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Nominiert für den Preis der Jugendjury; ab 13
Auf dem Umschlagtext des Jugendbuches Der Junge im gestreiften Pyjama findet der Leser nicht -- wie sonst üblich -- eine Inhaltsangabe des Romans. Vielmehr soll der Leser die Lektüre völlig unvoreingenommen beginnen und die Geschichte durch die Augen des neunjährigen Helden Bruno erleben. Bruno wächst zu Beginn des zweiten Weltkrieges wohlbehütet und glücklich mit seiner Familie in Berlin auf. Doch dann muss er plötzlich an einen Ort namens „Aus-Wisch" umziehen, weil der „Furor" den Vater dort für eine wichtige Aufgabe vorgesehen hat. Bruno kann das nicht verstehen und hasst sein neues, graues Zuhause, das in einer öden Gegend liegt, wo keiner mit ihm spielt. Besonders schrecklich und rätselhaft ist der endlose Stacheldrahtzaun hinter seinem Haus, hinter dem Menschen in gestreiften Schlafanzügen in Baracken leben. Die Antworten, die der Junge auf seine Fragen nach den "Menschen hinter dem Zaun" erhält (Antwort des Vaters: "Das sind gar keine Menschen") bringen ihn auch nicht weiter. Dann lernt er auf einem seiner Spaziergänge den gleichaltrigen Schmuel kennen, der auf der anderen Seite des Zaunes lebt, einen gestreiften Pyjama trägt und schrecklich abgemagert ist. Heimlich trifft sich Bruno von nun an fast täglich mit Schmuel und es entwickelt sich eine Freundschaft, die nur ein tragisches Ende finden kann. Konsequent erzählt der Ire John Boyne seinen Holocaust-Roman aus der kindlich-naiven Perspektive eines neunjährigen Jungen, der nicht nur vorgibt, nicht zu wissen, sondern der wirklich nichts weiß. Durch die Unwissenheit und die Unvoreingenommenheit des Kindes, die Reduziertheit des Blickwinkels und der Sprache schafft Boyne eine neue Art des Erzählens über den Holocaust aus der Perspektive der Täter (wobei auch Bruno ein Opfer des NS-Regimes ist). Gerade das Unausgesprochene macht diesen Roman so eindringlich und schafft eine intensive Atmosphäre, der sich der Leser nicht entziehen kann. Einige Passagen erinnern an Roberto Benignis tragikomischen Film Das Leben ist schön, in dem ein Vater seinem Sohn das Leben im KZ als großes Spiel erklärt. Auch Der Junge im gestreiften Pyjama wird zurzeit unter der Regie von Mark Herman verfilmt und soll Anfang 2008 in die Kinos kommen. "Eine Fabel" lautet der Untertitel von John Boynes Buch -- und in diesem Sinne sollte man den Roman auch lesen und verstehen, der für Jugendliche ab 13 Jahren zu empfehlen ist. Ein ungewöhnliches Jugendbuch über den Holocaust, das auch Erwachsene tief beeindruckt und erschüttert. -- Alexandra Plath
In vielen Punkten zu gewollt naivIch bin nach der Lektüre dieses Buches hin und her gerissen. Ich fand, dass der eigentlich wichtige Teil erst zu spät eingesetzt hat. Die Freundschaft mit Schmuel begann ja erst zur Mitte des Buches hin und bis zu diesem Zeitpunkt tat sich eigentlich nicht sehr viel in der Geschichte. Brunos grenzenlose Naivität fand ich unglaubwürdig. Ich denke, dass ein 9-jähriges Kind deutlich besser über sein Umfeld Bescheid weiß als man es Bruno hier attestiert. Dass er nicht in der Lage war, die Wörter Auschwitz und Führer richtig auszusprechen und es selbst nach mehreren Korrekturen seitens seiner Schwester oder anderen Personen nicht auf die Reihe bekommen hat, fand ich überzogen.
Dieses Bild wird für mich noch unglaubwürdiger, wenn ich an die Erzählungen meines Vaters denke, der Jahrgang 1932 ist und damit zur Zeit, in der dieses Buch spielt, zwei Jahre älter als Bruno. Kein Kind war zu dieser Zeit so blauäugig wie Bruno, jedes Kind kannte den Unterschied zwischen Juden und "der Gegenseite", wie es hier im Buch ausgedrückt wird. Rassenkunde war Bestandteil des Schulunterrichtes. Des Weiteren fällt es mir schwer mir vorzustellen, dass Bruno nicht erkennt, dass er ein hungerndes Kind vor sich hat und sich statt dessen fragt, warum Schmuel so grau und so dünn aussieht.
