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Aleksander wächst in der kleinen bosnischen Stadt Višegrad auf. Als der Krieg über Višegrad hereinbricht und die Familie fliehen muss, erweist sich Aleksanders Fabulierlust als ungemein nützlich: Rastlos neugierig erobert er sich diesen merkwürdigen Ort namens Deutschland, und mit unbändiger Lust erzählt er die irrwitzigen Geschichten von damals.
- Großes Hörkino produziert vom Bayerischen Rundfunk - Regie: Leonhard Koppelmann.
- Für alle Hörer von Jonathan Safran Foer und Wladimir Kaminer.
'... gibt es seine bewegende und burleske Geschichte über den Jugoslawienkrieg als aufwändig inszeniertes Hörspiel.' - BRIGITTE
'Melancholisch, liebenswert und voller Witz - die Geschichten in 'Wie der Soldat das Grammofon repariert' von Sasa Stanisic gehen ans Herz.' - Stuttgarter Nachrichten
'Das erzählt Sasa Stanisic in einer Sprache, die verzaubert. Das Hörspiel überlagert mit allen Geräuschen, Musikstücken und Sprechern nicht diese einzigartige Erzählstimme Stanisics, sondern lässt sie klingen. Ein großes Buch und ein würdiges, gelungenes Hörbuch.' - Bücher
Beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb 2005 lag er in der Publikumsgunst ganz vorn. Dennoch machte Am Seil, Thomas Langs “Kammerspiel auf der Tenne” (Jurymitglied Heinrich Detering), das Rennen. Nun winkt dem Publikumsliebling auch noch der renommierte Deutsche Buchpreis. Saša Stanišiæ? Wer ist das? Was ist passiert? Nicht viel. Ein junger Bosnier hat lediglich uns Deutschen auf deutsch ein kleines Meisterwerk vorgelegt. Vom heiter-sentimentalen bosnischen Familienidyll zum blutigen Massaker und Verlust der Heimat. Eine solche Erfahrung lässt sich offenbar nur träumend und fabulierend bewältigen. Saša Stanišiæ tat dies, in einer Sprache, in der sich Wehmut, Verlustschmerz, Erinnerungswonne und der Kinderblick auf den Wahnwitz einer tollwütigen Welt aufs Schönste vereinigen. Man kann sich gut und gerne in ihr verlieren. Verantwortlich für Aleksandars (Sašas alter ego) Überlebenswerkzeuge war Opa Slavko, der kurz vor seinem Tod seinem Enkel Zauberhut und Stab vermacht hatte. Erfindung und Fantasie, so der Opa, seien die wertvollsten Gaben. „Merk dir das und denk dir die Welt schöner aus“. Und war gestorben, schnell wie Carl Lewis, der im Fernsehen gerade in Tokio den 100-Meter-Weltrekord brach. Was auf den ersten Blick lächerlich wirkt, waren simple aber mächtige Instrumente. Die Erinnerungssterne, mit denen Aleksandar fortan seinen Zauberhut beklebte, wandelten sich zu Schreckensbildern, als der 14-Jährige 1992 mitansehen musste, wie serbische Truppen in seine Heimatstadt Višegrad einfielen und sie dem Erdboden gleichmachten. Hier half auch kein Zauberstab. Eine Restfamilie und ihr zukünftiger Autorensohn fand damals Zuflucht in Deutschland. Essen, dann Heidelberg. Welch anheimelnde Neue Heimat! Und doch wurde auch in der merkwürdigen Kältezone namens Deutschland Aleksandars Zauberhut mehr als nötig. Wegträumen. Bilder aufkleben. Nicht verdrängen, spielend verarbeiten. Aleksandars Briefe an die zurückgebliebene Freundin Asija zerreißen fast das Herz. Saša Stanišiæ studierte die deutsche Sprache. Wie sehr ihm dies gelang, liegt nun vor uns. Ein Kind als Spielball zwischen massakrierenden Horden, gefangen im Epizentrum der Kriegsgräuel und Unmenschlichkeit. Und die poetische Reise in eine Heimat die einst Jugoslawien hieß, zurück zur quirligen Tante Taifun, zurück an die Drina, den ewigen Schicksalsstrom, zurück in eine Zeit, als alles gut war. Was Aleksandars Zauberstab berührt, bleibt für immer am Leben. Und ist -- man darf es sagen --, eindringlicher als manche Kriegsberichterstattung. --Ravi Unger
Ein großer Geschichtenerzähler liefert sein Debut abAuf Seite 16 habe ich das erste Mal geweint. Auf Seite 20 habe ich herzhaft gelacht. Später habe ich gelacht und geweint und gelungene Bonmots und Wortspiele laut vorgelesen. Gänsehaut hatte ich und einen Kloß im Hals. Gelesen, bis ich nicht mehr wusste ob die Bilder in meinen Kopf Buch oder Traum sind.
