Zille, Heinrich

Mein Milljöh

Mein Milljöh
  • Verlag: Komet
  • Erscheinungsdatum: 2006-01-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 125
  • ISBN: 389836478X
  • EAN: 9783898364782
  • Amazon.de Verkaufsrang: 115.907
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Beschreibung von buecher.de

Bereits seit 1913 hat dieses Buch eine große Fangemeinde, es zeigt neue Bilder aus dem Berliner Leben.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Daggi fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Berliner Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Dieses Buch ist ein Nachdruck von Heinrich Zilles zweiter Veröffentlichung von 1914. Sie enthält viele schwarz-weiß Zeichnungen und Grafiken, die das Berliner Leben Anfang des 20. Jahrhunderts wiederspiegeln. Der Künstler greift dabei überwiegend Themen aus dem Arbeitermilieu der Wilhelminischen Zeit auf und stellt mit Vorliebe Hinterhofsituationen der Mietskasernen dar. Seine Zeichnungen haben dabei die Besonderheit, dass sie mit (häufig sozialkritischen) Untertiteln beschriftet sind. Ein Beispiel:

Ein Hinterhof. Wäsche hängt aus den Fenstern, Aschentonnen stehen in der Ecke, sechs Kinder spielen auf dem Hof. Ein einsames Blümlein wächst an der Hausecke. Die Mutter ruft aus dem Eingang: "Wollt ihr von die Blume weg, spielt mit'n Müllkasten!"

Es herrschten schlimme hygienische Bedingungen und sehr enge Wohnverhältnisse in dieser Zeit der beginnenden Industrialisierung in der Stadt Berlin. Um den Stadtkern herum entstanden Mietskasernen, um den zuziehenden Arbeiterstrom aufnehmen zu können. "Schlafstellen" sind gang und gäbe. Ein anderes Beispiel:

Ein abgerissenes Arbeiterehepaar (die Frau hält ein Kleinkind auf dem Arm) wird beim Vermieter vorstellig. Dieser - ein äußerst dickleibiger Herr steht vor dem schmucken Wohnungseingang nebst Zimmermädchen und sagt: "Wo wohn Se denn? Keller, zweetes Quergebäude? Da könn' doch kenne Wanzen sinn, wo's so feucht ist."

Im Vorwort von Georg Hermann, einem deutschen Schriftsteller jüdischer Herkunft, ist zu lesen, dass Zilles zeichnerisches Können "von höchsten Graden" und sein Darstellungsvermögen "von stärkster Kraft" ist. Hermann bewundert die Art und Weise, wie Zille Menschen und Umgebung zusammenbringt - jede Umgebung mit geringsten Mitteln charakterisiert - Hof, Destille, verschneite Straße, Bauplatz, Armeleutewohnung, Keller, Dachkammer, verkommene, kleinbürgerliche Armut, Park oder Schmuckplatz ... Das Vorwort ist in gebrochener (altdeutscher) Schrift erstellt.

Mir gefallen in "Mein Milljöh" am besten die Zeichnungen, auf welchen es von Leuten nur so wimmelt ("Stille Woche" oder "Vaters Jubiläum") und wie Heinrich Zille Kinder darstellt: wie er einen feisten, krummbeinigen Zweijährigen mit dicken Windeln neben einem hochaufgeschossenen Bengel von zehn Jahren zeichnet. Ein besonders Augenmerk legt Zille auch auf das weibliche Geschlecht, das er meist mit vielen Rundungen und gut bestückt darstellt. Nicht selten bewegen sich diese Damen im zwielichtigen Milieu ...

Noch ein abschließendes Beispiel:

Beim Kassenarzt: "Liebe Frau, am besten wäre es, Ihre Schwägerin käme selbst zu mir, - hat sie vielleicht Würmer?"

"Jawohl, - Herr Doktor, drei Stück, un det vierte is unterwejens!"

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