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Obgleich die abendländische Philosophie seit jeher den Menschen als sowohl sprechendes wie sterbliches Wesen bestimmt, ist nach Heidegger 'das Wesensverhältnis zwischen Tod und Sprache noch ungedacht'. In diesem frühen philosophischen Werk dokumentiert Giorgio Agamben den Lektüreverlauf eines Seminars, das ebendieses 'Wesensverhältnis' zu denken versuchte: acht Tage (und sieben Exkurse) intensiver Auseinandersetzung mit Hegel und Heidegger, Benveniste und Jakobson, Aimeric de Peguilhan und Leopardi, Leonardo und Aristoteles, die immer wieder auf jene andere Stimme stößt, in der die bedeutungslosen, tierischen Stimmen 'aufgehoben' sind. Sie erweist sich als die ursprüngliche ethische Dimension, in der der Mensch der Sprache sein Jawort, ihrem Stattfinden seine Zustimmung gibt. Sollte also, der Behauptung ihres notorischen Phonozentrismus zum Trotz, die Metaphysik schon immer Grammatologie betrieben haben? Und wird man den metaphysischen Horizont, in dem Logik und Ethik, Sprache und Tod ununterscheidbar werden, nur überschreiten können, wenn man einen infantilen Gebrauch von der Sprache zu machen versteht?
Agambens Wurzeln. Ein frühes Seminar zur ethischen Problematik der menschlichen Stimme. Eins vorweg, dieses Buch ist kein neues Werk von Agamben und gehört keineswegs zum "Homo Sacer Projekt". Es gehört eher in die Reihe von Schriften, die Agamben in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren publiziert hat. In dem Abschnitt "Experimentum linguae" aus Kindheit und Geschichte" weist Agamben auf den inneren Zusammenhang dieser Schriften hin: In der Tat bezeugen viele Zettel aus den Jahren zwischen der Niederschrift von Kindheit und Geschichte (1977) und von Die Sprache und der Tod (1982) das Projekt eines hartnäckig ungeschrieben gebliebenen Werkes. Sein Titel lautet Die menschliche Stimme, oder gemäß anderen Notizen, Ethik über die Stimme" (7).
In diesen Kontext gehört also auch dieses Werk. Es ist ein sehr schweres und grüblerisches Werk geworden, das höchste und allerhöchste Ansprüche an den Leser stellt. Es zeigt sowohl einen Agamben, der noch ganz unter dem Einfluss der letzten Grossmeister des Denkens steht (Bataille, Heidegger, Hegel, Derrida) , als auch einen Agamben, der es wie später versteht mittelalterliches Denken und gnostische Esoterik (hier: Valentinus statt Basilides) zu einem aufregenden Denkweg zusammenzubringen.
Strukturiert ist das Buch ähnlich wie sein Messianismus-Büchlein über Paulus", das heißt ein Seminar wird hier nachträglich ausgeschritten und die wesentliche Gedankenschritte werden referiert. Das Buch setzt Spotlights bei Heidegger (Erster Tag, Sechster Tag, Exkurs 7), schreitet weiter zur Porblematik von Hegels Negativitätsdeutung und ihrer Interpreten (etwa Bataille, Kojève) (Zweiter Tag, Fünfter Tag, Exkurs 7). Die restliche Abschnitte beschäftigen sich mit dem Begriff der sige in der Gnosis, und anderen mystischen Abhandlungen (etwas über die Namen Gottes). Der achte Tag öffnet die Perspektive zur ethischen Problematik der Stimme und der Problematik der Ereignisses bei Heidegger und dem Absoluten Hegels.
Fazit: Ein sehr schweres Buch, das sich noch nicht so souverän von den Vorbildern befreit hat, wie sonst bei Agamben. Eine Empfehlung für Leser, die eine gründliche Verankerung des Werks von Agamben in seinen früheren Schriften unternehmen wollen. Leser, die Kindheit und Geschichte schon besitzen, sollten wohl das Buch erst einmal ansehen, da sich vieles doppelt. Leser, die eher von den neueren Schriften Agambens angetan sind sollte auf den nächsten Teil des Homo Sacer Projekts warten. Für Kenner 4 Sterne, für Anfänger 3 Sterne, das als Einstieg viel zu schwierig.
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