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Warum eine Bibel in gerechter Sprache? Stellen Sie sich vor: Sie schlagen Ihre Bibel auf und können im Wortlaut entdecken, es gab sie, die Jüngerin, die Apostelin, die Diakonin... Sie lesen in Ihrer Bibel und können sicher sein, hier wird ernst genommen, dass Jesus Jude war.Die Bibel in gerechter Sprache will den biblischen Alltag und damit auch die mitgemeinten Frauen sichtbar machen. Sie will diskriminierende Formulierungen überwinden, antijüdische und gewaltverherrlichende Begriffe vermeiden und die Vielfalt der biblischen Gottesbilder aufdecken. Die Übersetzungen in der Bibel in gerechter Sprache sind verständlich, klar und poetisch und haben eine größtmögliche Nähe zu den Ursprungstexten. Die Bibel in gerechter Sprache ist auf der Höhe des derzeitigen Forschungsstandes. Viele Texte wurden bereits in zahlreichen Gemeindegruppen und von privaten Leserinnen und Lesern erprobt.Diese Bibel fordert heraus zur eigenen Stellungnahme und ermöglicht diese.
UnzuverlässigEine der Herausgeberinnen, Claudia Janssen, behauptet in einem Interview: "Der Apostel benutzt die Wendung 'adelphoi', und diese muss laut Wörterbuch mit 'Geschwister' übersetzt werden, wenn davon auszugehen ist, dass eine Gruppe von Männern und Frauen angesprochen wird."
Das ist sprachwissenschaftlich so nicht zu halten. *-oi* bezeichnet einen Plural Maskulinum. Paulus hat selbstverständlich die Schwestern in der Gemeinde mit ansprechen wollen. Daraus folgt aber nicht, dass er 'Geschwister' sagen wollte, wofür das Griechische so wenig wie das Englische ein Wort oder Konzept hat. Wie im Englischen in einem solchen Fall die Schwestern ausdrücklich benannt werden müssen, falls der Sprecher dies wünscht ('Do you have any brothers or sisters?') hieße es dann auf Griechisch 'adelphoi kai adelphai'. Paulus muss die 'Brüder' stellvertretend für beide Geschlechter angesprochen haben, eine Möglichkeit, die von den Herausgebern willkürlich ausgeschlossen wurde.
Es handelte sich bei Paulus um die Stilfigur *pars pro toto*, wie man sie ebenfalls gebraucht, wenn man zB von "Dächern" spricht und "Häuser" meint. Diese Stilfigur geht bei dieser modischen Übersetzung unnötigerweise über Bord, obwohl sie auch auf Deutsch hätte wiedergegeben werden können. Schon darin liegt eine Verfälschung von Paulus' Intention.--Als Grundsatz verlautbart Frau Janssen: "Wir schreiben nur an den Stellen die maskuline Form, an denen definitiv beweisbar ist, dass Frauen nicht anwesend waren."
Dies seltsame "Übersetzungs"-Prinzip hat mit zünftiger Übersetzung nichts zu tun: Wenn in der Quellsprache Frauen nicht ausdrücklich genannt werden, dann dürfen sie auch in der Zielsprache im übersetzten Text nicht ausdrücklich genannt werden. Weiterführende Erwägungen und Spekulationen gehören in Anmerkungen und Kommentare: Sie gehören nicht zum Text.
Eine Übersetzung muss versuchen, in der Zielsprache so genau wie möglich den Adressaten zu beeindrucken wie der Original-Adressat in der Quellsprache beeindruckt worden ist; auch dann ergeben sich noch genug Schwierigkeiten, unübersetzbare Stellen, wo man zu Behelfslösungen greifen muss; auch Fehler schleichen sich ein. Gibt man aber diesen Anspruch--wie hier--aus welchen Motiven auch immer von vornherein auf, dann kann man sich gleich auch selber etwas Schönes dichten; eine Übersetzung ist etwas so Willkürliches nicht mehr.
