Riesebrodt, Martin

Cultus und Heilsversprechen

Cultus und Heilsversprechen
  • Verlag: Beck
  • Erscheinungsdatum: 2007-08-23
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 316
  • ISBN: 3406562132
  • EAN: 9783406562136
  • Amazon.de Verkaufsrang: 327.725
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Beschreibung von buecher.de

Nach langer Zeit liegt mit diesem Buch wieder eine umfassende Theorie der Religionen vor. Anschaulich und anhand vieler Beispiele aus sehr unterschiedlichen Religionen erklärt Martin Riesebrodt, was alle gemeinsam haben und warum Kulte und Rituale für ihre Anhänger so attraktiv sind, daß sie auch vor Gewalt gegen sich selbst und andere nicht zurückschrecken. Ein 'Muß' für alle, die die Langlebigkeit religiöser Traditionen und deren neue öffentliche Macht besser verstehen wollen.
Alle Religionen versprechen den Menschen, daß sie durch die Pflege ihrer Beziehungen zu übermenschlichen Mächten Unheil abwehren, Krisen bewältigen und Heil empfangen können. Dieses Heilsversprechen findet Ausdruck in den Liturgien religiöser Festtage und in lebenszyklischen Ritualen, in den radikalen Praktiken von Asketen und den Verheißungen von Propheten. Während sich religiöse Ethiken und Gefühle wandeln und Weltbilder und Mythen irgendwann überholt sind, werden weiter die überlieferten Gebete gesprochen, Liturgien gesungen und Opfer gebracht. Rituale sind das Verbindende zwischen monotheistischen Religionen und antiken Polytheismen, zwischen ostasiatischen Religionen und modernen religiösen Bewegungen. Sie bieten einen einzigartigen Schlüssel, um die alle Aufklärungen überdauernde Anziehungskraft von Religionen zu verstehen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Winfried Stanzick fanden 13 von 15 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine wichtige theoretische und religionssoziologische Grundlegung, unabdingbar wichtig für den aktuellen Religionsdiskurs

Dieses Buch kommt gerade richtig, ist aber leider seit seinem Erscheinen nur wenig außerhalb einer kleinen Fachwelt beachtet worden. Der amerikanische Religionssoziologe Martin Riesebrodt legt mit ihm eine umfassende Theorie der Religionen vor, wie sie so schon lange nicht mehr zu lesen war. In einer Zeit, in der die "Neuen Atheisten" wie Hitchens und Dawkins große Furore machen, und in der auf der anderen Seite eine für viele der Aufklärung verpflichtete Intellektuelle nur schwer verständliche und erträgliche Renaissance der Religion Blüten treibt (vgl. Ulrike Ackermann, Eros der Freiheit, 2008 ), ist es unabdingbar wichtig, sich über die Grundlagen zu verständigen, von denen man spricht.

Martin Riesebrodt schafft dies in einer auch für Laien durchaus verständlichen Weise. Überzeugend zeigt er auf, was alle Religionen verbindet, nämlich das Versprechen, dass Menschen durch die Pflege ihrer Beziehungen zu übermenschlichen Mächten Unheil abwehren, Krisen bewältigen und Heil empfangen können. Dieses "Heilsverspechen" findet Ausdruck im "Cultus", also in den mannigfaltigen Liturgien und lebenszyklischen Ritualen, die die Religionen überall auf der Welt ausgebildet haben. Weltbilder und Mythen wandeln sich, auch religiöse Ethik und Gefühle verändern sich, doch die Rituale bleiben.

Rituale, etwas, das nicht nur Theologen sondern auch Psychologen zunehmend als extrem wichtig wiederentdecken, sind sozusagen das Verbindende zwischen den monotheistischen Religionen und antiken Polytheismen, zwischen ostasiatischen Religionen und den zahlreichen modernen religiösen Bewegungen. Die Rituale sind für Riesebrodt der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens Religion.

Das Buch ist nicht nur für alle Theologen und an Religion persönlich Interessierte geeignet, sondern geradezu eine Pflichtlektüre für alle, die, aus welchen Gründen auch immer und aus welcher Tätigkeit auch heraus, die Langlebigkeit religiöser Traditionen verstehen wollen, statt sie nur zu beklagen und die ein besseres, tieferes und religionssoziologisches Verständnis von der neuen öffentlichen Debatte und Erscheinung der Religion gewinnen wollen.

Mit dieser theoretischen Grundlegung können tatsächlich viele zeitgenössische religiöse Phänomene besser eingeordnet, bewertet und verstanden werden. Vielleicht auch in die Richtung, die Jürgen Habermas gemeint hat, als er "im eigenen Haus der schleichenden Entropie der knappen Ressource Sinn entgegenwirken" wollte.

Was dem Buch allerdings fehlt, ist die Einordnung und Beschreibung dessen, was zur Zeit weltweit die meisten Probleme bereitet, nämlich die Gewalt als Form religiös motivierter Handlung.

Cultus und Heilsversprechen

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