Pastor, Ben

Kaputt Mundi

Kaputt Mundi
  • Verlag: Piper
  • Erscheinungsdatum: 2006-03
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 485
  • ISBN: 3492246702
  • EAN: 9783492246705
  • Amazon.de Verkaufsrang: 468.773
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Beschreibung von buecher.de

Rom am Ende des Zweiten Weltkrieges: Die alliierten Truppen sind nicht mehr fern, und die deutschen Besatzer gehen gegen die Partisanen vor. Als ein Mord in offiziellen Kreisen für zusätzliche Unruhe sorgt, wird der deutsche Major Martin Bora mit der Ermittlung betraut. Loyal, gebildet und sprachbegabt, scheint er der geeignete Mann zu sein, den mysteriösen Fenstersturz einer deutschen Botschaftssekretärin zu untersuchen eine Aufgabe, die den ehrenvollen Wehrmachtsoffizier zu einer unwiderruflichen Entscheidung zwingt.»Kein Krimi üblicher Dimension, aber einer, der absolut lesenswert ist und einen noch lange nach der Lektüre gedanklich nicht loslassen will.«3sat

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Wehrmachtsoffizier Martin Bora, Spezialist für Partisanenbekämpfung, wird Ende 1943 von der Ostfront nach Italien versetzt, wo die vorrückenden Alliierten unter amerikanischer Führung schon vor den Toren Roms stehen. Aus politischen Gründen setzt man ihn, der sich bereits zuvor als interner Ermittler hervorgetan hat, auf den Mordfall an der deutschen Botschaftssekretärin Magda Reiner an. Diese kam während eines Festes von Nazis und SS-Leuten durch einen mysteriösen Fenstersturz ums Leben. Zusammen mit dem römischen Inspektor Sandro Guidi versucht der in Rom aufgewachsene Bora den Fall aufzuklären. Doch Anfang 1944, als sich der italienische Faschismus bereits in Auflösung befindet, erwartet ihn hier ein Minenfeld aus politischer Intrige, heranrückenden Feindverbänden und nicht zuletzt Partisanengruppen, die mit ihren Aktionen die Befreiung der Stadt vorbereiten. Bora ist den Mächtigen in Rom jedoch kein Unbekannter. Vor allem sein väterlicher Freund und Vertrauter, der Kardinal Hohmann, arbeitet vom Vatikan aus daran, Rom vor der Zerstörung durch die heranrückenden Truppen zu bewahren. In diesem Chaos versucht der desillusionierte Bora mit seiner Existenz und seiner unsicheren Zukunft ins Reine zu kommen... Mit Kaputt Mundi legt die amerikanische Autorin Ben Pastor einen äußerst ambitionierten und vielschichtigen Kriminalroman vor. Ihrem Vorwort ist zu entnehmen, dass Kaputt Mundi offenbar Teil einer Serie um Martin Bora ist, deren erste Bände noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Leider gibt das Vorwort den Inhalt des früheren Geschehens nur ungenau wieder. Daher bleibt schwer nachvollziehbar, weshalb der „Spezialist für Partisanenbekämpfung“ Martin Bora auf Ermittlungen in „einfachen“ Mordfällen angesetzt wird. Zudem benennt Pastor Claus Graf Schenk von Stauffenberg als Vorbild für ihren Helden. Dieses Detail wirkt ebenso naiv wie ambivalent. Für sich genommen ist Kaputt Mundi ein solider und sehr atmosphärischer Kriminalroman mit engen historischen Bezügen. Sicher reicht Ben Pastors Deutschlanddebüt nicht an vergleichbare Romane wie Philip Kerrs Berlin Noir, Carlo Lucarellis Serie um Commissario De Luca oder Pavel Kohuths grandioses Romanwerk Sternstunde der Mörder heran. Auch diese Romane nähern sich „normaler Verbrechen“ in Zeiten noch größerer Verbrechen von verschiedenen Seiten aus an. Dennoch ist Pastors Roman, der stilistisch mit der Erzählweise des italienischen Neorealismus kokettiert, ein spannender und vielschichtiger Beitrag zu einem Genre, für das die Kriminalliteratur noch keinen Namen kennt. --Christian Koch

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Ute Seiberth fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ungewöhnliche Verwirrung

Durch Zufall bin ich auf diesen Kriminalroman einer Amerikanerin italienischer Hekunft gestoßen, der von den üblichen Krimi-Genres erfreulich abweicht. Er spielt im Jahre 1944 in Rom, als dramatische Aktionen der deutschen Besatzung noch die Stadt erschüttern, obgleich die Amerikaner im Anmarsch sind. Vor diesem Hintergrund erfährt man von Intrigen und Boshaftigkeiten, die Besatzer, Besetzte und Vatikan-Vertreter miteinander verbinden. Aufhänger des Plots ist der mysteriöse Fenstersturz einer deutschen Botschaftsangestellten - ein Fall, mit dessen Lösung der Major Bora und ein italienischer Kommisar betraut werden. Dies geschieht vor der Kulisse der verlorenen Schlacht und der Verbrechen in immer brutaleren Rückzugsgefechten. Alle Beteiligten versuchen die Aufklärung des Mordfalls, zu dem sich noch ein zweiter gesellt, zu verhindern. Interessant dabei, wie die amerikanische Autorin den deutschen Major porträtiert, der trotz aller Kriegsgreuel, in die er als Soldat verwickelt wird, versucht, menschlich zu reagieren.

