Goldsworthy, Vesna

Heimweh nach Nirgendwo

Heimweh nach Nirgendwo
  • Verlag: btb Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2007-07-02
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 240
  • ISBN: 3442735793
  • EAN: 9783442735792
  • Amazon.de Verkaufsrang: 602.255
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Beschreibung von buecher.de

Als Vesna Goldsworthy an Krebs erkrankt und um ihr Leben fürchten muss, schreibt sie für ihren kleinen Sohn ihre Geschichte auf. Ausgehend von dem Moment, als sie zur Zeit der Tschernobyl-Katastrophe Erdbeeren gegessen hat, ausgehend vom Keim der Krankheit in ihrem Körper, berichtet sie so amüsant und unterhaltsam wie eindringlich, was ihr widerfahren ist: vom Alltag in Jugoslawien, ihrer Journalistenkarriere, dem Leben als Fremde in einem anderen Land, einem anderen Gesellschaftssystem.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Winfried Stanzick fanden 14 von 15 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein bewegendes literarisches Zeugnis aus dem Herzen Europas, ein trauriges Epos über den Verlust einer Kultur

Eine junge, gerade einmal 41-jährige Frau, Mutter eines dreijährigen Sohnes, erkrankt lebensgefährlich an einem Brustkrebs. Nach einer schwierigen Operation mit sehr unsicheren Heilungschancen beschließt sie, hauptsächlich für ihren Sohn Alexander ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau und Schriftstellerin.

Vesna Goldsworthy wird 1961 in Serbien geboren und wächst als klassisches Kind des jugoslawischen Kommunismus auf. Einer Spielart der Diktatur, die bis in die siebziger Jahre auch in linken SPD-Kreisen als lobenswerte Alternative zum Betonkommunismus Moskauer oder Pekinger Prägung hochgelobt und durch Besuche hochrangiger Funktionäre auch lange unterstützt wurde.

In ihren Erinnerungen, die sie bewusst nicht chronologisch angelegt hat, verfolgt sie ihre Wurzeln in der väterlichen und der mütterlichen Linie. Sie stellt Zusammenhänge her mit ihrem eigenen Leben, ihren Wünschen und Träumen.

Schon früh fängt sie an Gedichte zu schreiben und macht innerhalb der kommunistischen Jugend literarisch Karriere. Anders als so viele andere im Kommunismus aufgewachsene Schriftsteller denunziert sich aber ihre Vergangenheit nicht, sondern stellt sich ihr. Auch den blutigen und archaischen Konflikt in ihrem geliebten Jugoslawien, der schon vor ihrer Auswanderung nach England absehbar ist, beschriebt sie aus der Distanz betont sachlich und doch ist in jeder Zeile der unendliche Schmerz darüber zu spüren, was sich Menschen da gegenseitig antun, mit denen sie aufgewachsen ist, mit denen sie ihre Träume und Hoffnungen geteilt hat.

Vesna Goldsworthy kommt in ihrer Lebensgeschichte vollkommen ohne Schuldzuweisungen aus. Es sind für sie nicht die Serben oder die Bosnier, die den Konflikt zu verantworten haben. Sie beschreibt , das, was sie sieht und spürt eine großes und tiefes Heimweh nach Nirgendwo".

Als sie beginnt in England wirklich heimisch zu werden, nachdem sie 1986 nach der Heirat mit einem Journalistenkollegen , den sie auf einem Seminar in Sofia kennengelernt hat, dorthin ausgewandert, erkrankt sie an einem Brustkrebs, der sie fast das Leben kostet. Als sie ihr Manuskript abschließt (wohl 2004) atmet ihre Sprache ein wenig Hoffnung, doch sie rechnet damit, bald zu sterben.

Vesna Goldsworthys Buch ist ein bewegendes Zeugnis aus dem Herzen von Europa, ein trauriges Epos über den Verlust einer Kultur, die für die Betroffenen eben doch mehr war als ein liberal-kommunistischer Überwachungsstaat, ein Land, das auch Heimat war und ihr Wurzeln schenkte, die im neuen Land nur mühsam wieder wachsen können.

Wie schön wäre es, wenn diese wunderbare Schriftstellerin weiterleben könnte und uns noch weitere Bücher mit dieser wunderbaren Sprachmacht schenken könnte !

Diese Rezension von C.Borries fanden 8 von 9 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Eine Geschichte von Heimweh und Glück

Vesna Goldsworthy Heimweh nach Nirgendwo Deuticke

ISBN 3552060022Vesna Goldsworthy hat eine Lebensgeschichte geschrieben, ihre eigene. Das Foto auf dem Einband zeigt eine gleichmütige, nicht besonders fröhlich dreinblickende junge Frau.Die Rahmenhandlung wird von der Geschichte ihrer Krebserkrankung im Alter von 41 Jahren gebildet, die sie nur zwei Jahre nach der späten Geburt ihres Sohnes Alexander erwischt hat. Dieses Ereignis mag auch den Anstoß zu ihrem Lebensrückblick gegeben haben.

