Rauh, H. D.

Pandoras Plan

Pandoras Plan
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Erscheinungsdatum: 2006-09-04
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 175
  • ISBN: 3882218738
  • EAN: 9783882218732
  • Amazon.de Verkaufsrang: 1.142.383
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von K. M. Orteil fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Hitchcock im 21. Jahrhundert

H.D. Rauhs erster Roman verflicht kunstvoll Erzähltechniken des Kriminal-

romans mit symbolistischer Poetik. Geschildert wird der moralische Verfall des

Architekten und Augenmenschen Seel, der ,angezogen von den erotischen

Extravaganzen eines brasilianischen Paares, die Grenzen seiner bürgerlichen

Existenz überschreitet. Umgarnt von der unwiderstehlichen Laura und

zurückgeworfen auf den nackten Nihilismus seines Begehrens verfängt sich

Seel im Netzwerk eines obskuren, internationalen Pornorings...

Dem Autor ist ein spannender Krimi gelungen, der für den entdeckungs-

freudigen Leser manche hintersinnige Anspielung und auch die eine oder

andere literatur- und kunsthistorische Tapetentür bereit hält.

So vermag Rauh es in mit wenigen Strichen aufs Papier geworfenen

Naturbeschreibungen, die nicht selten die Intensität von Prosagedichten

erreichen, die großen Fragen von Werden und Vergehen auf der Oberfläche

des Krimiplots zu spiegeln. Dies gelingt in den erotischen Passagen nicht

immer. Die visuelle Imginationskraft des Autors ist erstaunlich und legt

den Verdacht nahe, dass Pandoras Plan so etwas sein könnte, wie ein Drehbuch

für den Hitchcock des 21. Jahrhunderts. Hierzu tragen die absichtsvoll rätselhaften

Photographien Stephan Rauhs, die klug in den Text integriert sind, ein

Übriges bei.

5 von 5 Sternen Vollständige Säkularität

Dies ist ein erstaunlicher Erstliingsroman eines Autors, der sich bis anhin durch eindrucksvolle Essaybände mit geistesgeschichtlicher Thematik profiliert hatte; zuletzt zB. "Epiphanien - Das Heilige und die Kunst", 2004. Wer die bisherigen Arbeiten des Autors kennt, ist einigermaßen erstaunt, ja beinahe konsterniert, jetzt mit einem kleinen Roman konfrontiert zu sein, der - zumindest in der vordergründigen Ebene - zum Genus "sex and crime" gehört. Aber es gibt mindestens zwei weitere Ebenen, die im Text (S.63) sogar selbst angesprochen werden. Neben dem "was passiert", gibt es eben auch die Frage nach der "Moral", die hier eine scharfe Kulturkritik impliziert. Und dann auch die Frage, "woher Mord und Verbrechen kommen." Was hier gesellschaftlich vor sich geht, signalisiert einen Zustand der vollständigen Säkularität: "Verrückte Welt, in der nichts mehr heilig ist" (S. 84). Wenn man es mit dem Titel des Vorgängerbuches bezeichnen sollte: die "Epiphanien" des Romans - überwiegend erotischer Art, als solche freilich sprachlich faszinierend gestaltet - sind hier lediglich Anlaß zu Begehren, Obsession, Verstrickung und Untergang; sich abzeichnende Erlösungen finden nicht statt. Der "Plan" der titelgebenden femme fatale mit dem mythisch anspielenden Decknamen "Pandora" geht voll auf.

Pandoras Plan



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