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Immer am Deich entlang wandert der junge Adriaan, vorbei an Rapsfeldern und blühendem Klatschmohn. Zusammen mit seiner Cousine Klaske wird er einen paradiesischen Sommertag verbringen doch an dessen Ende steht ein Unglück, das Adriaans Leben in eine neue Bahn lenkt. Ein weiteres Meisterwerk des niederländischen Schriftstellers Maarten t Hart. »Die Jakobsleiter enthält alle Elemente der Erzählkunst des niederländischen Meisters: Sinnlichkeit, Poesie, Genauigkeit, menschliche Wärme trotz köstlicher Ironie, und eine Art, Landschaft und Natur zu beschreiben, wie es nur ein Liebhaber und Kenner kann.«Buchkultur
"Ich fühlte mich für etwas schuldig, ... das ich nie würde gutmachen können." Der junge Adriaan sieht sich in eine ausweglose Schuldsituation katapultiert, die Jahre lang sein Leben bestimmen wird: ein Junge fällt am Anleger zwischen Kaimauer und Schiff und gerät in die tödliche Schiffsschraube. Kurz vor dem Unglück hatte Adriaan ihn gesehen. Hätte er helfen können? Eine dramatische Geschichte, in der zunächst Adriaan selbst für den Verunglückten gehalten wird. Er aber verbrachte den Tag mit der jungen Klaske. Auch diese Begegnung wird sein Leben bestimmen. "Ich will dich später einmal heiraten." Das ist die faszinierende, immer wieder umschmeichelnde Art dieses niederländischen Autors: Beschreibungen, der Natur und der Menschen, der Gedanken und der so facettenreichen Herzensdinge. Fernab jeder inneren Hektik nimmt Maarten 't Hart sich Zeit und Muße, voller Wärme und durchaus mit autobiographischen Ambitionen, in Ich-Form Pubertät und Jugend des jungen Adriaan zu erzählen. Da gibt es eben die "typischen Septembertage, die mit kühlem, goldenem Licht anfangen und mit staubigem, butterfarbenem Licht enden ..." und die Menschen, die an "einen verschlammten Wassergraben" erinnerten, "in dem an einem warmen Sommertag Gasblasen hochblubberten." "Ich weiß nicht, warum es mich gibt. Ich verstehe die Welt nicht." sagt Adriaan aus tiefer pubertierender Seele und in jugendlichem Weltschmerz und es ist wie die Geschichte der Reise nach Panama: manchmal sind es die Umwege im Leben, die Erkenntnis und Erfahrung schaffen. Fast väterlich zärtlich erzählt Maarten 't Hart diese sehr runde Geschichte vom Erwachsenwerden. Sie hat mit Weggehen und Wiederkommen zu tun und mit der tiefen Geborgenheit in der Familie, sie hat mit dem Glauben zu tun und den diversen Glaubensgemeinschaften, die mit ihrem 'religiösen Eifer' den Hintergrund der Romankulisse bilden. Manche sind dabei "noch orthodoxer als der liebe Gott." Aber es geht keineswegs betulich oder verstaubt oder gar überaus fromm zu, da ist immer noch Platz für Witz, für Spott und all das, was dem Leben miteinander die Würze gibt. Maarten 't Hart schreibt so, als hätte man es eben gerade irgendwo gehört. --Barbara Wegmann
Schuld und Sühne - ein Kinderleben im JammertalWer die Bücher von Maarten 't Hart kennt, war sich immer schon der Tatsache gewahr, dass dieser nicht nur ein ausgezeichneter Kenner klassischer Musik ist, sondern auch ganz offenbar in einem stark religiösen Elternhaus aufgewachsen und in jeder Hinsicht auch heute noch "bibelfest" ist.Der Titel "Jakobsleiter" hat als Begriff seinen Ursprung im Traum des Jakob (Genesis 28,12), der mittels einer Leiter mit dem Himmel in Verbindung zu gelangen glaubt. Dieser Roman ist Maarten 't Harts erster, der die Religion als einziges und zentrales Thema hat. Gewiss, vor allem derjenige Leser wird diesen Roman zu schätzen wissen, der Kenntnisse der Niederlande und deren Religionsgeschichte besitzt. Für andere mag er langweilig sein. Maarten 't Hart eröffnet dem Leser mit diesem Buch einen Blick in die vermeintlich so liberalen Niederlande als einer Nation mit über 20 christlichen Glaubensgemeinschaften - mit teils unvorstellbaren archaischen und fanatischen Dogmen. Ohne je selber dogmatisch zu werden rechnet 't Hart in diesem Buch sehr subtil mit den erschreckenden Folgen eines auf die Spitze getriebenen Glaubenwahns ab, der im wesentlichen auf dem Prinzip der Sünde und Buße basiert. Jede Form von Lebensfreude ist schon den Kindern versagt. Die Zahl der religiöser Eiferer ist groß. Kinder geraten darob auf die schiefe Bahn oder begehen Selbstmord, eben weil sie diese unmenschliche tragische religiöse Scheinwelt der Erwachsene nicht verstehen können. Auch 't Hart bzw. sein Protagonist Adriaan Vroklage (ein bezeichnendes Wortspiel) erfährt sich als um einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend unnötig beraubt. Adriaan selber bleibt nur die Erinnerung an einen einzigen paradiesischen Sommertag, doch just dieser wird sein Leben verändern.Ein sehr lesenwertes Buch, das ohne Wertung das unselige Wirken übertriebenen religiösen Tuns plastisch darstellt. "... war mir plötzlich, als zeichnete sich hinter all dem Schmerz über die verlorenen Jahre ein größerer Kummer ab. Meine Schuld, meine Buße war mir lieb geworden, war ein Teil von mir geworden, hatte mich anders als die anderen sein lassen ..."
