Röhl, Bettina

So macht Kommunismus Spaß!

So macht Kommunismus Spaß!
  • Verlag: Europäische Verlagsanstalt
  • Erscheinungsdatum: 2007-03-20
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 677
  • ISBN: 3434506004
  • EAN: 9783434506003
  • Amazon.de Verkaufsrang: 16.408
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Beschreibung von buecher.de

So macht Kommunismus Spaß ist die Geschichte von Ulrike Marie Meinhof, Klaus Rainer Röhl und ihrer Zeitschrift »konkret« von den frühen Jahren der Bundesrepublik bis zum Beginn der Jugend- und Studentenrevolte von »68«. Die Journalistin Bettina Röhl erzählt die Lebensgeschichten ihrer Eltern, die sich 1958 bei den Aktionen »Kampf dem Atomtod« kennen lernten und fortan zusammenarbeiteten. Entlangd en Aufzeichnungen in einer Akte aus DDR-Beständen, der Akte Konkret, in der die illegale West-KPD mit Sitz in Ostberlin die Treffen mit Ulrike Meinhof und Klaus Rainer Röhl protokollierte, dokumentiert sie den Aufstieg der Zeitschrift »konkret« von ihrem Start in den Fünfzigern bis zu ihrem Durchbruch in den sechziger Jahren, als sie zu der meistgelesenen Studentenzeitschrift avancierte. Zugleich beschreibt sie das politisch-gesellschaftliche Umfeld, das diese Erfolgsgeschichte begünstigte. Darüberhinaus legt sie die authentischste Biographie Ulrike Meinhofs vor, die als Schülerin und Stu dentin, Journalistin, Ehefrau und Mutterdurch zahlreiche bisher unveröffentlichte Briefe und Dokumente selbst zu Wort kommt. Ulrike Meinhofs »erstes Leben«, so zeigt dieses Buch, war bis 1968 kein Präludium für spätere Fehlentwicklungen, wie häufig impliziert wird. Bettina Röhl führte zahlreiche Interviews mit Reich-Ranicki, Fritz J. Raddatz, Johannes Rau, Bahman Nirumand, und legt insgesamt eine mit viel Humor aufgezeichnete Familiengeschichteund ein spannendes, fakten- und dokumentenreiches Gesellschaftsporträt der fünfziger und sechziger Jahre vor.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von zeilensprung fanden 49 von 56 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Längst fällige Wertung!

Bettina Röhl, die Tochter Ulrike Meinhofs und Klaus Rainer Röhls, hat stets den Mythos der "guten Terroristin" beklagt, der Ulrike Meinhof bis heute umgibt.

In einer großangelegten Doppelbiographie nimmt sie nun selber die längst fällige Wertung vor, jedoch ohne das dieses Buch jemals zur reinen Abrechnung wird. Zehn Jahre hat es gedauert, bis sie mit "So macht Kommunismus Spass" fertig wurde und herausgekommen ist eine kritische und fundierte Auseinandersetzung mit den Eltern, die als politische Journalisten in den sechziger Jahren Karriere machten.

Als Mitglieder der verbotenen KPD wurde "Konkret" von der Sowjetunion und der DDR finanziert und gelenkt und Ulrike Meinhof machte das Blatt mit ihren glänzenden Kolumnen schließlich zum Sprachrohr der linken Studentenbewegung.

Als sich Röhl und Meinhof in den fünfziger Jahren kennenlernten, war ihr politisches Bewusstsein bereits erwacht. Beide engagierten sich in der Anti-Atombewegung und gegen den Muff der Adenauer-Ära und waren von dem Wunsch an eine bessere Welt beseelt. Bald jedoch zerbrach ihre Ehe und Ulrike Meinhof scheiterte nicht zuletzt am Widerspruch zwischen Widerstand und Eigenverwirklichung und ihrem bürgerlichen Leben zwischen Redaktion, Kindererziehung und Gesellschaft. Denn die beiden waren so etwas wie exotische Hätschelkinder der Hamburger Schickeria. Ulrike Meinhofs Weg in den Untergrund und in die Rote Armee Fraktion, der geplante und nur dank des beherzten Eingreifens Stefan Austs verhinderte Kindesentzug und die psychische Labilität ihrer Mutter seziert Bettina Röhl genauso wie die politischen Irrwege ihres Vaters, der eine Zeitlang auch im rechten politischen Spektrum eine Rolle gespielt hat.

Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass Bettina Röhls Eltern neben ihren politischen Irrtümern jeden möglichen Fehler an ihren Kindern begangen haben. Das dieses Buch dennoch vorallem der historischen Wahrheit verpflichtet ist, ist sicher die größte Leistung, die Bettina Röhl mit "So macht Kommunismus Spass" vollbracht hat. Denn sie zeichnet nicht nur ein streitbares Bild ihrer Eltern sondern portraitiert gleichzeitig die politische Linke der frühen Bundesrepublik.

Ein ausgesprochen lesenswertes Buch, dass der Mythenbildung keine Chance gibt.

Diese Rezension von D. Sartor fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Grossartiges Zeit-und Familiendokument

Dises Buch ist absolut empfehlenswert für jeden ,der diese Zeit als Jugendlicher miterlebt hat.Die Tochter von Ulrike Meinhof erzählt und erklärt( anhand von Briefen,Interviews,Aktennotizen) das politische und private Leben ihrer Eltern ( vor dem Abtauchen ihrer Mutter in den Untergrund ).Sie deckt Hintergründe der Zeitgeschehnisse auf ( die mir als Ausländerin nicht alle bekannt waren),alles eingeteilt in Kapitel mit Ueberschriften( zum Nachschlagen) und würzt das Ganze mit ihren sarkastischen,subjektiven Kommentaren,die man nicht teilen muss, die einen jedoch immer zu weiterem Nachdenken anregen.Das Buch ist ein Versuch ( villeicht eine Pflicht), der Nachwelt alle Geschehnisse aus der Sicht( und den Recherchen) der Tochter zu erzählen.Jeder ,der am Mythos Meinhof interessiert ist und war, sollte " So macht Kommunismus Spass" lesen.

Diese Rezension von sofasitzer1 fanden 39 von 49 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wirklich konkret!

„So macht Kommunismus Spaß" beschreibt wie eine hauchdünne Klicke von Westkommunisten in den fünfziger und sechziger Jahren mit Geld und Gut aus Ostberlin unterstützt fröhliche politische Zersetzung in der BRD betrieb. Die Konkret-Macher Klaus Rainer Röhl und Ulrike Meinhof waren sehr jung und in der akademischen Jugend einflussreich und fühlten sich bedeutsam. Viel Nervenkitzel war auch dabei. Bettina Röhls Sprache in dem Buch ist sehr ruhig,verständlich,intellektuell und trotzdem ist das dicke Buch einfach und schnell zu lesen. Durchgängig habe ich mich beim Lesen trotz des manchmal recht gewichtigen, politischen Stoffs amüsiert. Bettina Röhl lässt einen als Leser nicht hängen, sie fächert sowohl die politischen Zusammenhänge als auch die persönlich-familiären so auf, daß man sich immer selber ein Urteil bilden kann. Was das Buch, dessen hohe Qualität und faszinierende Sprache ich noch nicht ganz beschreiben kann, auf eine höchst niveauvolle Weise leistet, ist die Beschreibung der gesellschaftlichen und staatlichen Bedingungen in Westdeutschland vor der APO-Bewegung, die selber nur am Rande behandelt wird. Vorallem durch Briefe, Akten und Interviews wird man ganz selbstverständlich tief in die fünfziger und sechziger Jahre hinein gezogen. Es handelt sich um ein sehr versöhnendes Buch, in dem die unterschiedlichen, Positionen an Schärfe verlieren. Das Buch könnte man auch als eine Art Gesellschaftsroman lesen, von der fast untergegangenen Zeit vor der APO. Gleichzeitig ist es ein wirklich präzise recherchiertes Sachbuch. Am Ende hatte ich das Gefühl die Personen des Stückes regelrecht zu kennen. Das Besondere ist die Sichtweise Bettina Röhls auf ihre nicht ganz alltäglichen Eltern, die gemeinsam diese Zeitung führen und es zu Geld und Ansehen bringen und die dann in den siebziger Jahren katastrophal scheitern. Das Buch endet jedoch schon Anfang 1968, bevor Ulrike Meinhof Terroristin wird. Wer hier RAF-Geschichten sucht, findet sie nicht. Man erfährt allerdings in einem Epilog kursorisch, wie es weiterging.