Vesna stammt aus Jugoslawien. Dort ist ihre Heimat, dort hat sie eine unbeschwerte Kindheit, Jugend und Schulzeit erlebt.

Ihre Verwandten, Großeltern und Eltern, alles charaktervolle Persönlichkeiten, boten ihr Geborgenheit, Liebe und Sicherheit.

Die verschiedenen politischen Entwicklungen haben sie nicht wirklich berührt. Sie lebte ein glückliches und gutbürgerliches Leben wie andere Jugendliche in anderen Ländern auch. Dennoch spürt man eine Besonderheit der Charaktere, eine unsentimentale Ordnung, die das Leben bestimmte.

Vesna zieht es fort; sie ist fleißig und begabt, sie studiert und ist voller Neugier auf das Leben. Daß sie Simon, ihren Mann, bei Studien in Sofia kennen lernt, erscheint ihr wie eine Fügung. Die Verwandtschaft ist nicht so sicher, als sie von dannen zieht,--aber man lässt sie gehen.Das Buch ist in einer freundlichen, nüchtern- assoziativen Erinnerungsform geschrieben. Keine spektakulären Ereignisse zeichnen die Erzählung aus. So fehlt ein wenig der Spannungsbogen, der die Geschichte lebendig und anschaulich macht. Es sind Einblicke und Eindrücke aus dem Leben in einem kommunistischen Land, das vielen Unwägbarkeiten in der jüngsten Geschichte seiner Vergangenheit ausgesetzt war. In dieser Zeit eine dennoch ganz normale Kindheit erlebt zu haben,wach, lebendig und ohne Angst, das zeichnet das Buch aus.

Cl.B.

Diese Rezension von Winfried Stanzick fanden 22 von 27 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein bewegendes Zeugnis aus dem Herzen Europas

Eine junge, gerade einmal 41-jährige Frau, Mutter eines dreijährigen Sohnes, erkrankt lebensgefährlich an einem Brustkrebs. Nach einer schwierigen Operation mit sehr unsicheren Heilungschancen beschließt sie, hauptsächlich für ihren Sohn Alexander ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Eine außergewöhnliche Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau und Schriftstellerin.Vesna Goldsworthy wird 1961 in Serbien geboren und wächst als klassisches Kind des jugoslawischen Kommunismus auf. Einer Spielart der Diktatur, die bis in die siebziger Jahre auch in linken SPD-Kreisen als lobenswerte Alternative zum Betonkommunismus Moskauer oder Pekinger Prägung hochgelobt und durch Besuche hochrangiger Funktionäre auch lange unterstützt wurde.In ihren Erinnerungen, die sie bewusst nicht chronologisch angelegt hat, verfolgt sie ihre Wurzeln in der väterlichen und der mütterlichen Linie. Sie stellt Zusammenhänge her mit ihrem eigenen Leben, ihren Wünschen und Träumen.Schon früh fängt sie an Gedichte zu schreiben und macht innerhalb der kommunistischen Jugend literarisch Karriere. Anders als so viele andere im Kommunismus aufgewachsene Schriftsteller denunziert sich aber ihre Vergangenheit nicht, sondern stellt sich ihr. Auch den blutigen und archaischen Konflikt in ihrem geliebten Jugoslawien, der schon vor ihrer Auswanderung nach England absehbar ist, beschriebt sie aus der Distanz betont sachlich und doch ist in jeder Zeile der unendliche Schmerz darüber zu spüren, was sich Menschen da gegenseitig antun, mit denen sie aufgewachsen ist, mit denen sie ihre Träume und Hoffnungen geteilt hat.Vesna Goldsworthy kommt in ihrer Lebensgeschichte vollkommen ohne Schuldzuweisungen aus. Es sind für sie nicht die Serben oder die Bosnier, die den Konflikt zu verantworten haben. Sie beschreibt , das, was sie sieht und spürt eine großes und tiefes "Heimweh nach Nirgendwo".Als sie beginnt in England wirklich heimisch zu werden, nachdem sie 1986 nach der Heirat mit einem Journalistenkollegen , den sie auf einem Seminar in Sofia kennengelernt hat, dorthin ausgewandert, erkrankt sie an einem Brustkrebs, der sie fast das Leben kostet. Als sie ihr Manuskript abschließt (wohl 2004) atmet ihre Sprache ein wenig Hoffnung, doch sie rechnet damit, bald zu sterben.Vesna Goldsworthys Buch ist ein bewegendes Zeugnis aus dem Herzen von Europa, ein trauriges Epos über den Verlust einer Kultur, die für die Betroffenen eben doch mehr war als ein liberal-kommunistischer Überwachungsstaat, ein Land, das auch Heimat war und ihr Wurzeln schenkte, die im neuen Land nur mühsam wieder wachsen können.Wie schön wäre es, wenn diese wunderbare Schriftstellerin weiterleben könnte und uns noch weitere Bücher mit dieser wunderbaren Sprachmacht schenken könnte !

