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Paula Modersohn-Becker hat ein gewaltiges Werk geschaffen, anknüpfend an Gaugin und van Gogh, und in vielfacher Hinsicht vergleichbar mit dem frühen Picasso. Barbara Beuys erzählt ihre bewegende Lebensgeschichte: von der Kindheit in Dresden, von der Ausbildung im Berlin an der Schwelle zur Moderne, vom Künstlerdorf Worpswede und von ihrem Leben in Paris, wo sie ihre künstlerische Heimat findet und sich als erste Frau lebensgroß im Akt malt. Barbara Beuys deutet die Vielfalt und die Provokation ihrer Gemälde gegen die herrschende Kunstkritik und zitiert Dokumente, die die bisher ausgeblendete Dramatik der Künstlerehe aufzeigen. Dabei entsteht ein neues Bild von Paula Modersohn-Becker: eine selbstbewusste Frau, die im Leben und in der Kunst zur Moderne gehört.
Sehr detailliert, aber es fehlt was...Wer sich schon ein bisschen mit dem Leben und dem Werk der Malerin auskennt, kommt sicher auf seine Kosten mit dieser Biografie. Die Autorin zitiert permanent aus den verschiedensten Schriftwechseln und dröselt so das Leben von P. Modersohn-Becker detailliert auf. Allerdings bleibt sie nicht bei einem chronologischen Ablauf, sondern verfolgt sehr viele Rück- und Ausblicke, die zu dem Kapitel passen. Leider führte dies bei mir zu einiger Verwirrung und der Lesefluß litt darunter.
Am Anfang war ich sogar der Meinung, dass der Titel: "Der gesellschaftliche Wandel der Stellung der Frau am Ende des 19. Jahrhunderts, am Beispiel P. Modersohn-Becker" besser gepasst hätte.
Es sind einige Bilder von ihr im Anhang. Leider nur aus den letzten Lebensjahren, so dass ihre ganze künstlerische Entwicklung nicht nachvollziehbar ist. Und von den im Text permanent erwähnten Zeichnungen ist keine einzige gedruckt - schade, denn gerade hier hätte man die gesamte Entwicklung bildhaft vor Augen gehabt.
Fazit: Wer die Künstlerin schätzt und sich über den sich langsam verändernden Status von Frauen, besonders Künstlerinnen, informieren möchte, liegt mit dem Buch richtig. Zum "Wegschlürfen" ist es nicht.
Eine Hommage zum 100. GeburtstagWer nicht nur die Künstlerin Paula Modersohn-Becker kennenlernen möchte, liegt mit dieser Hommage genau richtig. Die erfahrene Biographin Barbara Beuys hat ein umfassendes Werk über die Tochter, Schwester, Cousine, Freundin, Lehrer-Seminaristin, Mutter, Kollegin, Schülerin verfasst.
Ausgehend von ihrer Kindheit in Dresden und den späteren Aufenthalten in Bremen und England, nähert sich Beuys immer intensiver der Worpsweder und Pariser Welt der Paula Modersohn-Becker an.
Es gelingt ihr anhand reichlich eingeflochtener Tagebuch- und Briefauszüge sowie einzelnen Gedichten und Privatfotos die Frau Paula Modersohn-Becker in den Vordergrund treten zu lassen. Insbesondere ihr Bild als Frau vermag Barbara Beuys treffend zu analysieren. Ohne zu verklären oder zu bagatellisieren, wird Paula Modersohn-Becker in all ihren komprimierten Facettenreichtum nicht nur sichtbar, sondern gut erkennbar.
Wer bislang allein den Blick auf das Werk gelegt hat, wird nunmehr über die Vernetzung und Verankerung Modersohn-Beckers in der Kunstwelt der Jahrhundertwende viele interessante Details erfahren.
Die einzelnen Kaspitel sind kleinschrittig und mit klaren Überschriften versehen aufgebaut.
Gleich einer behutsamen einfahrt in einen großen Hafen, gleitet man zielpunktartig auf den so tragisch frühen Tod der Malerin zu und bekommt neben den Bildern der Künstlerin ein umfassendes, nuancenreiches Bild von der Malerin als Person.
Sehr beeindruckend sind vor allem die kenntnisreichen Querverweise, die bis hin in die soziologischen, politischen, wirtschaftlichen und kunstgeschichtlichen Bereiche hineinreichen.