Großartig ist der spielerische Umgang des Autors mit der Sprache, die genüßlichen Wortspiele, die feinsinnige Ironie und der kilometerweite Abstand zu blöden Floskeln. Großartig auch die Art, wie die Sinnlosigkeit des Krieges durch die Kinderaugen deutlich wird.
Ein fantastischer Roman mit unbedingter Leseempfehlung.
Die wertvollste Gabe ist die Erfindung, der größte Reichtum die Fantasie.Diese Lebensweisheit gibt Opa Slavko seinem Enkel Aleksandar am Tag seines Todes mit auf den Weg. Und Aleksandar hält sich daran. Fortan findet er alles Abgeschlossene unnötig, unglücklich und unverdient und versucht sich als "Fähigkeitenzauberer". Er erzählt mit unbändiger Lust die irrwitzigen Geschichten seiner Kindheit, von der großen Familie und den kuriosen Begebenheiten im kleinen Višegrad, zuweilen brüllend komisch.
Als 1992 der Bürgerkrieg ausbricht, lässt er uns in seiner naiv-altklugen Kindersicht daran teilnehmen. Angst spielt dabei eine geringe Rolle. Politische Hintergründe werden fast vollständig ausgeblendet, Kriegsereignisse lediglich beschrieben, ohne sie zu interpretieren. Es ist vielmehr die Ungläubigkeit der großen Kinderaugen, die lediglich die Fakten benennt, ohne sie in einen großen Zusammenhang zu stellen.
Hier wird deutlich, wie kindliche Beobachtung funktioniert.
Immer nüchterner wird der Erzählstil, als der junge Aleksandar mit seinen Eltern nach Deutschland flieht. Zu stark waren die traumatischen Erlebnisse, zu kühl die Atmosphäre in dem neuen Land und immer "erwachsener" wird er. Zwischenzeitlich flieht er in frühe Kindheitserinnerungen, "als alles noch gut war", was sich sogar in den Kapitelüberschriften widerspiegelt (sie sind jetzt wesentlich kleiner dargestellt)
Erst bei einem Besuch seiner geliebten Heimat nach zehn Jahren Exil kommt die Fabulierfreude wieder zum Vorschein, obwohl ihn das immer noch traumatisierte Land und seine verbliebenen Bewohner stark erschüttern.
"Wie der Soldat das Grammofon repariert" ist ein märchenhaft schönes und wahrlich beeindruckendes Meisterwerk. Gerade wegen des manchmal stark übertriebenen und daher schon fast verzweifelt anmutenden Erfindungsreichtums des Protagonisten Aleksandar, der sich mit aller Macht eine heile, idyllische Welt voller wundersamer Begebenheiten erschaffen möchte, spiegelt dieses Buch eindringlicher als so manche Kriegsberichterstattung die Gräuel des Krieges wider.