Übersetzer sind nicht dazu berufen, den Text der Bibel im Sinne vorgegebener Ideologien, Profile oder was auch immer es sein mag zu "verbessern", wie es hier geschehen ist; und das gilt erst recht bei vielen noch gröberen Zugaben und Verdrehungen, die von den zahlreichen Kritikern des Buchs hervorgehoben worden sind, ganz zu schweigen von den Ver-Banalisierungen, die im Vergleich mit den klingenden Übersetzungen wie der Luthers vorgenommen worden sind.
Nachfolgend ein paar persönliche Beobachtungen zu Gen 3.
Gen 3:1: "Die Schlange hatte weniger an aber mehr drauf als alle anderen Tiere des Feldes" [statt Übersetzung unzulässige Interpretation des hebräischen Anklangs zwischen /'arúm/ 'listig' in Vers 1 und /'ejróm ~ 'ejrumím/ 'nackt'/ in Vers 7ff, wo mit 'dass sie nichts anhatten' unnötig um 'nackt' herumgeredet wird; witzloser Stilbruch]; V. 8 "Dann hörten sie ein Geräusch. Adonaj, Gott, ging im Garten umher in der täglichen Brise." [Nach der masoretischen Akzentuierung ist /qol/ 'Stimme' eng verbunden mit dem nachfolgenden Gottesnamen /YHWH/; die vertraute Übersetzung "Dann hörten sie die Stimme Gottes des HERRN, der..." ist nicht anzufechten, zumal da sie auch der hervorragenen jüdischen Übersetzung ins Griechische in der Septuaginta (3.-1. Jh v Chr) entspricht: /kaì éekousan *tèen foonèen kyríu tû theû*/; die Einführung des Fremdworts "Adonaj" in die Zielsprache als Ersatz für den Gottesnamen statt des gewohnten HERR ist übersetzungstechnisch schlecht und überflüssig.] V. 15 "Feindschaft stifte ich zwischen dir und der Frau [nach der Satzstellung liegen hier Zukunftsaussagen vor, was die Elberfelder Übersetzung richtig erfasst hatte: "Und ich werde Feindschaft setzen"; entsprechend in Vers 16ff; der syntaktische Zusammenhang ist offenbar verkannt], zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs. Der wird deinen Kopf angreifen, du wirst seine Ferse angreifen" [hier einmal die Zukunftsaussage ok, ansonsten banal]. Vers 24: "So vertrieb sie [die Menschen]." [Mit 'sie' ist hier Gott gemeint; das Hebräische hat als Verbform aber /yegáräš/, 3. Person Singular *maskulinum*; hätte der Verfasser ein Femininum gemeint, dann hätte er /tegáräš/ schreiben müssen; der ununterbrochene, willkürliche Wechsel zwischen männlichen und weiblichen Fürwörtern in Bezug auf Gott in dieser Version stellt nicht Gott *über* die Geschlechter, wie man offenbar beabsichtigte; sondern der stilistische Effekt ist der, dass Gott in unerträglicher Weise sexualisiert wird -- ganz im Gegensatz zum Grundtext.]--Alle Beanstandungen betreffen Naheliegendes, nicht streitige Lesarten oder Interpretationen.
Der Hamburger Religionspädagoge Fulbert Steffensky hat gemeint, dass die neue Frauenbibel wohl "nie aus dem Trockendock der guten Absichten" herauskommen werde (zitiert im Spiegel 44, 30.10.2006, S. 191A). Dem stimme ich nicht zu.
