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Hamburg. An einem regnerischen Oktobertag sitzt ein alter Mann im Schlafsack auf einem nassen Boulevard. Es ist Kunst! erklärt er seine Aktion den Vorübergehenden. Gerade dieser ungewöhnlichen Beobachterposition gewinnt Hermann Kant überraschende, amüsante und geistvolle Einsichten über zeitgenössische Befindlichkeiten ab. Der Ort scheint diesem neugierigen Zeitgenossen gerade recht für eine Sinnstudie, und um Missverständnissen vorzubeugen, platziert er den Hinweis: Nicht stören und nichts spenden! Angeregt von seinen Beobachtungen, unterhält er sich und Zufallsbekanntschaften mit Anekdoten aus seiner Hamburger Kindheit wie mit jüngsten Erlebnissen. Aber ausgerechnet auf diesem unauffälligen Posten scheint er gewissen Zeitgenossen im Weg zu liegen. Weil er nun ganz genau hinsieht, wird er Zeuge eines Vorkommnisses, bei dem es um höchste Güter geht: Er begegnet einer fernöstlichen Milliardärin, die um ihre halbwüchsigen Kinder und deren schwerhörigen Hund einigen Aufwand treibt, finanziellen, organisatorischen, diplomatischen. Plötzlich ist der Beobachter irritiert durch Schein und Sein und kommt sich vor wie in einem Kinofilm.
Meistererzählung"Kino" ist eine Meistererzählung, ein Resümee der Geschichte der letzten 60 Jahre hierzulande.
Es sei Kunst, was er da mache, antwortet der Erzähler auf die Frage einer einstigen Freundin, die ihn im Schlafsack auf dem nassen Pflaster von Haburgs Spitalerstraße liegen sieht.Auf dem Treckingbehälter besagen zwei Aufkleber: " Sinnstudie!"-"Nicht stören und nichts spenden!"
Aus der Liegeperspektive entwickelt sich ein Streifzug, politisch grundiert, aufklärend, ironisch, getragen von wunderbarer Fabulierkunst.
Schon besseres gelesen ...... auch von Hermann Kant.
Ist man ein Freund extrem wirrer und chaotischer Satzhaufen, dann ist "Kino" genau das Richtige.
Möchte man auch nur annähernd einen roten Faden erkennen oder wie man es heute nennt: einen Plot, dann sollte man die Finger tunlichst von "Kino" lassen. Immer wieder frage ich mich beim Lesen, ob ich es nicht vielleicht doch weglegen sollte. Aber in der Hoffnung doch noch Aufschlüsse über Sinn und Unsinn der Geschichte zu treffen, lese ich weiter.
Jetzt weiss ich, ich hätte das Lesen garnicht erst beginnen dürfen.
Brockhaus-1809: Immanuel Kant · Immanuel Kant
Brockhaus-1911: Kino · Kant-Laplacesche Theorie · Kant
DamenConvLex-1834: Kant, Immanuel
Eisler-1912: Kant · Kant, Immanuel
Herder-1854: Kino · Kant
Kirchner-Michaelis-1907: Kant-Laplacesche Kosmogonie
Meyers-1905: Kino [1] · Kino [2] · Kant · Kant-Laplacesche Theorie
Pierer-1857: Kino · Kant