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Dieser Bildband zeigt Berliner Originale, wie Heinrich Zille sie selbst in seiner Jugend an der Spree beobachten konnte.
Nackedeis an Havel, Spree und WannseeHeinrich Zilles Spätwerk "Rund ums Freibad" erschien 1926, drei Jahre vor seinem Tod und unterscheidet sich von den anderen Sammelbänden auf angenehme Weise. Zwar sind die Zeichnungen und Lithographien auch hier wieder in schwarz-weiß abgedruckt, aber es werden darin nicht wie sonst üblich, das Elend und die Not der Unterprivilegierten aufgezeigt, sondern wir können ausnahmslos glücklichen, ausgelassenen Menschen beim Baden, Turnen, Spielen oder Faulenzen unter freiem Himmel zusehen. Das Vorwort ist vom Meister persönlich in Handschrift verfasst. Er geht darauf ein, wie sich die Ansichten über das Baden im Laufe der Zeit, seit seiner Kindheit geändert haben. Früher standen die Oftbader im Verdacht der Unsauberkeit, wohingegen in den 20er Jahren das Baden als notwendige Körperpflege, gesunde sportliche Betätigung, ja sogar als Weg zu Kraft und Schönheit hoch geschätzt war.
Egal ob mit oder ohne Badekleidung, beim Baden verschwinden Standesunterschiede und man begegnet sich ohne Vorbehalte. Naja, vielleicht mit einer Ausnahme: Da steht ein Schwarzer im schnittigen Trikot am Ufer, die Hände in die Hüften gestemmt und von einer Kinderschar umringt. Ein kleines Mädchen fragt beherzt, was alle anderen sich nicht getrauen: "Männeken, ferben Sie och nich ab?" Ganz selbstverständlich, ohne Scham präsentiert uns Heinrich Zille auch jede Menge Nacktbadende. Im Bild 'Sonnenheim' vertritt man den klaren Standpunkt "Badehosenmenschen lassen wir nicht in unser 'Sonnenheim', die können doch nur krank sein und es verdecken wollen!"
Besonders gut gefällt mir, wie Zille die Körperproportionen der Menschen betont. Bei ihm hat kaum jemand eine 'Traumfigur'. Alle Ärsche, Hüften, Bäuche und Oberschenkel sind rund und wohlgenährt, um nicht zu sagen dick. Damals war man vom heute vorherrschenden Schlankheitswahn noch meilenweit entfernt. Beim Anblick dieser Menschen fühlte ich mich mit meiner Konfektionsgröße 42 gleich um ein Vielfaches besser. Und so nimmt Zille zum Thema Körperbewusstsein Stellung: Ein recht schlankes Mädchen begutachtet mit kritischem Blick die Freundin im neuen Badedress. "Dein Kostüm ist schnike, aber zeigt Deine Konjucturen - Deine Konturen, sehr jenau - !" Die Freundin ist um eine Antwort nicht verlegen. "Ja - et is eingelaufen - ick hätte nich sollen ins Wasser jehen!"
Jehn Se badenJehn Se baden, jehn Se baden, det is scheen - jeder Mensch muss schließlich eenmal baden jehn.....Heraus aus der Großstadt, ins Freie, in die Weite, in die Gefahren - in der Badewanne lernt man nicht schwimmen. Zilles Berliner Typen und Originale im Bad zu Hause, an der Havel, in der Plantschwiese, an der Spree, am Grunewaldsee, am Müggelsee, im Freibad. Ein schönes Zille Buch,das man häufig wieder in die Hand nimmt.
Ick kann haarige Männer mächtig jerne leidenund andere Zille-typische Momentaufnahmen von Berliner Originalen im Freibad, an der Havel und anderen sommerlichen Orten und "Wegen zu Kraft und Schönheit".
Ein absolutes MUSS für alle Zille-Fans.