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Klar, anschaulich und übersichtlich gegliedert vermittelt die Reihe GESCHICHTE KOMPAKT historisches Grundlagenwissen auf dem neuesten Stand der Forschung. Ob für den ersten Zugang zu einem neuen Thema oder für den fundierten Überblick - das Werk bietet zuverlässige Informationen für Studierende, Lehrende und historisch Interessierte. Zeittafeln, Erläuterungen zu Personen, Ereignissen und Begriffen, Grafiken und ein kommentiertes Quellen- und Literaturverzeichnis unterstützen und ergänzen die im Text dargestellten Inhalte.
Dem Interregnum, der Phase zwischen dem Ende der Stauferherrschaft in Deutschland und der Wahl Rudolfs von Habsburg zum römisch-deutschen König, haftet noch immer das Image der 'kaiserlosen, schrecklichen Zeit' (Schiller) an. Erstmals betrachtet ein Autor die Umbruchprozesse und Entwicklungen der Jahre 1239 bis 1273 aus einer konsequent europäischen Perspektive. So kommt Martin Kaufhold in dieser vortrefflich strukturierten Einführung zu einer längs t fälligen Neubewertung. Ausgehend von den realen Erfahrungen der Zeitgenossen, analysiert er die politischen und verfassungsrechtlichen Entwicklungen unter Einbeziehung der Rolle der Kirche. Dabei erweisen sich die politischen Akteure als pragmatisch und lernfähig und die Zeit des Interregnums erscheint als eine formative Phase in der Ausbildung der spätmittelalterlichen Reichsverfassung.
Doch keine schreckliche Zeit?Kaufhold behandelt die Zeit des sog. "Interregnums" zwischen 1245/50 und 1273 übersichtlich und "kompakt" auf 140 Seiten. Er setzt sich das Ziel, mit dem auf dem berühmten Schillerzitat beruhenden Vorurteil aufzuräumen, daß diese "kaiserlose, die schreckliche Zeit" war. Stattdessen stellt er das Interregnum als eine Phase des Umbruchs dar, wo u.a. die Grundlagen für die spätere Königsherrschaft und das Wahlverfahren im deutschen Reich gelegt wurden.Ein hochinteressantes Buch, das einen schönen Überblick über diese Zeitspanne liefert, und so manche bisher geltende Annahme in Frage stellt.
So schlimm war es doch gar nicht...Als "schreckliche, kaiserlose Zeit" bezeichnete Friedrich Schiller die Zeit des Interregnums zwischen 1245/50 und 1273. Nahezu alle Historiker des 19. Jahrhunderts verdammten das Interregnum als Ausverkauf deutscher Interessen an ausländische Potentaten. Höchste Zeit also, dass die Zeit zwischen Absetzung bzw. Tod des letzten Stauferkaisers Friedrich II. und der Wahl Rudolfs von Habsburg zum römisch-deutschen König 1273 einmal nüchtern betrachtet wird. Und das gelingt Martin Kaufhold in seiner in der "Geschichte-Kompakt"-Reihe erschienenen Darstellung "Interregnum" sehr gut.
Das Buch setzt ein mit der Absetzung Friedrichs II. durch Papst Innozenz IV. 1245. Kaiser und Papst hatten sich jahrelang erbitterte Kämpfe geliefert und dabei auch nicht zurückgeschreckt, sich gegenseitig las Antichristen zu beschimpfen, obwohl es natürlich hauptsächlich um höchst weltliche Interessen ging. Nach Friedrichs II. Absetzung arrangierte Innozenz IV. die Wahl von Heinrich Raspes und nach dessen baldigem Tod Wilhelms von Holland und leitete damit das Zeitalter der kleinen Könige" (Peter Moraw) ein. Im Folgenden konzentriert sich die Darstellung auf die Gründung des Rheinsichen Städtebundes 1254 und die Doppelwahl Alfons von Kastilien sowie Richards von Cornwall von 1256/57, die erstmals von den sieben Wahlfürsten des späteren Kurfürstenkollegs vorgenommen wurde.
Kaufhold liefert jedoch keinen rein ereignisgeschichtlichen Überblick, sondern widmet sich auch in eigenen Kapiteln strukturgeschichtlichen Aspekten. So werden die spätmittelalterliche Vorstellung von Herrschaft (Kapitel VI), die europäische Dimension des deutschen Thronstreites (Kapitel VII) sowie die Rolle der Kirche (Kapitel IX) analysiert. Die Wahl Rudolfs, die das Interregnum beendete, rundet die Darstellung ab.
Kaufhold betont, dass die Zeit des Interregnums für die Zeitgenossen nicht als der Bruch angesehen wurde, der heute mit dem Ende Friedrichs II. in Verbindung gebracht wird. Strukturell blieb vieles beim Alten. Im Zentrum des Interregnums steht sicherlich die Herausbildung des Kurfürstenkollegs, welchem die Wahl des römisch-deutschen Königs zukam. Mit Rudolf bestieg 1273 der erste Habsburger den Thron, ein Vertreter der Familie, die Geschichte des Reiches bis 1806 maßgeblich mitbestimmen sollte. Das Interregnum war somit sicherlich keine "schreckliche" Zeit. Vielmehr formten sich hier Bedingungen heraus, die die kommenden gut 500 Jahre formen sollten.