An der Art des Erzählens haben mich die ständigen Auslassungen geärgert. Als hätte der Autor Angst gehabt, die "bösen" Wörter zu nennen. Ich denke, dass man auch Kinder, die ja Zielgruppe dieses Buches sind, für solche Dinge sensibilisieren kann. Wie will dieses Buch etwas vermitteln, wenn die Dinge, um die es geht, nicht ausgesprochen werden?
Highlight dieses Buches war für mich Schmuel, der trotz der unerträglichen Situation, in der er sich befindet, nie verzweifelt oder sich aufgibt. Den Schluss fand ich überraschend und hätte ein solches Ende nicht vermutet.
Eines der besten Jugendbücher aller ZeitenDer 9jährige Bruno kommt von der Schule nachhause und "erwischt" seine Eltern beim Packen. Verwirrt muss er miterleben, dass die Familie aus unbekanntem Grund umziehen muss, fort aus seiner schönen Heimat Berlin an einen seltsamen Ort namens "Aus-Wisch" oder so ähnlich. Er, der sich nichts sehnlicher als neue Spielkameraden wünscht, beobachtet die seltsamen Leute hinter dem Zaun vor seinem neuen Zuhause, die alle dieselbe Kleidung tragen und über die seine Familie am liebsten nicht sprechen würde, und er wünscht sich in seiner kindlichen Naivität nichts sehnlicher, als zu ihnen zu gehören...
Zugegeben, ich kann mit der Thematik nicht mehr viel anfangen da über wahrscheinlich keine andere Epoche unserer Geschichte schon soviel geschrieben wurde. Aber den Holocaust aus der Sicht eines naiven Kindes zu lesen, in einem hervorragend geschriebenen Roman, hat mich überwältigt. Das Buch ist sprachlich gekonnt, spannend geschrieben und hält eine Überraschung nach der anderen bereit. Es gipfelt in einem völlig überraschenden, unglaublichen Finale, welches den Leser wie ein Schlag trifft und das man in keiner Weise erahnen konnte.
Man liest oft, dass man dieses oder jenes Buch "mit Sicherheit nicht mehr so schnell vergisst" - bei diesem Buch stimmt es tatsächlich. Für Kinder unter 14 Jahren halte ich es für ungeeignet, alle darüber müssen dieses Buch gelesen haben. Ohne Zweifel ein Buch, das in ein paar Jahren als Klassiker gelten wird.
Zutiefst berührt Eigentlich hatte ich das Buch für meinen 14-jährigen Sohn gekauft - doch ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Geschichte, die es erzählt. Der Klappentext verrät nichts. Neugierig geworden, wollte ich zuhause nur rasch einen Blick hineinwerfen. Drei Stunden später hatte ich es ausgelesen. Ich hatte gelacht, ich hatte gestaunt und ich hatte Tränen vergossen.
Es ist kein Kinderbuch, und es ist kein Buch für Erwachsene. Es ist ein Buch der Menschen.
Keiner, der meint, ein 9-jähriger könne so naiv nicht sein, müsse längst besser sprechen und verstehen können, hat erkannt, dass es genau darum geht: Für Unverständliches gibt es eben keine verständlichen Worte - und wie könnte man jemals verstehen? Keiner, der meint, der Autor habe sich mit der NS-Zeit nicht hinreichend auseinandergesetzt, hat erkannt, dass das Werk eine Fabel ist, eine wunderbare, eine Fabel über die Menschlichkeit und gerade über den denkenden Menschen.
Dieses Buch verdient so viel Anerkennung. Und, ja, mein Sohn wird es lesen, aber ich werde ihm zuvor nichts dazu sagen, damit er all dies genauso fühlen darf.
Der Holocaust mit den Augen eines 9-JährigenÜber den Holocaust wurden schon viele Bücher geschrieben, aber keines ist zu vergleichen mit "Der Junge im gestreiften Pyjama".
