Weischenberg, Siegfried; Malik, Maja; Scholl, Armin

Die Souffleure der Mediengesellschaft

Die Souffleure der Mediengesellschaft
  • Verlag: Uvk
  • Erscheinungsdatum: 2006-09-01
  • Bindung: Broschiert
  • Seitenzahl: 316
  • ISBN: 389669586X
  • EAN: 9783896695864
  • Amazon.de Verkaufsrang: 60.653
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Beschreibung von buecher.de

Sind Journalisten die vierte Gewalt im Staate? Wie groß ist ihr Einfluss wirklich? Was verändert sich, wenn Blattmacher wie Frank Schirrmacher (FAZ) oder Hans-Ulrich Jörges (Stern) nicht mehr nur andere befragen, sondern selbst in Talkshows auftreten? Wie sieht die überwiegende Mehrheit der 48.000 deutschen Journalisten, die nicht im Rampenlicht steht, ihre Arbeit? Wie hat sich der Journalismus durch das Internet verändert? Wie gehen Journalisten damit um, wenn sie wegen eines Rückgangs beim Anzeigengeschäft auch weniger Platz für ihre Texte haben?
Mit'Die Souffleure der Mediengesellschaft'legt UVK eine repräsentative Studie zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen vor. Sie erlaubt den Vergleich mit einer Untersuchung aus dem Jahre 1993 mit nahezu identischen Fragestellungen. 2005 nun haben Siegfried Weischenberg, einer der profiliertesten deutschen Publizistikprofessoren, und seine Kollegen 1.500 Journalisten befragt.
Das Ergebnis ist ein sehr präzises Bild des journalistischen Selbstverständnisses in der Mediengesellschaft von heute. Gleichzeitig liefert der Band eine außerordentlich informative Darstellung eines Berufsstandes, der keine formalisierte Ausbildung verlangt, der nicht gut angesehen ist in der Bevölkerung und in den es trotz allem eine Menge junger Leute zieht.
Weischenberg und seine Co-Autoren plädieren für einen aufmerksamen Umgang mit den Veränderungen in der Branche und fordern, die Qualität in der Journalistenausbildung anzuheben.'Die Souffleure der Mediengesellschaft'ist das engagierte, hoch aktuelle Porträt einer Berufsgruppe, die zweifellos einen großen Einfluss auf die Gesellschaft hat. Für Journalisten und solche, die es werden wollen, ohnehin ein Muss, dürfte der Band auch für all diejenigen interessant sein, die Zeitungen lesen, Fernsehen schauen, Radio hören. Denn wie sagte der Soziologe Niklas Luhmann:'Alles, was wir über die Welt, in der wir leben, erfahren, wissen wir aus den Massenmedien.''Die Souffleure der Mediengesellschaft'zeigt, wer die Macher dieser Massenmedien sind und was sie bewegt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Yvonne de Andrés fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Journalisten: Dienstleister statt Anwälte?

Der Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg hat zusammen mit seinen Kollegen Maja Malik und Armin Scholl das gewandelte Rollenverständnis von Journalisten in der Bundesrepublik erforscht. Die Ergebnisse sind gut aufbereitet und leicht lesbar, teilweise jedoch erschreckend.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind umso bedeutender, als Weischenberg und Scholl bereits 1993 eine vergleichbare Untersuchung vorgenommen und 1998 publiziert haben (Siegfried Weischenberg u. a., Journalismus in der Gesellschaft, Wiesbaden 1998), der Wandel des Selbstverständnisses von Journalisten lässt sich nunmehr sehr gut belegen. Bei der neuen repräsentativen Befragung wurden neben traditionellen Medien auch die Mitarbeiter von Anzeigenblättern und Onlinediensten mit einbezogen. Nicht mit eingeschlossen waren Arbeitslose und Journalisten, die weniger als die Hälfte ihres Einkommens aus unabhängiger journalistischer Arbeit erzielen.

