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Suzanne Simonin wird als uneheliches Kind von ihrer streng gläubigen Mutter in ein Kloster abgeschoben, wo sie den Schikanen einer sadistischen Oberin ausgesetzt ist und den klösterlichen Alltag als brutales Gefängnis erlebt. Der französische Autor und Aufklärer Denis Diderot schildert den Leidensweg der »Nonne wider Willen« mit beklemmender Eindringlichkeit. Wir begleiten Suzanne bei ihrem Kampf gegen Heuchelei und Doppelmoral und erfahren von ihren Bemühungen, dem Kloster zu entkommen. Der Roman 'Die Nonne' basiert auf einer wahren Begebenheit und produzierte im Jahre 1760 wegen seiner vermeintlichen Obszönität und Kirchenfeindlichkeit einen handfesten Skandal. Diderots Roman wurde gleich nach seinem Erscheinen verboten, lange Zeit nur heimlich verbreitet und erst sehr viel später »offiziell« neu aufgelegt.
Gesellschafts- und kirchenkritischer RomanEin bedeutender Roman der französischen Aufklärung: Unverblümt und eindrucksvoll legt Denis Diderot in "Die Nonne" die Heuchelei und Gewalttätigkeit seiner Zeit offen. Susanne Simonin, eine begabte junge Frau, wird, nur weil sie ein uneheliches Kind ist, von Erbe und Heirat ausgeschlossen und in ein Kloster gesperrt. Der Not gehorchend legt sie bald ihr Gelübde ab, doch ihr Wille, frei und selbstbestimmt zu leben, bleibt ungebrochen. Dies lässt sie zum Opfer sadistischer Schikanen werden. Die Mitschwestern beweisen bei ihren Quälereien große Ausdauer und Fantasie. Was wie eine seltsame Marotte wirkt, enthüllt Diderot als Auswuchs des repressiven klösterlichen Milieus. Der Roman führt präzise, gelegentlich satirisch zugespitzt, aber stets lebensnah die zerstörerische Macht des Geldes, der Konventionen und des religiösen Fanatismus vor und erkundet deren perverse Folgen: sadistische Triebe, zerrüttete Seelen, zwanghafte Neurosen. Insgeheim wird aber auch eine Gegenkraft gefeiert: Es ist der unverbrüchliche Freiheitswille, der Susanne davor schützt, gänzlich wahnsinnig zu werden oder ihren Widersachern Schaden zuzufügen. Das Buch ist nicht Diderots wichtigstes Werk, aber weiterhin sehr lesenswert.
Die Pervertierung menschlichen LebensNach einer wahren, allerdings in diesem Buch leicht veränderten Begebenheit, schrieb Diderot diesen Roman. Hier geht es um ein junges Mädchen, welches gegen seinen Willen in ein Kloster gesteckt wird. Dies geschieht, da der Vater der nicht der leibliche Vater ist, das Mädchen sowieso nicht leiden kann und die Mutter meint durch die Abschiebung eine alte Sünde sühnen zu können. Im Laufe des Buches lernt Susanne, die Nonne wider Willen, drei Klöster kennen. Im ersten Kloster reicht es ihr noch ihren Unmut offen kund zu tun, um ihre Lage zu verbessern. Im zweiten Kloster (von Beginn an gleich von Diderot sehr düster und muffig beschrieben) ist sie völlig hilflos den Schikanen der Oberin und der restlichen Nonnen ausgeliefert. Das Beten wird ihr verboten, sie bekommt keine Kleider zum Wechseln, diverse Behältnisse zur Verrichtung der Notdurft werden ihr entwendet, das Gerücht wird verstreut, sie wäre vom Teufel bessesen wesewegen vor ihren Augen eine Schwester vor Angst in Ohnmacht fällt uvm. Im dritten Kloster (im Gegensatz zum vorigen zwar hell und freundlich, mit viel Tanz und Gesang, aber dennoch nicht wirklich das Paradies)) dann ist eine fast nymphomanische Oberin der Herd allen Übels, weil sie Susanne zur Befriedigung ihres sexuellen Verlangens ausnutzt und letztendlich deswegen wahnsinnig wird. Abgerundet wird das Buch dann noch durch das nachgestellte Vorwort, in dem der Leser erfährt wie es eigentlich zur Niederschrift dieser Geschichte kam und durch ein Nachwort von Robert Mauzi, welches mehr oder weniger Interessantes aufzubieten hat.
Geschrieben ist „Die Nonne“ in Briefform oder genauer: Susanne schreibt ihre Memoiren einem Marquis in der Hoffnung die Geschichte findet bei ihm Gehör. Es offenbart sich eine Welt die man so wohl nicht erwartet hätte, in der ein Mensch zu meist durch falsche und/oder übertriebene Frömmigkeit, teilweise auch aus purem Eigennutz, schikaniert wird und Dinge über sich ergehen lassen muss, die sämtliche Grenzen überschreiten. Und das in einer Umgebung, die wohl von den meisten als der vielleicht friedlichste Ort auf Erden eingestuft wird.
3 Sterne gebe ich aber nur, weil ich zum einen den Schreibstil, der zu meist aus vielen kurzen Sätzen besteht, nicht so toll finde, da er den Zugang eher verwehrt als erleichtert. Zum zweiten hält sich die Spannung bzw. der Antrieb zum Weiterlesen eher im Hintergrund. Man blickt schnell durch, dass Susanne, egal in welchem Kloster sie sich aufhält, wohl niemals dort glücklich werden wird. Vor allem da sie zu Beginn gleich darauf aufmerksam macht. Auch das Susanne zwar mutig und stark genug ist ihre Meinung über das Klosterleben offen zu verbreiten, andererseits aber in manchen Situationen auch dermaßen naiv daher kommt...das passt nicht so ganz. Deshalb ist es für mich persönlich „nur“ ein Buch welches man zwar aufgrund des heiklen Themas und der Tatsache das es zur Erscheinungszeit ein Skandal war, gelesen haben sollte, welches aber nicht unbedingt bleibende Eindrücke hinterlassen wird. Interessanterweise fand ich dieses Buch übrigens gar nicht so „antiklerikal“, wie es damals eingestuft wurde, denn obwohl das zwar alles Nonnen sind die der Hauptfigur hier Böses tun, ist es doch eben diese, die gerade durch den Glauben die Kraft erhält weiterzuleben. Zwar nicht an jeder Stelle im Buch, aber immerhin wird hier doch, zumindest am Rande gezeigt, wie stark der Glaube sein kann.
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