Bail, Ulrike / Crüsemann, Frank / Crüsemann, Marlene / Domay, Erhard / Ebach, Jürgen / Janssen, Claudia / Köhler, Hanne / Kuhlmann, Helga / Leutzsch, Martin / Schottroff, Luise (Hgg.)

Bibel in gerechter Sprache

Bibel in gerechter Sprache
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
  • Erscheinungsdatum: 2006-10-09
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 2400
  • ISBN: 3579055003
  • EAN: 9783579055008
  • Amazon.de Verkaufsrang: 22.782
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Beschreibung von buecher.de

Warum eine Bibel in gerechter Sprache? Stellen Sie sich vor: Sie schlagen Ihre Bibel auf und können im Wortlaut entdecken, es gab sie, die Jüngerin, die Apostelin, die Diakonin... Sie lesen in Ihrer Bibel und können sicher sein, hier wird ernst genommen, dass Jesus Jude war.Die Bibel in gerechter Sprache will den biblischen Alltag und damit auch die mitgemeinten Frauen sichtbar machen. Sie will diskriminierende Formulierungen überwinden, antijüdische und gewaltverherrlichende Begriffe vermeiden und die Vielfalt der biblischen Gottesbilder aufdecken. Die Übersetzungen in der Bibel in gerechter Sprache sind verständlich, klar und poetisch und haben eine größtmögliche Nähe zu den Ursprungstexten. Die Bibel in gerechter Sprache ist auf der Höhe des derzeitigen Forschungsstandes. Viele Texte wurden bereits in zahlreichen Gemeindegruppen und von privaten Leserinnen und Lesern erprobt.Diese Bibel fordert heraus zur eigenen Stellungnahme und ermöglicht diese.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Dr. Margret Popp fanden 94 von 117 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Unzuverlässig

Eine der Herausgeberinnen, Claudia Janssen, be­hauptet in einem Interview: "Der Apostel be­nutzt die Wendung 'adelphoi', und diese muss laut Wörterbuch mit 'Geschwister' über­setzt wer­den, wenn davon auszugehen ist, dass eine Gruppe von Männern und Frau­en an­gespro­chen wird."

Das ist sprachwissenschaftlich so nicht zu hal­ten. *-oi* bezeichnet einen Plural Mas­ku­li­num. Paulus hat selbstverständlich die Schwes­tern in der Gemeinde mit ansprechen wol­len. Daraus folgt aber nicht, dass er 'Ge­schwister' sagen wollte, wofür das Grie­chi­sche so wenig wie das Englische ein Wort oder Konzept hat. Wie im Englischen in ei­nem solchen Fall die Schwes­tern aus­drück­lich benannt werden müssen, falls der Spre­cher dies wünscht ('Do you have any bro­th­ers or sisters?') hieße es dann auf Griechisch 'adelphoi kai adelphai'. Paulus muss die 'Brü­der' stellvertretend für beide Geschlechter an­gesprochen haben, eine Möglich­keit, die von den Herausgebern willkürlich aus­ge­schlos­sen wurde.

Es handelte sich bei Paulus um die Stilfi­gur *pars pro toto*, wie man sie ebenfalls ge­braucht, wenn man zB von "Dächern" spricht und "Häuser" meint. Diese Stilfigur geht bei dies­er modischen Übersetzung un­nö­tigerweise über Bord, obwohl sie auch auf Deutsch hätte wie­dergegeben werden kön­nen. Schon darin liegt eine Verfälschung von Pau­lus' Intenti­on.--Als Grundsatz ver­laut­bart Frau Janssen: "Wir schreiben nur an den Stellen die maskuli­ne Form, an denen de­finitiv beweisbar ist, dass Frauen nicht an­wesend waren."

Dies seltsame "Übersetzungs"-Prinzip hat mit zünftiger Übersetzung nichts zu tun: Wenn in der Quellsprache Frauen nicht aus­drück­lich genannt werden, dann dürfen sie auch in der Zielsprache im übersetzten Text nicht ausdrücklich genannt werden. Weiter­füh­rende Erwä­gun­gen und Spekulationen ge­hö­ren in Anmerkungen und Kommentare: Sie gehören nicht zum Text.