Bruno, ein 9-jähriger Junge, der mit seiner Familie in Berlin wohnt, kann nicht begreifen, dass er diese Stadt verlassen muss, weil der Furor mit seinem Vater Großes vorhat und diesen nach Aus-Witsch schickt. Das ist für Bruno eine Ungerechtigkeit und es fällt ihm anfangs sehr schwer, sich in seinem neuen Zuhause in Aus-Witsch wohlzufühlen. Er vermisst seine Großeltern und Freunde sehr, die alle in Berlin zurückgeblieben sind. Nach ein paar Wochen beginnt er seine nähere Umgebung zu erforschen, auch den Zaun, der ein riesiges Lager umgibt, auf denen sich viele Menschen mit gestreiften Pyjamas befinden, aber auch viele Soldaten. Bruno kann nicht begreifen, was das alles zu bedeuten hat. Bei einer seiner Erforschungstouren trifft er auf den Jungen Schmuel, der sich auf der anderen Seite des Zauns befindet. Von nun an treffen sich die beiden jeden Nachmittag und tauschen sich über ihre jeweilige Lebenssituation aus. Dabei ist es für den 9-jährigen Bruno sehr schwer zu begreifen, was der Junge auf der anderen Seite des Zauns in Aus-Witsch miterleben muss.
Die Geschichte über Bruno und dessen Freundschaft zu Schmuel ist kindlich-naiv, Bruno kann gar nicht begreifen, was dort im Konzentrationslager vor sich geht und dass sein Vater, der Kommandant des Lagers, "schlecht" sein soll. Diese Erzählweise und Betrachten des Holocausts aus den Augen eines kleinen Jungen macht diese Fabel zu etwas Besonderem, vor allem zu etwas besonders Traurigem, aber trotzdem sehr zu empfehlen!
Ein guter Einstieg in die HolocaustthematikIch wollte dieses Buch anfangs für meinen 12- jährigen Bruder erstehen, war mir dann aber unsicher, ob es für Kinder wirklich geeignet ist. Daher habe ich es mir zum Geburtstag schenken lassen. Ich habe schon viele sehr unterschiedliche Bücher zum Thema Holocaust gelesen und hatte einen Geschichtsleistungskurs, bei dem das Thema sehr ausführlich durch genommen wurde.
Dieses Buch ist eines der Besten zu diesem Thema und als Einführung in die Thematik gut geeignet ( für Kinder, ebenso wie für Erwachsene).
Die naive Erzählweise ist eindringlich und erschüttert den Leser ungemein. Nach und nach entdeckt man das Grauen.
Dieses Buch erfüllt genau meinen Vorstellungen über ein gelungenes Buch über die Schrecken der NS- Zeit.
Durch die verschleierte Wortwahl können die Kinder/ Jugendliche zu ihren Eltern, Geschwistern oder Lehrern gehen und sich über die Zeit informieren.
Man soll nicht nur alles (plakativ)vorgelegt bekommen. Schließlich muss man sich mit der Zeit beschäftigen, nicht nur konsumieren. Denn das hat die Zeit uns doch gelehrt. Man muss fragen, eigenständig denken, Hintergründe erforschen, um dies nicht wieder geschehen zu lassen. Denn wer die Hintergründe nicht versteht, erfasst nicht vollständig, was das Dritte Reich verbrochen hat.
Der Kritik, der Autor würde die Judenverfolgung verkitschen oder verniedlichen, kann ich in keinster Weise zustimmen. Dies ist ein Kinderbuch, es soll langsam an die Thematik heranführen. Man lässt ja auch nicht Kinder Schindlers Liste sehen ( die Altersbeschränkungen haben schließlich einen Sinn). Das Grauen des Regimes wird mehr als deutlich und einfühlsam vermittelt, ohne im Detail die Misshandlungen zu schildern. Wer das Grauen nicht merkt, der sollte mal tief in sich gehen. Wer offensichtlich die Schrecken der NS erfahren will, sollte sich ein Sachbuch nehmen, im Lexikon nachschlagen oder Dokumentationen ansehen und ein KZ besuchen. Für Kinder, die noch keine Berührung mit dem Thema Holocaust hatte, wäre dies allerdings der falsche Weg.
In der Schule wird oft die Welle gelesen ( so 8.Klasse). Das Buch ist zwar nicht schlecht, allerdings setzt es voraus, dass man über das Dritte Reich Bescheid weiß. Das wird einem aber in den Grundzügen erst in der 10. Klasse dargestellt und ausführlich in der Regel erst, wenn man im Leistungskurs ist und somit schon kurz vor dem Abitur ist.
Fazit: Das Buch " Der Junge im gestreiften Pyjama" öffnet den Weg zu den Fragen, die nicht alle in dem Buch beantwortet werden, sondern uns und das Umfeld in die Verantwortung nehmen, diese selbst zu beantworten oder nach Antworten zu suchen. Und der Weg ( sich über die NS- Zeit zu informieren) sollte dabei das maßgebliche Ziel sein.