Auch Philologie spielt sich nicht im moralfreien Raum ab. Wer eine nachlässige und verfälschte Version wie diese als Übersetzung ausgibt, der betrügt einen jeden Leser, der das Resultat nicht anhand der Grundtexte überprüfen kann. Ein solcher "Übersetzer" macht sich zum Inhaber von geheimem Herrschaftswissen, das er dem Publikum vorenthält. So ein unehrliches und hoffärtiges Vorgehen, wenn es sich dabei ausgerechnet auch noch um die Bibel handelt, in der viele Menschen ungeschönte Aufschlüsse zu den letzten Dingen suchen, lässt sich in meinem Sprachgebrauch mit dem Konzept der guten Absichten nicht mehr in Einklang bringen.
Weder gerecht noch eine ÜbersetzungDieses Buch ist keine Übersetzung der Bibel, sondern weitgehend eine Interpretation, die sich an die Stelle des eigentlichen Textes setzt. So etwas dürfte man mit Karl May nicht machen - und tut es auch nicht; mit der Bibel darf man es erst recht nicht machen - und tut es doch.
Ein Beispiel: choris ergon nomou (Römer 3,28) heißt wörtlich "ohne Werke des Gesetzes", wird hier aber wiedergegeben mit "ohne daß schon alles geschafft wurde, was die Tora fordert". Selbst wenn Paulus es so gemeint haben sollte, was man sich kaum vorstellen kann, es steht eben nicht da. Was ist das nur für eine Anmaßung, die eigenen Gedanken als Worte des Apostels auszugeben!
Zugegeben: es gibt auch Stellen, die wirklich übersetzt und nicht nur frei wiedergegeben sind. Allerdings erwartet man von einer Übersetzung, insbesondere einer Bibelübersetzung, daß das gleiche Wort wenn möglich auch immer gleich übersetzt wird. In dieser "Bibel" wird nicht nur der alttestamentliche Gottesname bekanntlich nach Gutdünken ganz verschieden bezeichnet (was immerhin dem Leser angezeigt und begründet wird), im Neuen Testament wird ein so wichtiges Wort wie pisteuein auch im einen Evangelium mit "glauben", im anderen mit "vertrauen" übersetzt. Der einzige Grund hierfür liegt wohl darin, daß hier verschiedene Bearbeiter am Werk waren.
Ja, und was ist gerecht daran, wenn pater und hyios, was nun einmal "Vater" und "Sohn" bedeutet, ständig durch "Vater und Mutter für uns" bzw. "Kind" ersetzt werden? Da bekommt man doch den Eindruck, daß die Kreise, die hinter diesem Buch stehen, männliche Bezeichungen und vielleicht Männer überhaupt grundsätzlich für etwas Schlechtes halten. (Der Teufel bleibt nämlich bei ihnen männlich.)
Wenn ich diese Bibel mit einer anderen vergleichen soll, fällt mir die Übertragung der "Zeugen Jehovas" ein. Hier wie da trägt eine Gruppe ihr Weltbild in den Bibeltext hinein, und so wie die die ZJ überall ihr "Jehova" hinschreiben, wo "Gott" oder "Herr" steht, so wird hier auch im Neuen Testament "Messias" eingetragen, wo es "christos" heißt, und "Tora", wo nomos ("Gesetz") steht, Wörter, die das NT nicht kennt - aber sie sind eben politisch korrekter.
Kein Wunder, daß namhafte Theologen meinen, daß eine Taufe, bei der die Taufformel aus der "Bibel in gerechter Sprache" verwendet wird, nicht gültig wäre. Die Taufe der Zeugen Jehovas wird ja auch nicht anerkannt.
Gerecht übersetzt?Kaum ist sie erschienen, schon gibt es Streit. Die einen halten sie für einen "Schritt in die richtige Richtung", der reaktionäre Gedanken eliminieren hilft, die anderen schlichtweg für unnötig und der christlichen Lehre widersprechend. Es geht um die "Bibel in gerechter Sprache", 2.400 Seiten dick, im Gütersloher Verlagshaus erschienen und mit 400.000 € (zu einem großen Teil gespendetes!) Übersetzungsbudget sicher kein Kleinkaliber in Sachen Heilige Schrift. Herausgegeben wird sie u.a. von Ulrike Bail, Frank und Marlene Crüsemann, Erhard Domay und Luise Schottroff, das Vorwort stammt von Prof. Steinacker (Kirchenpräsident der Ev. Kirche in Hessen und Nassau).