"Das Wüten der ganzen Welt" Teil 2Für mich ist dieser Roman einer der besten von Maarten't Hart. Warum? Weil er wieder einen verschlossenen jungen Mann als Hauptfigur nimmt, diese Figur in jungen Jahren mit dem Tod konfrontiert und dann sieht, was daraus wird. Anders aber, als Alexander in "Das Wüten der ganzen Welt" kann Adriaan sich nicht an der Musik festhalten und dadurch vor der Begegnung mit dem Tod fliehen. Nein, er muss diese Last mit sich selbst herumschleppen und büßt dadurch für Dinge, für die er nichts kann. Hinzu kommt die grandiose Darstellung des Großvaters, der mal spöttisch, mal mitleidig, mal biestig über die religiösen Fanatiker seiner Umgebung spricht und selber weiß, dass er immer zu diesen Leuten gehören wird.Ich bin ein absoluter Fan von Maarten't Harts Sprache, seinen Beschreibungen, seinen Charakterisierungen und seinen Themen. Dabei interessiere ich micht einmal sonderlich für Religion. Aber es ist so, als würde man von einem anderen Planeten sprechen, wenn man die Religionszustände der Niederlande versucht zu erklären. Und mitten in diesem Religionschaos ist ein verstörter Junge, der nicht weiß, was er kann und nicht weiß, warum er überhaupt noch lebt.Dies zu ergründen macht er sich auf und er wird die Antwort finden.Der Roman ist mal witzig, mal melancholisch, mal zynisch und manchmal auch ein kleines Bisschen hoffnungslos. Und das ist das Schöne daran. Er ist quasi, wie der Großvater, den ich oben beschrieben habe. Einfach abwechslungsreich.Dazu muss ich aber gestehen, dass der Roman bei mir nur deswegen 5 Sterne bekommt, weil die letzten zwei Romane ("Die Sonnenuhr" und "In unnütz toller Wut") nicht ganz so gut ausgefallen waren und ich deshalb über ein besseres Buch sehr erfreut bin.
Er hat schon spannender geschrieben...Die deutsche Übersetzung erschien 2005, allerdings sollte man darauf hinweisen, dass die Originalausgabe in den Niederlanden schon 1986 veröffentlicht wurde. Es ist also kein wirklich neuer Roman von Maarten 't Hart.
Im Vergleich zu einigen seiner späteren Erfolge ist dieses Buch relativ sparsam an Motiven und erzählerischen Kunstgriffen. Während z.B. in "Die schwarzen Vögel" oder "Das Wüten der ganzen Welt" Elemente des Kriminalromans vorkommen, gewissermaßen ein "Fall" zu klären ist, ist "Die Jakobsleiter" im landläufigen Sinne nicht spannend zu lesen. Es gibt keinen eindeutigen Handlungsstrang, eher handelt es sich um eine Art Entwicklungsroman. Der Protagonist Adriaan Vroklage, der als Ich-Erzähler auftritt, durchläuft seine Schulzeit, macht eine Lehre, leistet seinen Militärdienst ab und findet am Ende seinen Platz im Leben.
