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Antikes Griechenland für LiebhaberEgon Friedells „Kulturgeschichte Griechenlands" (1938; Erstveröffentlichung 1950) ist ein glänzend geschriebener Klassiker, spannend, lebendig, humorvoll, außerordentlich informativ und unbefangen im Urteil. Das Buch ist in zwei Kapitel aufgeteilt, „Ionischer Frühling" und „Der Welttag Athens". Auf eine geographische Einführung folgt - mit Freiheiten - chronologisch die Schilderung der Kulturgeschichte Griechenlands von Homer bis zu Alexander dem Großen. Immer wieder stellt Friedell Vergleiche mit Personen, Ereignissen oder Lehren anderer Epochen an, um sie verständlicher zu machen.
Charakteristisch für Friedell ist seine „christliche" Grundauffassung der Weltgeschichte. Demzufolge sei erst mit der christlichen Weltsicht die „Seele" in die Geschichte gekommen; was genau er unter „Seele" allerdings versteht, führt er leider weder in seiner „Kulturgeschichte Griechenlands" noch in seiner „Kulturgeschichte Ägyptens und des Alten Orients" aus. Über den genauen Sinn lässt sich also nur spekulieren, oder man überliest es einfach.
Griechischkenntnisse sind für die Lektüre von Vorteil, da viele griechische Wörter die Darstellung durchziehen, doch sind sie in der Regel zugleich auch übersetzt, so dass es für „Nicht-Griechen" nur etwas holprig, aber nicht unverständlich ist. Manche kulturhistorische Details sind natürlich nicht mehr auf dem neusten Stand der Forschung, aber diese schöne Gesamtdarstellung zu lesen ist dennoch ein Gewinn, da sie sehr plastisch die Andersheit der antiken Griechen und ihrer Vorstellungen deutlich macht.
Eine anregende LektüreDas Buch von Egon Friedell ist inzwischen über 60 Jahre alt. Zudem war Egon Friedell kein Fachmann auf dem Sachgebiet, nur ein sehr belesener interessierter Laie. Auch der Wissenstand ist weiter. Aber und darum ist dieses Buch weiterhin lesenswert. In Egon Friedell Sprache wird das Griechenland der Antike lebendig, so lebendig, das der interessierte Leser an die Archäologie herangeführt wird. Leider ist es den wenigsten Fachwissenschaftlern gegeben, interessant, amüsant und auch kurzweilig zu schreiben, die vergangenen Epochen dadurch zum Leben zu erwecken. Genau das können sie von Egon Friedell lernen, die Faszination der Wissenschaften Archäologie und Geschichte auch auf ihre Lesern und Lernenden zu übertragen. Jede Wissenschaft lebt in der farbigen, bildreichen Sprache, auch zwischen Papierseiten. Egon Friedell ist einer der deutschen Schriftsteller, der zeigte, wie das geht. Viele Fachwissenschaftler, auch mein verehrter Lehrer, sind der Meinung, das eine Darstellung a la Egon Friedell nicht wissenschaftlich, sondern nur journalistisch wäre. Diese Meinung ist nicht nur falsch, sie ist dumm.
Meisterwerk!Wie auch in seinen anderen Werken bietet Egon Fridell profund und strukturiert einen kulturellen Leitfaden durch die griechische Geschichte. Ausgeschmückt mit Anektoden und tiefsinnigen Gedankenanstößen philosophiert er durch die Welt der Dichter, Denker und Philosophen. DAbei ist er nie verlegen, dem Leser all sein Wissen zu offenbaren und dem Leser den Alltag in Griechenland darzulegen. Für Anhänger der altgriechischen Kultur ein Muss!