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Nach Ende des Krieges herrscht in Deutschland Schweigen, das Grauen der Konzentrationslager ist ein unbequemes Thema. Stockend, qualvoll ist die Erinnerung der Opfer an die Demütigungen, als die Zeugen im Frankfurter Auschwitz-Prozess aussagen gegen 18 Aufseher und Ärzte des ehemaligen Todeslagers. Unter den Zuhörern sitzt Peter Weiss und komprimiert später die Gerichtsprotokolle zu einem 'Oratorium in 11 Gesängen'. Angeklagte wie Zeugen sprechen darin die Worte der echten Opfer, der tatsächlichen Täter. Und diese Worte erzeugen Bilder, die sich in den Kopf brennen, um dort für immer ihren Platz einzunehmen.
Ausschwitz auf der BühneEigene Notizen von Peter Weiss, Presseberichte zu dem 1963 bis 1965 geführten Frankfurter „Auschwitz-Prozess" und Literatur über den Holocaust bilden das Ausgangsmaterial und somit die stoffliche Grundlage für Die Ermittlung. Der Prozeß stellt ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte dar. 22 Personen wurden des Mordes oder der Beihilfe zum Mord angeklagt, und mehrere hundert Zeugen wurden zu ihren Erfahrungen im Konzentrationslager Auschwitz vernommen. Durch den Rückgriff auf Protokolle des Auschwitz-Prozesses und den an eine Gerichtsverhandlung erinnernden Aufbau des Stückes versucht Weiss jedoch nicht, das tätsächliche Geschehen im Gerichtssaal zu rekonstruieren, sondern vielmehr ein „Konzentrat der Aussage" zu erstellen. In Anknüpfung an den musikalischen Charakter eines Oratoriums ist Die Ermittlung in 11 Gesänge gegliedert, die sich wiederum aus jeweils 3 Teilen zusammensetzen, so daß sich insgesamt 33 Sequenzen ergeben, in denen der Leser, bzw. Theaterbesucher mit den Schrecken des Konzentrationslagers konfrontiert wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Markerschütternd deutlichDieser Titel von Weiss zeigt, dass es Literatur gibt, welche doch die Shoah eindrucksweise wiedergeben kann. Erschütternd werden Szenen dargestellt,die in einem eine Überwindung des Lesens hervorrufen. Erst durch der Übereinstimmung mit der deutschen Geschichte und das Wissen, dass Weiss Wortlaute übernommen hat, wird dieses Werk unentbehrlich, wenn man im aktuellen Zeitgeschehen mitreden möchte. Es ist garantiert ein Buch, bei dem man seine Einstellungen ändert und welches als persönlicher Meilenstein im literarischen Leben gelten kann!
In ihrer Nüchternheit sprachlos machende ProzeßprotokolleDas eigentlich Erschütternde an diesem "Oratorium" ist die nüchterne, kalte Wiedergabe von Teilen der Protokolle aus den Frankfurter Auschwitz-Prozessen von 1965/66. Die Zeugen belegen durch ihre Aussagen die unvorstellbarsten Grausamkeiten in Auschwitz, während die angeklagten Mörder und Folterer alles abstreiten, leugnen oder sich sogar amüsieren. Der bereits vorhandenen ersten Rezension kann ich mich im wesentlichen nur anschließen, möchte aber noch eine Information zu zwei im Buch genannten Hauptangeklagten nachreichen und mit einem Zitat abschließen: Oswald Kaduk wurde des zehnfachen Mordes und der Beihilfe zum Mord in über eintausend Fällen für schuldig befunden. Josef Klehr wurde des Mordes in 475 Fällen und der Beihilfe zum Mord in 1980 Fällen für schuldig befunden. Beide starben in Freiheit. Klehr und Kaduk wurden aus gesundheitlichen Gründen 1988 und 1989 aus der Haft entlassen. Die meisten Mörder wurden überhaupt nie gefaßt. "Wer oder was war schuld am Versagen der Justiz? Die Jahre der Verzögerung, als die Jäger andere Beute verfolgten? Die Findigkeit opportunistischer Anwälte und wohlwollender Ärzte? Übertriebene Achtung gegenüber demokratischen Verfahrensweisen ...? Ich ... will darüber nicht urteilen. Das Böse ist ein zu verwirrendes Phänomen. Es hat allzu viele Gesichter." (Zitat aus Peter Wyden: "Stella", Taschenbuchausgabe 1995, S. 323) (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Ein kurzes Buch, das Bände spricht !Peter Weiss` Dokumentartheater "Die Ermittlung" handelt von den Ausschwitz-Prozessen in den 60er Jahren. In einem Frage-Antwort-Spiel zwischen Ankläger und Angeklagte (ehemalige KZ-Aufseher, KZ-Ärzte) - ergänzt von Zeugen - kommt die ganze Grausankeit des Vernichtungslagers Ausschwitz-Birkenau ans Licht. Peter Weiss gilt keineswegs als "Autor" der Ermittung, sondern er hat aus den originalen Gerichtsprotokollen ein Werk "zusammengesetzt", das wegen der sprachlichen Schlichtheit ungemein "kaltblütig", jedoch vollkommen wahr ist. Untergliedert in 11 "Gesänge" dokumentiert es den Alltag im Lager, im Krematorium, bei ärztlichen "Untersuchungen" uvm.
Fazit: Jeder, der die Wahrheit über den NS-Genozid wissen möchte und nicht allzu zart besaitet ist, soll dieses Buch lesen. Es ist Allgemeinbildung und warnt - noch 40 Jahre danach - vor einer ähnlichen Entwicklung !
5 Sterne
PflichtlektüreWie so oft, wenn ein Buch in der Schule gelesen werden soll, war ich auch bei "Die Ermittlung" von Peter Weiss skeptisch. Bereits der Titel klingt nicht sehr spannend, ist aber Programm:Das gesammte Drama, dass "11 Gesängen" besteht, ist von äußerster Sachlichkeit geprägt. "Die Ermittlung" thematisiert die organisierte Vernichtung von Menschen in den KZs der Nazis und deren Aufarbeitung. Handlungsort ist eine Gerichtsverhandlung, bei der nur die Kommentare der Beteiligten (Angeklagte, Zeugen, Richter, Staatsanwaltschaft, Verteidigung) wiedergegeben werden. So kommt eine unglaubliche Objektivität zustande, die dennoch durch die unvorstellbaren Fakten und Eindrücke der Überlebenden sehr bewegen. Teilweise so sehr, dass ich mich zwingen musste, weiterzulesen.Neben der menschlichen Komponente (beispielsweise leugnen alle Angeklagten schuldig zu sein, obwohl die Beweise gegen sie schier erdrückend sind) werden auch eine Menge Informationen transportiert.Meine anfänglichen Zweifel haben sich alle nicht bestätigt. Im Gegenteil: Ich denke, dass das Buch gelesen werden sollte (auch in Schulen), um die damalige Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ich fand es wesentlich eindringlicher als so manche Fernsehreportage.
Heiligenlexikon-1858: Elisabeth de Weiss (32)
Pagel-1901: Weiss, Wilhelm · Weiss, Leopold · Weiss, Julius
Pataky-1898: Weiss, Louise · Weiss, Lina · Weiss-Morre, Ella · Koninski-Weiss, M. · Finaczy-Weiss, Josefine · Weiss, Frau Sidonie · Weiss, Auguste und Ernst Marticke · Koninski-Weiss, M. · Weiss, Frau Caroline · Weiss, Frau Milka · Weiss, Frau Dir. Clara