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Was sollten Studierende der Geisteswissenschaften wirklich beachten und nicht nur in der Theorie? Wie finden examinierte Geisteswissenschaftler wirklich eine (akzeptable und langfristig verlässliche) berufliche Perspektive und nicht nur theoretisch? Wie sollten sich weniger leistungsstarke oder dauerarbeitslose Geisteswissenscheaftler auf dem Arbeitsmarkt verhalten? Wichtige Fragen, die in diesem Buch praxisorientiert und realitätsnah beantwortet werden, ohne Umschweife und ohne dem Leser etwas vorzumachen. Der ultimative Ratgeber für alle die (angehenden) Geistes-, Sozial- und Sprachwissenschaftler, die nach dem Studium schnell in den Beruf wollen und die Realität nicht fürchten. Der Autor ist studierter Historiker und war bereits in mehreren Branchen und Funktionen langjährig erfolgreich tätig.
Das beste Beispiel ist der Autor......der sich als absolut kompetenter, in allen (!) Berufsfeldern beschlagener "studierter Historiker" darstellt. Wie verdient man mit diesem - angeblich total chancenlosen - Studienfach schnell und einfach Geld? Indem man einen dünnen Ratgeber für seine Leidensgenossen hinschludert, diesen mit einem markigen Titel versieht und dafür 10 Euro verlangt. Schon beim Öffnen des Amazon-Pakets fand ich das Buch verdächtig dünn. Beim Durchblättern wurde der Eindruck des Schaumschlagens nachhaltig bestätigt: Hier sind ausnahmslos Listen von Stichpunkten versammelt, die zu den schon vorgestellten Themengebieten informieren sollen. Mal abgesehen davon, dass sich keinerlei Verweise finden, wieso gerade das vorgeschlagene Verhalten nutzbringend sein soll ("120 Gespräche und Interviews" mit nicht näher bezeichneten Personen heißt für mich: "Alles, was ich in den letzten Jahren so aufgeschnappt habe."), mag ja durchaus der eine oder andere gute Tipp dabei sein. Schwierig wird es bei Widersprüchen, wenn man z. B. auf keinen Fall fachfremde Jobs wie Kurierfahrer oder Callcenter ausüben soll, eine Seite weiter aber bei Arbeitslosigkeit als Hilfskraft im Lebensmittelhandel jobben soll.
Als studierter Historiker verfügt man evt. wirklich kaum über konkret kommunizierbare Kompetenzen, aber wieso dieser Zustand kommentarlos auf Sozial- und Sprachwissenschaftler übertragen wird, erschließt sich mir nicht. Hier hätte ich mir etwas mehr Differenzierung gewünscht oder das Weglassen der genannten Gruppen aus dem Titel.
Was mir aber am meisten aufstößt und mich am ernsthaften Durcharbeiten der Tipps hindert, ist der sehr bemüht wirkende Schreibstil, der dadurch zwischen albern formuliert und schlicht unleserlich schwankt. Teilweise klingen die Sätze wie von Meister Yoda geschrieben ("Gewonnen die dunkle Seite hat...").
Mein Eindruck: Hier wurde mit wenig Arbeit auf viel Geld spekuliert - Respekt für den Autor, aber nicht mit meinem sauer verdienten Einkommen! Die zwei Sterne gibt es für die besseren Tipps und den wirklich schönen Titel.
Sehr viele gute Anregungen für jobsuchende GeisteswissenschaftlerDas Buch bietet sowohl studierenden als auch arbeitssuchenden Geisteswissenschaftlern etliche Anregungen für jede Lebenslage, so Hinweise für Studienalternativen, für die Recherche, für Vorstellungsgepräche, für Langzeitarbeitslose, Gehaltsverhandlungen usw. und berücksichtigt dabei auch, dass viele Geisteswissenschaftler keine geraden Lebensläufe haben oder nicht wissen, wo sie hinwollen. Viele Tipps für den Einstieg in spezielle Branchen. Ist sehr konkret, aber teilweise etwas ironisch und sehr kurz gehalten.
Das Beste ist der TitelIch gebe zu, den Titel des Buches finde ich gelungen. Er macht neugierig auf den Inhalt dieses laut Klappentext 'ultimativen Ratgebers', mit dem der Autor antritt, Geistes-, Sozial- und Sprachwissenschaftlern den Weg in den Beruf zu ebnen. Dazu hat er 15 Kapitel verfasst, die von 'Dort stehen Sie' über 'Das wird Ihnen die Zukunft bringen' und 'Verhalten Sie sich so' bis 'Kommen Sie so beruflich besser vorwärts' reichen. Was den Lesern darin geboten wird, lässt Anspruch und Wirklichkeit allerdings weit auseinanderklaffen.