"Gerecht", so erfahren wir ihm Vorwort, ist diese Übersetzung - neben dem Bemühen, dem Ursprungstext so nahe wie möglich zu kommen - in dreierlei Hinsicht: 1. soll sie der "Geschlechtergerechtigkeit" entsprechen "und deutlich machen, dass und wie Frauen an den Geschehnissen und Erfahrungen der biblischen Texte beteiligt und damals wie heute angesprochen sind." 2. soll in den sprachlichen Formulierungen der christlich-jüdische Dialog Niederschlag finden, indem man antijudaistische Interpretationen herausfiltert. Hinzu kommt 3. "der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit, indem die sozialen Realitäten im Wortlaut der Übersetzung deutlich werden." Dass es dabei zu "Irritationen" kommen kann, wurde von den ÜbersetzerInnen nicht nur in Kauf genommen, sondern sind beabsichtigt. Sie sollen denjenigen, "die mit biblischen Texten vertraut sind", die Chance bieten, "die bekannten Texte neu zu hören, im ungewohnten Wortlaut überraschende Aspekte wahrzunehmen und Denkgewohnheiten zu überprüfen." Die "Bibel in gerechter Sprache" will nicht Ersatz für anderen Übersetzungen sein, sondern "tritt als neuer Versuch neben die existierenden deutschen Übersetzungen", auch um jene zu erreichen, die sich von den anderen bisher nicht angesprochen fühlten.
Gewöhnungsbedürftig dürfte auf den ersten Blick die Anordnung der alttestamentlichen Schriften sein. Sie orientiert sich an der Hebräischen Bibel und ist folglich in Tora, prophetische Bücher (Neviim) und Schriften (Ketuvim) unterteilt. Auch die Reihenfolge innerhalb der Schriften folgt jüdischem Vorbild. So endet der alttestamentliche Teil nicht mit Maleachi, sondern mit 2. Chronik. Im Mittelteil findet man die Apokryphen bzw. deuterokanonischen Schriften, die vom Umfang der Vulgata entsprechen. Gegenüber der Lutherbibel weist die "Bibel in gerechter Sprache" ebenfalls Unterschiede in der Anordnung der Schriften auf. Auf den Philemonbrief folgt der Brief "an die hebräischen Gemeinden", auch die Johannesbriefe sind weiter hinten eingereiht. Auch die Bezeichnungen der Bücher mögen den ein oder die andere irritieren, wenn sie auch - der Intention des Übersetzungsprojektes entsprechend - folgerichtig sind: Die Apostelgeschichte heißt nun "Über die Zeit der Apostelinnen und Apostel", außerdem gibt es die "Zeit der Königinnen und Könige".
Blättert man durch das Buch der Bücher, so fällt vor allem die Markierung der Stellen auf, an denen ein Gottesbegriff steht. Sie sind grau hinterlegt und in Jotazeichen eingebettet. Je nach Stelle ist "Gott", "Adonaj" oder "die Ewige" genannt. In der Kopfzeile befinden sich sodann weitere Namensvorschläge, die alternativ gelesen werden können (wie etwa "die Lebendige", "der Heilige"). Dies ist eine Konzession an den hebräischen Gottesnamen JHWH, der im Judentum nicht ausgesprochen werden darf und deshalb mit anderen Bezeichnungen umschrieben wird. Dies gilt jedoch nur für die alttestamentlichen Schriften, da das Neue Testament im Original griechisch verfasst ist und somit eine entsprechende Problematik fehlt. Allerdings finden sich die Markierungen auch im Neuen Testament, und zwar in den alttestamentlichen Zitaten.
