Kuschel, Karl-Josef

Gott liebt es, sich zu verstecken

Gott liebt es, sich zu verstecken
  • Verlag: Matthias-Grünewald-Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2007-09-14
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 253
  • ISBN: 3786726868
  • EAN: 9783786726869
  • Amazon.de Verkaufsrang: 808.709
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Beschreibung von buecher.de

Karl-Josef Kuschel unternimmt in diesem Band spannende Ausflüge in die Welt großer Autorinnen und Autoren der Literaturgeschichte. Ob Heinrich Heine, Gotthold Ephraim Lessing, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann, Paul Celan, Nelly Sachs oder Hartmut Lange: In der Auseinandersetzung mit menschlichen Krisensituationen und in der Konfrontation mit anderen Religionen stellen sie immer wieder neu die Grundfrage nach Gott, nach letzten Maßstäben des Handelns, nach Orientierung in gebrochener Zeit. Dass »Gott« dabei oft nicht einfach die Problemlösung, sondern die Problemverschärfung ist, signalisiert der Titel, der ein Wort von Hartmut Lange aufnimmt: »Gott liebt es, sich zu verstecken«.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Lectora fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Ein Konglomerat theologischer Reflexionen

Ausgewählte Autoren auf ihrer Glaubens- und Gewissensuche, beim Ringen um Gott oder eine andere persönliche Wahrheit zu begleiten; mit dieser Erwartungshaltung nahm ich die Lektüre auf, und in den Kapiteln über Reinhold Schneider und Adolf Muschg wurde sie auch erfüllt. Überrascht war ich jedoch von der Melange weitschweifiger theologischer Exkursionen, die sich durch das gesamte Buch zieht und das Leben der abgehandelten Personen häufig in den Hintergrund drängt. Exemplarisch hierfür sei das Kapitel über Elisabeth Langgässer genannt. Kuschel skizziert zunächst das Leben der katholisch erzogenen Autorin, die während des Nazi-Regimes aufgrund ihrer persönlichen Beziehungen Diskriminierung, Berufsverbot und sogar die Deportation ihrer eigenen Tochter nach Auschwitz durchlitt. Trotz der traumatischen Holocaust-Erfahrung spiegeln sich in Langgässers Werk und Leben judenfeindliche Inhalte, was Kuschel als Paradebeispiel eines in der Gesellschaft verwurzelten christlich-katholischen Antijudaismus interpretiert, der erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 eine Wandlung erfuhr. Bis hierher hat Kuschel den Leser mitgenommen. Doch nun erklärt er die folgenden zehn Seiten lang den signifikanten Paradigmenwechsel, den dieses Konzil nach sich zog, er analysiert die "Erklärung der französischen Bischöfe" von 1973, entwirft ein Konsensprofil von Juden und Christen in der Gegenwart und erläutert Perspektiven für einen Dialog der Zukunft. Da dies nicht konkret im Zusammenhang mit der bereits 1950 verstorbenen Langgässer steht, wird mancher Leser bilanzieren "Wollte ich etwas zu diesem Thema wissen, hätte ich vermutlich ein anderes Buch gekauft!" Ähnliche Gedanken kommen auch während des Kapitels über Hartmut Lange auf. Langes Werk "Die Selbstverbrennung" beleuchtet Kuschel im Kontext seiner eigenen Studienjahre, die von einem aufkeimenden gesellschaftlichen Protestatheismus und der Behandlung der Theodizee-Problematik gekennzeichnet waren.

Buchstäblich auf der letzten Seite offenbart sich dem aufmerksamen Leser, warum die einzelnen Kapitel so seltsam konträr wirken: Sie wurden bereits alle in den Jahren 2001 - 2006 in diversen Publikationen veröffentlicht. Auch nach einer "Anpassung" für dieses Buch ist deutlich spürbar, dass jeder Artikel ursprünglich aus einer ganz eigenen Intention heraus konzipiert wurde. Beispielsweise der Beitrag über Langgässer für das Sachbuch "Das Judentum, bleibende Herausforderung christlicher Identität", der Beitrag über Rilke für die "Blätter der Rilke-Gesellschaft". Dies erhellt wenigstens im Nachhinein Kuschels kryptische Anmerkungen über den Stand der Rilke-Forschungen.

Man kann Kuschel keinen Vorwurf machen, einen Band bereits veröffentlichter Essays zu publizieren. Vorwerfen kann man ihm jedoch die Unterschätzung des kritischen Lesers bezüglich eines adäquaten und überzeugenden Buchkonzeptes. Titel, Klappentext und Vorwort wecken explizite Erwartungshaltungen und adressieren ein potentielles Zielpublikum. Dass alle Abhandlungen im weitesten Sinne etwas mit Schriftstellern und Glaubensfragen zu tun haben, rechtfertigt nicht die intensiven "Ausflüge" in theologische Tiefen, die der Leser im konkreten Kontext nicht erwartet. So präsentiert, verlaufen selbst brillante Reflexionen ins Leere. Anders thematisiert, beispielsweise als "Theologische Explorationen, inspiriert durch Literatur. Eine ganz persönliche Selektion.", würde dieses Buch sicher die hieran interessierte Leserschaft erreichen. Eine Leserschaft, die gerne mit dem versierten Theologen auf weit verzeigten Haupt- und Nebenpfaden wandelt und sich für seine individuellen Theorien begeistern lässt.

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