviert und auch nach dem Krieg für weitere'wissenschaftliche'Tätigkeiten und Publikationen benützt. Die genaue Anzahl der Opfer wird sich wahrscheinlich nie mehr eruierbar sein.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von M. Hackl fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Schockierender Bericht

Ich bin gerade dabei, dieses Buch zu lesen. Und ich muss ehrlich sagen, dass mich schockiert, wie unter Hitler mit anders gesinnten bzw. behinderten und benachteiligten Menschen umgegangen wurde. Ich wusste zwar schon vorher über KZs und die Verfolgung Andersdenkender Bescheid, doch ich hatte keine Ahnung, was mit Behinderten geschah.

Die Schwester der Autorin wurde als eines von vielen Kindern in der "Spezialklinik Spiegelgrund" umgebracht. Als sie das erfahren hat, begann sie mit Nachforschungen zu diesem Thema und schrieb schließlich das vorliegende Buch. Sie rekonstruierte anhand der noch erhaltenen Unterlagen die Lebensgeschichten und Krankengeschichten der unzähligen Opfer. Diese sind in dem Buch aufgeführt. Nicht bei jedem war das möglich, da in vielen Fällen keine Unterlagen erhalten waren. Es werden auch Hintergrundinformationen zum "Spiegelgrund" und der NS-Euthanasie geliefert. Auch medizinische Fachbegriffe zu den Untersuchungen und Krankheiten werden erläutert.

Ich meine, dass die Autorin die Aufgabe, die sie sich selbst gestellt hat, sehr gut gemeistert hat. Das Buch ist wirklich sehr informativ.

Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund



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