Diese Rezension von C.Borries fanden 13 von 19 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Lebensgeschichte aus dem ehemailgen Jugoslawien

Vesna Goldsworthy Heimweh nach Nirgendwo Deuticke

ISBN 3552060022Vesna Goldsworthy hat eine Lebensgeschichte geschrieben, ihre eigene. Das Foto auf dem Einband zeigt eine gleichmütige, nicht besonders fröhlich dreinblickende junge Frau.Die Rahmenhandlung wird von der Geschichte ihrer Krebserkrankung im Alter von 41 Jahren gebildet, die sie nur zwei Jahre nach der späten Geburt ihres Sohnes Alexander erwischt hat. Dieses Ereignis mag auch den Anstoß zu ihrem Lebensrückblick gegeben haben.

Vesna stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Dort ist ihre Heimat, dort hat sie eine unbeschwerte Kindheit, Jugend und Schulzeit erlebt.

Ihre Verwandten, Großeltern und Eltern, alles charaktervolle Persönlichkeiten, boten ihr Geborgenheit, Liebe und Sicherheit.

Die verschiedenen politischen Entwicklungen haben sie nicht wirklich berührt. Sie lebte ein glückliches und gutbürgerliches Leben wie andere Jugendliche in anderen Ländern auch. Dennoch spürt man eine Besonderheit der Charaktere, eine unsentimentale Ordnung, die das Leben bestimmte.

Vesna zieht es fort; sie ist fleißig und begabt, sie studiert und ist voller Neugier auf das Leben. Daß sie Simon, ihren Mann, bei Studien in Sofia kennen lernt, erscheint ihr wie eine Fügung. Sie lebt fortan mit ihm in seiner Heimat England. Ihre Verwandtschaft ist nicht so sicher, als sie von dannen zieht,--aber man lässt sie gehen.Das Buch ist in einer freundlichen, assoziativen Erinnerungsform geschrieben. Keine spektakulären Ereignisse zeichnen die Erzählung aus. So fehlt ein wenig der Spannungsbogen, der die Geschichte lebendig und anschaulich macht. Es sind Einblicke und Eindrücke aus dem Leben in einem kommunistischen Land, das vielen Unwägbarkeiten in der jüngsten Geschichte seiner Vergangenheit ausgesetzt war. In dieser Zeit eine dennoch ganz normale Kindheit erlebt zu haben, zeichnet das Buch aus.

Cl.B.

Diese Rezension von Dietrich Marquardt fanden 5 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Das alltägliche Leben als glückliche Utopie

Vesna, dieser schöne serbische Vorname, Goldsworthy, dieser klangvolle englische Nachname - wie geht das zusammen ? "Heimweh nach Nirgendwo" - wer empfindet es und was mögen die Eigenschaften dieses Ortes "Nirgendwo" sein ? Wenn man dann noch das klare, traurige, schöne Gesicht der Autorin auf dem Umschlag gesehen und einige Sätze gelesen hat, dann ist es geschehen: Man liest weiter, kann das Buch zwar jederzeit wieder aus der Hand legen, weil es in kleine Episoden unterteilt ist, aber man kann es nicht wirklich zur Seite legen, weil es - skurrilen Szenen zum Trotz - beunruhigt. Dieses Buch beunruhigt bis zur letzten Zeile und das zu Recht und aus vielen Gründen. Belgrad, die Hauptstadt Jugoslawiens, die mit dem Tod des Staatsgründern Tito ohne es zu ahnen ihre Bedeutung verliert - das ist die Kulisse für eine sorgenfreie, leichte Jugend, die die Autorin präzise, nüchtern und sehr reflektiert schildert. Die Wurzeln ihrer Familie reichen - dafür steht eine einzigartige Großmutter - tief in archaische Strukturen und Sitten "des Balkan". Die Autorin verliebt sich in einen Engländer, zieht nach London und trifft in dem scheinbar nüchternen und kühlen Land geradewegs auf das "Heimweh nach Nirgendwo" und auf leidenschaftliche Menschen. Ein wunderbares Buch: Klar, präzise, gebildet, anspruchsvoll, bescheiden, zweifelnd, ehrlich, pointiert. Vieles aussparend. Kühl, tapfer. Denn es sind sehr reale Schmerzen, die es zu ertragen gilt.

Heimweh nach Nirgendwo



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