Mit dieser Auswahl verteidigen die Autoren bereits ein wesentliches Kriterium journalistischer Tätigkeit. Im Vergleich zu der Umfrage von 1993 ist die Zahl hauptberuflich arbeitender Journalisten um ca. 6.000 Menschen zurückgegangen, die Anzahl der Medien dagegen hat um mehr als 200 zugenommen. Etwa 48.000 hauptberufliche Journalisten zählt die Studie, von ihnen sind 12.000 als freie Journalisten anzusehen, die sich ohne Aufträge aus dem Bereich Public Relations nicht ernähren könnten. Obwohl etwa 20% der fest angestellten Journalisten mit weniger als 1500.- € im Monat zu Recht kommen müssen, zeigt sich eine sehr großer Teil von ihnen mit seiner Berufswirklichkeit sehr zufrieden.

Die öffentliche Anerkennung von Journalisten ist, wie gezeigt werden kann, so schlecht wie selten zuvor. Journalisten gelten in den Augen der Mehrheitsgesellschaft nach einer Umfrage von 2005 etwa soviel wie Offiziere und Gewerkschaftsführer. Im Unterschied zu Ärzten etwa, die auf einer Skala beliebter Berufe an erster Stelle bei 71% der Befragten stehen, nennen nur 10% der Befragten die Journalisten. Noch weniger Nennungen erhalten nur noch Buchhändler (7%), Politiker (6%), Fernsehmoderatoren (6%) und Gewerkschaftsführer (5%).

Alarmierende Erkenntnisse der Studie sind z. B. dass die Zeitspanne, die Journalisten täglich mit Recherche verbringen, gegenüber der Studie von 1993 noch abgenommen (1993: 140 Minuten pro Tag; 2005: 117 Minuten) hat. Das Rollenverständnis der Journalisten tendiert außerdem immer stärker dazu, die Öffentlichkeit nur zu informieren. Immer weniger Journalisten verstehen sie sich als Anwälte der Öffentlichkeit bei der Kontrolle von Politik und Wirtschaft (2005: 24%; 1993 noch 37%). Privat versteht sich die Mehrheit der Journalisten dabei trotzdem vor allem links, nur etwa 15% bekennen sich als CDU- und FDP-Anhänger. Der Rezensent der NZZ (Neue Züricher Zeitung) fragt: Warum soll man nicht annehmen, dass die deutschen Kollegen so hochprofessionell justiert sind, dass es ihnen keine Schwierigkeit macht, zwischen privater politischer Ansicht und dem im öffentlichen Auftrag wahrgenommenen Geschäft des unparteiischen Berichtens, des Kritisierens und des Skandalisierens zu unterscheiden?

Insgesamt tendieren die Macher der Studie eher zu der skeptischen Erkenntnis, dass wir uns einem Ende des Zeitalters des Journalismus nähern. Statt Information und Recherche nehmen Ökonomisierung und Entertainisierung immer weiter zu. Das sich dramatisch verändernde Selbstverständnis der Journalisten, informieren statt kontrollieren, ist nur ein wichtiger Beleg auf diesem Weg.

Es sind, so Weischenberg, vor allem die kleinen Sünden, die den Journalismus zerstören. (1.) Da sitzt der politische Korrespondent vor dem Fernsehapparat und schaut Phoenix, statt vor Ort zu sein; (2.) da wird aus Radio-Interviews zitiert, obwohl man davon nur eine karge Agenturfassung kennt; (3.) da werden Zitate aus anderen Medien übernommen ungeprüft und ohne die Quelle zu nennen; (4.) da werden Erträge aus Pressekonferenzen und journalistischen Massenabfertigungen durch Prominente als Exklusiv-Interviews präsentiert und (5.) sind Reportagen das Ergebnis von Recherchen in der Suchmaschine Google. (S. 25)

Ein Buch das sehr skeptisch und hoffentlich selbstkritisch gegenüber der eigenen Arbeit macht und deshalb sehr empfehlenswert ist. Vielleicht sollten die Autoren einen Band nachliefern über die kleinen Sünden im journalistischen Alltag?


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