Während die beiden umfangreichsten Kapitel: 'Finden Sie einen Einstieg in den Beruf, beispielsweise ...' und 'Werden Sie tätig, beispielsweise ...' noch weitgehend auf die Zielgruppen ausgerichtet sind, fehlt dieser Bezug in anderen Kapiteln entweder ganz, oder die Kapitel sind geradezu sträflich dünn. Der zweite Punkt betrifft aus meiner Sicht vor allem die schriftliche Bewerbung, die ja der Türöffner zum Vorstellungsgespräch ist. Wie Absolventen anderer Fächer besitzen Geistes-, Sozial- und Sprachwissenschaftler selbstverständlich spezifische Stärken, mit denen sie sich bei Bewerbungen von Konkurrenten mit anderen Ausbildungen absetzen können. Daher habe ich erwartet, dass der Autor diese Qualifikationen deutlich hervorhebt. Er geht jedoch überhaupt nicht darauf ein, sondern empfiehlt sogar ganz im Gegenteil (S. 20): "Gewinnen Sie Zeit, Ihre Alltagstauglichkeit und Konkurrenzfähigkeit zu steigern, indem Sie Ihr Studium zur Nebensache machen", ein geradezu grotesker Gedanke, der offenbar auf folgenden Ansichten beruht (S. 28): "Eine akademische Ausbildung absolviert zu haben, qualifiziert niemanden für gar nichts. ... Fehlt es Ihnen an Zielen oder Visionen, dann ... promovieren Sie oder werden Sie als Freiberufler tätig, in einem Zweitberuf oder einem Ehrenamt." Ist jemand, der so etwas schreibt, wirklich geeignet, anderen mit Rat zur Seite zu stehen - von den sprachlichen Absurditäten einmal ganz abgesehen?
Damit kommen wir zu einem weiteren Manko des Buches. Wie die genannten Beispiele erkennen lassen, konterkariert der Autor geradezu eine seiner Zielgruppe gern zugestandene Stärke, nämlich gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Selbst mit Wohlwollen kann man etliche seiner Formulierungen allenfalls als Stilblüten bezeichnen; für manchen Leser sind sie gar ein Ärgernis, wie bereits ein anderer Rezensent andeutete. Warum befolgt der Autor selbst nicht seinen Ratschlag (S. 43): "Lernen Sie, Texte jedweder Art zu erstellen, leidlich schnell und fachgerecht, leidlich fehlerfrei und stilistisch annehmbar"? Ohne das Wort 'leidlich' und mit dem Verb am Ende statt in der Mitte wäre das durchaus ein inhaltlich und stilistisch akzeptabler Satz. Aber die Mühe zur korrekten Umformulierung der Rohfassung war ihm offenbar zu groß. Und dabei erwähnt er in seiner Liste empfehlenswerter Literatur auch noch das Buch 'Deutsch für Kenner' von Wolf Schneider. Hätte er es selbst gelesen, wäre seiner Leserschaft wohl manche Sprachholprigkeit erspart geblieben.
Hinzu kommt, dass auch der formale Aufbau des Buches es den Lesern nicht eben leicht macht, die Gedanken des Autors nachzuvollziehen. Das ganze Werk sieht nämlich aus, als wäre es aus Powerpoint-Folien zusammenkopiert worden. Hinreichend ausformulierte Thesen mit den dazugehörigen Begründungen gibt es nicht, stattdessen ellenlange Auflistungen schlaglichtartiger Sätze, die schon nach wenigen Seiten ermüden. Bei Vorträgen nennt man das 'Death by Powerpoint'.
Darum lautet mein Fazit: Dieses Buch ist leider kein ultimativer Ratgeber, sondern eher ein missglücktes Werk. Aus eben diesem Grund ist es wohl auch nicht in einem anerkannten Fachverlag erschienen, sondern als Book on Demand. Für den schon erwähnten Rezensenten mag hierin zumindest ein kleiner Trost liegen: 'Viel Geld' macht man so nicht.
Zu empfehlenWas ich an Bewerbungsratgebern am meisten hasse: sie sind fast immer praxisfremd verfasst und helfen einem nicht weiter. Aber bei diesem Buch ist das anders. Ich habe drei Vorstellungsgespräche gehabt und alle drei sehr gut überstanden. Ich war durch die vielen Ratschläge aus der Praxis gut vorbereitet und habe mittlerweile eine Anstellung gefunden. Das Buch ist zu empfehlen.