Büchner, Georg

Leonce und Lena, 1 Audio-CD

Leonce und Lena, 1 Audio-CD
  • Verlag: Der Audio Verlag, Dav
  • Erscheinungsdatum: 2006-11
  • Format: Audio CD
  • ISBN: 3898135799
  • EAN: 9783898135795
  • Amazon.de Verkaufsrang: 168.487
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Beschreibung von buecher.de

Büchners hoch politisches Lustspiel um die Königskinder Leonce und Lena in einer einzigartigen Inszenierung von Gert Westphal. Mit Oskar Werner und Gertrud Kückelmann in den Hauptrollen und der Komposition von Peter Zwetkoff.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von kpoac fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Worte wie ein Vermächtnis

Von Thomas Köster las ich einmal, das ein Hörerlebnis sein muss, wie es Schauspielkunst vormacht. Max Reinhardt forderte rückblickend in einer Rede über Schauspieler: "Er malte Landschaften und baute Architekturen mit seinen Worten". Nichts anderes muss man übertragen auf einen Rezitator, zumindest dann, wenn er Oscar Werner heisst. Insbesondere in dieser fulminaten Fassung des Büchner Stücks: "Leonce und Lena". Oscar Werner kann wahre Sätze grandios vermitteln, sagte Reinhard und es ist so. Die Worte und die Stimme sind es, die Überzeugen und Gefangen nehmen. Werner ist in der Rezitationskunst einmalig, er spiegelt die Einmaligkeit von Büchner in einen Hörgenuss.

Ein skurriles Stück, man spürt eine Lust Büchners an Worten, Sätzen, Parodien und Querverweisen auf die Literatur. Ein Narrenstück, könnte man meinen, wo doch schon Shakespeare das Intro gab aus "Wie es Euch gefällt". Und diese übernommene Botschaft vermag der Anlass der Parodie, der Persiflage gewesen sein, über die Lächerlichkeit und Langeweile einer höheren Gesellschaft zu schreiben, deren höchste Beschäftigung, Müßiggang heißt und deren beste Fertigkeit das Nichtstun ist. Spritzige Bemerkungen unterlässt Büchner an keiner Stelle, übertreibt jedoch nicht, sondern verfällt passend in die Beschreibung der Nachlässigkeit der Personen in Verbindung mit deren freien Willen. Über Langeweile: eine der schönsten Beschreibungen in der Literatur ist hier zu finden. Und gleichzeitig ist die Aktion dagegen eine Kopfgeburt wunderbarer und phantastischer Freiräume, die es gilt auch mit Gedanken der Leere zu füllen. (vgl auch Rede von W. Genazino zur Verleihung des Büchnerpreises).

Eingebettet sind all die Gedanken und Wortspiele in ein Spiel der Liebe. Angelehnt aber contrapunktiert an Shakespeares Romeo und Julia, nahezu ein Palimpsest des Shakespeare Stückes, sollen zwei Menschen Leonce, Prinz aus dem Reiche Popo und Lena, Prinzessin aus dem Reiche Pipi, miteinander verheiratet werden, die sich nicht lieben, geschweige denn kennen. Beide ergreifen unabhängig von einander die Flucht, treffen per Zufall aufeinander und verlieben sich im ersten Augenblick, wo das Paradies für die beiden auf die Erde kommt. Verkleidet, als genialer Streich des Müßiggängers Valerio, treffen sie auf die Menge der Wartenden und Verzweifelten mangels Brautpaar und der König vermählt sie vermeintlich stattdessen ihrem Wunsch entsprechend, weil er sich eh eine Hochzeit (die ursprüngliche) vorgenommen hatte. Und siehe, Leonce wird erkannt, Lena ebenso und die, die in Unkenntnis des Anderen vermählt werden sollten, sind nun aus freien Stücken, nachdem sie sich haben lieben gelernt, verheiratet worden. Der Zufall überspielt die Konvention der gesellschaftlichen und standesgemäßen Bestimmung aber letztendlich beweist er sie doch. Büchner verzichtet auf eine dramatische Herleitung aller Figuren und Handlungen, spontan und unvermittelt fegen die Geschehnisse nur so dahin. Alles mündet mit der Hochzeit in die marionettenhafte Vorsehung, einem Uhrwerk gleich

Insgesamt eine grandiose Persiflage auf die unnütze und lächerlich erscheinende obere Gesellschaft, die Frankreich bereits 1789 abgeschafft hatte. In Vorbereitung auf die deutsche Revolution 1848 in der Zeit der Romantik geschrieben, doch recht unromantisch in der Ausrichtung, vergleicht man dieses Stück mit dem Eichendorffschen Taugenichts (1826), dafür für eine bessere Welt des Denkens auf den zweiten Blick plädierend wie Voltaires Candide (1759), doch nicht in Konsequenz des Tun (Candide: Wir müssen unseren Garten bestellen.) sondern mit der Zementierung des Nichtstuns durch ein "Dekret" (Valerio) und der Zerstörung der mechanischen Zeit zugunsten der "Blumenuhr", wie der natürlichen Zeiten zu einem "ganzen Jahr zwischen Rosen und Veilchen" (Leonce).

Wortwitz und Zitate führen Büchner in diese Welt. Ein Spaß, der aus Geldmangel entstand, verfeinert wurde und heute noch gegen Langeweile und übertriebene gesellschaftliche Konventionen positioniert und sicherlich zu den bekanntesten und wichtigsten Komödien der deutschen Literatur zählt.

Hörenswert.

Diese Rezension von Bibliothekarin fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Oskar Werner und Werner Krauß - Ein Muss!

Die Stimme von Oskar Werner ist unverwechselbar und nie wieder erreicht. Werner Krauß, dessen Schauspiel er bis zur großen Freundschaft hin verfolgt hat, ist hier eigentlich nur ein Nebenbei! Leonce & Lena ohne Oskar Werner einfach undenkbar!

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