In den Anmerkungen am Ende des Buches der Bücher sind - in gebotener Kürze - Erkenntnisse aus der modernen Exegese nachzulesen. Außerdem gibt es ein Glossar sowie ein reichhaltiges SpenderInnenverzeichnis.
Ob diese Übersetzung ihr Ziel erreicht, den Menschen die Texte der Bibel (wieder) näher zu bringen und sie zu neuen Sichtweisen führen kann, muss die Praxis zeigen. Das ein oder andere wird man kritisch hinterfragen müssen (z.B. ob das m.E. wichtigste Anliegen, dem Urtext so nahe wie möglich zu kommen, nicht an manchen Stellen durch andere Prioritätensetzungen unterlaufen wurde), doch das gilt für andere Übersetzungen auch. Eine Bereicherung und Inspiration, über Traditionelles neu nachzudenken, ist diese Übersetzung bestimmt. Auch wenn sie dem ein oder der anderen, die an vertrauten Formulierungen hängen, hier und da die Sprache verschlagen wird.
Was ist gerecht an Sprache?Auf der Suche nach einer neuen Bibel neben der Lutherübersetzung stieß ich sofort bei Erscheinen auf die 'Bibel in gerechter Sprache'. Sie klang äußerst interessant und hat mich zunächst sehr gereizt, da sie neben den Apokryphen auch Erläuterungen, Randbemerkungen und Querverweise enthält, die mir bisher als Laie immer fehlten.
Nach allen Meinungen, Rezensionen und Textauszügen, die ich bisher nach eingehendem Studium entsprechender Internetseiten gelesen habe, einschließlich der Homepage für das Buch, kann ich es bei aller Promotion als ernsthafte Alternative zu einer textnahen Bibelübersetzung nicht empfehlen und ich werde es nicht kaufen, habe dagegen die Elberfelder Bibel erworben. Ich habe als Agnostikerin ein historisches Interesse an der Bibel und möchte daher eine richtige, textnahe Übersetzung, keine vermeintlich gerechten, zwangsemanzipierten Bibeltexte, die mir den Raum für eine eigene Interpretation der damaligen Ereignisse nehmen mit 'Hirten und Hirtinnen', 'Apostel und Apostelin'. (Obwohl - die Zehn Gebote beginnen mit: "Ich bin Adonaj, deine Gottheit, weil ich dich aus Ägypten, dem Haus der Sklavenarbeit, befreit habe." Da fehlt dem mittlerweile sensibilisierten Leser doch gleich die 'Sklavinnenarbeit', denn die gab es mit Sicherheit.)
Es bleiben die Fragen: Was bringt es mir, einer Frau, der wirkliche Emanzipation am Herzen liegt, wenn in der Bibel im Nachhinein Frauen eine angebliche Rolle spielen, die sie zur Zeit der Textlegung nicht spielten bzw. wir nichts darüber wissen? Wieso braucht man Wortinterpretationen für 'Gott'? Macht sich der Gläubige nicht selber ein Bild von Gott? Oder ist Interpretationshilfe nötig? Und davon abgesehen: Solche politisch korrekten Formulierungen nerven mich schon in Gesetzestexten, Verordnungen und anderen Veröffentlichungen. Das Lesen der ohnehin nicht einfachen Bibeltexte würde mir mit Sicherheit verleidet werde
Dann war Sprache immer Spiegel der Zeit und ist sie heute noch. Unsere Sprache ist historisch gewachsen und nicht umsonst so, wie sie ist. Umformulierungen ändern nicht wirklich historische Ereignisse oder die Stellung der Frau. Ich würde bezogen auf die Zeit der Entstehung der Bibeltexte sogar sagen, dass sie das Bild verfälschen, ganz davon abgesehen, dass viele Textstellen fehlerhaft übersetzt sind, wie hier und auch andernorts schon mehrfach von Sprachwissenschaftlern belegt wurde.