Sicherlich trägt dieser Roman stark autobiografische Züge, denn es war 1992, als der 1978 in Bosnien geborene Autor mit seiner Familie im deutschen Exil Zuflucht suchte. Seit 2001 schreibt und publiziert er deutschsprachige Texte und das für jemand, für den Deutsch im Grunde immer noch eine Fremdsprache ist. Es ist schon faszinierend, wie der junge Bosnier den Deutschen zeigt, was man mit deutschen Worten so Feines zaubern kann. Es zeigt, wie intensiv Stanišic sich mit der deutschen Sprache auseinander gesetzt haben muss.
Fazit: Wer ein wirklich gutes Buch lesen möchte, dem sei allerwärmstens und dringlichstens zu Saša Stanišic "Wie der Soldat das Grammofon repariert" geraten, aber eines sollte klar sein, es ist keine leichte Kost. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann ist es ein wunderbar melancholischer Genuss.
Ein Auszug aus dem Buch beschreibt für mich eigentlich alles zu diesem Roman:
"Eine gute Geschichte... ist wie unsere Drina [der Fluss seiner Heimatstadt]: nie stilles Rinnsal, sie sickert nicht, sie ist ungestüm und breit, Zuflüsse... reichern sie an, sie... brodelt und braust, wird hier und da seichter, dann sind das aber... Ouvertüren zur Tiefe und kein Plätschern. Aber eines können weder die Drina noch die Geschichten: für beide gibt es keine Zurück."
Für mich persönlich ist Stanišic der eigentliche Gewinner des Deutschen Buchpreises 2006.
ÜberschätztDas überschätzteste Buch der Saison! Nach den Lobesreden der Kritiker war ich sehr gespannt und wurde bitter enttäuscht. Das ganze wirkt wie der verzweifelte Versuch, eine Unzahl verstreuter Skizzen und Entwürfe mit Gewalt in einen "Zusammenhang" zu bringen. Stanisic reiht Geschichte an Geschichte, beschreibt einen urigen Charakter nach dem anderen, lässt Bild auf Bild folgen und man wird den Eindruck nicht los, dass das alles lediglich einem Prinzip folgt: dem Selbstzweck. Seine bemüht üppigen Schilderungen lassen keinen Raum für eigene Fantasien. Dazu ist die endlos herbeizitierte Balkanseligkeit einfach zu erdrückend. Dazu die gewollt "unangepasste" Sprache: misslungene Metaphern, betuliche Wortschöpfungen und durchweg ein nur noch peinliches Bemühen um Einfachheit. Besonders deutlich werden die Grenzen seiner Sprache dann, wenn es nicht mehr um die Beschreibung schräger Vögel auf lustigen Dorffesten geht. Vor den existenziellen Erfahrungen von Krieg, Flucht und Heimatlosigkeit kapituliert seine Ausdrucksweise völlig. Hätte es Stanisic bei einem burlesken Bilderbogen a la Emir Kusturica belassen, wäre vielleicht ein gutes Buch dabei herausgekommen.
Eine Vielzahl von Geschichten münden in einer LegendeDas Buch folgt in seinem Ablauf den Eckdaten der Biographie des Autors. Diese Eckpfeiler sind die Vorkriegszeit, der Krieg und die Flucht. Sasa Stanisic beschreibt in einer bildhaften Tonlage eine heile, schöne Kindheit. Es beeindruckt außerordentlich, wie ein junger Mann in der Lage ist, für weit Zurückliegendes solche Bilder zu finden.
Er berichtet von einer Familie in der es wunderbare und skurrile Gestalten gibt. Mit magischen Elementen, einem Schelmenroman ähnlich, beginnen die Geschichten und alles endet dann schließlich in dem „Ungeheuerlichen“ des Krieges. Es folgt die Flucht, die Initiation in Deutschland. Alles scheint zunächst nur eine kurze Schutzsuche zu sein, in der Erwartung, der Krieg könne jede Woche vorbei sein. Die Eltern wandern schließlich nach Amerika aus, der Protagonist Alexander bleibt in Deutschland, um die Schule abzuschließen.