Eine Übersetzung muss versuchen, in der Ziel­sprache so genau wie möglich den Ad­res­sa­ten zu beeindrucken wie der Original-Ad­res­sat in der Quellsprache beeindruckt wor­den ist; auch dann ergeben sich noch genug Schwie­rig­keiten, unübersetzbare Stellen, wo man zu Be­helfslösungen greifen muss; auch Feh­ler schlei­chen sich ein. Gibt man aber die­sen An­spruch--wie hier--aus welchen Mo­ti­ven auch im­mer von vornherein auf, dann kann man sich gleich auch selber etwas Schönes dichten; eine Über­setzung ist etwas so Will­kür­li­ches nicht mehr.

Übersetzer sind nicht dazu berufen, den Text der Bibel im Sinne vorgegebener Ideo­lo­gien, Profile oder was auch immer es sein mag zu "ver­bes­sern", wie es hier geschehen ist; und das gilt erst recht bei vielen noch gröberen Zu­ga­ben und Verdrehungen, die von den zahl­rei­chen Kritikern des Buchs hervor­gehoben wor­den sind, ganz zu schweigen von den Ver-Ba­na­lisierungen, die im Vergleich mit den klin­gen­den Über­set­zungen wie der Lu­thers vor­ge­nom­men worden sind.

Nach­fol­gend ein paar per­sönliche Be­obachtungen zu Gen 3.

Gen 3:1: "Die Schlange hatte weniger an a­ber mehr drauf als alle anderen Tiere des Fel­des" [statt Übersetzung unzulässige In­ter­pretation des hebräischen Anklangs zwi­schen /'arúm/ 'listig' in Vers 1 und /'ejróm ~ 'ejru­mím/ 'nackt'/ in Vers 7ff, wo mit 'dass sie nichts anhatten' unnötig um 'nackt' her­um­geredet wird; witzloser Stilbruch]; V. 8 "Dann hörten sie ein Geräusch. Adonaj, Gott, ging im Garten umher in der täglichen Bri­se." [Nach der maso­re­tischen Ak­zen­tu­ie­rung ist /qol/ 'Stimme' eng verbunden mit dem nach­fol­genden Gottesnamen /YHWH/; die vertrau­te Über­setzung "Dann hörten sie die Stim­me Got­tes des HERRN, der..." ist nicht anzu­fechten, zumal da sie auch der hervorragenen jüdischen Übersetzung ins Griechische in der Septuaginta (3.-1. Jh v Chr) entspricht: /kaì éekousan *tèen foonèen kyríu tû theû*/; die Einführung des Fremdworts "Adonaj" in die Zielsprache als Ersatz für den Gottesnamen statt des gewohnten HERR ist übersetzungstechnisch schlecht und überflüssig.] V. 15 "Feindschaft stifte ich zwischen dir und der Frau [nach der Satz­stel­lung lie­gen hier Zukunftsaussagen vor, was die El­ber­felder Übersetzung richtig er­fasst hatte: "Und ich werde Feindschaft set­zen"; ent­spre­chend in Vers 16ff; der syn­tak­ti­sche Zu­sam­men­hang ist offenbar ver­kannt], zwischen dei­nem Nachwuchs und ih­rem Nachwuchs. Der wird deinen Kopf an­grei­fen, du wirst sei­ne Ferse angreifen" [hier einmal die Zu­kunfts­aussage ok, an­sons­ten banal]. Vers 24: "So vertrieb sie [die Menschen]." [Mit 'sie' ist hier Gott ge­meint; das Hebräische hat als Verb­form aber /ye­gá­räš/, 3. Person Singular *mas­ku­li­num*; hätte der Verfasser ein Fe­mi­ni­num ge­meint, dann hätte er /tegáräš/ schrei­ben müs­sen; der ununterbrochene, willkürliche Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Fürwörtern in Bezug auf Gott in dieser Version stellt nicht Gott *über* die Geschlechter, wie man offenbar beabsichtigte; sondern der stilistische Effekt ist der, dass Gott in unerträglicher Weise sexualisiert wird -- ganz im Gegensatz zum Grundtext.]--Alle Be­an­standungen betreffen Na­he­liegendes, nicht streitige Lesarten oder Interpretationen.

