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Den Glutkern des Buches bildet ein Paar, das allein auf der Welt ist: Zwei Männer, die sich miteinander unterhalten. Ein paar Worte nur, dann zieht der eine seine Pistole und feuert einen Schuß ab. Der andere fällt in eine Hecke, doch als er wieder auf den Füßen steht, ist der Angreifer verschwunden. Der Überlebende hätte allen Grund, um den Schützen einen Bogen zu machen. Doch dieser ist sein Schwiegervater, besser: sein ehemaliger Schwiegervater.
Ein guter Name macht noch lange kein gutes BuchIch hatte schon viel von P. Highsmith gehört. Dementsprechend gespannt war ich natürlich auf meinen ersten Roman von ihr. Bewahrheitet hat sich nach der Lektüre des Buches jedenfalls der Grundsatz, daß man nicht mit allzu großer Euphorie an ein Buch herangehen sollte, denn die allgemeine Begeisterung für die Autorin kann ich nicht teilen. Zwar ist die Sprache klar, unkompliziert und fast schon ein wenig zu gradlinig, inhaltlich aber entbehrt die Geschichte bei so wenig Wortgewalt einiges an Spannung und Faszination. Ich denke das liegt daran, daß ich als knapp über Dreißigjähriger bislang zu starken anderen medialen Reizen ausgesetzt war, denn in den Sechszigern mag das Buch vielleicht noch als etwas Besonderes gegolten haben. Reichlich konstruiert wirken die Verhältnisse der am Geschehen beteiligten Personen. So wird aus der flüchtigen Bekanntschaft mit der unintelligenten und naiven Elisabetta ca. dreißig Seiten später ein reiner und wenig logischer Seitenfüller, dem es an Glaubwürdigkeit mangelt.Insgesamt bleibt zu sagen, daß man diesen Roman dank seiner einfachen Konstruktion und Sprache auch gut außerhalb der Ferienzeit lesen kann, es aber noch viele andere, lesenswertere Bücher gibt.
Ziemlich enttäuschendDer Klappentext verspricht einen packenden Psycho-Thriller. Nur wartet man bis zum Schluß vergebens auf einen solchen. Die Geschichte ist denkbar einfach: Eine junge Frau hat sich nach kurzer Ehe umgebracht und ihr Vater möchte nun den Schwiegersohn töten, weil er ihm die Schuld am Tod seiner Tochter gibt. Warum sich die junge Frau wirklich das Leben nahm, bleibt absolut ungeklärt. Das Buch ist nicht nur langweilig zu lesen, nein, man fragt sich auch ständig, welcher Mensch auf der großen weiten Welt sich so verhalten würde wie die beiden Hauptpersonen. Ihre Handlungen und Gedankengänge sind für einen normalen Menschen nun wirklich nicht nachvollziehbar. Das Schuld- und Sühne- Motiv ist hier beim besten Willen nicht gerade gekonnt umgesetzt. Und so gipfelt der ganze Roman in einem ebenfalls sehr seltsamen, nicht gerade befriedigendem Ende und hinterlässt einen eher faden Nachgeschmack.
Seltsam und düsterZugegeben, ich habe zwei Anläufe gebraucht, um das Buch zu lesen. Gerade die Antwort auf die Frage, warum der Protagonist immer wieder die Nähe seines potenziellen Mörders sucht, scheint zunächst unklar und jeder Logik bar. Doch meines Erachtens nach liegt gerade die Stärke dieses Werkes in dem nicht explizit aufgeklärten Beziehungsgeflecht zwischen Edward und Ray, die durch den Tod der Ehefrau bzw. Tochter in einem merkwürdigen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Beide wissen, dass nur die Vernichtung des Anderen die eigene Erlösung bedeutet.
Einfach kann der Leser diesem Katz und Maus Spiel nicht folgen, aber für mich war es nach einer Eingwöhnungszeit noch schwerer, das Buch zur Seite zu legen.
Krimi oder existentialistischer Roman?Wer bei diesem Buch einen klassischen Krimi erwartet, wird, fürchte ich, enttäuscht, es ist eher ein Roman, der existentialistische Themen streift und daher auch ein existentielles sujet hat: die Bedrohung des Lebens der Hauptfigur durch seinen Ex-Schwiegervater, der ihm die Schuld am Selbstmord seiner Tochter gibt.
Die Probleme, die das Buch behandelt, sind unter anderem das der Unmöglichkeit, sich in den Augen der Anderen als ein Selbst zu etablieren, da jede Fremdsicht (in diesem Fall fast ausschließlich)durch eigene Motive und Persönlichkeit des Betrachtenden bestimmt wird. So versucht Garrett immer wieder verzweifelt und unter Lebensgefahr seinem Schwiegervater sein Leben mit seiner Ehefrau zu schildern und ihn von seiner Unschuld zu überzeugen, woran dieser gar kein Interesse hat, da er ihn als Ventil für seine Trauer braucht, die er, entsprechend seiner Persönlichkeit, als Sieg über ein von ihm bestimmtes Objekt, das er sich bewußt als Projektion seiner Gefühle ausgewählt hat, ausleben will.
Wer Freude an einem komplexen Roman hat, der viele Betrachtungsebenen bietet und den Leser, auch auf Grund der aufgebauten athmosphärischen Spannung, lange gedanklich gefangen hält, dem wird dieses Buch gefallen, wer eher auf nette Abendunterhaltung à la Agatha Christie (die durchaus auch ihre Qualitäten hat) steht, den wird es, fürchte ich, eher unbefriedigt lassen.
Seltsame Spaziergänge durch VenedigWer Patricia Highsmith Stil mag, wird auch in diesem Buch voll auf seine Kosten kommen. Die Ausgangssituation ist denkbar klar und einfach: Ray Garretts Frau hat sich umgebracht. sein "ehemaliger" Schwiegervater gibt ihm die Schuld und möchte ihn umbringen. In Venedig umkreisen sich die beiden, verschwinden abwechselnd und belauern sich. Warum reist Garrett nicht einfach ab? Warum klammert sich sein Widersacher so an die Rache? Highsmith beantwortet viele Fragen nicht direkt, sondern läßt den Leser ahnen und eigene Vermutungen anstellen. Man bleibt gefesselt von diesem Reigen und möchte danach sofort zum nächsten Highsmith-Buch greifen.