Es werden wahnsinnig viele Geschichten erzählt und es ist eigentlich nur die zeitliche Chronologie, die das ganze Buch zusammenhält. Als Alexander auf Seite 158 mit dem Erzählen anfängt, hat man das Gefühl einer Doppelung, als würde der Roman noch einmal anfangen.
Das biographische, das traumhaft schöne an dem Buch sind die Briefe, die an jemanden geschrieben werden, von dem nicht bekannt ist, ob er noch lebt. Mit einfachen Mitteln stellt der Autor Tragik, Sentimentalität, Sorge, Kummer, Fernweh und Heimweh dar. Die Geschichten werden nach und nach komplizierter, sie werden länger und sie bekommen eigene Erzählstränge. Sie sind auf den einen entscheidenden Punkt fokussiert, hören dann auf als die eigentliche „Inspirationsfigur“, der geliebte Opa stirbt. Ab da ist nichts mehr gut und da beginnt auch der Krieg.
Wenn man in diese Geschichte richtig rein gezogen wird, dann bekommt man vielleicht eine ganz andere Einstellung zu dem Thema „Asyl Diskussion“.
Der Autor kann mit seiner poetischen Sprache in wenigen Sätzen die komplexesten Zusammenhänge darstellen. Die Vielstimmigkeit kennzeichnet dieses Buch, es sind lauter kleine Anekdoten aneinandergereiht bis zu einer großen Legende.
Wer je einen Anderen bedingungslos geliebt hat, findet diese Liebe in diesem Buch wiederEine Enttäuschung wurde für mich zum Glücksfall: ich war auf der Frankfurter Buchmesse und wartete im Lesezelt auf Katharina Hacker (Die Habenichtse) und sah mich plötzlich Sasa Stanisic gegenüber, der für die angekündigte Autorin eingesprungen war mit seinem Buch "Wie der Soldat das Grammofon repariert".
Ich habe selten einen Autor so gekonnt aus seinem Buch vorlesen hören wie ihn, selbst das hart gesprochene R wurde zum perfekten Stilmittel, das die Hauptfigur Aleksandar lebendig werden ließ.
Ich musste dieses Buch haben, so sehr hat es mich schon nach wenigen Abschnitten begeistert.
Es ist zu wünschen, dass dieses Buch bald als Hörbuch erscheint und zwar vom Autor selbst gelesen!!!
Stanisic erfindet die deutsche Sprache neu, indem er Worte nebeneinander setzt, die zuvor nichts voneinander wussten, er entdeckt Vergleiche, die überraschen und staunen lassen, er kreiert Metaphern, die mich beim Lesen zu Ausrufezeichen am Rande der Zeile animierten, er setzt konträre Ereignisse zueinander in Beziehung, die einem den Atem rauben und die Unergründlichkeit des Lebens demonstrieren.
Stanisic schreibt über den Krieg, ohne eigentliche Kriegshandlungen darzustellen. Er beschreibt ihn über die veränderten Kinderspiele, das Verhalten der Menschen und deren Verständnislosigkeit.
Gerade weil Stanisic nicht moralisiert wird die Ungeheuerlichkeit des Krieges, der die Menschen ausgesetzt sind, umso greifbarer.
In erster Linie aber ist dieses Buch ein Buch über die Liebe eines Jungen zu seinem Großvater.
Diese wird in außergewöhnlichen Bildern und Erinnerungen beschrieben, die tief berühren. Man möchte diesem Jungen übers Haar streichen und ihn trösten, während man gleichzeitig den Autor bewundert dafür, dass er einer solch bedingungslosen Liebe wie sie ein Enkelkind seinem Opa gegenüber empfinden kann, ein Denkmal gesetzt hat. Ein wundervolles Buch im eigentlichen Wortsinn!