Der Hamburger Religionspädagoge Fulbert Stef­fensky hat gemeint, dass die neue Frau­en­bi­bel wohl "nie aus dem Trockendock der gu­ten Absichten" herauskommen werde (zi­tiert im Spiegel 44, 30.10.2006, S. 191A). Dem stimme ich nicht zu.

Auch Philologie spielt sich nicht im mo­ral­frei­en Raum ab. Wer eine nachlässige und ver­fälsch­te Version wie diese als Über­set­zung ausgibt, der betrügt einen jeden Leser, der das Resultat nicht anhand der Grund­tex­te überprüfen kann. Ein solcher "Übersetzer" macht sich zum Inhaber von geheimem Herr­schaftswissen, das er dem Publikum vor­ent­hält. So ein un­ehr­liches und hoffär­ti­ges Vorgehen, wenn es sich dabei aus­ge­rech­net auch noch um die Bibel handelt, in der viele Men­schen ungeschönte Aufschlüsse zu den letz­ten Dingen suchen, lässt sich in mei­nem Sprachgebrauch mit dem Konzept der guten Absichten nicht mehr in Ein­klang brin­gen.

Diese Rezension von Ulrich Hartmann fanden 67 von 88 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Weder gerecht noch eine Übersetzung

Dieses Buch ist keine Übersetzung der Bibel, sondern weitgehend eine Interpretation, die sich an die Stelle des eigentlichen Textes setzt. So etwas dürfte man mit Karl May nicht machen - und tut es auch nicht; mit der Bibel darf man es erst recht nicht machen - und tut es doch.

Ein Beispiel: choris ergon nomou (Römer 3,28) heißt wörtlich "ohne Werke des Gesetzes", wird hier aber wiedergegeben mit "ohne daß schon alles geschafft wurde, was die Tora fordert". Selbst wenn Paulus es so gemeint haben sollte, was man sich kaum vorstellen kann, es steht eben nicht da. Was ist das nur für eine Anmaßung, die eigenen Gedanken als Worte des Apostels auszugeben!

Zugegeben: es gibt auch Stellen, die wirklich übersetzt und nicht nur frei wiedergegeben sind. Allerdings erwartet man von einer Übersetzung, insbesondere einer Bibelübersetzung, daß das gleiche Wort wenn möglich auch immer gleich übersetzt wird. In dieser "Bibel" wird nicht nur der alttestamentliche Gottesname bekanntlich nach Gutdünken ganz verschieden bezeichnet (was immerhin dem Leser angezeigt und begründet wird), im Neuen Testament wird ein so wichtiges Wort wie pisteuein auch im einen Evangelium mit "glauben", im anderen mit "vertrauen" übersetzt. Der einzige Grund hierfür liegt wohl darin, daß hier verschiedene Bearbeiter am Werk waren.

Ja, und was ist gerecht daran, wenn pater und hyios, was nun einmal "Vater" und "Sohn" bedeutet, ständig durch "Vater und Mutter für uns" bzw. "Kind" ersetzt werden? Da bekommt man doch den Eindruck, daß die Kreise, die hinter diesem Buch stehen, männliche Bezeichungen und vielleicht Männer überhaupt grundsätzlich für etwas Schlechtes halten. (Der Teufel bleibt nämlich bei ihnen männlich.)

Wenn ich diese Bibel mit einer anderen vergleichen soll, fällt mir die Übertragung der "Zeugen Jehovas" ein. Hier wie da trägt eine Gruppe ihr Weltbild in den Bibeltext hinein, und so wie die die ZJ überall ihr "Jehova" hinschreiben, wo "Gott" oder "Herr" steht, so wird hier auch im Neuen Testament "Messias" eingetragen, wo es "christos" heißt, und "Tora", wo nomos ("Gesetz") steht, Wörter, die das NT nicht kennt - aber sie sind eben politisch korrekter.

Kein Wunder, daß namhafte Theologen meinen, daß eine Taufe, bei der die Taufformel aus der "Bibel in gerechter Sprache" verwendet wird, nicht gültig wäre. Die Taufe der Zeugen Jehovas wird ja auch nicht anerkannt.

Diese Rezension von Andreas Reinhold fanden 46 von 66 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Gerecht übersetzt?

