Thiede, Werner

Esoterik und Theologie

Esoterik und Theologie
  • Verlag: Evangelische Verlagsanstalt
  • Erscheinungsdatum: 2007-04-27
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 101
  • ISBN: 3374024815
  • EAN: 9783374024810
  • Amazon.de Verkaufsrang: 126.693
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Beschreibung von buecher.de

Theologie ratlos vor der Esoterik? Einer neuen Umfrage zufolge interessiert mittlerweile fast jeder zweite Deutsche für esoterische Fragen. Dieser enormen Herausforderung muss sich wissenschaftliche Theologie entschiedener, grundsätzlicher und konsequenter als bisher stellen. Nur so kann sie theologische Berufe besser darauf vorbereiten, auf die Sinnsuche, die heute viele Menschen zur Esoterik führt, aus den eigenen Stärken der christlichen Tradition heraus zu antworten. Werner Thiede schlägt Schneisen für die Bewältigung dieser Aufgabe.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Daniel Ewald fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Meinung von Prof. Dr. rer. nat. G. Ewald

Der Verfasser, habilitierter ev. Theologe an der Universität Erlangen, gehört zu den besten Kennern des besprochenen Grenzbereiches und fasst mit dem auf begrenzten Umfang festgelegten Beitrag wesentliche Punkte aus der alten und neuen Entwicklung der Esoterik und deren wachsender Bedeutung - positiv und negativ - für christliche Religiosität zusammen. Das geschieht an Hand der drei Schwerpunkte Begriffsbestimmung, Thematik der Heilung und Reinkarnationsfrage. - Die Vielfalt des Begriffes "Esoterik wird eindringlich dargelegt, zugleich aber wird eine Grundlinie herausgearbeitet, die die meisten esoterischen Weltanschauungen vom christlichen Denken unterscheidet. Es handelt sich um einen "spirituellen Monismus", der mit dem materialistischen Monismus eher verwandt ist als diesen überwindet. In beiden Fällen wird ein "Urprinzip" für die Welterklärung zugrunde gelegt; im Materialismus eine universale Naturgesetzlichkeit, in der Esoterik ein Alleinheitsprinzip, das Materie und Geist umgreift. Die verweltlichte Esoterik zog in der New Age-Welle auch viele Naturwissenschaftler an (etwa C. F. v. Weizsäcker).

Demgegenüber sieht es Thiede als Aufgabe der Theologie an, bei aller Offenheit für konkrete Herausforderungen durch die Esoterik die Grundüberzeugungen des christlichen Glaubens bescheiden aber bestimmt zu vertreten.

Den Schwerpunkt über Heilung leitet der Verfasser mit folgender These ein: "Christliche Theologie muss neu entdecken, dass das Reich Gottes nicht in Worten, sondern in Kraft steht (1. Kr. 4,20); sie hat daher - gerade auch mit Blick auf die Wundergeschichten der heiligen Schrift - allen anlass, das Bedürfnis der Esoterik nach ganzheitlicher Heilserfahrung ernstzunehmen". In die Diskussion dieser These werden charismatisch-pfingstlerische Aktivitäten einbezogen, ferner schöpfungstheologische Hintergründe von Heilungswundern diskutiert. "Die Evangelien haben", so heißt es," - anders als in der Esoterik - `keine panenergetisch gedachte psychokosmische Lebensenergie' im Blick, sondern des Geist des Herrn der Kirche". Der Geist Gottes ist also nicht in Naturkräfte aufzulösen, auch wenn diese in das unverfügbare Wirken des Geistes einbezogen sind.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen Esoterik und christlicher Glaubensauffassung dürfte nach wie vor in der Reinkarnationsfrage liegen. So ist es konsequent, dass der Autor dieser einen dritten Schwerpunkt widmet. Er weist auf die eigenständige Entwicklung hin, die das Verständnis von Reinkarnation und Karma im Westen genommen hat, besonders im Zusammenhang mit dem Gedanken der Vervollkommnung und des Fortschrittsglaubens, als pädagogisches Hilfsmittel statt wie im Hinduismus als notwendiges Übel, wenn das Karma noch nicht abgearbeitet ist. Thiede kritisiert aber auch die unglückliche Alternative der so genannten Ganztodtheologie, einer im 20. Jahrhundert zunächst im evangelischen, dann auch im katholischen Raum verbreiteten Variante des materialistischen Denkens, die besagt, "dass der Mensch mit Leib und Seele, also ganz und gar sterbe und erst am jüngsten Tage aus dem Gedächtnis Gottes wieder ganzheitlich auferweckt werde". Hier lockt die Esoterik mit der Kontinuität im Sterben, das vielen Menschen plausibler ist als die abstrakte Ferne einer Rekonstruktion aus dem Gedächtnis Gottes. Ganztodtheologie "verkennt ... sträflich das Gewicht von Gottes Schöpferhandeln und seines Wesens als Liebe, das ... der menschlichen Kreatur selbst im Tode Kontinuität gewährt ... ".

Angesichts der heute verbreiteten Suche nach neuer Religiosität ist Thiedes Buch als Orientierungshilfe wärmstens zu empfehlen, ebenso als Beitrag zur Klärung von naturphilosophisch-theologischen Grenzfragen.

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