Es fehlt diesem Roman auch die historisch-politische Dimension (wie u.a. in "Die Netzflickerin"), weil hier religiös-theologische Fragen eindeutig im Zentrum stehen. Bei aller Kritik an religiösem Eifer, der zu Glaubensspaltungen und Selbstmorden führt, ist zu spüren, dass 't Hart darüber nicht als feindselig Außenstehender schreibt. Wenn er Adriaans Großvater, der für den Protagonisten immer wieder als lebenserfahrener und unvoreingenommener Gesprächspartner fungiert, sagen lässt, dass für ihn all die Kirchenspaltungen Zeichen eines lebendigen Glaubens sind, spricht das ebenso gegen eine vereinfachende Schwarz-Weiß-Sicht wie der Umstand, dass ausgerechnet der hyper-orthodoxe Ruygveen, der seine Familie zerstört hat und selbst in der Psychiatrie endet, Vroklage von seinem Schuldkomplex erlöst und mit dem Zitat "Er hat meine Seele liebreich umarmt" den Schlusssatz bekommt.
Ein anderes Motiv, das auch nahezu alle Romane von Maarten 't Hart durchzieht, kommt übrigens in der Darstellung von Adriaan Vroklage so deutlich zum Tragen wie vielleicht sonst nur noch in "Ein Schwarm Regenbrachvögel": der entschiedene Einzelgänger, der zwar durchaus Freundschaft mit Einzelnen schließen kann, dem aber jede Form von Geselligkeit ein Greuel ist. "Ich bin nicht gerne unter Menschen, in einer Gruppe. Ehe man sich versieht, sitzt man an einem langen Tisch, und es wird gelacht und geredet. Das finde ich so was von schrecklich, ich verstehe nicht, was die Leute daran finden, warum sie sich immer zueinander gesellen, sich gegenseitig besuchen, ständig miteinander reden wollen."
Der Klappentext sagt, das Buch sei "autobiographisch gefärbt" - sind es solche Bekenntnisse wie das zitierte, die zu dem Ruf, Maarten 't Hart sei "der große Einzelgänger" der niederländischen Literatur, beigetragen haben?
LesenswertMein erstes Buch von diesem Autor - weitere werden folgen, das ist gewiss, denn dieses hier gehört zu den besseren Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.
Wie nebenbei wird man in das Leben des Jungen Adriaan hineingezogen. Am Anfang steht der Tod von Jan, und die Schuld, die Adriaan an diesem Tod empfindet, durchzieht sein Leben und verändert ihn.
T'Hart beschreibt nicht in letzter Kleinigkeit, was Adriaan fühlt; es ist kein psychologischer Roman, aber das ist auch nicht nötig. Für mich ist es erfrischender, nicht alles fertig abgepackt zu bekommen. Ob und wie Adriaan sich quält, was ihn bewegt und was ihn in seinem Leben begleitet - dafür gibt es genügend Anhaltspunkte. Der Leser ist nicht aufgefordert, über den unausgesprochenen Rest nachzudenken, tut es aber zwangsläufig, und das macht einen Teil des Reizes aus.
Ich habe das Buch nicht aus der Hand gelegt, bis ich es ausgelesen hatte. Es ist m.E. spannend, amüsant und in einer klaren und schönen Sprache geschrieben. Mir erscheint es zeitlos (bis vielleicht auf die verwirrenden Religions(haar)spaltereien). Ich kann es mit Vergnügen weiterempfehlen.
AltersfrageMan muss schon mit der Sprache Maarten'Harts umgehen können, um dieses Buch zu mögen. Mitreissend, so wie beschrieben, habe ich es in keiner Weise empfunden. Der Story fehlt das gewisse etwas in ihrer Art der Beschreibung. Für mich eher langweilig. Ich habe nach dem Geburtsdatum von MTH gesehen - 1944, da ich während des lesens eher auf einen Schriftsteller der Jahrhundertwende getippt hätte. Die Geschichte könnte so interessant philosophisch beschrieben sein, ich jedenfalls habe das Buch nach 75 gähnenden Seiten, geschrieben in der Art eines Byerischen Heimatromans, weg gelegt, um mich nicht weiter zu quälen. Wie es jedoch mit allem ist - einige werden es lieben.
Adelung-1793: Hart, der (die) · Hart
Brockhaus-1911: Jakobsleiter · Hart [2] · Hart
Lueger-1904: Jakobsleiter · Hart- und Weichzerrenarbeit
Meyers-1905: Jakobsleiter · Hart-Dyke · Hart. · R. Hart. · Hart- und Weichzerrennarbeit · Hart [2] · Hart [1] · Hart [4] · Hart [3]