Kaum ist sie erschienen, schon gibt es Streit. Die einen halten sie für einen "Schritt in die richtige Richtung", der reaktionäre Gedanken eliminieren hilft, die anderen schlichtweg für unnötig und der christlichen Lehre widersprechend. Es geht um die "Bibel in gerechter Sprache", 2.400 Seiten dick, im Gütersloher Verlagshaus erschienen und mit 400.000 € (zu einem großen Teil gespendetes!) Übersetzungsbudget sicher kein Kleinkaliber in Sachen Heilige Schrift. Herausgegeben wird sie u.a. von Ulrike Bail, Frank und Marlene Crüsemann, Erhard Domay und Luise Schottroff, das Vorwort stammt von Prof. Steinacker (Kirchenpräsident der Ev. Kirche in Hessen und Nassau).

"Gerecht", so erfahren wir ihm Vorwort, ist diese Übersetzung - neben dem Bemühen, dem Ursprungstext so nahe wie möglich zu kommen - in dreierlei Hinsicht: 1. soll sie der "Geschlechtergerechtigkeit" entsprechen "und deutlich machen, dass und wie Frauen an den Geschehnissen und Erfahrungen der biblischen Texte beteiligt und damals wie heute angesprochen sind." 2. soll in den sprachlichen Formulierungen der christlich-jüdische Dialog Niederschlag finden, indem man antijudaistische Interpretationen herausfiltert. Hinzu kommt 3. "der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit, indem die sozialen Realitäten im Wortlaut der Übersetzung deutlich werden." Dass es dabei zu "Irritationen" kommen kann, wurde von den ÜbersetzerInnen nicht nur in Kauf genommen, sondern sind beabsichtigt. Sie sollen denjenigen, "die mit biblischen Texten vertraut sind", die Chance bieten, "die bekannten Texte neu zu hören, im ungewohnten Wortlaut überraschende Aspekte wahrzunehmen und Denkgewohnheiten zu überprüfen." Die "Bibel in gerechter Sprache" will nicht Ersatz für anderen Übersetzungen sein, sondern "tritt als neuer Versuch neben die existierenden deutschen Übersetzungen", auch um jene zu erreichen, die sich von den anderen bisher nicht angesprochen fühlten.

Gewöhnungsbedürftig dürfte auf den ersten Blick die Anordnung der alttestamentlichen Schriften sein. Sie orientiert sich an der Hebräischen Bibel und ist folglich in Tora, prophetische Bücher (Neviim) und Schriften (Ketuvim) unterteilt. Auch die Reihenfolge innerhalb der Schriften folgt jüdischem Vorbild. So endet der alttestamentliche Teil nicht mit Maleachi, sondern mit 2. Chronik. Im Mittelteil findet man die Apokryphen bzw. deuterokanonischen Schriften, die vom Umfang der Vulgata entsprechen. Gegenüber der Lutherbibel weist die "Bibel in gerechter Sprache" ebenfalls Unterschiede in der Anordnung der Schriften auf. Auf den Philemonbrief folgt der Brief "an die hebräischen Gemeinden", auch die Johannesbriefe sind weiter hinten eingereiht. Auch die Bezeichnungen der Bücher mögen den ein oder die andere irritieren, wenn sie auch - der Intention des Übersetzungsprojektes entsprechend - folgerichtig sind: Die Apostelgeschichte heißt nun "Über die Zeit der Apostelinnen und Apostel", außerdem gibt es die "Zeit der Königinnen und Könige".

Blättert man durch das Buch der Bücher, so fällt vor allem die Markierung der Stellen auf, an denen ein Gottesbegriff steht. Sie sind grau hinterlegt und in Jotazeichen eingebettet. Je nach Stelle ist "Gott", "Adonaj" oder "die Ewige" genannt. In der Kopfzeile befinden sich sodann weitere Namensvorschläge, die alternativ gelesen werden können (wie etwa "die Lebendige", "der Heilige"). Dies ist eine Konzession an den hebräischen Gottesnamen JHWH, der im Judentum nicht ausgesprochen werden darf und deshalb mit anderen Bezeichnungen umschrieben wird. Dies gilt jedoch nur für die alttestamentlichen Schriften, da das Neue Testament im Original griechisch verfasst ist und somit eine entsprechende Problematik fehlt. Allerdings finden sich die Markierungen auch im Neuen Testament, und zwar in den alttestamentlichen Zitaten.

