Walser, Martin

Ohne einander

Ohne einander
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2009-02-17
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 197
  • ISBN: 3518459074
  • EAN: 9783518459072
  • Amazon.de Verkaufsrang: 320.612
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Beschreibung von buecher.de

Ellen, die Mutter und Redakteurin, Silvio, der Vater und Schriftsteller, die beiden Kinder - eine deutsche Familie wird von Turbulenzen zersprengt. Der rasante Roman beschreibt ihre Tragödie und zugleich die einer ganzen Gesellschaft.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Simone Lehmann fanden 25 von 27 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Martin Walser mal anders

Der Roman "Ohne einander" birgt einerseits viele Motive und Themen in sich, die für den Autor Martin Walser typisch ist. Aber in vielen Aspekten unterscheidet er sich doch von den bisherigen Werken. Besonders auffallend ist dabei, dass der Roman sich leicht, fast schon beschwingt lesen lässt und dabei die Ernsthaftigkeit und das Tragische der Handlung nicht aus den Augen verloren wird. Auffallend ist, dass die Ereignisse nicht aus der Sicht einer einzigen Hauptfigur erzählt wird, sondern die Handlung aus drei inneren Monologen besteht. Derselbe Nachmittag wird aus der Perspektive von Ellen Kern-Krenn, ihrer Tochter Sylvi und ihrem Mann Sylvio dargestellt. Die Sprache des Romans enthält Dialekt, Alltagssprache und Slang, so dass man als Leser das Gefühl hat, mitten im "Milieu" der Personen zu sein. Allerdings geht es auch in diesem Roman Walsers um Leidende und am Leben gescheiterte Menschen, die an Beziehungslosigkeit und Erfolgsdruck leiden. Kurz: In "Ohne einander" geht es um Liebe, Sex, Familie - Beziehungen im allgemeinen und um Schwierigkeiten im Medien- und Literaturbetrieb. Einige Figuren Walsers tragen auch Züge von Personen der deutschen Verlags- und Medienwelt. "Ohne einander" ist für mich eines der lesenswertesten Romane Walsers auf grund seiner interessanten Themen, der ausgefallenen Komposition und der "lockeren" Sprache, die den Leser mitten ins Geschehen zieht.

Diese Rezension von Klabaaz fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen etwas anstrengend aber doch interessant

Im Roman geht es um die Beziehungen einer nicht mehr ganz jungen Frau zu ihrem Partner, zu ihrem Kind, zu Liebhabern, verflossenen und aktuellen, zu ihren Kollegen, zu ihrem Chef usw. usf. Das Ganze wird vor dem Hintergrund eines aktuellen Problems geschildert: Wie schafft sie es, einen Artikel für die Zeitschrift, bei der sie arbeitet, in der vorgegebenen Zeit zu schreiben und gleichzeitig auch die Verabredung für den Abend nicht zu versäumen. Das klingt jetzt erst einmal trivial, um diese Kerngeschichte entwickelt Walser aber die anderen Geschichte, so dass sich das komplexe Beziehungsgeflecht, in das die Frau - Ellen - verstrickt ist, langsam aufbaut. Diese Entwicklung ist interessant. Die literarische Entwicklung ist dabei aber auch etwas anstrengend, zumindest für ungeduldige Leser und für solche, die gerne schnell die Struktur eines Buches entdecken wollen. Denn eine Struktur ist dem Roman - abgesehen von den drei jeweils 80-seitigen "Kapiteln", die in sich nicht gegliedert sind - in Form von typographisch eindeutig erkennbaren Einheiten nicht gegeben. Alles fließt ineinander über. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass das Buch ein konzentriertes Lesen erfordert. Es ist also nicht unbedingt als leichte Lektüre für einige Mußestunden geeignet.

Diese Rezension von marielan fanden 6 von 8 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Familie - das schwer zu ertragende Idyll

Ellen, Journalistin bei der Zeitschrift DAS muss abends noch eine 108-Zeilen-Rezension über einen Film schreiben, obwohl ihr Liebhaber sein Kommen in ihrem Haus angeküdigt hat, um ihre Kinder kennenzulernen. Sylvi, Ellens Tochter, soll den Liebhaber der Mutter bis zu deren Heimkehr beschäftigen, obwohl ideales Wetter herrscht, um für die Surf-Meisterschaft am kommenden Tag zu trainieren. Sylvio, Ellens Ehemann, Schriftsteller und Alkoholiker, hat gerade ein dreibändiges Werk vollendet und lechzt nach Kritiken.

Walser hat die Angewohnheit, seine Figuren in mehreren Romanen einzusetzen, und so taucht der Protagonist des späteren Werkes "Tod eines Kritikers", Willi André König, bereits hier auf, ein Literaturkritiker, der in seinem aktuellen Artikel einen französischen Roman bespricht, in dessen Mittelpunkt amerikanische jüdische Verbrecher und ihre Verflechtung mit jüdischen Hollywood-Größen stehen. Der Verleger der Zeitschrift, Prinz, befürchtet, dadurch zum Antisemiten gestempelt zu werden, und um dem vorzubeugen, muss Ellen eine positive Filmkritik zu "Hitlerjunge Salomon" schreiben.

