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Brauchbare Einführung in den NaturalismusKanitscheider liefert auf knapp 300 Seiten eine brauchbare Einführung in ein naturalistisches Weltbild. Formal und inhaltlich ist der Text sehr professionell und sorgfältig; Druckfehler gibt es nicht. Die recht persönlich gehaltene Einführung kann man auch überspringen. Formal zu kritisieren wäre allenfalls, daß einige Fachausdrücke nicht erklärt werden und viele griechische Wörter ohne Übersetzung vorkommen. Zum Inhalt: In den ersten zwei Dritteln des Buches geht es um die Theorie: Naturalismus allgemein, Erkenntnistheorie, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft, Sinnversprechen und Transzendenzskepsis. Hier glänzt der Autor mit überlegener Argumentation. Im letzten Drittel des Textes (praktische Philosophie) steht der Hedonismus im Zentrum. Auch hier folgt man gerne den Denklinien des Autors, von einer Ausnahme abgesehen: dem Drogenliberalismus. Dabei geht es gar nicht um das "Recht auf Rausch", sondern vielmehr um die dem Drogenkonsum inhärente (und von Kanitscheider völlig ausgeblendete) Suchtgefährdung mit den Folgen der manifesten Sucht, den Begleit- und Folgekrankheiten und dem Drogenelend. Mit dieser Einschränkung kann das Werk als Standardwerk des modernen Naturalismus empfohlen werden.
Ein Grundlagen-BuchDas Buch des emeritierten Gießener Philosophie-Professors Kanitscheider gibt einen hervorragenden Überblick über den Naturalismus und seine Konsequenzen für das Leben der Menschen. Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert. Der erste Teil behandelt die theoretische Philosophie, der zweite die praktische.
Ausgehend von einer Begriffsbestimmung, stellt der Autor im ersten Teil die historische Entwicklung des Naturalismus und einige seiner Aspekte dar, wobei er den griechischen Philosophen viel Raum gibt. Ausführlich kommt die gängige Kritik besonders von idealistischer Seite zur Sprache und ebenso ausführlich geht Kanitscheider auf deren Widerlegung ein. Da der Naturalismus auch besonders mit der wissenschaftstheoretischen Methodik verbunden ist, geht Kanitscheider dezidiert auf die Bedeutung desselben für die Wissenschaft ein. Das führt u.a. auch zur Frage der Reichweite des Naturerkennens. Dabei muss stets berücksichtigt werden, dass alle Erkenntnis nur den Charakter von Vorläufigkeit hat. Das bedeutet aber auch, dass voreilige Aussagen über prinzipielle Erkenntnis-Schranken (Ignorabimus-Fälle: "Wir werden es nicht wissen ...") keine Berechtigung haben. Im folgenden Kapitel widmet sich der Autor den philosophischen Hintergründen des Chaos. Kanitscheider stellt die historische Entwicklung der Vorstellungen über das Zustandekommen von Ordnung dar. Dabei wird klar, dass die moderne Vorstellung von der Selbstorganisation der Prozesse auf allen Ebenen sehr viel begründeter ist als die archaischen Vorstellungen einer Fremdorganisation der Welt durch transzendente Mächte. Zwei weitere Kapitel beschäftigen sich mit der virtuellen Realität und mit "Endzeit und Sinnversprechen". In der Neuzeit hat der Mensch zahlreiche Kränkungen hinnehmen müssen, die ihn aus dem Zentrum der Welt verbannt haben und ihn in kosmischen Maßstäben gemessen völlig bedeutungslos werden ließen. Dies ist zwar auf der einen Seite sehr ernüchternd, bietet aber auf der anderen Seite die große Chance, den Sinn der eigenen Existenz im Hier und Jetzt zu verankern und nicht auf eine transzendente Erlösung zu hoffen. Davon handelt der zweite Teil des Buches.
Im zweiten Teil "Praktische Philosophie" skizziert Kanitscheider einen vom Individuum ausgehenden Hedonismus als praktizierbare Alternative. Er beruft sich auch hier auf die griechischen Philosophen (z.B. Epikur), die ähnliches schon vor über 2000 Jahren geäußert haben. Der Hedonismus kann sich in seiner modernen Form auf zahlreiche Erkenntnisse über die menschliche Natur stützen und er ist ein starkes Plädoyer für den Individualismus, der letztlich die Grundvoraussetzung aller Freiheit ist. Bisher sind alle Gesellschaftssysteme gescheitert, die der menschlichen Natur nicht genügend Raum gegeben und die Menschen in ihrer Individualität zugunsten einer kollektiven Ideologie beschränkt haben.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen. Es gibt nicht nur einen guten Überblick über den Naturalismus und seine Bedeutung, sondern auch einen historischen Abriss des Naturerkennens angefangen bei den griechischen Philosophen, deren Erkenntnisse teilweise noch heute hochaktuell sind. Auch die praktischen Konsequenzen aus dem Naturalismus können für den Einzelnen sehr fruchtbar sein, wenn man sich einmal von Heilslehren verabschiedet hat.
Auf Unverständnis stieß bei mir Kanitscheiders eher positive Sicht des starken Naturalismus - also des Ausschlusses eines Transzendenz-Bereichs - und des Atheismus. Sie beruhen auf der meiner Meinung nach falschen Ansicht einer angeblichen Argumentationsasymmetrie bei positiven und negativen Existenzaussagen. Ich sehe hier keine Asymmetrie, wenn man sich nicht der Gefahr des Ideologievorwurfs aussetzen will. Prinzipiell gilt für JEDEN, dass er JEDE Behauptung beweisen sollte, wenn er ernsthaft argumentieren möchte. Das spricht aber dann nur für einen schwachen Naturalismus - also einen, der einen Transzendenz-Bereich nicht kategorisch ausschließt. Es ist vielmehr auch so, dass der Naturalismus zum Thema Transzendenz weder positive noch negative Existenzaussagen machen kann, weil dieses Thema nicht Gegenstand seines Aussagebereichs und daher für ihn irrelevant ist. Es ist folglich nicht einsehbar, warum man sich hier weiter aus dem Fenster lehnen sollte, als unbedingt nötig.
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Brockhaus-1837: Materie · Schatten
Brockhaus-1911: Strahlende Materie · Materie
DamenConvLex-1834: Schatten und Licht
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Pierer-1857: Priestleys (grüne) Materie · Materie · Schatten · Licht im Schatten · Ihre · Rebekka u. ihre Söhne