In den Anmerkungen am Ende des Buches der Bücher sind - in gebotener Kürze - Erkenntnisse aus der modernen Exegese nachzulesen. Außerdem gibt es ein Glossar sowie ein reichhaltiges SpenderInnenverzeichnis.

Ob diese Übersetzung ihr Ziel erreicht, den Menschen die Texte der Bibel (wieder) näher zu bringen und sie zu neuen Sichtweisen führen kann, muss die Praxis zeigen. Das ein oder andere wird man kritisch hinterfragen müssen (z.B. ob das m.E. wichtigste Anliegen, dem Urtext so nahe wie möglich zu kommen, nicht an manchen Stellen durch andere Prioritätensetzungen unterlaufen wurde), doch das gilt für andere Übersetzungen auch. Eine Bereicherung und Inspiration, über Traditionelles neu nachzudenken, ist diese Übersetzung bestimmt. Auch wenn sie dem ein oder der anderen, die an vertrauten Formulierungen hängen, hier und da die Sprache verschlagen wird.

Diese Rezension von Semper fanden 53 von 80 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Was ist gerecht an Sprache?

Auf der Suche nach einer neuen Bibel neben der Lutherübersetzung stieß ich sofort bei Er­scheinen auf die 'Bibel in gerechter Spra­che'. Sie klang äußerst interessant und hat mich zu­nächst sehr gereizt, da sie neben den Apokryphen auch Erläuterungen, Rand­be­merkungen und Querverweise enthält, die mir bisher als Laie immer fehlten.

Nach allen Meinungen, Rezensionen und Textauszügen, die ich bisher nach einge­hen­dem Studium entsprechender Internetseiten gelesen habe, einschließlich der Homepage für das Buch, kann ich es bei aller Promotion als ernsthafte Alternative zu einer textnahen Bibel­über­setzung nicht empfehlen und ich werde es nicht kaufen, habe dagegen die El­berfelder Bi­bel erworben. Ich habe als Agnos­tikerin ein historisches Interesse an der Bibel und möchte daher eine richtige, text­nahe Übersetzung, keine vermeintlich gerechten, zwangseman­zipier­ten Bibeltexte, die mir den Raum für eine eigene Interpreta­tion der damaligen Ereignisse neh­men mit 'Hirten und Hirtinnen', 'Apostel und Aposte­lin'. (Obwohl - die Zehn Gebote be­gin­nen mit: "Ich bin Ado­naj, deine Gottheit, weil ich dich aus Ägypten, dem Haus der Skla­ven­arbeit, befreit habe." Da fehlt dem mittler­wei­le sensibilisierten Le­ser doch gleich die 'Skla­vinnenarbeit', denn die gab es mit Si­cherheit.)

Es bleiben die Fragen: Was bringt es mir, ei­ner Frau, der wirkliche Emanzipation am Her­zen liegt, wenn in der Bibel im Nach­hin­ein Frau­en eine angebliche Rolle spielen, die sie zur Zeit der Textlegung nicht spielten bzw. wir nichts dar­über wissen? Wieso braucht man Wort­inter­pretationen für 'Gott'? Macht sich der Gläu­bige nicht selber ein Bild von Gott? Oder ist Inter­pre­tationshilfe nötig? Und davon ab­ge­sehen: Solche politisch kor­rekten For­mu­lie­rungen nerven mich schon in Gesetzestexten, Verord­nun­gen und anderen Veröffent­li­chun­gen. Das Lesen der ohnehin nicht einfachen Bi­beltexte wür­de mir mit Sicherheit verleidet werde

Dann war Sprache immer Spiegel der Zeit und ist sie heute noch. Unsere Sprache ist his­to­risch gewachsen und nicht umsonst so, wie sie ist. Umformulierungen ändern nicht wirk­lich historische Ereignisse oder die Stel­lung der Frau. Ich würde bezogen auf die Zeit der Ent­ste­hung der Bibeltexte sogar sa­gen, dass sie das Bild verfälschen, ganz davon abgesehen, dass viele Textstellen feh­lerhaft übersetzt sind, wie hier und auch an­dernorts schon mehrfach von Sprach­wis­sen­schaftlern belegt wurde.