Barbara Beuys überzeugt durch ihre gründliche Recherche mit phänomenaler Quellenarbeit. So sind die Verzeichnisse der Abbildungstafeln und Fotos ebenso hilfreich wie auch die Angaben zu weiterführender Literatur und das Personenregister.
Leider ist nur eine Karte von Paris im Vorsatzblatt abgedruckt. Es wäre gut gewesen, wenn das "Deutschland der Jahrhundertwende" mit den prägnanten Orten aus dem Leben Paula Modersohn-Beckers auch abgedruckt worden wäre.
Alles in allem ein unbedingtes Grundlagenwerk, das keinem Liebhaber der Werke Paula Modersohn-Beckers entgehen sollte. Barbara Beuys brilliert wiedermal mit ihrem tiefen Kennerreichtum und einer gut verständlichen Sprache.
"...oder wenn die Kunst das Leben ist" ist ein äußerst zutreffender Untertitel für das Werk und das Leben eines Menschen, der einen Namen trägt: Paula Modersohn-Becker!
Wenn das Leben zum Fiasko wirdAm Ende habe ich mich über das Buch geärgert - das ist ja alles ganz ordentlich recherchiert, aber ...
1. Zu sehr Heiligenlegende
Besonders bei den Kapiteln über den gescheiterten Scheidungsversuch von Otto Modersohn schreibt Beuys mit zu viel Verständnis und Nachsicht für Paula. Doch wie Paula da agiert, ist unselbständig, kindisch und hilflos: Wie kann sie von ihrem Mann weiter ständig Geld verlangen? Warum knüpft sie nicht endlich Kontakte zu Pariser Galerien, um Bilder auszustellen? Warum malt Paula nur für sich im stillen Pariser Kämmerlein? Und wie will sie davon leben? Barbara Beuys sieht in Paula immer das arme Opfer: entweder ihrer Eltern, ihrer Künstlerfreunde, ihres Mannes oder ihrer Zeit. Sie versucht sogar, Paulas letzte Flucht vor Otto nach Paris als irgendwie emanzipiert darzustellen. Dabei kriegt Paula ohne Otto offenbar gar nichts geregelt.
2. Kein Bezug zwischen Leben und Kunst
Beuys stellt zwischen den Bildern Paulas und ihrem Leben keine Querverbindungen her: nicht einmal bei Bildern, wo dieser Bezug sich geradezu aufdrängt - z. B. dem Schwangerschaftsbild zum 6. Hochzeitstag, als sie sich bereits von Otto getrennt hat.
3. Qualität der Bilder Paulas
Zweifel an der Qualität und Originalität von Paulas Bildern erlaubt Beuys überhaupt nicht. Es mag stimmen, dass Paula als erste Frau einen Frauenakt malt - aber das sagt über die Qualität der Bilder nichts aus. Vielleicht malt Gauguin Mutter-Kind-Bilder besser? Und vielleicht malt Cezanne die schöneren Stilleben?
4. Ehefiasko
Ich hätte mir schon gerne mehr Infos und mehr Analyse zum Fiasko der Ehe mit Modersohn gewünscht. Es ist einfach nur blöde, wie Beuys da um den heißen Brei der jahrelangen Impotenz Modersohns herumredet. Und warum braucht eine angeblich so lebenslustige und selbstbewusste Frau 5 Jahre lang, um das als Zumutung zu begreifen?
Es gibt von dem befreundeten Worpsweder Maler Heinrich Vogeler das grandiose Bild "Das Konzert" von 1905, auf dem u. a. auch Paula und Otto zu sehen sind: steif und völlig beziehungslos. Vielleicht sagt dieses Bild mehr über Paula aus als die Biografie von Beuys.
BlutleerBeuys schreibt diese Biographie auf der Grundlage sehr vieler Briefe zwischen Paula und Otto Modersohn, aber auch Rilke nimmt hierbei einen wichtigen Platz ein. Die Eltern von Paula werden auf diese Weise auch sehr eng mit der Persönlichkeit dieser kantigen Frau verwebt. Trotz vieler privater Einblicke in die Welt der Paula Modersohn bleibt die Figur auf eigentümliche Weise blutleer. Beuys achtet zu sehr darauf keine persönlichen Interpretationen mit einfliessen zu lassen und das führt teilweise zu einem Buch mit "Reportagecharakter", aber keiner lebendigen Beschreibung eines Menschen.
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