Bestellen bei Buecher.de! Preis: 34,50 €
Bestellen bei Amazon.de! Neu ab 30,00 €, gebraucht ab 28,00 €.
Neue Bücher bestellen bei: Buch.de.de, Buch24.de, Bol.de, Libri.de, Thalia.de
Gebrauchte und neue Bücher bestellen bei: AbeBooks.de, Booklooker.de
Der geheimnisvolle Tod der Westhälfte des Imperiums zählte zu den grundlegenden Revolutionen der Geschichte, zu einer Folge von Ereignissen, die die Welt profund veränderten. Peter Heather fordert die herkömmliche Ansicht von einem korrupten, überfeinerten, christianisierten Reich heraus, dessen Tage gezählt waren. Mit Einbeziehung jüngster archäologischer Entdeckungen und einer radikalen Neulektüre klassischer Texte hat er eine aufsehenerregende, neue Geschichtserzählung über diese Zeit verfasst.
Untergang, aber kein VerfallDie Gründe für den Untergang des Römischen Reiches beschäftigen Gelehrte seit Jahrhunderten und die Fülle der Publikationen wirkt auf den unbefangenen Leser leicht erschreckend. Edward Gibbons "Decline and Fall of the Roman Empire" ist bis heute ein Klassiker, aber seine Erklärungsmuster von einer dekadenten Militärdespotie und der Rolle des Christentums überzeugt heute kaum mehr. Alexander Demandt hat 1984 in akribischer Arbeit mehrere hundert Erklärungsentwürfe in seinem Buch "Der Fall Roms" festgehalten. Eine eindeutige Antwort konnte auch er nicht geben.
Die moderne Forschung betont ohnehin, dass nicht ein Grund, sondern mehrere Gründe für den Untergang des (West-)Römischen Reiches verantwortlich waren. Ebenso wird betont, dass kein Verfall, sondern eine Transformation der spätantiken Welt stattgefunden hat. In gewisser Weise ist das vorliegende Buch von Peter Heather ein Gegenentwurf dazu - und dann doch wieder nicht. Für Heather, ein angesehener Experte für die spätrömische Geschichte, hat es keinen Verfall gegeben, aber auch keine mehr oder weniger friedfertige Transformation der spätrömischen Welt hin zur germanisch-romanischen Welt des Mittelalters.
Heathers Entwurf ist elegant und prägnant zugleich: die Hauptschuld am Untergang Roms trugen die Hunnen. Ihre um 375 einsetzende Expansion nach Ostmitteleuropa setzte eine Lawine in Gang, die heute recht unscharf als Völkerwanderung bezeichnet wird. Dem konnten die hochtrainierten römischen Legionen nicht auf Dauer widerstehen. Diesen Grundgedanken hatte Heather schon 1995 in einem akademischen Aufsatz formuliert.
Nach 406/07, als die Germanen massenweise über den Rhein zogen und 410 auch noch Rom von den Westgoten geplündert wurde, sank die Macht der weströmischen Regierung immer mehr ab. Am Ende dieser Entwicklung entstanden auf dem Boden des westlichen Imperiums eigenständige Reiche: in Nordafrika das Vandalenreich, in Spanien und Teilen Galliens das Westgotenreich, während in Italien die Ostgoten einfielen - allerdings erst Jahre nach der Absetzung des letzten Kaisers in Italien (476).
Heather ist wie gesagt ein Kenner der Materie. Erfreulicherweise kann er auch leicht verständlich schreiben. Plastisch zeichnet er die Entwicklung nach der Schlacht von Adrianopel 378 nach, in der gotische Gruppen (nach ihrer Flucht vor den Hunnen) über die Römer siegten und einen Prozess in Gang setzten, der zur Ansiedlung autonomer Barbarengruppen auf dem Boden des Imperiums führte. Gerade die Rekonstruktion der Ereignisse im 5. Jahrhundert ist sehr gut gelungen, zumal die Quellen für diese Zeit eher spärlich fließen. Seine Darstellung für den Untergang Roms vermag zwar nicht in allen Punkten zu überzeugen (das Überleben des Ostreichs wird weitgehend ausgeblendet, während alternative Szenarien für den Fall des Westens kaum zur Sprache kommen), ist aber dennoch insgesamt sehr gelungen. Und meiner Meinung nach weniger einseitig als etwa Bryan Ward-Perkins ähnlich gelagerte, aber mehr strukturgeschichtlich ausgerichtete Darstellung zum Fall Roms, die kürzlich auch in dt. Übersetzung erschien (Der Untergang des Römischen Reiches, Theiss, Mainz 2007).