Das Buch ist ein Blick der Generation, die in den sechziger Jahren geboren wurde auf ihre Elterngeneration. Bettina Röhl versteht es ihre eigene Sicht verständlich zu machen. Ihre politischen Einordnungen sind nachvollziehbar, selbst, wenn man sie nicht teilt. Ich habe viel Neues erfahren und denke auch nach einer Woche noch nach. Ganz klar: Leseempfehlung!

Diese Rezension von hedgehoque fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine ausführliche Vorgeschichte

Was für ein Mensch war Ulrike Meinhof? Bettina Röhl ist die Tochter der Terroristin. Dadurch kann sie viele persönliche Erlebnisse einfließen lassen, die zum Teil sogar übermäßig detailliert wiedergeben werden. Zudem standen ihr sicherlich manche Türen zu Gesprächspartnern offener als anderen. Sie suchte zahlreiche Weggefährten aus den 50er und 60er Jahren auf, druckt nicht nur die Interviews ab, sondern beschreibt auch, in welcher Atmosphäre diese verliefen. Das ist hochinteressant.

Bettina Röhl sieht sich dabei vorrangig als Journalistin. Daher auch die Distanz. Sie schreibt nicht Meine Mutter", sondern in der dritten Person. Bettina Röhl hat journalistisch gründlich recherchiert, und sie hat einen Hang zur Ausführlichkeit. Somit beginnt die Geschichte von Bettina Röhls Eltern Ulrike Meinhof und Klaus Röhl schon bei den Groß- und Urgroßeltern. Diesen widmet sie aber nur ein paar Seiten.

Eine wichtige Quelle sind dann die DDR-Akten, die die finanzielle Unterstützung der ehemaligen Studentenzeitschrift Konkret" belegen. Die abgedruckten Passagen und Aktennotizen geben zudem einen spannenden Einblick, wie der Ost-Apparat funktionierte, wie Gespräche mit den Blattmachern bewertet wurden, die im Westen für Propaganda sorgen sollten. Auch von Klaus Röhl entsteht ein vielseitiges Bild. Er stand gern im Mittelpunkt, genoss das Leben in vollen Zügen, für ihn war vielleicht alles ein wenig wie ein Spiel.

Spannend ist auch der Bruch von Konkret" mit Ost-Berlin. Darauf folgt ein überraschender Erfolg und ein Aufstieg der linken Redakteure ins Hamburger Establishment und die dortige Partyszene, kurz bevor sich die Ereignisse 1968 überschlugen. Die verbissene Konkret-Kolumnistin fand sich plötzlich inmitten der größten Klassenfeinde wieder und ließ sich nichts anmerken.

Was trieb nun Ulrike Meinhof in den Terrorismus? Der Leser gewinnt ein vielschichtiges Bild. Die intelligente und engagierte junge Frau scheint schon in jungen Jahren besessen zu sein, für die kommunistische Sache zu kämpfen. Auch der eloquente Ost-Apparatschik Kapluck hatte wohl Einfluss. Auf ihn bezieht sich der Buchtitel, der ansonsten in die Irre führt. Ihre Ziehmutter, die Professorin Renate Riemeck scheint eine wichtige Rolle zu spielen, die aber nie gänzlich ihre Verbindungen nach Ost-Berlin offengelegt hat. Auch ihrer Person widmet das Buch den nötigen Raum.

