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Am 10. Januar 2008 jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag des Berliner Zeichners, Graphikers und Photographen Heinrich Zille. Aus diesem Anlass veranstaltet die Berliner Akademie der Künste, in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin, in ihren Räumen am Pariser Platz eine Ausstellung, die erstmals die unterschiedlichen Medien zusammenfasst, in denen Zille gearbeitet hat. Heinrich Zille war ab 1924 selbst Mitglied der Berliner Akademie der Künste und ist Ehrenbürger von Berlin. Wenn die Akademie also einen Künstler aus den eigenen Reihen in großem Rahmen an so prominentem Ort ehrt, dann soll damit nicht nur die anhaltende Aktualität von Zilles sozial engagiertem Werk jenseits aller Klischees vom 'Milljöh'-Maler belegt werden. Es gilt, ein OEuvre politisch und ästhetisch zu erschließen, das hinter Zilles überbordender Popularität fast zu verschwinden scheint. Die von Matthias Flügge herausgegebene Begleitpublikation versammelt die wichtigsten Zeichnungen, Graphiken und Photographien und verortet Zille in der Tradition sozial engagierter Künstler in Kaiserreich und Weimarer Republik.
Zum 150. GeburtstagLetztes Jahr, am 28. Januar 2008, war Heinrich Zilles hundertfünfzigster Geburtstag. Zu diesem Anlass brachte die Berliner Akademie der Künste diese Retrospektive heraus, die gleichzeitig auch zahlreiche Ausstellungen begleitete. Der Band widmet sich Zilles Werk vor dem Ersten Weltkrieg von 1890 bis 1914 und bringt erstmalig seine Zeichnungen, Aquarelle, Graphiken und Photographien unter einen Hut. Nebeneinandergestellt zeigen sowohl die graphischen als auch die photographischen Bilder oftmals dasselbe Motiv, wobei Zilles Blick die Menschen und sein Umfeld im Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts während der rasch fortschreitenden Industrialisierung zwar mit bestechender Offenheit entblößt, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger, sondern eher wie ein gütiger Vater, der über alle Missetaten und Missstände mit zwinkerndem Auge hinwegsieht. Sein Werk ist satirisch, sarkastisch und sozialkritisch im gleichen Atemzug. Am liebsten mochte Zille die armen Leute, die Kinder und die Frauen. Diese Zuneigung musste wohl auf Gegenseitigkeit beruhen, denn sie ließen Zille so nah an sich heran wie keinen Zweiten.
Heinrich Zille kam erst spät, mit 50 Jahren zu Ruhm und Anerkennung als 1908 sein erster Sammelband Kinder der Strasse: 100 Berliner Bilder herausgebracht wurde. Bis dahin arbeitete er viele Jahre für die Photographische Gesellschaft, bei der er sein Handwerk in Lithographie, photographischer Reproduktion und Drucktechnik von der Pieke erlernte. Er ist kein Atelierkünstler sondern unermüdlich in den Straßen, Hinterhöfen, Elendsvierteln, Rummelplätzen und Randgebieten Berlins unterwegs, nicht einmal vor den verruchtesten Kneipen und Freudenhäusern macht er halt, sogar im Freibad oder am Wannsee ist er an Ort und Stelle, ausgestattet mit einer modernen Handkamera, die ihm mit schnellem Plattenwechsel ermöglicht spontane, an Authentizität kaum zu übertreffende Szenen im Bild festzuhalten.
Anders als in diversen Nachdrucken des Fackelträger Verlages, wo Zilles Graphiken, Skizzen und Lithographien in schwarz-weiß zu sehen sind, leuchten diese hier überwiegend in bunten Aquarell-, Tinten- oder Kreidefarben, was den Motiven eine erstaunliche Lebendigkeit verleiht, die wohl am schönsten im Bild "Strandbad Wannsee" zum Ausdruck kommt, auf dem sich Menschen jeglichen Alters in farbenfroher, geringelter Badekleidung unbeschwert im Wasser tummeln, die Backen von der sommerlichen Hitze gerötet. Dagegen war für mich das erschreckendste Bild "Ins Wasser". Hier ist eine verhärmte Frau zu sehen, ihr Schwangerschaftsbauch wölbt sich nach außen, auf dem Arm hält sie ein kleines Mädchen von vielleicht 2 Jahren. Es ist kurz nach Sonnenuntergang, vor dem rötlich gestreiften Abendhimmel verschwimmen in der Ferne die rauchenden Schornsteine zu einem einheitlichen, dunstigen Blaugrau. Genauso blaugrau, aber düster fließt links im Bild ein Fluss, auf dessen steil abfallende, grasbewachsene Böschung die Frau zielstrebig zusteuert. Verängstigt fragt die Kleine im rosafarbenen, ärmellosen Sommerkleidchen "Mutter, is's och nich kalt?" - "Sei ruhig, die Fische leben immer drin..." antwortet ihr die Mutter.
Fazit: Das Buch vereint alle künstlerischen Techniken Zilles, die in ihrer Gesamtheit dem Betrachter erstmals gestatten seine Arbeiten auf einen Blick miteinander zu vergleichen, aber auch ehrfürchtig erstarren lassen vor soviel Scharfblick, künstlerischem Talent und handwerklichem Können.
Adelung-1793: Flügge · Zille, die · Berlīner, der
Brockhaus-1911: Flügge · Berliner Ofen · Berliner Kongreß · Berliner Weiß · Berliner Rot · Berliner Braun · Berliner Blau · Berliner Eisen · Berliner Konferenz · Berliner Handelsgesellschaft
Meyers-1905: Flügge · Zille · Berliner Ofen · Berliner Monatschrift · Berliner Vertrag · Spandau-Berliner Schiffahrtskanal · Berliner Zimmer · Berliner Missionsgesellschaft · Berliner Eisen · Berliner Börsenkourier · Berliner · Berliner Elektrizitätswerke · Berliner Kongreß · Berliner Generalakte · Berliner Friede
Pagel-1901: Flügge, Carl F. W. G.
Pierer-1857: Flügge · Zille [2] · Zille [1] · Berliner Weiß · Berliner Salz · Berliner Eisen · Berliner Witterung · Berliner Öfen · Berliner Blau · Berliner Äpfel · Berliner Scheffel · Berliner Roth · Berliner Porzellan
Roell-1912: Berliner Stadtbahn · Berliner Ringbahn · Berliner Hoch- und Untergrundbahn