Jeder, der sich für den Untergang Roms, spätantike Geschichte oder ganz allgemein für gut recherchierte und spannend erzählte Geschichte interessiert, sollte Heathers Buch lesen. Es regt zum Nachdenken an.
Glänzende Erzählung mit begrenzter ErklärungskraftDer Untergang des Römischen Reiches ist selbst nach 1.500 Jahren noch eine Herausforderung für die Geschichtswissenschaft. Unzählige Autoren haben sich seit der Spätantike um eine Erklärung dieses Vorganges bemüht. Der insgesamt nur mäßige Ertrag ihrer Arbeit hat den Oxforder Althistoriker Peter Heather nicht davon abgeschreckt, einen weiteren Anlauf zu unternehmen. Das Ergebnis ist eine fundierte, gut strukturierte und auf dem neuesten Forschungsstand stehende Geschichte des spätrömischen Reiches, die literarisch ebenso überzeugt, wie sie hinsichtlich ihrer Erklärungskraft enttäuscht.
Heather entwickelt seinen Ansatz im Anschluss an das von M. Rostovtzeff und A. H. M. Jones geprägte Bild der Spätantike. Dieser Sicht zufolge hatte die Krise des 3. Jahrhunderts zu einer verhängnisvollen Umgestaltung des römischen Staates geführt. Die Verdoppelung der bis dahin eher kleinen (nur etwa 300.000 Mann zählenden) Armee und die Aufblähung des Beamtenapparates habe die Steuerlasten derart vergrößert, dass die Vertreter der städtischen Selbstverwaltung ruiniert, die Bauern ins Elend getrieben, weite Landstriche der Verödung preisgegeben und eine nachhaltige Schrumpfung der Bevölkerung hervorgerufen worden seien. Rekrutenmangel habe die Armee gezwungen, immer mehr Barbaren anzuwerben, was ihre Loyalität und Schlagkraft beeinträchtigte und schließlich dazu führte, dass sie sich der Germanenflut des 5. Jahrhunderts nicht mehr erwehren konnte.
Indem er die Bevölkerung politisch knebelte und wirtschaftlich auspresste, habe der spätantike Zwangsstaat seine eigenen Grundlagen zerstört. Der Untergang Roms sei, so lautete die Schlussfolgerung, nur das unvermeidliche Ergebnis eines schleichenden inneren Verfalls gewesen.
Wie Heather überzeugend demonstrieren kann, ist diese Erklärung inzwischen hinfällig. Seit den Expeditionen des französischen Archäologen Georges Tchalenko in den fünfziger Jahren sei deutlich geworden, dass die meisten Territorien des Reiches wirtschaftlich nicht nur nicht verfielen, sondern im 4. Jahrhundert sogar den Höhepunkt ihrer Leistungskraft erreichten. Auch von einem Rückgang der Bevölkerung und einem Niedergang der Armee kann, so betont Heather, nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Das Reich Julians mache auf den heutigen Betrachter einen wohlhabenderen und stärkeren Eindruck als das des Augustus.
Kann die Erklärung für den Untergang Roms aber nicht in inneren Schwächemomenten liegen, muss sie, so schließt Heather, in der Erstarkung seiner Feinde gesucht werden. Auch dafür habe die Archäologie eindrucksvolle Belege zusammengetragen. Inzwischen wisse man, dass die Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden in den germanischen Nachbarregionen des Imperiums für einen kräftigen Bevölkerungszuwachs und eine Zunahme der gesellschaftlichen Stratifikation gesorgt habe. Diese Entwicklung ermöglichte es den germanischen Königen des 5. Jahrhunderts größere Stammes- und Völkergruppen zu beherrschen, als ihre Vorgänger zur Zeit des Augustus. Damit sei die Kräfterelation zwischen Römern und Barbaren so nachhaltig verschoben worden, dass die Eroberung der geographisch besonders ungeschützten westlichen Reichshälfte langfristig kaum zu verhindern war. Der Einfall der Hunnen habe diesen Vorgang nur beschleunigt.
Heather lässt keinen Zweifel daran, dass das Römische Reich nicht friedlich einschlief, sondern erschlagen wurde. Ohne äußere Angriffe würde es noch viele Jahrhunderte fortbestanden haben. Sein Zusammenbruch sei gewaltsam und plötzlich erfolgt. Noch im Jahre 467 habe man auf Rettung hoffen können. Nur zehn Jahre später, nach dem gescheiterten Versuch der Rückeroberung Nordafrikas, sei der Untergang unumkehrbar gewesen. Zeitgenössische Beobachter hätten sich der weltgeschichtlichen Tragweite der Ereignisse, die sich vor ihren Augen abspielten, durchaus bewusst sein können.