Ulrike Meinhof war von einem bestimmten Zeitpunkt an offensichtlich alles recht, was einen Umsturz in der Bundesrepublik hätte herbeiführen können. Den Kampf gegen Atomraketen und Notstandsgesetze war nur ein Vorwand - auch das wird in dem Buch durch Briefe belegt. Betina Röhl wundert sich, dass ihre Mutter das repressive DDR-System offensichtlich als das bessere bzw. das kleinere Übel wahrnahm und mit den dortigen Machthabern paktierte. Sie beklagt auch, dass die Medien den revolustionistischen Wirrköpfen unter den 68ern zu viel Raum gaben. Die emotional aufgeladene Stimmung bei Schahbesuch und nach dem Tod vom Benno Ohnesorg wird gleichzeitig gut vermittelt.

Die Trennung von Klaus Röhl genau zu diesem Zeitpunkt ist Auslöser für den Sog, in den Ulrike Meinhof dann in Berlin gerät. Ohne eine gewisse psychische Störung ist ihr Verhalten trotzdem kaum zu erlären. Die beiden Töchter wurden nicht nur vernachlässigt. Die Mutter wollte ihre Töchter im Grundschulalter tatsächlich in ein palästinensiches Flüchtlingslager stecken und zu Kämpferinnen ausbilden lassen. Bettina Röhl gibt die Ereignisse der RAF-Zeit im Epilog nur kurz wieder und lässt sie unkommentiert.

Das Buch dokumentiert, dass die Geschichte der vielleicht bekanntesten RAF-Terroristin lange vor den Anschlägen beginnt. Ohne Kenntnis dieser Vorgänge lassen sich die Ereignisse kaum einordnen. Letztlich beschreibt das Buch den tragischen Lebensweg einer intelligenten aber am Ende hochgradig verwirrten und gefährlichen Frau. Und zudem vermittelt es einen guten Eindruck von der Stimmung der 50er und 60er Jahre im studentischen und linken Umfeld. Manche Quelle lässt sich überfliegen - ansonsten: sehr lesenswert.

Diese Rezension von Ulrich Hartmann fanden 20 von 26 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Erhellend

Dieses Buch ist eine eigenartige Mischung: aus Familienbiographie und Zeitgeschichte, aus persönlichen Empfindungen und Begegnungen und aus - ausführlich, fast zu ausführlich - zitierten Akten. Das verleiht im seinen besonderen Reiz. Bettina Röhl zeigt, daß ihre Eltern Klaus Röhl und Ulrike, geb. Meinhof, Mitglieder der verbotenen KPD waren und ihre Zeitschrift "konkret" (wie vieles andere) von der DDR finanziert und gesteuert war. Was wir in den siebziger und achtziger Jahren als Kalte-Kriegs-Propaganda abtaten ("die werden von drüben bezahlt") - es stimmte leider nur zu oft. Was Röhl berichtet, ist wohl nicht ganz neu, aber man bekommt doch einen neuen Blick auf die Ursprünge der Friedensbewegung, der Studentenbewegung und auch der RAF. Leider bleibt sie zu oft bei der Entrüstung darüber ("Wie konnten die nur") stehen. Was es war, was diese Menschen in die Arme der Kommunisten trieb, wird nicht richtig nachvollziehbar.

Röhls Stil ist nicht besonders elegant; um so mehr spürt man, bei aller Sachlichkeit, um die sie sich bemüht, ihre persönliche Beteiligung hinter den Zeilen. Sprachliche Schnitzer wie "exemplarische Beispiele", "verbale Verballhornung" oder die Verwechslung von "erschrickt" und "erschreckt" hätte aber wenigstens das Lektorat des Verlages aufspüren müssen.

Kein großes Werk, aber ein wichtiges Immunisierungsmittel gegen landläufige Legendenbildungen.

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