Man sollte bei der Lektüre des Buches ein ausdauernder Leser sein, denn es ist nicht einfach, sich in das "Schlachtgetümmel" einzulesen. Auch ist das Setting für den schnellen Leser möglicherweise einfach zu ungewöhnlich. Die Figur des Majors in seinem moralischen Zwiespalt ist dabei aber ein roter Faden, der in die Geschichte hineinzieht. Auch kann die Schilderung des privaten Unbills rühren, dem der Soldat sich ausgesetzt findet. Sein italienischer Gegenspieler ist ebenfalls hin- und hergerissen zwischen Wut auf die Deutschen und Dankbarkeit dafür, daß der Major ihm das Leben rettet. Diese paradoxen und ungewöhnlichen Perspektiven machen das Buch so interessant.

Dieser Krimi ist damit vielleicht auch ein kleiner Beitrag zum 60. Jahrestag des Kriegsendes.

Diese Rezension von M. Schwickardi fanden 3 von 5 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Lesenswert, aber leider kein Kriminalroman

Eine Sekretärin der deutschen Botschaft in Rom stürzt während der Zeit der deutschen Besatzung aus dem Fenster ihrer Wohnung zu Tode. Ein deutscher Offizier und ein italienischer Polizist sollen die Hintergründe aufdecken und den Mörder überführen.Die Autorin, "Tochter einer Jüdin und Enkelin eines Antifaschisten" zeichnet ein illustres Genrebild von Rom kurz vor dem Ende der deutschen Besetzung. Leider werden Klischees (der ehrenhafte blaublütige Offizier, die leichtlebige Ehefrau, der gute Polizist, der undurchsichtige Verräter, der harte SS-Mann, der primitive Faschist, die promiskuitive Nachbarin) in einem solchen Ausmaß benutzt, daß die Figuren nur noch behandelt werden und selber kaum noch handeln können. Der italienische Inspektor ist die einzige Figur mit Wandlungs- und Entwicklungsmöglichkeit, alle anderen sind und bleiben kalt wie Eis. Der Leser muß selbst reflektieren, die Charaktere im Buch tun es nicht. Wäre nicht die tote Sekretärin, wäre die übrige Handlung unerträglich flach. Und daß als Mörder schließlich eine Figur herhalten muß, die der Leser vorher kaum wahrgenommen hat, läßt jeden Krimileser verzweifeln, ungeachtet der Tatsache, daß die (zahlreichen) weiteren Morde in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Rahmenhandlung stehen. Fazit: Viel Feind, viel Blut, viel Ehr'. Kriminalromane sehen anders aus.

Diese Rezension von Ewald Judt fanden 2 von 4 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Die ewige Stadt - 1944 als "offene Stadt"

Wenngleich auf der Titelseite von Ben Pastors Buch "Kaputt Mundi" (Serie Piper 7093 - "Kaputt Mundi", 2002) das Wort "Kriminalroman" steht, handelt es sich um keinen solchen. Die Kriminalhandlung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das Buch ist vielmehr eine Liebeserklärung an "Roma caput mundi", an Rom, das Haupt der Welt. Ende 1943 wurde eine Sekretärin an der deutschen Botschaft in Rom tot auf der Straße gefunden, nachdem sie offenbar aus dem Fenster gestoßen wurde. Mit der Aufklärung werden Major Bora von der deutschen Wehrmacht und Inspektor Guidi von der römischen Kriminalpolizei betraut. Primär verdächtigt werden ihre beiden Liebhaber, der lokale Faschistenführer Merlo und der Gestapo-Offizier Sutor, ohne daß jedoch Beweise vorliegen. Trotz der Umstände versuchen die beiden Ermittler neben ihren anderen Tätigkeiten diesen Mord - jeder auf seine Art und doch gemeinsam - aufzuklären. Nach über 5 Monaten gelingt ihnen dies auch - wenngleich es erstaunlich ist, daß die deutsche Wehrmacht und die römische Kriminalpolizei sich über 5 Monate lang mit der Aufklärung dieses Mordes befassen, obwohl die Front der Amerikaner täglich näherrückt. Aber das macht auch nicht den Charme des Buches aus. Das sind vielmehr die Perspektiven des Rundherums: die privaten Probleme von Major Bora mit seiner Frau Dikta, die Beziehung von Inspektor Guidi zu einer unverheirateten schwangeren Partisanin (?) oder Verräterin (?), die zwischen Freundschaft und Haß schwankende Zusammenarbeit von Bora zu Guidi, das Verhalten von Wehrmacht, SS und Gestapo als Besatzer und die Kriegsgräuel wie das Massaker in den Ardeantinischen Höhlen. Zu guter letzt läuten über 400 Kirchenglocken als die US-Truppen in Rom einziehen - und der zum Oberstleutnant beförderte Bora mit der der Wehrmacht Rom Richtung Norden verläßt.

Diese Rezension von K. Giesen fanden 0 von 1 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Kein Kriminalroman im eigentlichen Sinne ...

... ist dieser Roman, aber für jeden Kenner der Geschichte und insbesondere Roms ist die Atmosphäre in der "offenen Stadt" gengen Ende des 2. Weltkriegs wunderbar beschrieben.

Egal ob man sich über die Stereotypen ärgert oder nit, so ist jeder Gestalt durchaus ein eigener Rahmen gegebn und das Besondere liegt in der Variation der Typen. Dies gilt besonders für den "Helden" martin Bora, dessen Ambivalenz ihn dem Leser nahe bringt.

Natürrlich hat das Buch auch Schwäschen, es ist z.B. so dicht geschrieben, dass es oft schwerfällt, der Autorin zu folgen, aber dies mag auch an der Übersetzung liegen.

Insgesamt ein packender Roman, weniger ein Krimi, der das Interesse an seinem Helden entfacht und so nebenbei einiges lehrt über Nazis, Partisanen und Mitläufer.

Kaputt Mundi

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