Allerdings habe es kaum eine Möglichkeit gegeben, das Schicksal zu wenden, da das Imperium auf Dauer einfach nicht die nötigen Mittel besaß, um der Barbaren Herr zu werden. Dem Rom des Augustus wäre es, so suggeriert Heather, angesichts der Völkerwanderung nicht anders ergangen.
Als Beleg dient ihm folgende Kalkulation: addiere man die wahrscheinlichen Zahlen der in dieser Zeit auftretenden Barbarenheere (Goten, Vandalen, Alanen, Sueben, Burgunder, Franken, Heruler usw.), komme man auf etwa 120.000 Krieger, denen das weströmische Reich nur knapp 80.000 Soldaten der Feldarmee (comitatenses) gegenüberstellen konnte. Trotz seiner enormen Bevölkerung (über 70 Millionen) habe das Reich nicht mehr Soldaten ausheben können, weil es schon mit dem Unterhalt der bestehenden Armee an seine ökonomischen Grenzen stieß. So sei nur allzu verständlich, dass Rom nach der Niederlage bei Adrianopel (378), in der nach Heathers Schätzung etwa 10.000 Legionäre fielen, keine größere Schlacht mehr mit den Goten riskierte und sich auf eine diplomatische Lösung einließ.
Nirgends wird die Fragwürdigkeit von Heathers Argumentation deutlicher als an dieser Stelle. In der römischen Geschichte existiert eine aufschlussreiche Parallele zum Gotenkrieg des 4. Jahrhunderts: der Einfall der Kimbern und Teutonen im späten 2. Jahrhundert v. Chr. Damals wurde nicht EINE römische Armee von den Germanen geschlagen, sondern VIER hintereinander, deren letzte nicht weniger als 80.000 Mann stark war (die 105 v. Chr. fast alle in der Schlacht bei Arausio umkamen). Dennoch dachte die römische Republik nicht daran, sich mit den Barbaren zu arrangieren, sondern stellte unverzüglich ein fünftes Heer auf, das unter der Führung des Marius die Kimbern und Teutonen schließlich schlug.
Wenn das Imperium des 4. Jahrhunderts sich bereits nach EINER Niederlage zu Verhandlungen bequemen musste, während die viel kleinere und ärmere Republik des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts selbst nach der VIERTEN noch weiterkämpfte, kann Heathers Überzeugung, es habe in Rom keinen inneren Verfallsprozeß gegeben, nicht zutreffen. Die Völkerwanderung wurde dem Imperium nur zum Verhängnis, weil es längst nicht mehr die militärische Leistungsfähigkeit früherer Zeiten besaß.
Offenbar ist Heather wie Rostovtzeff und Jones der Versuchung erlegen, aus wirtschaftlichen Daten kurzerhand ein Gesamtbild des Imperiums abzuleiten. Seine Deutung der Spätantike ist im Grunde nur eine Modifikation der von Rostovtzeff und Jones präsentierten Sicht durch Einarbeitung neuerer archäologischer Erkenntnisse. Die Vorstellung einer homogenen Gesellschaft, in der es entweder allgemeinen Verfall oder allgemeinen Fortschritt geben muss, ist jedoch ein Trugbild. Eine differenzierte Betrachtung wird mit der Möglichkeit zu rechnen haben, dass Fortschritt und Verfall einhergingen, das späte Imperium also trotz wirtschaftlicher Blüte und wachsender Bevölkerung militärisch schwächer sein konnte, als die ausgehende Republik.
Diese analytische Schwäche mindert nicht die erzählerische Leistung Heathers. Es ist ihm gelungen, die Ereignisgeschichte der Spätantike mit einer Klarheit und in einer Anschaulichkeit zu schildern, die ihresgleichen suchen. Von deutschen Historikern ist man derartiges seit langem nicht mehr gewohnt. Heathers literarisches Talent wird seine Leser darüber hinwegtrösten, dass er den Untergang des Römischen Reiches ebenso wenig erklären kann, wie die meisten seiner Vorgänger.
Der Untergang des weströmischen Reiches in einem neuen LichtPeter Heather zeigt in seinem Buch dass der Niedergang Roms nicht durch inneren Machtverfall und Dekadenz zustande kam, sondern dass der äussere Völkerdruck die Hauptursache darstellt. Mit dieser Meinung weicht er von den Ansichtspunkten älterer Historiker ab, welche annahmen dass interner Verfall hauptausschlaggebend für den Untergang war.
Anhand von neueren Forschungsergebnissen zeigt sich dass das Römische Reich keinen wirtschaftlichen Niedergang vor dem Untergang erlebte. Es kam zwar zur Umgestaltung der Gesellschaft durch die Zunahme der Bürokratie, das Auftauchen des Christentums, das Abnehmen Roms als Machtzentrale und die Verlagerung zu grenznahen Machtzentren. All diese Umstände verliefen jedoch ohne grössere Probleme.