Um zu erkennen, dass und wie die deutsche Sprache männlich geprägt ist, reicht ein hu­mor­volleres Buch wie "Die Töch­ter Egalias" von Gerd Brantenberg m. E. völ­lig aus. Dazu braucht es diese Bibel nicht.

Die Autoren mö­gen mir verzeihen, aber sie fällt bei aller aner­ken­nenswerten Mühe, die sie sich für viel Geld gemacht haben, für mich in die gleiche Kate­go­rie wie 'Die Bibel in Jugendsprache', als Gag und Denkanstoß okay, aber mehr kann ich der Idee nicht ab­ge­winnen. Und dafür mag ich kei­ne 25 Euro aus­geben.

Diese Rezension von Heidrun Hemme fanden 76 von 119 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Gerechtigkeit für alte Texte im neuen Gewand

Rund 5 Jahre haben 52 TheologInnen allesamt bekannte und anerkannte Wissenschaftler an dem Urtext im Hebräischen, Aramäischen und Griechischen für die neue Übersetzung der Bibel gearbeitet, jetzt liegt sie seit der Frankfurter Buchmesse Anfang Oktober vor.

Der erste Eindruck: angenehm und unaufdringlich im Äußeren, gemessen an der hohen Seitenzahl von über 2000 Seiten erstaunlich handlich, im Layout ungewöhnlich, da einspaltig - in meinen Augen leichter lesbar als ein mehrspaltiger Druck.

Zum Inhalt: Die Anordnung der biblischen Bücher folgt der Einteilung der hebräischen Bibel, das ist BibelleserInnen, die sich an den christlichen Kanon der Bücher gewöhnt haben, zunächst irritierend - aber wozu gibt es ein Inhaltsverzeichnis?

Ich lese die BigS und arbeite mit ihr schon seit Oktober 2006 und ich entdecke täglich Neues und Interessantes und oft genug auch Ärgerliches oder Unverständliches. Wenn ich dann in der Luther-Übersetzung oder der Elberfelder nachschlage, stelle ich fest: genauso ärgerlich, genauso unverständlich also: was sagt denn mein Novum Testamentum Graece also der griechische Urtext, den Nestle-Aland zusammengestellt haben? Und ich entdecke: Genau diese Stelle ist schon von vornherein nicht einfach zu lesen, geschweige denn zu übersetzen. Also der Vergleich mit diversen Wörterbüchern: EIN Wort und mindestens FÜNF verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten! In der Bibel in gerechter Sprache finde ich die Übersetzungsvariante, die die Übersetzerin / der Übersetzer als diejenige identifiziert hat, die der Gesamtaussage des Textes wohl am ehesten entspricht ... und damit vermutlich dem Text gerecht wird!

Diese Gerechtigkeit gegenüber dem Ausgangstext steht als ein wichtiges Ziel / das wichtige Ziel in der Einleitung, die anderen Ziele sind dem untergeordnet! Leider wird von den Kritikern gerade die Beachtung von Gender-Gerechtigkeit in der Sprache in unangemessener Weise und unangemessenem Aufwand vorangestellt die Berücksichtigung von sozialer Gerechtigkeit und Gerechtigkeit hinsichtlich des christlich-jüdischen Dialogs werden häufig vernachlässigt. Das führt dazu, dass die BigS oft als Feministen-Bibel bezeichnet wird, was sie einseitig erscheinen lässt und was sie absolut nicht verdient hat.

Der Übersetzung der biblischen Bücher liegen anerkannte wissenschaftliche Methoden zugrunde, die von den Übersetzerinnen auch offengelegt werden. Schon deswegen ist es nicht angemessen, von Unwissenschaftlichkeit oder Oberflächlichkeit bei der Übersetzung zu reden. Allenfalls gibt es andere Einstellungen und Sichtweisen die aber jede für sich nicht absolut zu setzen sind, was auch die ÜbersetzerInnen der Bibel in gerechter Sprache für sich nicht in Anspruch nehmen.

So gibt es von mir für diese Leistung für dieses Buch 5 Sterne!

Bibel in gerechter Sprache

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