Um zu erkennen, dass und wie die deutsche Sprache männlich geprägt ist, reicht ein humorvolleres Buch wie "Die Töchter Egalias" von Gerd Brantenberg m. E. völlig aus. Dazu braucht es diese Bibel nicht.
Die Autoren mögen mir verzeihen, aber sie fällt bei aller anerkennenswerten Mühe, die sie sich für viel Geld gemacht haben, für mich in die gleiche Kategorie wie 'Die Bibel in Jugendsprache', als Gag und Denkanstoß okay, aber mehr kann ich der Idee nicht abgewinnen. Und dafür mag ich keine 25 Euro ausgeben.
Gerechtigkeit für alte Texte im neuen GewandRund 5 Jahre haben 52 TheologInnen allesamt bekannte und anerkannte Wissenschaftler an dem Urtext im Hebräischen, Aramäischen und Griechischen für die neue Übersetzung der Bibel gearbeitet, jetzt liegt sie seit der Frankfurter Buchmesse Anfang Oktober vor.
Der erste Eindruck: angenehm und unaufdringlich im Äußeren, gemessen an der hohen Seitenzahl von über 2000 Seiten erstaunlich handlich, im Layout ungewöhnlich, da einspaltig - in meinen Augen leichter lesbar als ein mehrspaltiger Druck.
Zum Inhalt: Die Anordnung der biblischen Bücher folgt der Einteilung der hebräischen Bibel, das ist BibelleserInnen, die sich an den christlichen Kanon der Bücher gewöhnt haben, zunächst irritierend - aber wozu gibt es ein Inhaltsverzeichnis?
Ich lese die BigS und arbeite mit ihr schon seit Oktober 2006 und ich entdecke täglich Neues und Interessantes und oft genug auch Ärgerliches oder Unverständliches. Wenn ich dann in der Luther-Übersetzung oder der Elberfelder nachschlage, stelle ich fest: genauso ärgerlich, genauso unverständlich also: was sagt denn mein Novum Testamentum Graece also der griechische Urtext, den Nestle-Aland zusammengestellt haben? Und ich entdecke: Genau diese Stelle ist schon von vornherein nicht einfach zu lesen, geschweige denn zu übersetzen. Also der Vergleich mit diversen Wörterbüchern: EIN Wort und mindestens FÜNF verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten! In der Bibel in gerechter Sprache finde ich die Übersetzungsvariante, die die Übersetzerin / der Übersetzer als diejenige identifiziert hat, die der Gesamtaussage des Textes wohl am ehesten entspricht ... und damit vermutlich dem Text gerecht wird!
Diese Gerechtigkeit gegenüber dem Ausgangstext steht als ein wichtiges Ziel / das wichtige Ziel in der Einleitung, die anderen Ziele sind dem untergeordnet! Leider wird von den Kritikern gerade die Beachtung von Gender-Gerechtigkeit in der Sprache in unangemessener Weise und unangemessenem Aufwand vorangestellt die Berücksichtigung von sozialer Gerechtigkeit und Gerechtigkeit hinsichtlich des christlich-jüdischen Dialogs werden häufig vernachlässigt. Das führt dazu, dass die BigS oft als Feministen-Bibel bezeichnet wird, was sie einseitig erscheinen lässt und was sie absolut nicht verdient hat.
Der Übersetzung der biblischen Bücher liegen anerkannte wissenschaftliche Methoden zugrunde, die von den Übersetzerinnen auch offengelegt werden. Schon deswegen ist es nicht angemessen, von Unwissenschaftlichkeit oder Oberflächlichkeit bei der Übersetzung zu reden. Allenfalls gibt es andere Einstellungen und Sichtweisen die aber jede für sich nicht absolut zu setzen sind, was auch die ÜbersetzerInnen der Bibel in gerechter Sprache für sich nicht in Anspruch nehmen.
So gibt es von mir für diese Leistung für dieses Buch 5 Sterne!