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Verse, die von den Zeitgenossen nicht in irgendeiner Weise zu brauchen sind, sind Reimspielereien, nichts weiter.« Erich Kästners Plädoyer von 1929 für die zeitgemäße »Gebrauchsfähigkeit« von Gedichten lässt keinen Zweifel daran, dass Lyrik nützliche Funktionen erfüllen solle. Als besondere Sparte solcher nützlicher Lyrik ist die »politische Gebrauchsdichtung« des 20. Jahrhunderts Thema des Heftes. Jenseits der in den 1960er Jahren erbittert geführten Debatten um politische und engagierte Lyrik werden vom späten 19. Jahrhundert an bis zur Gegenwart exemplarische Beispiele vorgestellt, in denen deutschsprachige Lyrik im engen Zusammenhang von »Gebrauchsfähigkeit« und »Zweck« erscheint: Der Bogen reicht von der Reichsgründerzeit über die Weimarer Republik (Mehring, Brecht), die 1930er Jahre (regimekritisches Kabarett, NS-Lyrik) und das Exil (Brecht, Becher) bis zur Nachkriegslyrik in BRD und DDR. Die Beiträge befassen sich mit zahlreichen Facetten des Genres: Marschlied, Agitpropso
ng und Hymnus; Appell, Arbeiterlied und Protestsong; Epigramm, Spruch und Meditation. Der Begriff »politische Gebrauchsdichtung«, zunächst kaum mehr als ein Schlagwort, ermöglicht, entsprechend weitgefasst und heuristisch verwendet, einen neuen Blick auf ein scheinbar abgeschlossenes Kapitel der Lyrikgeschichte.