"Antisemit", das schlimmste Schimpfwort, mit dem man in Deutschland einen Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, belegen kann, und das jeden Politiker und Publizisten aus seiner Deckung hervorscheucht. Fünf Jahre vor seiner angefeindeten Rede in Frankfurt bringt Walser hier ein Beispiel für das, was er dort als Instrumentalisierung des Holocaust bezeichnete. Prinz ergreift Präventivmaßnahmen, indem er auf geradezu absurde Weise eventuelle Vorwürfe schon im Vorfeld zu widerlegen sucht.

Kritiker König teilt Rundumschläge gegen die deutsche Literatur aus: Deutsche Schriftsteller können nicht mehr erzählen. Ich vermute, dass Walser sich hierbei weniger in Nestbeschmutzung oder Selbstkritik übt, sondern Literaturkritiker (einen oder mehrere?) aufs Korn nimmt, die seit Jahren Grabreden auf die deutsche Schriftstellerei, darunter auch Walser, verfassen.

Die beiden Frauen des Romans, Ellen und Sylvi, leben in Hektik und unter Stress; ihnen werden Aufgaben übertragen, die den eigenen Plänen zuwiderlaufen. Der Preis, den jede von beiden zahlen muss, um die gestellte Aufgabe und die eigenen Wünsche unter einen Hut zu bringen, ist hoch. Im Gegensatz dazu der Vater und Alf, Sylvis Bruder, der den ganzen Tag mit Nichtstun im Sessel verbringt, aus dem ihn niemand aufscheuchen kann. Auch Sylvio ist an jeder Aktivität gehindert, nachdem er sich das Bein verletzt hat und liegen muss. Um sich an den Schreibtisch zu setzen, braucht er Alkohol, aber er kann nicht schreiben, sobald er getrunken hat. Natürlich wurde auch Sylvio schon von André König verrissen, und natürlich fürchtet er jedes Wort des Kritikers ebenso wie er es ersehnt. Seine eben beendete Trilogie ist autobiographisch geprägt und beschäftigt sich in wenig verschlüsselter Form mit den Mitgliedern seiner Familie und den außerehelichen Liebschaften der Eheleute.

Ich mag Walsers Sprache, die punktgenau Gefühle, innere Zustände und Gedanken ausdrückt; ich mag, wie er Botschaften zwischen die Zeilen schiebt, wie er Figuren charakterisiert oder Beziehungen durch wenige Dialogsätze offenbart. Doch in einem muss ich dem mehr oder weniger fiktiven André König Recht geben: Eine interessante Geschichte erzählt Walser hier nicht; er gibt eher eine Zustandsschilderung ab, sehr gekonnt, sehr schön zu lesen, und dennoch ein Stückweit leer.

Diese Rezension von Helga Kurz fanden 5 von 5 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Zusammen ist man nicht selten sehr allein

Die nicht enden wollende Gier nach Sex, Anerkennung, Ruhm, Unsterblichkeit, Schönheit, Jugend und, und, und.....lässt die Menschen am Ende mit leeren Händen zurück.

Ein privilegiertes, "modernes" Ehepaar mit Toleranz bis zum Kotzen; er erfolgreicher, selbstverliebter Schriftsteller, sie elitäre Redakteurin am Verwelken, zwei Kinder, ein Junge, erwachsen, ein Mädchen, fast erwachsen, im Millionärsparadies am Starnberger See. Alle verfolgen rücksichtslos ihre Ziele. Die Kinder missbilligen das Treiben der Eltern, haben aber gut von ihnen gelernt. Reichtum, Intellektualität und eine nach außen hin perfekte Familienfassade im idyllisch gelegenen Domizil am See können jedoch nicht vor Einsamkeit, Verlorenheit und tief sitzenden Versagensängsten schützen.

Der Schriftsteller Martin Walser hat mit leichter Hand ein schwergewichtiges Buch geschrieben, das beim Lesen amüsiert und unterhält. Man ist auch anderes von ihm gewohnt.

Bleibt ihm zu wünschen, dass die Starnberger Verhältnisse nicht auf den Bodensee übergeschwappt sind.

Diese Rezension fanden 6 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Super Erzählt

"Ohne Einander" von Walser liest sich total einfach,

ist streckenweise sehr witzig und mit einer umwerfenden Komik

erzählt. In der Story selbst geht es um eine Familie, SIE:

Journalistin, ER: Schriftsteller + 2 Kinder. Erzählt wird, wie

es gekommen ist, daß die vier zwar noch unter einem Dach aber

schon lange nicht mehr miteinander, sondern "ohne einander" leben,

Zitat: "Abhauen, das wär's. Eine Familie ist ein Elendsverband.

So etwas verläßt man nicht."

Ohne einander

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