Knackpunkt stellte dann der Druck der auswärtigen Bevölkerung dar. Ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen nach Europa. Letztere verdrängten andere Volksgruppen (Goten, Vandalen, Burgunder,....), welche um Aufnahme ins Reich baten. Diese Gruppen bilden dann auch grössere Verbände, welche schwerer zu kontrollieren waren. Dieser Bevölkerungsdruck entglitt dann immer mehr den Römern, welche zudem an der persischen Grenze militärisch gebunden waren. Die eindringenden Völker eignen sich so nach und nach Territorien an, profitieren hierbei auch von Perioden politischer Instabilität Roms. Die so verlorenen Gebiete fallen dann aus dem Steuersystem der Römer heraus, wodurch die Staatseinnahmen fallen. Besonders schmerzhaft fallen so verlorene Gebiete wie Tunesien an die Vandalen ins Gewicht. Fehlende Einnahmen bewirken weniger Mittel zur Aufstellung von Armeeen, wodurch eine Kettenreaktion entsteht. Militärische Fehlgriffe beschleunigen den Verfall zudem weiter.
Trotz des Verschwindens der römischen Autorität im Westreich, verschwinden die römischen Strukturen nicht vollends, sondern werden teilweise übernommen und haben in verschiedenen Gebieten noch länger Bestand.
Der Autor hat ein kritisches Werk verfasst. Hierbei nutzt er alle ihm zur Verfügung stehenden Quellen, hinterfragt diese, und versucht bei spärlichem Material trotzdem ein aufklärendes Bild zu zeigen.
Peter Heather hat ein hervorragendes Buch verfasst. Da der Autor noch relativ jung ist darf man sich auf weitere Werke seinerseits in Zukunft freuen. Für jeden der sich mit der römischen Geschichte befasst ein absolut lesenswertes Buch.
Nicht überzeugendWarum nur 2 Punkte ?
Den 1. Punktabzug gibt es für mangelnde Beweisführung, letztlich bleiben seine Ansichten genau das: Ansichtssache.
Den 2. Punktabzug gibt es für die vielen überflüssigen Details. Die Nacherzählungen diverser Machenschaften von Leuten, deren Namen sich zu merken nicht lohnt, lesen sich stellenweise so spannend wie ein Telefonbuch.
Den 3. Punktabzug gibt es für etwas, wofür der Autor nichts kann:
Die geradezu skandalöse Schlamperei, mit der ein so namhafter Verlag wie Klett-Cotta den Text aufbereitet hat. Es wimmelt nur so von Schreib- und Grammatikfehlern. Ein Lektorat scheint nicht stattgefunden zu haben. So krass habe ich das noch nie erlebt und ich bin ein Vielleser.
Leider doch ein UNTERGANG....Das Argument, das römische Reich im vierten Jahrhundert sei stärker gewesen als zu Zeiten von Augustus ... stimmt schlicht überhaupt nicht. In der Schlacht von Adrianopel (378 A.D.) starben neben Ostkaiser Valens ca. 13.000 Soldaten - und das brach dem Ostreich über Jahre das Genick! Nur noch kleine Einheiten von Offensivtruppen kämpften weiter. Gegen Hannibal starben allein bei Cannae ca. 50.000 Römer und Verbündete - und sie kämpften weiter, bis zur Schlacht von Zama. Im Teutoburger Wald (jaja, heute weiß man: bei Kalkriese) starben ca. 20.000 Mann - und das erschreckte das Imperium bestenfalls, militärisch waren allein noch 25 Legionen unter Waffen (macht allein von diesen Eliteeinheiten um die 125.000 Mann nebst vergleichbar vielen Hilfstruppen).
Nein, allein die Tatsache, daß es sehr WOHL einen MASSIVEN Bevölkerungsrückgang gab (bei der Eroberung Roms durch Alaric lebten in Rom noch ca. 100.000 Menschen - in der hohen Kaiserzeit um die 1,2 Millionen!), spricht gegen die These eines "Übergangs". Lese-und Schreibfertigkeit, Architektur und Medizin - alles ging in Westeuropa nachweislich stark zurück, vieles Wissen ging verloren.
Warum, wenn ich fragen darf, mußten die Menschen in der poströmischen Zeit Steine aus römischen Ruinen reißen, um wieder Steingebäude zu errichten? Mag es auch aus irgendeinem Grund politisch korrekt sein, heute von einer "Transformation" zu spreche - die römische Zivilisation ging unter, und was folgte waren um die 800 Jahre religiös angehauchter Dunkelheit über Westeuropa.